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Mit Umzugs­kosten Steuern sparen

Umzugskosten vom Finanzamt zurückholen – das geht, denn einen Teil des Aufwands für den Umzug können Mieter und Eigentümer steuerlich geltend machen, auch wenn es sich um einen Umzug aus privaten Gründen handelt. Wer aus beruflichen Gründen umzieht, kann außerdem die daraus resultierenden Kosten als Werbungskosten absetzen.

Umzug aus beruflichen Gründen

Um einen Umzug aus beruflichen Gründen handelt es sich, wenn einer der folgenden Faktoren für den Wohnortwechsel ausschlaggebend ist:

  • Ihr Arbeitgeber verlegt seinen Standort.
  • Sie ziehen um, weil Sie den Arbeitgeber gewechselt haben.
  • Ihr Arbeitgeber hat Sie an einen anderen Standort versetzt.
  • Sie verringern durch den Umzug die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte erheblich. Dabei sollte sich die tägliche Fahrzeit um mindestens eine Stunde verringern.
  • Sie beziehen oder räumen eine Dienstwohnung.
  • Sie ziehen an den Arbeitsort, um eine doppelte Haushaltsführung zu beenden.

Sollte einer der genannten Gründe auf Sie zutreffen, können Sie die mit dem Umzug verbundenen Kosten als Werbungskosten steuerlich geltend machen. Zu den Werbungskosten gehören alle Kosten, die entstehen, um Geld zu verdienen. Absetzen können Sie also alle beruflich veranlassten Ausgaben, sofern Ihr Arbeitgeber Sie Ihnen nicht steuerfrei erstattet hat.

Bei einem beruflich bedingten Umzug können Sie diese Aufwendungen als Werbungskosten absetzen

Transportkosten

Zu den Transportkosten zählen Ihre Aufwendungen für ein Umzugsunternehmen in voller Höhe. Weiterhin sind auch die Gebühren für Halteverbotsschilder, die Sie an der Be- oder Entladestelle aufstellen lassen, als Transportkosten absetzbar. Ziehen Sie ohne Spediteur um, können Sie die Kosten für einen Mietwagen inklusive Kilometergeld, Aufwendungen für den Einsatz des eigenen Fahrzeugs in Höhe der Reisekostenpauschale und die Kosten des Verpackungsmaterials absetzen.

Reisekosten

Am Umzugstag können Sie Reisekosten wie bei einer Auswärtstätigkeit geltend machen. Bei der Fahrt mit dem eigenen Fahrzeug können Sie also für jeden Kilometer die Dienstreisepauschale von 30 Cent je Fahrtkilometer ansetzen. Fahren Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln, akzeptiert das Finanzamt die tatsächlich entstandenen Kosten gegen Nachweis.

Verpflegungspauschale

Während des Umzugs können Sie weiterhin Verpflegungspauschalbeträge für sich und die Haushaltsangehörigen mit den Pauschalbeträgen wie bei einer Auswärtstätigkeit als Umzugskosten ansetzen. Können Sie Übernachtungskosten nachweisen, die Ihnen für die Tage vom Einladen bis zum Ausladen des Umzugsgutes entstehen, sind auch diese absetzbar.

Doppelte Mietzahlungen

Wenn Sie aufgrund der Kündigungsfrist Ihrer alten Mietwohnung doppelt Miete zahlen müssen, obwohl Sie bereits in der neuen Wohnung leben, können Sie vom Tag des Auszugs an bis zum Ende des Mietverhältnisses die Mietzahlungen für die alte Wohnung als Werbungskosten absetzen (das gilt übrigens auch für die Nebenkosten). Wenn Sie umgekehrt die neue Wohnung bereits angemietet haben, aber noch nicht darin wohnen, können Sie die Mietzahlungen für die neue Wohnung als Werbungskosten abziehen.

Einrichtung

Müssen Sie aufgrund des Umzugs einen neuen Herd anschaffen, können Sie Aufwendungen bis zu 230,08 Euro als Werbungskosten in Ihre Steuererklärung eintragen. Für die Anschaffung von Heizöfen kann zusätzlich ein Betrag von bis zu 163,61 Euro je Zimmer geltend gemacht werden.

Nachhilfeunterricht

Wird wegen des Schulwechsels Ihrer Kinder Nachhilfeunterricht erforderlich, können Sie die Kosten bis zu einem Höchstbetrag von 1.841 Euro von der Steuer absetzen.

Umzugskostenpauschale

Zusätzlich zu diesen tatsächlichen Kosten gibt es eine Umzugskostenpauschale, für die kein Nachweis in Form von Belegen erforderlich ist. Mehr dazu im folgenden Abschnitt.

