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Eine Frau räumt mit einem Kind auf dem Arm die Waschmaschine aus

Immer für alle da – und trotzdem das Gefühl, nie genug zu tun?

Inhalt:

Sie denken an alles, organisieren für alle, sind für alle da – und trotzdem bleibt am Abend das Gefühl: Warum bin ich so erschöpft? Wenn Sie das kennen, sind Sie damit nicht allein. Rund 80 % der Eltern in Deutschland erleben mentale Belastung im Familienalltag (*Umfrage 04/2026 der INNOFACT AG im Auftrag der R+V Allgemeine Versicherung AG unter 1.000 Familien mit Kindern unter 18 Jahren in Deutschland).

Dieses Gefühl hat einen Namen: Erwartungsdruck – die belastende Empfindung, ständig genügen zu müssen, den eigenen Ansprüchen, wie denen von außen. Bei Eltern entsteht er dort, wo das Idealbild „guter“ Elternschaft auf den echten Alltag trifft. Diese Seite hilft Ihnen zu verstehen und Schritt für Schritt leichter zu tragen.

Triggerwarnung: Diese Seite enthält emotionale Inhalte rund um Erschöpfung und Selbstbild. Sie entscheiden selbst, wie tief Sie einsteigen möchten. Wenn Sie gerade in einer schwierigen Situation sind und akute Hilfe benötigen, finden Sie unter „Wenn Sie Unterstützung brauchen“ fachliche Anlaufstellen und wichtige Kontaktpunkte für weiterführende Unterstützung.

Kennen Sie das?

Erwartungsdruck zeigt sich selten als großes Drama – meist sind es die leisen Momente, die sich summieren. Vielleicht ist einer davon Ihnen vertraut: 

  • Sie liegen nachts wach und die To-do-Liste im Kopf läuft einfach immer weiter. 
  • Sie nehmen sich einmal Zeit für sich – und sofort meldet sich das schlechte Gewissen. 
  • Sie sind für alle da und fühlen sich trotzdem nirgends wirklich gut. 
  • Sie funktionieren den ganzen Tag und sind am Abend leer, obwohl „nichts Besonderes“ war.  

Das ist kein Zeichen von Schwäche und kein persönliches Versagen. Es ist ein Muster, das viele Eltern kennen.

Echte Geschichten, echte Familien

Manchmal hilft es, andere Familien zu sehen, als lange Erklärungen zu lesen. Diese beiden Porträts aus unserer Gedankenkreisel-Dokumentation zeigen, wie sich der Druck im echten Leben anfühlt – und wie ein Weg heraus aussehen kann.

Persönliche Familienporträts

Perfektion und Organisation

Was passiert, wenn man alles perfekt machen will – und irgendwann nicht mehr kann? Familien sprechen in diesem Video über den Druck, alles im Griff zu haben und über den Weg, sich selbst etwas nachsichtiger zu begegnen. Sie erzählen, wie Perfektionismus und der Wunsch nach Kontrolle den Alltag prägen – und wie befreiend es ist, Aufgaben abzugeben und den Anspruch an die perfekte Familie loszulassen.  

 

 

Selbstfürsorge

„Mich habe ich irgendwo verloren.“ Ein Satz, der nachdenklich macht. Betroffene Eltern erzählen, wie sie wieder zu sich finden. Und warum gut für sich zu sorgen, kein Egoismus ist, sondern die Grundlage, für andere da zu sein. Ganz konkret geht es um Wege zurück zu mehr Selbstfürsorge: Zeit für sich nehmen, Grenzen setzen und „Stopp“ sagen, bevor die Belastung zu groß wird.  

 

Triggerwarnung: Diese Filme zeigen echte emotionale Belastung. Wenn Sie sich gerade in einer Krise befinden, empfehlen wie Ihnen zuerst den Bereich „Wenn Sie Unterstützung brauchen“ weiter unten.

Erwartungsdruck verstehen

Eine Frau hat ein kleines Baby auf dem Arm.

Erwartungsdruck ist das Gefühl, Ansprüchen genügen zu müssen. In einem gesunden Maß kann er sogar helfen: Er spornt an und gibt Struktur. Zum Problem wird er erst, wenn er dauerhaft, unerreichbar hoch und eng an den eigenen Selbstwert geknüpft ist – wenn es also nie ein „gut genug“ gibt. Fachleute nennen das den Unterschied zwischen konstruktivem (motivierenden) und dysfunktionalem (lähmenden) Druck.  

