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Ein Vater hilft seiner Tochter bei den Hausaufgaben

Ihr Kind ist anders – und Sie kämpfen darum, dass es dazugehören darf?

Inhalt:

Vielleicht braucht Ihr Kind mehr Unterstützung als andere, sieht anders aus, spricht noch eine weitere Sprache oder lebt und liebt anders, als manche es erwarten – und immer wieder spüren Sie, dass das Dazugehören nicht selbstverständlich ist. Wenn Sie das kennen, sind Sie damit nicht allein.

Dass alle Kinder dazugehören dürfen – unabhängig von Behinderung, Herkunft, Religion oder dem, was sie besonders macht –, dafür stehen zwei Begriffe: Vielfalt (auch Diversity genannt) bedeutet, dass Unterschiede normal sind. Inklusion bedeutet, dass niemand wegen dieser Unterschiede außen vor bleibt. Beides beginnt nicht erst in Schule oder Beruf, sondern in der Familie.

Triggerwarnung: Diese Seite spricht offen über Ausgrenzung, Diskriminierung und das Gefühl, nicht dazuzugehören. Sie entscheiden selbst, wie tief Sie einsteigen möchten. Wenn Sie oder Ihr Kind gerade in einer schwierigen Situation sind und akute Hilfe benötigen, finden Sie unter „Wenn Sie Unterstützung brauchen“ fachliche Anlaufstellen und wichtige Kontaktpunkte für weiterführende Unterstützung.

Kennen Sie das?

Ausgrenzung passiert häufig nicht laut, sondern nebenbei – in einer Bemerkung, einem Blick, einer Einladung, die ausbleibt. Gerade weil solche Momente so klein wirken, sind sie schwer anzusprechen und tun trotzdem weh.  

Vielleicht kennen Sie eine dieser Situationen: 

  • Ihr Kind kommt aus der Schule und sagt: „Die anderen wollen nicht mit mir spielen.“
  • Beim Kindergeburtstag oder auf dem Spielplatz bleibt Ihr Kind außen vor – Sie sehen es und können wenig tun. 
  • Sie müssen immer wieder erklären, nachfragen oder nachhaken, damit Ihr Kind dieselbe Chance bekommt wie die anderen. 
  • Ihr Kind fragt Sie: „Warum bin ich anders?“ – und Sie ringen nach der richtigen Antwort. 

Kommt Ihnen eine dieser Situationen bekannt vor? Dann ist weder mit Ihrem Kind noch mit Ihnen etwas verkehrt. Das Problem liegt nicht im Anderssein, sondern darin, wie eine Umgebung damit umgeht – und genau daran lässt sich etwas ändern. 

Echte Geschichten, echte Familien

In den folgenden zwei kurzen Filmen aus unserer Gedankenkreisel-Dokumentation erzählen Familien offen, wie sich Vielfalt und Dazugehören für sie anfühlen – mit allem, was schön ist – und allem, was schwerfällt.

Inklusion: dazugehören – auch nach dem Klingeln

In diesem Film begleiten wir eine Familie, deren Sohn mit einer Behinderung lebt, und ihre Sorge um echte Teilhabe – nicht nur im Unterricht, sondern auch danach. Die Eltern erzählen offen von Berührungsängsten des Umfelds, vom „anders gesehen werden“ und von der Frage, ob ihr Kind auch in der Freizeit Anschluss und Freunde findet. Wer zuschaut, versteht schnell, worum es bei Inklusion wirklich geht: nicht nur um einen Platz im Klassenraum, sondern um das Gefühl, gesehen, gemocht und mitgenommen zu werden. 

 

Migrationshintergrund: zu beidem dazugehören

Hier erzählen Familien, wie sie mehrere Kulturen leben – Sprachen, Essen, Glauben und Werte, die über Generationen weitergegeben werden – und wie stolz ihre Kinder auf ihre Herkunft sind. Zugleich sprechen sie ehrlich über Vorurteile und Beleidigungen, die die Kinder erleben, und über die Ohnmacht, das als Eltern mit ansehen zu müssen. Der Film macht spürbar, wie viel Kraft in einer doppelten Zugehörigkeit steckt – und warum ein offenes Klima für diese Familien so wichtig ist. 
 

