1. Auto

Auf der sicheren Seite mit Winterreifen

Seit 2006 schreibt die Straßenverkehrsordnung ausdrücklich vor, was auch vorher schon allgemein gegolten hat, nämlich dass die Ausrüstung von Kraftfahrzeugen an die Wetterverhältnisse anzupassen ist.

Angepasste Ausrüstung bedeutet insbesondere geeignete Bereifung, aber eine Winterreifenpflicht im Winter besteht nicht, ebensowenig gibt es im Sommer eine Sommerreifenpflicht. Die richtige Ausrüstung des Wagens hängt nicht vom Kalender ab, sondern richtet sich nach den wetterbedingten Straßenverhältnissen.

Eine generelle Winterreifenpflicht wäre auch unvernünftig, denn umfangreiche Reifentests haben gezeigt, dass Winterreifen auch bei Temperaturen unter 7 Grad nicht zwangsläufig besser für die Verkehrssicherheit sind als Sommerreifen. Die Bremstests ergaben: Wenn die Temperatur ein paar Grad über Null liegt, haften Sommerreifen bei trockenem oder auch feuchten Asphalt in aller Regel besser als Winterreifen. Allerdings: Bei Matsch und Schnee, bei Frost und Eis haben die Winterreifen mit ihren weichen, aber scharfkantigen Profillamellen unbestreitbar erhebliche Vorteile.

Wer sein Fahrzeug nicht winterfest ausrüstet, der muss es im Zweifel stehen lassen und zu Fuß gehen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Anderenfalls riskiert er ein Bußgeld von 20 Euro schon dann, wenn niemand behindert wird. Bei zusätzlicher Behinderung des Verkehrs drohen 40 Euro und 1 Punkt in der Flensburger Datei. Passiert jedoch ein Unfall, wird es nicht nur strafrechtlich heikel, sondern es kann auch der Versicherungsschutz eingeschränkt sein.

Konsequenzen im Schadenfall

Die Kfz-Haftpflicht ist für alle Schäden zuständig, die anderen zugefügt werden, und sie muss selbstverständlich auch dann eintreten, wenn ein Unfallverursacher mit ungeeigneter Bereifung unterwegs war. Die Leistungspflicht für die Geschädigten bedeutet aber keinen völligen Freibrief für die Schädiger. Im Extremfall kann die Kfz-Haftpflicht einen verantwortungslosen Fahrer oder Halter wegen Gefahrerhöhung in Regress nehmen.

In der Kaskoversicherung, die für die Schäden am eigenen Fahrzeug aufkommt, bestehen je nach Tarif deutliche Unterschiede im Versicherungsumfang. In den preisgünstigsten Tarifen wird nur ein Basis-Versicherungsschutz geboten und grob fahrlässig verursachte Schäden werden nur teilweise oder im Extremfall gar nicht ersetzt. Bei den empfehlenswerteren Tarifen besteht Versicherungsschutz auch für alle Fahrzeugschäden, die auf Unfällen mit falscher Bereifung beruhen, solange weder Alkohol noch Drogen mitgewirkt haben. Als Konsequenz nach einem Schaden bleibt allerdings immer neben der Zahlung der Selbstbeteiligung auch die Rückstufung beim Schadenfreiheitsrabatt. Daher ist es auch wirtschaftlich die eindeutig beste Lösung, durch geeignete Bereifung einen Unfall zu vermeiden.

Tipps zur Winterbereifung

Wer sein Auto im Winter mit ordentlichen Winterreifen ausrüstet, der ist allemal auf der sicheren Seite, auch wenn die Straßen schnee- und eisfrei bleiben. Wer mit Winterreifen fährt, muss sich nur bewusst sein, dass seine Reifen bei Trockenheit und Wärme nicht optimal sind und dass sie für heftige Richtungswechsel und für hohe Geschwindigkeiten nur beschränkt geeignet sind. Wer regional bedingt weniger mit winterlichen Straßenverhältnissen rechnen muss, der kann sich auch ganzjährig auf Sommerbereifung beschränken. Schlägt der Winter dann doch einmal heftiger zu als erwartet, dann muss er den Wagen vorübergehend stehen lassen oder doch noch einen Reifenwechsel vornehmen. In Gebieten mit üblicherweise mildem Winter können auch die sogenannten Allwetter- oder Ganzjahresreifen eine Alternative sein.

Gut zu wissen: Winterreifen benötigen meist einen höheren Luftdruck und mit einem leicht erhöhten Luftdruck verlängert sich nicht nur die Lebensdauer der Reifen, sondern es sinkt auch der Kraftstoffverbrauch. Die vorgeschriebene Mindestprofiltiefe von nur 1,6 Millimeter ist für ein sicheres Fahren deutlich zu gering, Winterreifen sollten wenigstens noch 4 mm Profil haben. Unbedingt abzuraten ist von einer gemischten Bereifung (etwa vorne Winterreifen und hinten Sommerreifen), denn dies führt zu einem unberechenbaren Fahrverhalten.

Autor/in

Karl Walter, Theo Wilms

Nov. 2010

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