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Ein Vater hilft seiner Tochter bei den Hausaufgaben

Morgens Bauchweh, abends Hausaufgabenstreit – diese Sorgen den ganzen Tag?

Inhalt:

Ihr Kind klagt vor der Schule über Bauchweh, bei den Hausaufgaben liegen bald die Nerven blank, und noch beim Einschlafen fragen Sie sich, ob in der Schule wirklich alles in Ordnung ist. Wenn Sie das kennen, sind Sie damit nicht allein. Fast die Hälfte der Eltern in Deutschland nimmt wahr, dass ihre Kinder sich im Alltag belastet fühlen (*Umfrage 04/2026 der INNOFACT AG im Auftrag der R+V Allgemeine Versicherung AG unter 1.000 Familien mit Kindern unter 18 Jahren in Deutschland). 

Dieses Erleben hat einen Namen: Schulstress – die Belastung, die entsteht, wenn die Anforderungen der Schule und die Kräfte Ihres Kindes aus dem Gleichgewicht geraten. Er bleibt selten beim Kind allein, sondern zieht sich durch den ganzen Familienalltag – bis zu Ihnen. Den Begriff kennen Sie vielleicht vor allem als Thema der Kinder; tatsächlich betrifft er Eltern und Kind gemeinsam. 

Triggerwarnung: Diese Seite enthält emotionale Inhalte rund um Erschöpfung und Selbstbild. Sie entscheiden selbst, wie tief Sie einsteigen möchten. Wenn Sie oder Ihr Kind gerade in einer schwierigen Situation sind und akute Hilfe benötigen, finden Sie unter „Wenn Sie Unterstützung brauchen“ fachliche Anlaufstellen und wichtige Kontaktpunkte für weiterführende Unterstützung.

Kennen Sie das?

Oft kündigt sich Schulstress nicht mit einem großen Knall an. Er schleicht sich in kleine Alltagsszenen – ein zäher Morgen, ein Kind, das abends verstummt, ein Heft, das ungeöffnet liegen bleibt. Für sich genommen wirkt jede Szene harmlos. Erst zusammen ergeben sie ein Bild.  

Vielleicht erkennen Sie Ihre Familie in einer davon wieder: 

  • Ihr Kind klagt morgens über Bauch- oder Kopfweh, das bis zum Nachmittag wieder verschwindet. 
  • Die Hausaufgaben werden Abend für Abend zur Geduldsprobe – für Ihr Kind und für Sie. 
  • Ihr Kind zieht sich zurück oder sagt Sätze wie „Das schaffe ich sowieso nicht.", noch bevor es angefangen hat. 
  • Der Gedanke an Noten, Lehrer oder den nächsten Test begleitet Sie bis in den Feierabend. 

Kommt Ihnen etwas davon bekannt vor? Dann liegt das weder an einem Erziehungsfehler noch daran, dass Ihr Kind sich „nur anstellt“. Solche Situationen gehören für viele Familien zum Schulalltag – und sie lassen sich verändern. 

Echte Geschichten, echte Familien

In zwei kurzen Filmen aus unserer Gedankenkreisel-Dokumentation erzählen Familien offen, wie sich Erziehung und Schulalltag für sie anfühlen – ehrlich, ungeschönt und vielleicht näher an Ihrem eigenen Alltag, als Sie denken.  

Erziehung: den eigenen Weg finden

In diesem Film sprechen Mütter und Väter darüber, was Erziehung heute so schwer macht: der Vergleich mit der eigenen Kindheit, die Erwartungen von außen und die Sorge, ob das eigene Kind seinen Platz finden wird. Sie erzählen offen von Selbstzweifeln und von der Suche nach einem eigenen Weg, der sich stimmig anfühlt – auch dann, wenn er von dem abweicht, was frühere Generationen für richtig hielten. Wer zuschaut, erkennt: Solche Zweifel gehören zur Elternschaft dazu und sagen nichts über die eigene Eignung aus – im Gegenteil, sie zeigen, wie ernst man seine Rolle nimmt.  