Hinweis: Diese Filme zeigen echte Erfahrungen mit Ausgrenzung. Wenn es Ihrem Kind oder Ihnen gerade nicht gut geht, finden Sie im Bereich „Wenn Sie Unterstützung brauchen“ Anlaufstellen für Ihr Anliegen.

Vielfalt und Inklusion verstehen

Vielfalt – oft auch Diversity genannt – heißt schlicht: Menschen sind unterschiedlich. Sie unterscheiden sich in Herkunft, Sprache, Religion, Alter, Geschlecht, sexueller Identität oder darin, ob sie mit einer Behinderung leben. Vielfalt beschreibt also den Zustand: Unterschiede sind normal und gehören zu jeder Gesellschaft dazu. 

Inklusion ist die Antwort darauf, was daraus folgen soll: Alle sollen von Anfang an dabei sein dürfen – ohne sich vorher anpassen zu müssen. Genau hier liegt der Unterschied zur Integration, der im Alltag oft verschwimmt. Stellen Sie sich eine Tür vor: Integration bedeutet, dass Ihr Kind durch eine schmale Tür passen muss, wie sie nun einmal gebaut ist. Inklusion bedeutet, die Tür breiter zu bauen, damit alle hindurchpassen. Nicht das Kind muss sich verändern, sondern die Umgebung. In Deutschland ist dieses Recht auf gemeinsames Lernen seit der UN-Behindertenrechtskonvention verbindlich verankert (Vereinte Nationen 2006, Art. 24). 

Nur die wenigsten Kinder kommen nach Hause und sagen: „Ich werde ausgegrenzt.“ Häufiger zeigen sie es auf Umwegen – und die sind leicht zu übersehen. Achten Sie auf Rückzug und Wortkargheit, auf Ausreden vor Schule oder Verein, auf wiederkehrende Bauchschmerzen oder schlechten Schlaf. Ein deutliches Signal ist auch, wenn ein Kind beginnt, sich für sich selbst zu schämen: für die eigenen Haare, den eigenen Namen, die Sprache der Familie oder eine Behinderung, die es vorher selbstverständlich getragen hat. Auffällig ist außerdem, wenn Ihr Kind nie eingeladen wird, obwohl es im Unterricht scheinbar gut eingebunden ist. 

Bleiben Sie bei solchen Anzeichen ruhig, aber hartnäckig – und fragen Sie eher nach Situationen als nach Gefühlen: „Mit wem hast du heute in der Pause gespielt?“ bringt oft mehr ans Licht als „Wie war's?“. Wichtig ist die Botschaft, dass Ihr Kind Ihnen alles erzählen darf, ohne dass Sie erschrecken. Denn Ausgrenzung wirkt nach: Menschen mit Diskriminierungserfahrung berichten deutlich häufiger von einer schlechteren Gesundheit und geringerer Lebenszufriedenheit (Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2026). Je früher Sie hinschauen, desto besser können Sie Ihr Kind schützen. 

Ausgrenzung hat verschiedene Wurzeln, die zusammenwirken. Eine liegt z.B. in den Köpfen: Vorurteile entstehen früh, oft unbemerkt, aus dem, was Kinder in Familie, Umfeld und Medien aufschnappen – kaum jemand entscheidet sich bewusst dafür. Wie weit verbreitet ihre Wirkung ist, zeigt die bislang größte Repräsentativbefragung dazu: Rund neun Millionen Menschen in Deutschland erleben Diskriminierung, besonders häufig Menschen mit Migrationsgeschichte, Menschen mit Behinderungen oder chronischer Erkrankung sowie queere Personen (Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2026). 

Gegenüber großen Strukturen fühlen sich viele Eltern machtlos. Doch der Einfluss auf das eigene Kind ist größer als gedacht – und er beginnt zu Hause. Kinder übernehmen die Haltung, die sie erleben: Wie über andere gesprochen wird, wer selbstverständlich dazugehört, wie mit Unterschieden umgegangen wird. Vorurteile werden nicht angeboren, sondern gelernt – und lassen sich deshalb auch anders lernen. 

