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Vorruhestand: So geht’s früher in Rente

Bis zum Alter von 67 Jahren zu arbeiten, ist für die wenigsten Arbeitnehmer attraktiv. Wer allerdings 1964 oder danach geboren wurde, muss sich auf diesen späten Rentenbeginn einstellen. Doch wer genau rechnet und rechtzeitig für den Ruhestand vorsorgt, kann unter Umständen früher in Rente gehen.

Der Wunsch: Rente mit 60

Am liebsten würden die Deutschen im Schnitt schon mit 60,2 Jahren in Rente gehen, sofern sie es sich finanziell leisten können. Das zeigt eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens GfK im Auftrag der „Welt am Sonntag“ vom Februar 2017. Der Studie nach können sich noch nicht einmal fünf Prozent der Befragten damit anfreunden, erst ab 67 Jahren das Berufsleben hinter sich zu lassen. Doch auch wenn die Regelaltersgrenze hoch ist: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, früher in Rente zu gehen. Wichtig ist eine gute Planung für den Vorruhestand.

Haben Sie Ihren Ruhestand schon geplant?

Die R+V-Altersvorsorge-Lösungen sind so individuell wie Sie. Gerne unterstützen Sie unsere Ansprechpartner bei der Planung Ihrer Altersvorsorge. Vereinbaren Sie einfach ein persönliches Gespräch.

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Vorgezogene Altersrente ab 63: Für wen gilt das?

Das Alter für die Regelaltersrente wird derzeit schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben. Besonders langjährige Versicherte – das sind Rentenversicherte mit 45 Jahren Versicherungszeit – können ihre Altersrente jedoch ungekürzt bereits ab 63 beziehen. Das gilt für vor 1953 Geborene. Die Altersgrenze für diese sogenannte Altersrente für besonders langjährig Versicherte wird allerdings schrittweise bis zu dem Geburtsjahrgang 1964 auf das 65. Lebensjahr angehoben.

Aufgepasst!

Auch langjährig Versicherte – das sind Rentenversicherte mit mindestens 35 Versicherungsjahren – können auf Wunsch ihre Altersrente vorzeitig ab 63 antreten, müssen dann aber kräftige Rentenabschläge in Kauf nehmen. Jeder Monat der vorzeitigen Inanspruchnahme mindert die Höhe der Rente um 0,3 Prozent, und zwar dauerhaft für den gesamten Ruhestand.

Anhebung der Altersgrenze auf 67

Auch die sogenannte Altersrente für langjährig Versicherte wird stufenweise bis zum Geburtsjahrgang 1964 angehoben und liegt für 1964 oder später Geborene dann bei 67.

Übersicht „Wann können Sie Altersrente beziehen?“

Wer vorzeitig Rente bezieht, muss lebenslang mit Abschlägen rechnen.

Den Rentenbeginn vorziehen

Allgemein gilt als Grundvoraussetzung: Wer das reguläre Renteneintrittsalter noch nicht erreicht hat, aber vorzeitig in Rente gehen möchte, zum Beispiel mit 63 Jahren, muss die entsprechenden Wartezeiten erfüllen. Bei der sogenannten Regelaltersrente sind dies fünf Jahre, für die Versicherungsbeiträge bezahlt wurden. Scheidet ein Arbeitnehmer früher aus dem Erwerbsleben aus, erhält er weniger Rente. Pro Jahr, die er seine Rente früher erhält, mindert sich diese um 3,6 Prozent. Diese Rentenabschläge gelten lebenslang.

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„Den Ruhestand genießen: mit oder ohne Rentenabschläge?“

Neu: Mit der Flexirente flexibel in die Rente starten

Früher in Rente gehen und mögliche Rentenabschläge ausgleichen? Oder auf Wunsch länger arbeiten?

Das Flexirentengesetz von 2016 macht es Arbeitnehmern einfacher, den Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand individuell und auf ihre Lebenssituation zugeschnitten zu gestalten. Dazu gehören unter anderem:

  • Mögliche Sonderzahlungen, um Rentenabschläge auszugleichen
  • Neue Hinzuverdienstgrenzen
  • Regelungen zum Arbeiten über die reguläre Altersgrenze hinaus

Rente und Hinzuverdienst flexibel kombinieren

Freiwillige Zuzahlungen für mehr Rente

Wer plant, vor Erreichen der Regelaltersgrenze aus dem Berufsleben auszusteigen, kann die Rentenabschläge mit einer Zuzahlung ausgleichen. Ab einem Alter von 50 Jahren können Versicherte von der Rentenversicherung eine Auskunft anfordern, welcher Betrag zum Ausgleich erforderlich ist. Damit haben Berufstätige mehr Planungssicherheit und wissen, mit welcher Rentenhöhe sie rechnen können.