 

Eine Mutter erzählt über Alleinerziehung.

Allein: alles auf einer Schulter

Hier erzählen alleinerziehende Mütter, wie es ist, Beruf, Haushalt und jede Entscheidung allein zu tragen – und trotzdem das Gefühl zu haben, niemandem ganz gerecht zu werden. Es geht um den Vergleich mit klassischen Familienbildern, um Momente der Einsamkeit, aber ebenso um die eigene Stärke und den Wunsch, nicht nur Mutter, sondern ein ganzer Mensch zu sein. Für alleinerziehende Eltern kann dieser Film eine Bestätigung sein, dass ihre Belastung real und kein persönliches Defizit ist – und dass es Kraft bedeutet, nicht Schwäche, sich Unterstützung zu holen.  

Triggerwarnung: Diese Filme zeigen echte Belastung. Wenn es Ihrem Kind oder Ihnen gerade nicht gut geht, gehen Sie bitte zuerst zum Bereich „Wenn Sie Unterstützung brauchen".

Schulstress verstehen

Vater und Tochter bei den Hausaufgaben.

Schulstress entsteht, wenn das, was die Schule verlangt und das, was Ihr Kind gerade leisten kann, nicht mehr zusammenpassen. Stellen Sie sich eine Waage vor: Solange Anforderungen und Kräfte im Gleichgewicht sind, ist ein gewisses Maß an Anspannung sogar nützlich – vor einer Arbeit etwas aufgeregt zu sein, gehört dazu. Aus dem Takt gerät es erst, wenn die Last dauerhaft schwerer wiegt als die Kraft, sie zu tragen. 

Warum Kinder das besonders spüren, hat mehrere Gründe. Die Schule ist ihr Alltag, dem sie sich nicht entziehen können. Zugleich lernen sie erst nach und nach, mit Druck umzugehen und in Worte zu fassen, was in ihnen vorgeht. Dass diese Last real ist, zeigen die Zahlen: Fast die Hälfte der Eltern nimmt wahr, dass ihre Kinder sich belastet fühlen (R+V-Studie, INNOFACT 2026). Und bei rund einem Viertel der 8- bis 17-Jährigen gibt es Hinweise auf eine erhöhte psychische Belastung – ein leichter Anstieg gegenüber dem Vorjahr (Robert Bosch Stiftung 2026). Das Ermutigende daran: Eine Waage lässt sich auf beiden Seiten beeinflussen – man kann die Last verringern und die Kräfte stärken.

Kinder sagen selten „ich bin gestresst". Sie zeigen es – auf drei Ebenen:  

  1. Auf der körperlichen Ebene als Bauch- oder Kopfschmerzen, Schlafprobleme oder Appetitlosigkeit, oft genau vor der Schule. 
  2. In der Stimmung als Gereiztheit, Rückzug, Weinen oder Sätze wie „das schaffe ich sowieso nicht". 
  3. Und im Verhalten als plötzlicher Leistungsknick, endloses Trödeln bei den Hausaufgaben oder der Wunsch, gar nicht erst zur Schule zu gehen.  

Dass das morgendliche Bauchweh dabei echt ist und keine Ausrede, hat einen einfachen Grund: Anspannung löst im Körper eine reale Stressreaktion aus. Rund um Prüfungen berichten Eltern genau davon – von Aufgeregtheit und Unruhe, von Bauchschmerzen, Schlaflosigkeit und Mutlosigkeit vor Klassenarbeiten (Robert Bosch Stiftung 2026). 