Genauso wirksam ist, Ihr Kind in dem zu bestärken, was es ausmacht: seine Sprache, seine Herkunft, sein Aussehen, sein Tempo. Ein Kind, das stolz auf sich sein darf, hat Ausgrenzung mehr entgegenzusetzen. Machen Sie ihm klar: Das Problem liegt bei dem, der ausgrenzt, nicht bei Ihrem Kind. Und suchen Sie früh das Gespräch mit Schule oder Verein, statt abzuwarten – denn Diskriminierung wird selten gemeldet: Die Mehrheit der Betroffenen (56 Prozent) unternimmt keine aktiven Schritte dagegen, oft weil sie ihre Rechte und die Hilfsangebote gar nicht kennt (Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2026). Wo Sie sich beraten lassen können, finden Sie im Bereich „Wenn Sie Unterstützung brauchen“. 

Für Eltern kommt zu allem noch eine unsichtbare Last hinzu. Wer für die Teilhabe seines Kindes eintritt, koordiniert Anträge, Termine, Gutachten und Gespräche – und bleibt dabei ständig wachsam, ob das eigene Kind fair behandelt wird. Diese Denkarbeit ist der Mental Load – und er fällt hier besonders hoch aus, weil er nie ganz endet.  

Die folgende Tabelle trennt die Begriffe, die im Alltag am häufigsten durcheinandergeraten: 

Begriff Was es bedeutet  Ein Beispiel aus dem Alltag 
Vielfalt (Diversity)  Menschen sind unterschiedlich – das ist normal.  In der Klasse Ihres Kindes werden fünf Sprachen gesprochen. 
Inklusion Alle dürfen von Anfang an dabei sein - die Umgebung passt sich an.  Der Ausflug wird so geplant, dass Ihr Kind mitkommen kann. 
Integration Der Einzelne muss sich an ein bestehendes System anpassen.  Ihr Kind darf mit – wenn es allein zurechtkommt. 
Diskriminierung Benachteiligung wegen eines Merkmals wie Herkunft oder Behinderung.  Ihr Kind wird wegen seines Namens nicht eingeladen. 
Mental Load bei Diversity- und Inklusionsthemen  Die unsichtbare Denkarbeit der Eltern rund um Teilhabe und Schutz.  Anträge, Termine und die ständige Frage: Wird mein Kind fair behandelt? 


 

Highlights vom Sorgenfresser Familientag

Experten hören, Antworten finden.

Zwei Experten-Videos, die Wissen vermitteln, ohne zu überfordern: Fachvorträge mit Tiefe, Mehrwert und Denkanstößen.

Marcel Friederich: „Schräg. Stark. Außergewöhnlich.“

Beim R+V-Sorgenfresser-Familientag 2026 erzählt Marcel Friederich, warum er ein Selfie mit einer Basketball-Legende nach nur einer Stunde wieder löschte – und was diese Entscheidung über sein Verhältnis zu sich selbst verriet. Er lebt mit dem Möbius-Syndrom, kann nur halbseitig lachen und hat Jahrzehnte gebraucht, bis aus Scham Stolz wurde. Ein sehr persönlicher, überraschend humorvoller Vortrag darüber, wie ein einziger Social-Media-Post sein Leben veränderte – und was Eltern tun können, damit ihre Kinder ihr Anderssein früher als Stärke begreifen. 

Marcel Friederich ist Autor, Journalist, Speaker und Initiator des crossmedialen MUTMACHER-Projekts. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen Diversität, Inklusion, Chancengerechtigkeit und mentale Gesundheit. Mit seiner eigenen Lebensgeschichte als Ausgangspunkt setzt er sich dafür ein, Vorurteile abzubauen, Teilhabe zu fördern und Menschen zu ermutigen, ihre Individualität als Stärke zu begreifen – in Familien, Bildungseinrichtungen und der Gesellschaft.  

Mehr: marcelfriederich.de

Über Marcel Friederich schließen

Fünf Gedanken zum Mitnehmen

  1. Die verletzendsten Kommentare kamen aus dem eigenen Kopf.

    Das Selfie löschte er nicht wegen böser Sprüche anderer, sondern weil er sich vor sich selbst schämte, sich so zu sehen. Anderssein wird oft erst dann zur Last, wenn man die Blicke der anderen verinnerlicht hat.

  2. Aus Scham kann Stolz werden – auch wenn es dauert.

    Bis Mitte dreißig war er überzeugt, mit seiner Behinderung „weniger wert" zu sein und alles doppelt leisten zu müssen. Heute sagt er: Genau das gehört zu ihm, und er darf stolz darauf sein. 