Das Zähe an der zweiten Form: Sie verstärkt sich selbst. Ein sehr hoher Anspruch erzeugt Anspannung. Diese Anspannung kostet Kraft und je weniger davon bleibt, desto stärker wird das Gefühl, nicht zu genügen – woraufhin der Anspruch an sich selbst oft noch weiter steigt. Wie verbreitet dieses Erleben ist, zeigt die R+V Studie 2026*: 80 % der Familien fühlen mentalen Druck im Alltag, fast 78 % haben das Gefühl, ständig an alles denken zu müssen. Hält dieser Zustand lange an, kann er belasten – bis hin zu einer ernsthaften Erschöpfung. Die gute Nachricht: An jeder Stelle lässt sich ansetzen – je früher, desto leichter

Eine Frau legt die Wäsche zusammen.

Viele Eltern suchen Ursachen bei sich selbst: zu unorganisiert, zu wenig belastbar, einfach nicht gut genug. Doch das greift zu kurz. Ein kleiner Teil des Drucks entsteht in uns selbst – durch eigene Ansprüche und Perfektionismus. Der größere Teil kommt von außen: aus gesellschaftlichen Idealbildern davon, wie eine „gute“ Mutter oder ein „guter“ Vater zu sein hat, aus sozialen Medien, in denen andere Familien mühelos wirken, aus über Generationen gelernten Rollenbildern und aus dem täglichen Spagat zwischen Beruf und Familie.  

Wie ungleich diese Last verteilt ist, zeigt die R+V Studie 2026* deutlich: In den fast 78 % der Familien übernehmen die Frauen hauptsächlich die Verantwortung für das Familienmanagement und nur rund 31 % erleben die Aufgaben als gelichmäßig verteilt. Beim Gefühl, an alles denken zu müssen, liegen Mütter mit 89 % klar vor den Vätern mit 67 %. Der Grund liegt nicht in der Persönlichkeit, sondern in eingeübten Mustern. Und genau deshalb lässt sich daran auch etwas ändern: Was erlernt ist, lässt sich verlernen.  

Erwartungsdruck ist damit kein persönliches Versagen, sondern auch eine gesellschaftliche Frage – das zeigt sich auch daran, dass sich Eltern laut Studie vor allem drei Dinge zur Entlastung wünschen: eine bessere Aufgabenverteilung (79 %), ein verständnisvolleres Umfeld (76 %) und mehr staatliche Unterstützung (75 %). 

Erwartungsdruck, Mental Load und Burnout – der Unterschied

Kurz gesagt: Erwartungsdruck ist das „Warum“, Mental Load ist das „Was und Wie“. 

Begriff Was es bedeutet  Ein Beispiel aus dem Alltag 
Erwartungsdruck  Das Gefühl, genügen zu müssen. Die Wurzel.   „Ich muss eine gute Mutter/ ein guter Vater sein.“ 
Mental Load  Die unsichtbare Denkarbeit, an alles zu denken.   Merken, dass Vorräte ausgehen, der Impftermin ansteht, das Geschenk fehlt. 
Mental Overload  Der Punkt, an dem der Kopf nicht mehr abschalten will.  Nachts wach liegen, weil die To-do-Liste im Kopf weiterläuft. 
Eltern-Burnout  Die mögliche Folge dauerhafter Belastung.  Sich innerlich leer und erschöpft fühlen. 

 


Man kann es sich als Kette vorstellen: Erwartungsdruck erzeugt Mental Load, zu viel davon führt zu Mental Overload und bleibt dieser Zustand ohne Entlastung, kann am Ende ein Burnout stehen. An jeder Stelle lässt sich gegensteuern.  

Eine Frau mit kleinem Baby auf dem Schoß-

Manchmal ist der Kopf so voll, dass die Gedanken kreisen wie ein Karussell, dass sich nicht anhalten lässt – besonders abends. Laut R+V Studie 2026* erleben rund zwei Drittel der Eltern häufig Stress zu Hause und ebenso viele haben zu wenig Zeit für sich selbst. Kommt zu dieser Dauerbelastung dann noch ein Auslöser hinzu, springt die „innere Stressampel“ auf Rot: Das Herz klopft, der Körper spannt an, ein klarer Gedanke fällt schwer.  