Nicht jede schwierige Phase ist ein Grund zur Sorge. Aufregung vor einer Prüfung oder ein Tief nach einem Streit gehören dazu und gehen vorüber. Aufmerksam werden sollten Sie, wenn solche Anzeichen über Wochen anhalten, stärker werden oder den Alltag bestimmen – wenn Ihr Kind sich zurückzieht, den Schulbesuch verweigert oder die Freude an Dingen verliert, die ihm sonst wichtig waren. Das Schulbarometer hilft beim Einordnen: 15 % der Kinder und Jugendlichen gelten als psychisch auffällig, weitere 10 % liegen im Grenzbereich – der Übergang ist also fließend (Robert Bosch Stiftung 2026). Wenn Sie unsicher sind, ist genau das ein guter Moment, sich Unterstützung zu holen. Warten Sie damit nicht zu lange: Auf einen Therapieplatz warten Familien häufig länger als ein halbes Jahr. Erste, schnell erreichbare Anlaufstellen finden Sie im Bereich „Wenn Sie Unterstützung brauchen". 

Hakt es in der Schule, fällt der erste kritische Blick oft nach innen – aufs eigene Erziehen oder aufs Kind. Das erklärt jedoch nur einen kleinen Teil. Ein Anteil des Drucks entsteht tatsächlich im Kind, etwa durch Prüfungsangst oder den eigenen Anspruch, alles richtig zu machen. Der größere Anteil wirkt von außen. Die Zahlen sprechen für sich: 61 % der Schülerinnen und Schüler sagen, an ihrer Schule werde viel verlangt und 47 % müssen auch am Wochenende lernen, um mitzuhalten. 30 % der 11- bis 17-Jährigen erleben mindestens einmal im Monat Mobbing durch Mitschülerinnen und Mitschüler – am häufigsten mit etwa 14 Jahren (Robert Bosch Stiftung 2026). Nicht alle Kinder trifft das gleich stark: Kinder aus Familien mit sehr niedrigem Einkommen (31 %) und Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf (36 %) zeigen deutlich häufiger psychische Auffälligkeiten. 

Eebenso aufschlussreich ist, was am stärksten hilft. Der wichtigste Einzelfaktor für das Wohlbefinden in der Schule ist, ob Kinder sich von ihren Lehrkräften unterstützt und wertgeschätzt fühlen – er erklärt mehr als 40 % der Unterschiede zwischen den Kindern (Robert Bosch Stiftung 2026). Das ist eine gute Nachricht, denn es zeigt: Es geht nicht nur um Stoff und Noten, sondern um Beziehung. Genau deshalb lohnt sich das Gespräch mit der Schule. 

Dazu kommt ein Zusammenhang, der leicht übersehen wird: Sind Eltern selbst angespannt, überträgt sich das auf die Kinder – und umgekehrt. Fast 78 % der befragten Frauen tragen die Hauptverantwortung für die Familienorganisation (R+V-Studie, INNOFACT 2026), Schulthemen inbegriffen. Diese Last spüren Kinder mit. Schulstress ist damit selten das Verschulden einer einzelnen Person, sondern das Zusammenspiel vieler Ebenen – vom Kind über die Schule bis zu Familie und Gesellschaft. Das nimmt Schuld von den Schultern und eröffnet zugleich viele Ansatzpunkte. 

Schulstress ist Teil eines größeren Themas. Rund um die Schule tragen Eltern eine unsichtbare Denkarbeit: Fristen, Materialien, Lernstand und Termine im Kopf behalten – das ist der Mental Load. Der Schulstress ist die Belastung, die Kind und Eltern dabei erleben. Beide hängen eng zusammen, meinen aber nicht dasselbe. 