  3. Jedes Kind braucht seinen „Mutmacher“.

    Für ihn war es der Fußball, später der Journalismus – eine Leidenschaft, für die es sich lohnte, morgens aufzustehen. Suchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, was ihm diese Kraft gibt: Ein Hobby, ein Ziel, ein Traum trägt ein Kind gestärkt durch schwierige Schultage.

  4. Auch das Umfeld lernt Ausgrenzung – und kann sie verlernen.

    Er berichtet offen, dass er in der Schulzeit beide Rollen kannte: als Ziel blöder Sprüche und, um selbst nicht getroffen zu werden, als Mitläufer beim Mobben anderer. Deshalb wirbt er heute für Perspektivwechsel-Workshops an Schulen – Kinder brauchen Kontakt und Verständnis, nicht nur gute Vorsätze.

  5. Eltern prägen mehr, als sie ahnen – und manchmal reicht wenig.

    Die Liebe und Unterstützung seiner Eltern in den ersten Jahren nennt er als sein Fundament. Sein Appell: Man kann für andere ein Mutmacher sein – manchmal genügt dafür schon ein ehrliches, ermutigendes Lächeln.

Bärbel Schäfer im Familien-Panel:

„Wenn Teilhabe zur täglichen Arbeit wird“

Im Panel des R+V-Sorgenfresser-Familientags 2026 spricht Bärbel Schäfer mit Familie Braun – mit den Eltern Alex und Doreen und ihren Söhnen Quentin und Linus. Quentin sitzt im Rollstuhl und erzählt, wie es sich anfühlt, wenn Freunde sagen: „Wir können dich nicht mitnehmen.“ Ein bewegendes Gespräch über Anträge, Barrieren und Wut – aber auch über den Moment, in dem die Familie erkannte, dass nicht sie das Problem ist, sondern die Denkweise der anderen. 

Bärbel Schäfer ist Journalistin, Moderatorin, Bestsellerautorin und zweifache Mutter. Seit vielen Jahren beschäftigt sie sich mit Familie, gesellschaftlichem Zusammenhalt, persönlichen Krisen und psychischer Gesundheit. Mit großer Empathie gibt sie Menschen Raum für ihre Geschichten und sensibilisiert für die Belastungen, die im Verborgenen bleiben – von Mental Load über Care-Arbeit bis zu den Herausforderungen eines inklusiven und diversen Zusammenlebens.  

Mehr: baerbel-schaefer.de

 

Über Bärbel Schäfer schließen

Fünf Gedanken zum Mitnehmen

  1. Das „Extra on top“ ist die eigentliche Last.

    Jede Familie hat ihre Themen – bei Familie Braun kommen Anträge, Auseinandersetzungen mit Krankenkassen und Behördengänge obendrauf. Selbst ein kleiner Schulausflug wird zur Hürde, wenn niemand mitgedacht hat, dass ein Rollstuhlfahrer dabei ist. 

  2. Nicht das Kind ist das Problem, sondern die Denkweise.

    Der Sohn im Rollstuhl erzählt, wie oft er hörte: „Wir können dich nicht mitnehmen, du sitzt ja im Rollstuhl.“ Der entscheidende Schritt war die Erkenntnis, dass nicht er sich ändern muss, sondern die Haltung seiner Umgebung – und dass Wut darüber berechtigt ist.

  3. Inklusion ist keine Frage der Machbarkeit, sondern der Einstellung.

    In einem neuen, sensibilisierten Umfeld funktionierte plötzlich vieles, was vorher unmöglich schien. Sein Fazit: Inklusion ist nicht schwierig – sie gelingt dort, wo Menschen es wirklich wollen. 

  4. Auch Geschwister tragen mit.

    Der gesunde Bruder beschreibt, wie er in der Schule immer wieder erklären, erinnern und einspringen muss, damit sein Bruder dabei sein kann. Diese unsichtbare Mitarbeit wird selten gesehen – und noch seltener anerkannt. 

  5. Diese Belastung ist keine Privatsache.

    Zum Papierkram kommt die Gefühlsarbeit: trösten, kümmern, die Stimmung auffangen, wenn das Kind wieder nicht zu einem Schulausflug mitkann. Der Appell aus dem Panel: Familien sollen das nicht allein schaffen müssen – erst wer sich mitteilt, kann Hilfe erfahren. 