Die Umzugs­kosten­pauschale

Wer aus beruflichen Gründen umzieht, der kann seine „sonstigen Umzugskosten“ auch einfach über die sogenannte Umzugskostenpauschale geltend machen. Die Pauschale für sonstige Umzugskosten, kann jeder Steuerzahler einmal pro Umzug in seiner Steuererklärung nutzen – mit ihr werden sonstige Aufwendungen während des Umzugs abgegolten. Unter die Umzugspauschale fallen:

  • Trinkgelder für die Möbelpacker und andere Helfer. Hierunter fallen auch die Kosten, die entstehen, wenn Sie Ihre Freunde als Dank für ihre Mithilfe zum Essen einladen.
  • Wer für den fachgerechten An- und Abbau von Lampen, Einbauküche und anderen elektrischen Geräten Handwerker beauftragt, kann diese Kosten absetzen.
  • Ebenfalls absetzbar sind Kosten für das fachgerechte Anbringen und Ändern von Vorhängen, Gardinen, Rollos und deren Halterungen.
  • Auch Gebühren für die Ummeldung beim Meldeamt sind absetzbar.
  • Kosten für Schönheitsreparaturen in der alten Wohnung, sofern Sie vertraglich zur Übernahme verpflichtet sind, können Sie ebenfalls in Ihre Steuererklärung eintragen.

Wie hoch ist die Umzugs­kosten­pauschale?

Die Umzugspauschale stieg 2017 für Singles von 746 Euro auf 764 Euro und für Verheiratete/Lebenspartnerschaften von 1.493 Euro auf 1.528 Euro. Das Bundesfinanzministerium erhöht die Umzugspauschale regelmäßig.

Zeit des UmzugsPauschale für Verheiratete und LebenspartnerPauschale für SinglesErhöhungsbetrag für Angehörige
ab 01.02.2017 1.528 Euro 764 Euro 337 Euro
ab 01.03.2016 1.493 Euro 746 Euro 329 Euro
ab 01.03.2015 1.460 Euro 730 Euro 322 Euro
ab 01.03.2014 1.429 Euro 715 Euro 315 Euro
01.08.2013-28.02.2014 1.390 Euro 695 Euro 306 Euro
01.01.2013-31.07.2013 1.374 Euro 687 Euro 303 Euro

Die Pauschale erhöht sich für jedes weitere Kind oder sonstigen Angehörigen. Wer zu den sonstigen Angehörigen im Detail gehört, ist im Bundesumzugskostengesetz geregelt. Dieses Gesetz gilt für Staatsdiener und regelt deren Umzugskostenvergütung. Es gilt aber genauso für Arbeitnehmer aus der freien Wirtschaft, sofern deren Umzug beruflich bedingt ist.

Pauschale oder Einzelposten?

Es kann sich lohnen, die anrechenbaren Umzugskosten genau auszurechnen und mit der Umzugspauschale zu vergleichen: Was ist höher, die angefallenen Einzelkosten oder der Pauschalbetrag? Doch Vorsicht: Es kann sein, dass das Finanzamt nicht alle Einzelbelege anerkennt. Manchmal ist der Pauschalbetrag die bessere Lösung.

Manchmal ist der Pauschalbetrag die bessere Lösung.

Umzug aus privaten Gründen

Auch wenn Sie aus rein privaten Gründen umziehen, können Sie die Kosten dafür zum Teil steuerlich geltend machen. Im Rahmen der sogenannten haushaltsnahen Dienstleistungen können Sie pro Jahr 20 Prozent der Ausgaben, maximal jedoch 4.000 Euro absetzen.

Haushaltsnahe Dienstleistungen

Die Arbeitskosten für haushaltsnahe Dienstleistungen tragen Sie in der Steuererklärung ein. Listen Sie die einzelnen Posten auf einem Extrablatt auf und fügen Sie Rechnungen und Kontoauszüge für die Überweisungen als Belege bei.

Umzugskosten als außergewöhnliche Belastung

Ziehen Sie aus gesundheitlichen Gründen um, zum Beispiel nach einem Unfall oder wegen einer Behinderung, erkennt das Finanzamt die Kosten als außergewöhnliche Belastungen an, soweit sie einen zumutbaren Eigenanteil übersteigen. In diesem Fall benötigen Sie als Nachweis für das Finanzamt ein ärztliches Attest.

Umzugskosten im Rahmen der Ausbildung

Wer für das Erststudium oder die erste Berufsausbildung den Wohnort wechselt, gibt die Umzugskosten bei der Steuererklärung als Sonderausgaben an. Der Höchstbetrag für den Sonderausgabenabzug liegt bei 6.000 Euro.

Wer wegen einer zweiten Berufsausbildung, zum Beispiel wegen eines Masterstudiengangs, umzieht, kann die Umzugskosten als vorweggenommene Werbungskosten geltend machen. Es muss jedoch ein klarer Zusammenhang zur späteren beruflichen Tätigkeit bestehen.

Autor/in

K. Waldheim

Apr. 2017

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