Diese Tablle trennt die Begriffe:
 

 

Begriff Was es bedeutet  Ein Beispiel aus dem Alltag 
Schulstress  Die Belastung, wenn Anforderungen der Schule und Kräfte des Kindes aus dem Gleichgewicht geraten.  Ihr Kind ist nach der Schule erschöpft und leicht reizbar. 
Schulangst  Ausgeprägte Angst vor der Schule oder bestimmten Situationen dort, oft mit Vermeidung.  Ihr Kind weigert sich morgens, überhaupt loszugehen. 
Leistungsdruck  Das Gefühl, ständig gute Noten und Ergebnisse liefern zu müssen.  Vor jeder Arbeit die bange Frage: „Was, wenn ich es nicht schaffe?"
Mental Load bei Schulstress Die unsichtbare Denkarbeit der Eltern rund um die Schule.  Im Kopf behalten: Elternabend, Sportzeug, Fristen, Lernstand.
Erschöpfungsdepression  Die mögliche Folge langer, ungebremster Überforderung: tiefe, anhaltende Erschöpfung.  Ihr Kind wirkt über Wochen antriebslos und freudlos. 

 

Das Zusammenspiel gleicht einem Kreislauf: Druck von außen erzeugt Stress beim Kind, dieser Stress erhöht den Mental Load der Eltern, und die elterliche Anspannung wirkt auf das Kind zurück. Der Vorteil daran: Sie können diesen Kreislauf an jedem Punkt unterbrechen – bei sich selbst ebenso wie bei Ihrem Kind. Wie das konkret gelingt, zeigen die Werkzeuge weiter unten. 

Highlights vom Sorgenfresser Familientag

Experten hören, Antworten finden

Zwei Experten-Videos, die Wissen vermitteln, ohne zu überfordern: Fachvorträge mit Tiefe, Mehrwert und Denkanstößen

Micha Fritz: „Vatersein – warum uns niemand darauf vorbereitet"

Recap Gedankenkreisel Familie und die Rolle der Väter

Beim R+V-Sorgenfresser-Familientag spricht Micha Fritz überraschend offen und mit viel Humor darüber, wie unvorbereitet er in die Vaterrolle gestolpert ist – ohne Vorbilder und mitten in Überforderung, Care-Arbeit und der Frage, was einen guten Vater heute ausmacht. Er erzählt, wie ein simples Experiment das Ungleichgewicht in seiner Familie schlagartig sichtbar machte – und was sich änderte, als er anfing, Verantwortung wirklich zu übernehmen statt nur zu „helfen". Ein ehrlicher Vortrag darüber, warum Väter über ihre Rolle reden sollten – und wie sehr das am Ende den Kindern zugutekommt. 

Micha Fritz ist Mitgründer der internationalen Non-Profit-Organisation Viva con Agua, die sich seit 2006 weltweit für sauberes Trinkwasser, Sanitärversorgung und Hygiene einsetzt. Als Social Entrepreneur, Aktivist und Netzwerker begeistert er Menschen für gesellschaftliches Engagement und zeigt, wie Kreativität, Kultur und Gemeinschaft Veränderung bewirken – sein Leitsatz: „Wasser für alle – alle für Wasser." Als Vater zweier Kinder bringt er zugleich eine sehr persönliche Perspektive auf Verantwortung, faire Aufgabenteilung und Familienleben ein.

Mehr: michafritz.com

Über Micha Fritz schließen

Fünf Gedanken zum Mitnehmen

  1. Auf die Vaterrolle bereitet uns niemand vor.

    Micha Fritz hatte weder Vorbilder noch Gespräche darüber – nach eigener Aussage „von Tuten und Blasen keine Ahnung". Genau da beginnt für ihn das Problem: Wer nie gelernt hat, was Vatersein bedeutet, fühlt sich fast zwangsläufig überfordert.

  2. Es fehlen sichtbare Vorbilder.

    Öffentlich bekannte Männer erscheinen selten als präsente Väter, sondern meist als erfolgreiche Macher. So fehlt jungen Vätern ein Bild, an dem sie sich orientieren können – es braucht neue Vorbilder und neue Erzählungen, damit sich das ändert.

  3. „Helfen" ist nicht dasselbe wie Verantwortung übernehmen.

    Der Satz „Ich helfe meiner Frau" schiebt die Zuständigkeit stillschweigend zurück auf die Mutter. Für Micha Fritz ist klar: Wer sich für ein Kind entscheidet, ist von Anfang an zu gleichen Teilen zuständig – nicht als Aushilfe, sondern verantwortlich.