Tool-Karten

Ihr Werkzeugkasten für den Alltag

Direkt nutzen – kein Anmelden, kein Aufwand, sofort anwendbar.

Wichtig vorab: Diese Werkzeuge sind Hilfen für den Alltag – sie sind keine Beratung und ersetzen keine Therapie. Sie sollen unterstützen, entlasten und ein erster kleiner Schritt sein. Wenn die Sorgen größer werden, ist der Weg zu einer Fachperson die richtige Vorgehensweise. 
 

Wenn Sie Unterstützung brauchen

Es gibt Tage, da reichen kleine Werkzeuge nicht aus – und das ist völlig in Ordnung. Sich Unterstützung von außen zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein kluger und starker Schritt. Sie müssen das nicht allein tragen. Wenn Sie merken, dass alles zu viel wird, finden Sie hier sofort Hilfe.

Telefonseelsorge

116 123

Unterstützung in schwierigen Lebenslagen

Nummer gegen Kummer

116 111

für Kinder & Jugendliche, bundesweit kostenlos und anonym erreichbar

Antidiskriminierungsstelle des Bundes

0800 546 546 5

Mo.–Do. 9–15 Uhr

kostenlos und vertraulich
antidiskriminierungsstelle.de  

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Begriffe kurz erklärt

Sonderpädagogischer Förderbedarf

Eine amtliche Feststellung, dass ein Kind in der Schule zusätzliche Unterstützung braucht – etwa beim Lernen, Sprechen, Sehen, Hören oder im Verhalten. Sie beschreibt einen Bedarf, keine Bewertung des Kindes. 

Nachteilsausgleich

Eine schulische Unterstützung, die Kindern mit besonderem Bedarf faire Bedingungen verschafft – zum Beispiel mehr Zeit bei Klassenarbeiten oder andere Hilfsmittel. Ziel ist kein Vorteil, sondern der Ausgleich einer Benachteiligung. 

Barrierefreiheit

Wenn alle Menschen etwas ohne fremde Hilfe nutzen können – Gebäude, Verkehrsmittel, aber auch Texte, Websites oder Ausflüge. Fehlt sie, entstehen Hürden, die nichts mit dem Können eines Menschen zu tun haben.

Teilhabe

Das Recht, überall selbstverständlich dabei zu sein – in Schule, Verein, Freundeskreis und Beruf. Teilhabe endet nicht mit einem Platz im Klassenzimmer, sondern zeigt sich auch nach dem Schulklingeln.

Intersektionalität

Wenn mehrere Merkmale zusammenkommen – zum Beispiel Herkunft und Behinderung – und daraus eine eigene Form von Benachteiligung entsteht. Sie summieren sich nicht einfach, sondern wirken zusammen und ergeben etwas Neues.

Mobbing

Wiederholte, gezielte Angriffe gegen eine Person, gegen die sie sich allein kaum wehren kann – körperlich, verbal oder online. Anders als ein einmaliger Streit hat Mobbing System und braucht immer ein Eingreifen von außen.

Häufige Fragen zu Diversity und Inklusion

Inklusion bedeutet, dass alle Kinder gemeinsam lernen – und die Schule sich an die Kinder anpasst, nicht umgekehrt. Ein Kind muss also nicht erst „schulreif genug" sein, um dabei sein zu dürfen. Vielmehr sorgt die Schule für die nötige Unterstützung. Rechtlich ist das seit der UN-Behindertenrechtskonvention verbindlich (Vereinte Nationen 2006, Art. 24). 

Bei der Integration muss sich das Kind an ein bestehendes System anpassen. Bei der Inklusion passt sich das System an das Kind an. Stellen Sie sich eine Tür vor: Integration heißt, Ihr Kind muss durch eine schmale Tür passen – Inklusion heißt, die Tür wird breiter gebaut. Der Unterschied entscheidet darüber, wer die Anstrengung trägt. 

Nein – Ihr Kind hat grundsätzlich das Recht, eine allgemeine Schule zu besuchen. In der Praxis lernt allerdings weiterhin mehr als die Hälfte der Kinder mit Förderbedarf an einer Förderschule (Bertelsmann Stiftung 2024), und die Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland deutlich. Lassen Sie sich vor der Entscheidung unabhängig beraten und schauen Sie sich beide Schulformen an. 