Das ist keine Schwäche, sondern ein normaler, uralter Schutzmechanismus. Hilfreich ist, diesen Moment überhaupt zu bemerken und sich zu fragen: Wo stehe ich gerade – im grünen oder roten Bereich. Sprich: Wie hoch ist meine Anspannung gerade. Wer das erkennt, kann bewusst gegensteuern, statt sich mitreißen zu lassen. Konkrete Übungen finden Sie im Werkzeugkasten und um Achtsamkeitsworkshop weiter unten auf der Seite.  

Highlights vom Sorgenfresser Familientag

Experten hören, Antworten finden

Zwei Experten-Videos, die Wissen vermitteln, ohne zu überfordern: Ein Fachvortrag mit Tiefe, ein Workshop zum Mitmachen.

Laura Fröhlich: „Mental Load – Wenn der Kopf nie Pause macht“

Erwartungsdruck Recap mit Laura Fröhlich

In diesem Vortrag beim R+V-Sorgenfresser-Familientag erklärt Mental Load-Expertin Laura Fröhlich, warum sich so viele Eltern fühlen, als hätten sie gedanklich nie Feierabend. Sie macht die unsichtbare Denkarbeit hinter dem Familienalltag sichtbar, zeigt, warum sie so oft an den Müttern hängen bleibt – und wie Familien vom bloßen Verteilen der Aufgaben zum gemeinsamen Mitdenken kommen.  

Autorin, Journalistin, Speakerin und Expertin für Mental Load – eine der bekanntesten Stimmen im deutschsprachigen Raum, wenn es um die gerechte Verteilung von Care-Arbeit, Familienorganisation und Gleichberechtigung im Alltag geht. Zuletzt erschien ihr Buch „Ich bin nicht eure Feelgood-Managerin!“. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Kindern.

Ihre Mission: Mental Load sichtbar machen. Im Privaten im Betrieb und in der Politik.

Zu Gast u.a. bei Stern TV, ZDF 37 Grad, SWR2, ELTERN, Brigitte, SAT1 Frühstücksfernsehen, Bild

Lebt mit Mann und drei Kindern bei Stuttgart

Mehr: froehlichimtext.de

Über Laura Fröhlich schließen

Fünf Gedanken zum Mitnehmen aus dem Vortrag

  1. Mitmachen ist nicht Mitdenken.

    Das Kind in die Kita zu bringen, ist das Sichtbarste. An Sonnenhut, Ersatzkleidung, gefüllte Brotbox und die richtige Schuhgröße zu denken, ist die eigentliche Last – und genau die bleibt oft unsichtbar.

  2. Der „Mythos Mama“ verteilt die Last ungleich.

    Weil unsere Gesellschaft die Mutter automatisch für zuständig hält, landen die Informationen bei ihr – Elternbriefe, Anrufe, WhatsApp-Gruppen. So wird ein Elternteil schleichend zur Hauptperson, die an alles denkt (der „Default-Parent-Effekt“).

  3. Ein voller Kopf lässt sich schlecht steuern.

    Wer ständig an alles denken muss, kann Gefühle schwer regulieren – Multitasking wirkt aufs Gehirn „wie ein Kater ohne Party“. Das erklärt die Erschöpfung und Dünnhäutigkeit am Abend.

  4. Es ist kein persönliches Versagen.

    Über 80 % der Familien fühlen sich im Alltag gestresst. Zu wissen, dass es einen Namen dafür gibt und vielen so geht, nimmt das Gefühl „ich mache etwas falsch“ – und ist der erste Schritt zur Entlastung.

  5. Sichtbar machen und dann gemeinsam neu denken.

    Aufschreiben, woran alle denken, es an einer Pinnwand teilen, ein wöchentliches „Küchenmeeting“ halten – und Verantwortung wirklich abgeben, statt nur Aufgaben zu delegieren. Ziel ist nicht perfekte Organisation, sondern mehr gemeinsame Zeit.  