  4. Zahlen machen Ungleichgewicht sichtbar.

    Als er mit seiner Frau alle Aufgaben aufschrieb und mit Stunden hinterlegte, standen rund 770 Stunden bei ihr etwa 200 Stunden bei ihm gegenüber. Erst dieses Sichtbarmachen ermöglichte, die Aufgaben neu und entlang der eigenen Stärken zu verteilen – samt der Verantwortung dafür.

  5. Veränderung beginnt beim Reden.

    Erst wenn Väter offen mit anderen über Überforderung und Zweifel sprechen und ihre eigenen Prägungen aufarbeiten, verändert sich etwas. Sonst, so Micha Fritz, geben wir unsere ungelösten Themen ungewollt an unsere Kinder weiter.

Lukas Klaschinski: „Gefühle zulassen – die Grundlage für starke Kinder"

Recap Gedankenkreisel Lukas

Beim R+V-Sorgenfresser-Familientag nimmt Psychologe Lukas Klaschinski das Publikum mit auf eine sehr persönliche Reise – ausgehend von einem Moment, in dem er dachte, sein Leben sei vorbei, in dem ihm klar wurde, was er wirklich bereut hätte. Von dort aus erklärt er verständlich und mit viel Humor, warum wir alle unsere Gefühle brauchen, wie manche davon uns früh abtrainiert werden und was das mit unseren Kindern macht. Ein Vortrag, der Mut macht, wieder näher an die eigenen Gefühle zu rücken – und der zeigt, warum genau das der Schlüssel zu einer guten Beziehung zum eigenen Kind ist. 

Lukas Klaschinski ist Psychologe (M.Sc.), Autor, Podcaster, Moderator und Vater. In seiner Arbeit verbindet er fundierte psychologische Erkenntnisse mit alltagsnahen Impulsen zu mentaler Gesundheit, Beziehungen, Persönlichkeitsentwicklung und emotionaler Resilienz. Als Host erfolgreicher Podcasts wie „So bin ich eben" und „Beste Vaterfreuden" sowie als Autor macht er komplexe Zusammenhänge verständlich, praxisnah und empathisch – und lässt seine Erfahrungen als Vater und im Co-Parenting authentisch einfließen.

Mehr: lukasklaschinski.de

Über Lukas Klaschinski schließen

Fünf Gedanken zum Mitnehmen

  1. Jedes Gefühl ist eine wichtige Information.

    Wut, Angst, Traurigkeit, Scham und Freude sind kein Ballast, sondern sagen uns etwas über uns und die Welt – und verbinden uns mit anderen Menschen. Es lohnt sich, auch die unangenehmen zuzulassen, statt sie wegzuschieben.

  2. Manche Gefühle werden uns abtrainiert – oft entlang alter Rollenbilder

    „Nur die Harten kommen in den Garten", „hab keine Angst": Solche Sätze sorgen dafür, dass besonders Jungen Traurigkeit, Angst und Scham verlernen. Wer sie nicht mehr spürt, lebt wie hinter einer Milchglasscheibe – weniger in Kontakt mit sich und den anderen.

  3. Kinder lernen Gefühle vor allem durch Beobachtung.

    Kinder hören weniger auf das, was Eltern sagen, als darauf, was Eltern tun. Wer die eigenen Gefühle zulässt und zeigt, gibt sie als etwas Normales weiter – ganz ohne Erziehungsprogramm.

  4. Das Wichtigste ist, im Gefühl beim Kind zu bleiben.

    Wenn ein Kind traurig, wütend oder ängstlich ist, hilft nicht das schnelle Wegmachen, sondern das Dabeibleiben. So lernt es: „Ich darf in Beziehung sein, auch wenn ich dieses Gefühl habe" – und Eltern dürfen sich dabei „ausreichend gut" fühlen statt perfekt.