Den Ruhestand langfristig planen

Ein Beispiel: Thomas Menzel will drei Jahre vor der für ihn geltenden Regelaltersgrenze in Rente gehen. Bei einem regulären Renteneintritt stünden ihm 1.000 Euro (brutto) Rente zu. Wenn er drei Jahre früher in Rente geht, würde sich seine Monatsrente um 108 Euro verringern. Um die vollen 1.000 Euro Rente zu erhalten, kann er die Abschläge durch eine Sonderzahlung ausgleichen. Derzeit wären das 27.072 Euro.

Sollte er es sich anders überlegen und trotz Sonderzahlung bis zur Regelaltersgrenze weiterarbeiten, ist die Zuzahlung nicht verloren. Er erhält dann eine entsprechend höhere Rente. Der eingezahlte Betrag wird jedoch nicht zurückerstattet.

Ausführliche Informationen finden Sie in der Broschüre der Deutschen Rentenversicherung.

„Flexirente: Das ist neu für Sie“

Als Rentner hinzuverdienen

Regelaltersgrenze: Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, kann unbegrenzt hinzuverdienen. Neu ist seit dem 1. Januar 2017, dass auf den Verdienst Rentenversicherungsbeiträge gezahlt werden können. Vorteil: Durch diese Beiträge erhöht sich der Rentenanspruch weiter.

Vorgezogene Altersrente: Rentner, die eine vorgezogene Altersrente bekommen, können seit dem 1. Juli 2017 6.300 Euro im Jahr hinzuverdienen, ohne dass die Einkünfte auf ihre Rente angerechnet werden. Der darüber hinausgehende Verdienst wird zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet, das heißt, die Rente wird gemindert.

Dabei ist ein sogenannter Hinzuverdienstdeckel zu berücksichtigen: Das ist das höchste Bruttoeinkommen der letzten 15 Jahre. Liegen der Hinzuverdienst und die um 40 Prozent gekürzte Rente zusammen über dem Hinzuverdienstdeckel, dann wird der darüber liegende Betrag voll auf die verbliebene Rente angerechnet. Neu ist auch, dass generell eine Rentenversicherungspflicht besteht.

Teilrente und Hinzuverdienst

Bei der Teilrente verzichten Rentner für einige Zeit auf einen Teil der ihnen eigentlich bereits zustehenden Rente. Dafür dürfen sie aber in einem größeren Ausmaß hinzuverdienen, zum Beispiel bei ihrem bisherigen Arbeitgeber. Da für diesen Teilzeitjob neben der Rente noch weitere Rentenbeiträge gezahlt werden, erhöht sich die spätere volle Altersrente.

Rentner können die Höhe der Teilrente und entsprechend auch ihre Hinzuverdienstgrenze selbst festlegen. Die Teilrente muss aber mindestens 10 Prozent der Vollrente umfassen.

Ausführliche Informationen finden Sie in der Broschüre der Deutschen Rentenversicherung.

„Flexirente: Das ist neu für Sie“

Gleitend aus dem Berufsleben aussteigen

Wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine entsprechende Vereinbarung treffen, können Sie gleitend aus dem Berufsleben aussteigen, zum Beispiel mit einem Lebensarbeitszeitkonto oder über eine Altersteilzeit.

Früher in Rente mit dem Lebensarbeitszeitkonto

Eine Möglichkeit, früher in Rente zu gehen oder am Ende des Berufslebens weniger zu arbeiten, bietet das Lebensarbeitszeitkonto, auch Zeitwertkonto genannt. Dabei spart der Arbeitnehmer während des Berufslebens zunächst selbst Arbeitszeit und Arbeitsentgelt auf dem Lebensarbeitszeitkonto an, zum Beispiel für seinen Vorruhestand.

Dazu zählen etwa Überstunden oder nicht genommene Urlaubstage, die vergütet werden, sowie Gehaltsbestandteile, wie Weihnachtsgeld oder Prämien. Die Einzahlungen sind steuer- und sozialversicherungsfrei und können in Höhe und Häufigkeit flexibel gestaltet werden. Die eingezahlten Beträge sind ab Beginn garantiert. Das Lebensarbeitszeitkonto, auf dem das Wertguthaben angespart und verzinst wird, richtet der Arbeitgeber ein.

Der Vorteil während einer Freistellungszeit: Das Arbeitsverhältnis besteht fort, der Arbeitnehmer bleibt sozialversichert und erhält weiter sein laufendes Einkommen. Kommt es nicht zu einer Freistellungsphase, kann das Guthaben zum Beispiel bei Arbeitgeberwechsel oder bei Rentenbeginn ausgezahlt werden.