Tina Ochs und Valentina Riehl: „Achtsamkeit & Mental Load meistern“

Erwartungsdruck Recap mit Tina und Valentina

In diesem Familien-Workshop zeigen Tina Ochs und Valentina Riehl aus der R+V-Sozialberatung, wie sich der kreisende Kopf beruhigen lässt, wenn sich der Mental Load gerade nicht verkleinern lässt. Entlang einer Geschichte für Groß und Klein machen sie erlebbar, wie Achtsamkeit hilft, innerlich Abstand zu gewinnen, die eigene Anspannung zu erkennen und wieder zur Ruhe zu kommen.

Tina Ochs ist Diplom-Sozialpädagogin, systemische Supervisorin, Coachin und MBSR-Trainierin (Mindfulness-Based Stress Reduction). Sie arbeitet an der Schnittstelle von Achtsamkeit, Verkörperung und psychosozialer Entwicklung und ist seit vielen Jahren in der Praxis verwurzelt. Den Workshop gestaltet sie gemeinsam mit Valentina Riehl aus der R+V-Sozialberatung, die Menschen in Belastungs- und Veränderungssituationen mit einem ganzheitlichen Ansatz aus Achtsamkeit, Stressregulation und körperorientierter Prozessarbeit begleitet.

Mehr: Tina Eshin Ochs - Freiraum Achtsamkeit

Über Tina Ochs schließen

Fünf Gedanken zum Mitnehmen aus dem Vortrag

  1. Mental Load ist eine stille Last.

    Das laute „Gedanken-Karussell“ im Kopf bemerken meist nur wir selbst – von außen ist es unsichtbar. Besonders nachts, beim Einschlafen, dreht es sich oft am schnellsten. 

  2. Ich bin nicht mein Gedanke

    Sorgen aufzuschreiben oder anzusprechen, löst sie nicht sofort – aber es schafft Abstand. Man erkennt: Das ist ein Gedanke und er muss nicht das Steuer übernehmen. 

  3. Erst muss sich der Glitzer setzen.

    Wie in einer geschüttelten Schneekugel braucht ein aufgewühlter Kopf Ruhe, um wieder klar zu werden. Diese Ruhe kommt nicht von allein – man muss sich die Pause bewusst nehmen, statt zu warten, bis „alles erledigt" ist. Denn fertig wird man nie. 

  4. Die eigene Stressampel im Blick behalten.

    Es hilft, zu spüren, wo man gerade steht – im grünen oder im roten Bereich. Wer bei hoher Anspannung wichtige Gespräche verschiebt und sich erst um sich selbst kümmert, schützt sich und seine Beziehungen.

  5. Kleine Übungen mit großer Wirkung.

    Bewusstes Ausatmen, Summen oder das Gefühl, „wie ein Baum" fest zu stehen, beruhigen nachweislich das Nervensystem (über den Vagusnerv). Solche Momente lassen sich überall einbauen – unter der Dusche, im Auto, beim Zähneputzen. 

Tool-Karten

Dein Werkzeugkasten für den Alltag

Direkt nutzen – kein Anmelden, kein Aufwand, sofort anwendbar.

Erwartungsdruck lässt sich nicht über Nacht abstellen – aber Schritt für Schritt verringern. Die folgenden Werkzeuge brauchen weder viel Zeit noch besondere Voraussetzungen. Suchen Sie sich eines aus, das sich für Sie stimmig anfühlt und fangen Sie klein an. Ein einziger erster Schritt genügt.

Wichtig vorab: Diese Werkzeuge sind Hilfen für den Alltag – sie sind keine Beratung und ersetzen keine Therapie. Sie sollen unterstützen, entlasten und ein erster kleiner Schritt sein. Wenn die Sorgen größer werden, ist der Weg zu einer Fachperson die richtige Vorgehensweise. 
 

Wenn Sie Unterstützung brauchen

Es gibt Tage, da reichen kleine Werkzeuge nicht aus – und das ist völlig in Ordnung. Sich Unterstützung von außen zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein kluger und starker Schritt. Sie müssen das nicht allein tragen. Wenn Sie merken, dass alles zu viel wird, finden Sie hier sofort Hilfe.

Telefonseelsorge

116 123

Unterstützung in schwierigen Lebenslagen

Hilfe-Telefon

116 016

bei Gewalt gegen Frauen

Nummer gegen Kummer

116 111

für Kinder & Jugendliche

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Sie sind in einer Krise? Hier finden Sie Kontaktpunkte für eine erste, direkte Unterstützung.