  5. Ein zufriedenes Leben ruht auf drei Säulen – und braucht Gefühle.

    Die Harvard-Studie zeigt: Es zählen die Beziehung zu sich selbst, die Beziehung zu anderen und das Erleben von Sinn. Für alle drei brauchen wir unsere Gefühle als inneren Kompass; kleine Achtsamkeitsmomente helfen, ihn wiederzufinden. 

Tool-Karten

Ihr Werkzeugkasten für den Alltag

Direkt nutzen – kein Anmelden, kein Aufwand, sofort anwendbar.

Schulstress verschwindet nicht auf Knopfdruck – doch schon kleine Veränderungen im Familienalltag können viel bewegen. Die folgenden Werkzeuge kosten wenig Zeit und funktionieren ohne große Vorbereitung. Greifen Sie sich das heraus, was zu Ihrer Familie und Situation passt und probieren Sie es in Ruhe aus.  

Wichtig vorab: Diese Werkzeuge sind Hilfen für den Alltag – sie sind keine Beratung und ersetzen keine Therapie. Sie sollen unterstützen, entlasten und ein erster kleiner Schritt sein. Wenn die Sorgen größer werden, ist der Weg zu einer Fachperson die richtige Vorgehensweise. 

Wenn Sie Unterstützung brauchen

Es gibt Tage, da reichen kleine Werkzeuge nicht aus – und das ist völlig in Ordnung. Sich Unterstützung von außen zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein kluger und starker Schritt. Sie müssen das nicht allein tragen. Wenn Sie merken, dass alles zu viel wird, finden Sie hier sofort Hilfe.

Telefonseelsorge

116 123

Unterstützung in schwierigen Lebenslagen

Nummer gegen Kummer

116 111

für Kinder & Jugendliche, bundesweit kostenlos und anonym erreichbar

Krisenchat

krisenchat.de

Chatberatung für junge Menschen bis 25 Jahre (WhatsApp/SMS)

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Definitionen

Psychosomatische Beschwerden

Körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen, die nicht durch eine Krankheit, sondern durch seelische Belastung entstehen. Sie sind echt und keine Ausrede – der Körper zeigt, was das Kind noch nicht in Worte fassen kann. 

Prüfungsangst

Die übermäßige Angst vor Tests und Klassenarbeiten, die ein Kind trotz guter Vorbereitung im entscheidenden Moment blockieren kann. Etwas Aufregung ist normal – Prüfungsangst geht deutlich darüber hinaus. 

Resilienz

Die innere Widerstandskraft, mit Belastungen und Rückschlägen umzugehen und sich davon zu erholen. Sie ist nicht angeboren, sondern wächst – vor allem durch verlässliche Beziehungen und das Erleben eigener Erfolge. 

Selbstfürsorge

Die Haltung, gut für sich selbst zu sorgen und die eigenen Grenzen ernst zu nehmen. Bei Eltern ist das kein Egoismus, sondern die Grundlage, um auch für das Kind ruhig und präsent da zu sein. 

Häufige Fragen zu Schulstress und Erziehung

Schulstress ist die Belastung, die entsteht, wenn die Anforderungen der Schule und die Kräfte eines Kindes nicht mehr im Gleichgewicht sind. Er betrifft selten nur das Kind, sondern zieht sich meist durch den ganzen Familienalltag – bis zu den Eltern. Zeigen kann er sich auf drei Ebenen: körperlich, seelisch und im Verhalten. 

Ein gewisses Maß an Anspannung ist normal und gehört dazu – etwas Aufregung vor einer Klassenarbeit zum Beispiel spornt sogar an. Zum Problem wird Schulstress erst, wenn er dauerhaft anhält und die Kräfte Ihres Kindes übersteigt. Dass das Thema viele betrifft, zeigen die Zahlen: Rund ein Viertel der Schülerinnen und Schüler fühlt sich psychisch belastet (Deutsches Schulbarometer 2025/26). 

