Viele Eltern suchen Ursachen bei sich selbst: zu unorganisiert, zu wenig belastbar, einfach nicht gut genug. Doch das greift zu kurz. Ein kleiner Teil des Drucks entsteht in uns selbst – durch eigene Ansprüche und Perfektionismus. Der größere Teil kommt von außen: aus gesellschaftlichen Idealbildern davon, wie eine „gute“ Mutter oder ein „guter“ Vater zu sein hat, aus sozialen Medien, in denen andere Familien mühelos wirken, aus über Generationen gelernten Rollenbildern und aus dem täglichen Spagat zwischen Beruf und Familie.
Wie ungleich diese Last verteilt ist, zeigt die R+V Studie 2026* deutlich: In den fast 78 % der Familien übernehmen die Frauen hauptsächlich die Verantwortung für das Familienmanagement und nur rund 31 % erleben die Aufgaben als gelichmäßig verteilt. Beim Gefühl, an alles denken zu müssen, liegen Mütter mit 89 % klar vor den Vätern mit 67 %. Der Grund liegt nicht in der Persönlichkeit, sondern in eingeübten Mustern. Und genau deshalb lässt sich daran auch etwas ändern: Was erlernt ist, lässt sich verlernen.
Erwartungsdruck ist damit kein persönliches Versagen, sondern auch eine gesellschaftliche Frage – das zeigt sich auch daran, dass sich Eltern laut Studie vor allem drei Dinge zur Entlastung wünschen: eine bessere Aufgabenverteilung (79 %), ein verständnisvolleres Umfeld (76 %) und mehr staatliche Unterstützung (75 %).
Erwartungsdruck, Mental Load und Burnout – der Unterschied
Kurz gesagt: Erwartungsdruck ist das „Warum“, Mental Load ist das „Was und Wie“.