Fragen Sie nicht nur, ob eine Schule inklusiv arbeitet, sondern wie: Wie viele Kinder mit Förderbedarf lernen dort, welche Unterstützung gibt es, wie werden Ausflüge geplant? Achten Sie im Gespräch darauf, ob Ihr Kind als Bereicherung oder als Problem behandelt wird – dieser Ton verrät oft mehr als jedes Konzept. Hilfreich sind außerdem Erfahrungen anderer Eltern und die Beratung der zuständigen Schulbehörde. 

Ein Nachteilsausgleich schafft faire Bedingungen – etwa mehr Zeit bei Klassenarbeiten, größere Schrift oder andere Hilfsmittel. Er soll keinen Vorteil verschaffen, sondern eine Benachteiligung ausgleichen, und Noten werden dadurch nicht „geschenkt". Beantragt wird er in der Regel formlos bei der Schulleitung, meist mit einem ärztlichen oder schulpsychologischen Nachweis. Die genauen Regeln legt jedes Bundesland selbst fest.

Halten Sie zunächst konkret fest, was wann passiert ist, und suchen Sie dann das Gespräch mit der Schule – mit einem klaren Vorschlag statt nur mit einem Vorwurf. Ändert sich nichts, wenden Sie sich an die Schulaufsicht oder an eine Antidiskriminierungsberatung, die kostenlos ist. Wichtig für Ihr Kind ist die Botschaft: Nicht du bist das Problem, sondern der Umgang damit. 

Die meisten Kinder sagen es nicht direkt – sie zeigen es. Achten Sie auf Rückzug, Ausreden vor Schule oder Verein, Bauchschmerzen, Schlafprobleme und darauf, ob Ihr Kind nie eingeladen wird. Ein deutliches Warnsignal ist, wenn es beginnt, sich für sich selbst zu schämen: für seine Haare, seinen Namen, seine Sprache oder eine Behinderung.

Erklären Sie es ruhig, ehrlich und ohne Drama – Ausweichen verunsichert Kinder mehr als die Wahrheit. Sagen Sie, was ist und verbinden Sie es mit dem, was Ihr Kind ausmacht und kann. Und machen Sie den Rahmen klar: Alle Menschen sind verschieden – das Besondere an Ihrem Kind ist kein Makel, sondern ein Teil von ihm.

Am besten früh, beiläufig und im Alltag – nicht als große Aufklärungsstunde. Kinder übernehmen weniger, was wir sagen, als das, was sie an uns beobachten: wie wir über andere sprechen, wen wir einladen, welche Bücher zu Hause liegen. Beantworten Sie Fragen ehrlich, statt sie verlegen abzubiegen, denn Vorurteile werden gelernt – und lassen sich deshalb auch anders lernen.

Intersektionalität beschreibt, was passiert, wenn mehrere Merkmale zusammenkommen – etwa Herkunft und Behinderung. Diese Benachteiligungen addieren sich nicht einfach, sondern wirken zusammen und ergeben eine eigene Form der Ausgrenzung. Für Familien heißt das: Wer mehrfach betroffen ist, erlebt oft etwas, das mit nur einer Erklärung nicht zu fassen ist.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes berät kostenlos und vertraulich unter 0800 546 546 5. Für Schulfragen sind zusätzlich die Schulaufsicht und die schulpsychologischen Beratungsstellen der Bundesländer zuständig, ebenfalls kostenfrei. Das lohnt sich: Die Mehrheit der Betroffenen (56 Prozent) unternimmt nichts – oft, weil sie ihre Rechte und die Hilfsangebote gar nicht kennt (Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2026).

Sprechen Sie es früh und konkret an, statt zu warten – oft fehlt nicht der gute Wille, sondern schlicht das Mitdenken. Fragen Sie bei der Planung aktiv nach und bieten Sie eine Lösung an, statt nur das Problem zu benennen. Und sagen Sie Ihrem Kind deutlich: Dass es nicht mitkann, liegt nicht an ihm, sondern an einer Planung, die es vergessen hat. 