Kinder sagen selten „ich bin gestresst" – sie zeigen es. Achten Sie auf körperliche Zeichen wie Bauch- oder Kopfschmerzen und Schlafprobleme, auf seelische wie Gereiztheit, Rückzug oder Sätze wie „das schaffe ich sowieso nicht", und auf Verhaltensänderungen wie einen plötzlichen Leistungsknick oder den Wunsch, gar nicht erst hinzugehen. Hellhörig werden sollten Sie, wenn sich solche Anzeichen häufen oder über Wochen anhalten. 

Weil Anspannung im Körper eine echte Stressreaktion auslöst – das Bauchweh ist real und keine Ausrede. Typisch ist, dass es vor allem morgens auftritt und im Lauf des Vormittags nachlässt. Nehmen Sie es ernst und fragen behutsam nach; treten die Beschwerden häufig auf, klären Sie sie zur Sicherheit auch beim Kinderarzt ab. 

Suchen Sie zuerst ruhig nach dem Grund, statt mit Druck zu reagieren: Steckt Angst dahinter, Überforderung, ein Konflikt oder Mobbing? Hören Sie zu, nehmen Sie die Sorge ernst und stimmen Sie sich früh mit der Schule und gegebenenfalls dem Kinderarzt ab. Wichtig zu wissen: Längeres Zuhausebleiben verstärkt die Angst meist, statt sie zu lösen. 

Ein einzelner anstrengender Tag nicht – anhaltende, ungebremste Belastung dagegen schon. Aus Dauerstress können Schlafprobleme, Ängste, körperliche Beschwerden oder depressive Verstimmungen entstehen. Je früher Sie gegensteuern, desto leichter fällt es – deshalb ist frühes Hinschauen wichtiger als Abwarten. 

Wenn die Anzeichen über Wochen anhalten, stärker werden oder den Alltag bestimmen – etwa wenn Ihr Kind sich zurückzieht, den Schulbesuch verweigert oder die Freude an Dingen verliert, die ihm wichtig waren. Sich Unterstützung zu holen, ist dann kein Zeichen von Versagen, sondern ein kluger Schritt. Erste Anlaufstellen finden Sie im Bereich „Wenn Sie Unterstützung brauchen"; in einer akuten Krise gibt es rund um die Uhr Hilfe. 

Vater hebt seine Tochter hoch.

Am meisten hilft eine Mischung aus guter Vorbereitung in kleinen Schritten, einfachen Beruhigungstechniken und einer entlastenden Perspektive. Üben Sie ruhiges, langes Ausatmen für den Moment vor der Arbeit – am besten in entspannten Zeiten, damit es im Ernstfall abrufbar ist. Und nehmen Sie den Druck heraus: Eine einzelne Note entscheidet nicht über den Wert Ihres Kindes. 

Hilfreich sind feste, kurze Lernzeiten mit klaren Pausen und Ihre Rolle als Begleiter statt als Kontrolle. Etwas selbst und unvollständig erledigt ist mehr wert als eine perfekte, erzwungene Lösung. Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung und trennen Sie die Hausaufgaben bewusst von Konflikten über andere Themen. 

Ein Vater spielt mit seiner Tochter.

Zeigen Sie Interesse an Ihrem Kind, nicht nur an seinen Noten, und machen Sie kleine Erfolge sichtbar. Erlauben Sie Fehler – sie gehören zum Lernen dazu – und vermitteln Sie: „Ich bin für dich da, ganz gleich, welche Note du nach Hause bringst." Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern präsente. 

Ja, und zwar in beide Richtungen: Sind Eltern angespannt, spüren Kinder das – und der Stress der Kinder wirkt wiederum auf die Eltern zurück. Fast 78 % der befragten Frauen tragen die Hauptverantwortung für die Familienorganisation, Schulthemen inbegriffen (R+V-Studie, INNOFACT 2026). Deshalb ist gute Selbstfürsorge kein Luxus, sondern ein wirksamer Teil der Lösung. 