Begriffe kurz erklärt

Erwartungsdruck

Das belastende Gefühl, Ansprüchen genügen zu müssen – den eigenen wie denen von außen. Man unterscheidet konstruktiven (motivierenden) und dysfunktionalen (lähmenden) Druck. 

Mental Load

Die unsichtbare Denk- und Organisationsarbeit im Familienalltag: an alles zu denken und alles im Blick zu behalten. Oft ungleich verteilt. 

Maladaptiver Perfektionismus

Ein überhöhter Anspruch, alles perfekt machen zu müssen, der nicht antreibt, sondern belastet – und das Gefühl hinterlässt, nie zu genügen. 

Selbstmitgefühl

Die Haltung, sich selbst mit derselben Nachsicht zu begegnen wie einem geliebten Menschen. Kein Nachlassen, sondern eine Kraftquelle. 

FAQ – Häufige Fragen zum Erwartungsdruck

Erwartungsdruck ist das belastende Gefühl, ständig Ansprüchen genügen zu müssen – den eigenen wie denen von außen. Bei Eltern entsteht er dort, wo das Idealbild „guter“ Elternschaft auf den realen Alltag trifft. Je größer der Abstand zwischen Anspruch und Wirklichkeit, desto stärker der Druck. 

Nein, beides hängt aber eng zusammen. Erwartungsdruck ist das „Warum" – das Gefühl, genügen zu müssen. Mental Load ist das „Was und Wie" – die unsichtbare Denkarbeit, die daraus im Alltag entsteht. Der Druck ist die Wurzel, der Mental Load die Folge. 

Wenn er dauerhaft anhält, kann er das. Nicht der einzelne stressige Tag ist das Problem, sondern die Anspannung, die nie nachlässt. Daraus können ernsthafte Erschöpfung, Schlafprobleme oder depressive Beschwerden entstehen. Je früher man gegensteuert, desto leichter fällt es. 

Beide. Laut R+V-Studie 2026 übernehmen in fast 78 % der Familien die Frauen hauptsächlich die Verantwortung fürs Familienmanagement, und 89 % der Mütter haben das Gefühl, an alles denken zu müssen – gegenüber 67 % der Väter. Aber auch Väter spüren den Druck, nur oft anders und seltener ausgesprochen. Es ist kein reines „Frauenthema“, sondern ein gesellschaftliches. 

Häufig wird ein Elternteil schleichend zur Hauptperson, die an alles denkt – Fachleute sprechen vom „Default-Parent-Effekt". Wer Aufgaben ständig übernimmt, wird darin immer schneller und routinierter, wodurch der oder die andere noch weniger übernimmt. Das ist kein Zeichen von Unfähigkeit des Partners, sondern ein Mechanismus, den man erkennen und bewusst verändern kann. 

Weil es niemanden gibt, an den Sie etwas abgeben können. Was in Paarfamilien auf zwei Schultern liegt, ruht bei Ihnen auf einer – jede Entscheidung, jede Sorge, rund um die Uhr. Dass sich das oft nach zu viel anfühlt, ist keine Schwäche, sondern nachvollziehbar. Umso wichtiger ist es, früh Unterstützung anzunehmen. 

Kinder spüren Anspannung, auch wenn Eltern sie zu verbergen versuchen. Daraus folgt aber kein Grund für ein schlechtes Gewissen: Kinder brauchen keine perfekten Eltern, sondern präsente. Wenn Sie gut für sich sorgen, zeigen Sie ihnen zugleich, dass eigene Bedürfnisse zählen. 

Wählen Sie einen ruhigen Moment, sprechen Sie von sich statt in Vorwürfen und machen Sie die unsichtbare Denkarbeit sichtbar – zum Beispiel mit einer Liste. Verteilen Sie Aufgaben dann gemeinsam neu und übergeben Sie ganze Bereiche inklusive des Mitdenkens, nicht nur die Ausführung. Faire Verteilung ist ein Prozess, kein einmaliges Gespräch.

Hilfreich ist, die Gedanken erst sichtbar zu machen – aufschreiben, was Sie beschäftigt, schafft Abstand. Danach helfen kleine, körperliche Übungen: bewusst langsam ausatmen, leise summen oder für einen Moment ganz auf die Geräusche um Sie herum hören. Das beruhigt das Nervensystem und bringt den „inneren Alarm“ wieder herunter. 