Am wirksamsten ist, dass Ihr Kind stolz auf sich sein darf – auf seine Sprache, sein Aussehen, sein Tempo, seine Stärken. Helfen Sie ihm, etwas zu finden, worin es aufgeht und üben Sie mit ihm einen kurzen Satz für blöde Sprüche ein. Und wiederholen Sie die entscheidende Botschaft: Das Problem liegt bei dem, der ausgrenzt – nicht bei dir. 

Nein – und Sie sollten es auch nicht. Der Aufwand für Anträge, Gespräche und ständige Wachsamkeit ist eine reale Belastung, kein persönliches Versagen. Suchen Sie sich Verbündete: andere Eltern in ähnlicher Lage, Selbsthilfegruppen und die kostenlosen Beratungsstellen im Bereich „Wenn Sie Unterstützung brauchen".

Mein Anderssein war lange Zeit mit Scham und Makel verbunden. […] Und heute ist aus Scham Stolz geworden.
Marcel Friederich,
Autor, Journalist, Speaker und Initiator des crossmedialen MUTMACHER-Projekts
Jeder Einzelne von uns führt irgendeinen stillen Kampf […]. Das Leben hat immer mal wieder Kratzer und manchmal richtig tiefe Wunden. Aber die können verheilen. […] Und keiner von uns ist allein.
Bärbel Schäfer,
Journalistin, Moderatorin und Bestsellerautorin

Erstellt am: 12. Juli 2026
Zuletzt aktualisiert am: 12. Juli 2026

Quellenverzeichnis

Alle Zahlenangaben auf dieser Seite stammen aus repräsentativen deutschen Studien und anerkannten Fachinstitutionen. Im Fließtext sind sie jeweils kurz in Klammern ausgewiesen. Hier finden Sie die vollständigen Quellenangaben und weiterführenden Informationen.

Fachquellen

  • Bertelsmann Stiftung (2024): Status quo: Inklusion an Deutschlands Schulen. Factsheet. Gütersloh: Bertelsmann Stiftung. Datenstand: Schuljahr 2022/23; eigene Berechnungen auf Grundlage der KMK-Statistik „Sonderpädagogische Förderung in Schulen". Online: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/schulische-bildung/projektnachrichten/auf-dem-weg-zum-inklusiven-schulsystem-aktuelle-zahlen-zur-inklusion-an-schulen (abgerufen am 12.07.2026).  
    • Belegt: 581.265 Kinder und Jugendliche mit festgestelltem sonderpädagogischem Förderbedarf (2022/23); Besuch einer Förderschule durch 55,6 % dieser Schüler:innen (44,4 % inklusiv beschult); Exklusionsquote 4,2 %; Förderquote 7,6 %; nur geringe Veränderung seit 2008/09.  
  • Antidiskriminierungsstelle des Bundes (2026): Wie Deutschland Diskriminierung erlebt. Sonderauswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP). Berlin. Datenbasis: SOEP v40; n = 5.404 Befragte mit Diskriminierungserfahrungen. Online: https://www.antidiskriminierungsstelle.de (abgerufen am 12.07.2026).
    • Belegt: rund neun Millionen Menschen in Deutschland erleben Diskriminierung; überdurchschnittliche Betroffenheit von Menschen mit Migrationsgeschichte, mit Behinderung oder chronischer Erkrankung sowie queeren Personen; Folgen für Gesundheit und Lebenszufriedenheit; 56 % der Betroffenen unternehmen keine aktiven Schritte. 
  • Vereinte Nationen (2006): Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (UN-Behindertenrechtskonvention, UN-BRK), insbesondere Artikel 24 (Bildung). In Deutschland in Kraft getreten am 26. März 2009.

    • Belegt: Recht auf diskriminierungsfreie, gemeinsame Bildung.  

Doku-Videos

(„Gedankenkreisel“ R+V-Mental-Load-Dokumentation)

  • Inklusion: dazugehören – auch nach dem Klingeln 
  • Migrationshintergrund: zu beidem dazugehören

Vorträge

(R+V-Sorgenfresser-Familientag, Schlachthof Wiesbaden)

  • Friederich, Marcel: Vortrag „Schräg. Stark. Außergewöhnlich."  
  • Schäfer, Bärbel: Familien-Panel mit Familie Braun. 

Beratungsangebote

(Kontaktdaten geprüft am 12.07.2026)

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