Gehen Sie ins Gespräch, sobald Ihnen etwas auffällt, und betrachten Sie die Lehrkräfte als Partner, nicht als Gegner. Notieren Sie vorher zwei, drei konkrete Beobachtungen und eine klare Frage, schildern Sie die Lage sachlich und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen. Braucht Ihr Kind besondere Unterstützung, sprechen Sie einen möglichen Nachteilsausgleich an. 

In Deutschland gilt die Schulpflicht; bei akuter Belastung ist ein ärztliches Attest möglich, doch längeres Fernbleiben verstärkt die Angst in der Regel, statt sie zu lindern. Der bessere Weg führt über eine frühe Abstimmung mit der Schule und dem Kinderarzt oder einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin. Dies ist eine allgemeine Orientierung – die konkreten Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland und Situation.

Vater hat seine Tochter auf den Schultern sitzen.

Zitatbereich

Kinder hören meistens gar nicht so darauf, was sagen die Eltern, sondern was tun die Eltern.
Lukas Klaschinski
Psychologe (M.Sc.), Autor und Podcaster
Nur wenn du in deiner Peergroup und mit anderen Vätern darüber sprichst, dann passiert eine Veränderung.
Micha Fritz
Social Entrepreneur, Netzwerker und Mitgründer der internationalen Non-Profit-Organisation Viva con Agua

Erstellt am: 12. Juli 2026
Zuletzt aktualisiert am: 12. Juli 2026

Quellenverzeichnis

Alle Zahlenangaben auf dieser Seite stammen aus zwei repräsentativen deutschen Studien. Im Fließtext werden sie kurz als „(R+V-Studie, INNOFACT 2026)" bzw. „(Deutsches Schulbarometer 2025/26)" ausgewiesen.

Wissenschaftliche Datenquellen

  • INNOFACT AG (2026): Umfrage „Mental Load 2026". Repräsentative Befragung im Auftrag der R+V Allgemeine Versicherung AG unter 1.000 Familien mit Kindern unter 18 Jahren in Deutschland. Feldzeit: März 2026, Online-Befragung. Düsseldorf/Wiesbaden. 
    • Belegt: Anteil der aus Elternsicht belasteten Kinder (Frage 9), Verteilung der Verantwortung im Familienmanagement (Frage 13), Gefühl, „an alles denken zu müssen", sowie das Stresserleben zu Hause. 
  • Robert Bosch Stiftung (2026): Deutsches Schulbarometer – Befragung Schüler:innen 2025/26. In Kooperation mit der Universität Leipzig. Befragt wurden 1.507 Kinder und Jugendliche (8–17 Jahre) sowie je ein Elternteil; Erhebungszeitraum 9. Mai bis 3. Juni 2025. Stuttgart. Online verfügbar unter: https://www.bosch-stiftung.de/de/publikation/deutsches-schulbarometer-befragung-schuelerinnen (abgerufen am 11.07.2026). 
    • Belegt: Anteil psychisch belasteter Schüler:innen (25 %), davon psychisch auffällig (15 %) und im Grenzbereich (10 %); hoher Leistungsdruck; regelmäßige Mobbing-Erfahrung; höhere Belastung bei Kindern aus einkommensschwachen Familien. 

 

Doku-Videos

(„Gedankenkreisel“ R+V-Mental-Load-Dokumentation)

  • Erziehung: den eigenen Weg finden 
  • Alleinerziehend: alles auf einer Schulter 

Vorträge

(R+V-Sorgenfresser-Familientag, Schlachthof Wiesbaden)

  • Fritz, Micha: Vortrag „Vatersein – warum uns niemand darauf vorbereitet".  
  • Klaschinski, Lukas: Vortrag „Gefühle zulassen – die Grundlage für starke Kinder".  

Beratungsangebote

(Kontaktdaten geprüft am 11.07.2026)

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