Wenn Anzeichen wie kreisende Gedanken, Erschöpfung oder Gereiztheit über Wochen anhalten, sich häufen oder Ihren Alltag bestimmen. Sich Unterstützung zu holen, ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein kluger Schritt. Erste Anlaufstellen finden Sie im Bereich „Wenn Sie Unterstützung brauchen"; in einer akuten Krise gibt es rund um die Uhr Hilfe. 

Achten Sie auf wiederkehrende Signale: Gedanken, die abends nicht zur Ruhe kommen, ständige Müdigkeit, Gereiztheit, ein dauerhaft schlechtes Gewissen oder körperliche Beschwerden. Einzelne anstrengende Tage sind normal. Bedenklich wird es, wenn solche Anzeichen über Wochen anhalten oder zunehmen – dann lohnt es sich, bewusst gegenzusteuern oder Unterstützung zu suchen. 

Fangen Sie klein an: Schreiben Sie einmal auf, woran Sie alles denken – allein das entlastet. Fragen Sie sich bei der nächsten Aufgabe, was „gut genug" wäre, statt perfekt. Und sagen Sie bewusst einmal „Nein" zu einer zusätzlichen Erwartung. Größere Entlastung entsteht danach durch faire Verteilung in der Partnerschaft. 

Doch. In gesundem Maß spornt Druck an und gibt Struktur. Zum Problem wird er erst, wenn er dauerhaft ist, unerreichbar hoch und eng an den eigenen Selbstwert geknüpft – wenn es also nie ein „gut genug" gibt.

Zitatbereich

Es fühlt sich an, als hätte ich so einen richtigen Rucksack auf. Mein Kopf platzt, weil ich gleichzeitig über mehrere Dinge nachdenke.
Laura Fröhlich
Autorin, Journalistin, Speakerin und Expertin für Mental Load
Auch wenn wir nichts leisten, sind wir etwas wert. Wir haben eine Daseinsberechtigung, einfach in dem Moment, wo wir ruhen.
Tina Ochs
Diplom-Sozialpädagogin, systemische Supervisorin, Coachin und MBSR-Trainerin

Erstellt am: 12. Juli 2026
Zuletzt aktualisiert am: 12. Juli 2026

Quellenverzeichnis

Alle Zahlenangaben auf dieser Seite stammen aus der R+V-Studie 2026.

Primärquelle

  • INNOFACT AG (2026): Umfrage „Mental Load 2026". Repräsentative Befragung im Auftrag der R+V Allgemeine Versicherung AG unter 1.000 Familien mit Kindern unter 18 Jahren in Deutschland. Düsseldorf/Wiesbaden. 
    • Belegt: mentaler Druck im Familienalltag (rund 80 %); Gefühl, ständig an alles denken zu müssen (fast 78 %; Mütter 89 % vs. Väter 67 %); Hauptverantwortung der Frauen für das Familienmanagement (fast 78 %); gleichmäßige Aufgabenverteilung (rund 31 %); Stress zu Hause und zu wenig Zeit für sich selbst (jeweils rund zwei Drittel); gewünschte Entlastung: bessere Aufgabenverteilung (79 %), verständnisvolleres Umfeld (76 %), mehr staatliche Unterstützung (75 %).

Doku-Videos

(„Gedankenkreisel“ R+V-Mental-Load-Dokumentation)

  • Perfektion und Organisation 
  • Selbstfürsorge 

Vorträge

(R+V-Sorgenfresser-Familientag, Schlachthof Wiesbaden)

  • Fröhlich, Laura: Vortrag „Mental Load: Wenn der Kopf nie Pause macht". 

  • Ochs, Tina & Riehl, Valentina (R+V-Sozialberatung): Familien-Workshop „Achtsamkeit & Mental Load meistern". 

Beratungsangebote

(Kontaktdaten geprüft am 12.07.2026)

  • TelefonSeelsorge: 116 123 · rund um die Uhr 

  • Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 116 016 · rund um die Uhr 

  • Nummer gegen Kummer, Kinder- und Jugendtelefon: 116 111 · Mo.–Sa. 14–20 Uhr

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