Mit dem Arbeitgeber Altersteilzeit vereinbaren

Eine weitere Möglichkeit, Schritt für Schritt in Rente zu gehen, ist die Altersteilzeit. Bei der Altersteilzeit einigen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf eine auf 50 Prozent reduzierte Arbeitszeit bei entsprechend niedrigerem Gehalt. Der Arbeitgeber stockt dabei das hälftige monatliche Arbeitsentgelt (sogenanntes Regelarbeitsentgelt) um mindestens 20 Prozent auf. Auch die Rentenversicherungsbeiträge werden vom Arbeitgeber während der Altersteilzeit weiterbezahlt. Die Aufstockungsbeträge sind grundsätzlich sozialversicherungs- und steuerfrei, werden allerdings bei der Steuererklärung für die Ermittlung des Steuersatzes berücksichtigt. Das heißt: Es kann dazu kommen, dass sich der Steuersatz erhöht und Nachzahlungen fällig werden.

Staatliche Förderung für Arbeitgeber ausgelaufen

Die staatliche Förderung der Altersteilzeit für Arbeitgeber ist mit dem 31.12.2009 vollständig ausgelaufen. Entscheidend für die Ansprüche auf Altersteilzeit sind seitdem ausschließlich die Tarifverträge oder betriebsinternen Vereinbarungen. Informieren Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber.

Bei der Altersteilzeit wird die Arbeitszeit um die Hälfte reduziert.

Dauer der Altersteilzeit

Arbeitnehmer können ab Vollendung des 55. Lebensjahres in die Altersteilzeit eintreten. Diese endet zu dem Zeitpunkt, ab dem eine gesetzliche Altersrente in Anspruch genommen werden kann. Lassen Sie sich dabei von der Deutschen Rentenversicherung beraten, um sicherzustellen, dass der mögliche Rentenbeginn wirklich auf das im Vertrag vereinbarte Ende der Altersteilzeit folgen kann.

Mehr zum Thema Altersteilzeit finden Sie auf der Internetseite der Deutschen Rentenversicherung. Auskünfte erhalten Sie dort kostenlos unter 0800 1000 4800 (Servicetelefon).

Variante 1: Altersteilzeit als Blockmodell

In diesem am häufigsten angewandten Modell wird die Altersteilzeit in zwei Phasen aufgeteilt. Der Arbeitnehmer arbeitet die erste Hälfte des vereinbarten Zeitraums im regulären Umfang weiter. In der zweiten Hälfte arbeitet er dann gar nicht mehr, erhält aber weiter sein Gehalt. Einigen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber also beispielsweise auf einen Zeitraum von drei Jahren für die Altersteilzeit, arbeitet der Beschäftigte die ersten eineinhalb Jahre wie gewohnt weiter und bleibt die nächsten eineinhalb Jahre zu Hause.

Variante 2: Altersteilzeit als Gleichverteilungsmodell

Bei diesem Modell arbeitet der Arbeitnehmer bis zum Bezug der gesetzlichen Rente nur noch die Hälfte seiner bisherigen Arbeitszeit. Durch die langfristige Reduzierung der Arbeitszeit ist der Ausstieg aus dem Arbeitsalltag weniger abrupt.

Haben Sie Fragen zu Ihrer Altersvorsorge?

Unser Ansprechpartner unterstützt Sie gerne mit weiteren Informationen. Vereinbaren Sie einfach ein persönliches Gespräch, um Ihre Altersvorsorge überprüfen zu lassen.

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Vorruhestand rechtzeitig planen

Den Vorruhestand sollten Sie rechtzeitig planen. Dabei unterstützt Sie unsere Checkliste:

Checkliste „Früher in Rente gehen“

Welches Eintrittsalter gilt für die verschiedenen Formen der gesetzlichen Altersrente? Ab wann können Sie die jeweilige Rente frühestens beantragen? Welche lebenslangen Rentenabschläge sind dabei zu berücksichtigen? Dies zeigt Ihnen unsere Übersicht:

Übersicht „Wann können Sie Altersrente beziehen?“

Um mit der Ruhestandsplanung anzufangen, ist es nie zu spät. Was bedeutet das für den Einzelnen?

„Vorsorge – gewusst wann“

Auf der Webseite der Deutschen Rentenversicherung finden Sie aktuelle Informationen zur Flexirente sowie die Broschüre „Die richtige Altersrente für Sie“.

Aktuelle Informationen zum flexiblen Renteneintritt
Broschüre „Die richtige Altersrente für Sie“

Autor/in

S. Nies

Nov. 2017

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