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Senior mit Tabletten in der Hand nimmt noch mehr Tabletten aus der Hand einer Pflegeperson mit Handschuhen an.
Pflegealltag

Medikamentengabe in der häuslichen Pflege: Medikamente nach Medikationsplan verabreichen - 10-R-Regel

Übernehmen Sie die verantwortungsvolle Aufgabe der Medikamentengabe in der häuslichen Pflege. Viele pflegende Angehörige leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheit der pflegebedürftigen Person. Achten Sie darauf, Medikamente korrekt anzuwenden und vermeiden Sie die Gabe falscher Medikamente, um ernsthafte Folgen zu verhindern. Bereiten Sie Arzneimittel sicher vor, verabreichen Sie diese richtig und sorgen Sie für eine zuverlässige Einnahme.

Senior sitzt am Tisch, welcher voll mit verschiedenen Tabletten ist und schaut überfordert.

Medikamentengabe in der häuslichen Pflege und die Verantwortung der Angehörigen

In der häuslichen Pflege gehört es oft dazu, täglich Medikamente zu verabreichen. Viele pflegebedürftige Menschen brauchen dauerhaft oder zeitweise Unterstützung, da sie Medikamente einnehmen müssen oder mehrere gleichzeitig erhalten. Als Angehörige übernehmen Sie Verantwortung und sorgen für einen sicheren Umgang mit Medikamenten. Im Pflegealltag, besonders bei der Einnahme mehrerer Medikamente, steigen die Risiken für Fehler. Behalten Sie den Überblick und konzentrieren Sie sich darauf, zukünftige Fehler zu vermeiden.

Richtige Dosierung: Medikamentenplan und Medikationsplan für ärztlich verordnete Arzneimittel 

Erstellen Sie einen aktuellen Medikamentenplan, um Medikamente sicher zu verabreichen. Listen Sie alle ärztlich verordneten Arzneimittel mit Dosierung, Einnahmezeitpunkt und Darreichungsform auf. Passen Sie den Plan an, sobald Ihr behandelnder Arzt ein neues Medikament verordnet oder eine bestehende Verordnung ändert. Bei verschiedenen Medikamenten und möglichen Wechselwirkungen ist ein vollständiger Plan unverzichtbar. Ein gut gepflegter Plan hilft Ihnen, die Einnahme sicher zu organisieren und unterstützt Pflegekräfte dabei, den Überblick zu behalten.

Unsere praktische Vorlage für einen Medikamentenplan finden Sie hier:

Medikamente richtig verabreichen mit Blick auf Dosierung und Einnahme

Achten Sie beim Verabreichen von Medikamenten auf mehrere Schritte. Bereiten Sie jede Tablette, Injektion oder andere Darreichungsform korrekt vor. Achten Sie besonders auf die richtige Dosierung, da schon kleine Abweichungen die Wirksamkeit beeinflussen können.

Nehmen Sie Medikamente immer zum richtigen Zeitpunkt ein. Manche Wirkstoffe wirken besser morgens, andere abends oder unabhängig von den Mahlzeiten. Prüfen Sie, ob Sie das Medikament schlucken müssen oder ob eine andere Applikationsart vorgesehen ist, wie die sublinguale Applikation (unter die Zunge). Nutzen Sie Pflegehilfsmittel wie einen Dispenser oder eine Vorsortierung, um Tabletten und Kapseln übersichtlich bereitzuhalten und den Überblick zu behalten. Bewahren Sie Medikamente möglichst in der Originalverpackung auf und entsorgen Sie den Beipackzettel nicht. Bei Unklarheiten kontaktieren Sie umgehend die Apotheke oder die Arztpraxis.

Die 5-R-Regel, 6-R-Regel und die 10-R-Regel zur qualitätsgesicherten Medikamentengabe

Zur qualitätsgesicherten Medikamentengabe haben sich in der Pflege feste Sicherheitsregeln etabliert. Sie dienen dazu, Fehler bei der Verabreichung von Medikamenten zu vermeiden und die Sicherheit pflegebedürftiger Menschen zu erhöhen. Am bekanntesten ist die 5-R-Regel, die später zur 6-R-Regel und schließlich zur 10-R-Regel zur qualitätsgesicherten Medikamentenverabreichung erweitert wurde.

Die 5-R-Regel der Medikamentenverabreichung

Die 5-R-Regel bildet die Grundlage der korrekten Medikamentengabe. Sie besagt, dass bei jeder Medikamentengabe geprüft werden muss, ob:

  • die richtige Person das Medikament erhält

  • das richtige Medikament ausgewählt wurde

  • die richtige Dosierung angewendet wird

  • der richtige Zeitpunkt eingehalten wird

  • die richtige Applikationsart verwendet wird

Diese fünf Punkte helfen dabei, klassische Fehler wie ein falsches Medikament, eine fehlerhafte Menge oder eine nicht korrekte Einnahmeform zu vermeiden.

Erweiterung zur 6-R-Regel

Die 6-R-Regel ergänzt die 5-R-Regel um einen weiteren wichtigen Aspekt:

  • die richtige Dokumentation

Durch die Dokumentation wird nachvollziehbar, wann ein Medikament verabreicht wurde, ob es eingenommen wurde und ob es Besonderheiten gab. Das ist besonders wichtig, wenn mehrere Personen an der Pflege beteiligt sind.

Die 10-R-Regel zur qualitätsgesicherten Medikamentenverabreichung

Die 10-R-Regel zur qualitätsgesicherten Medikamentengabe wird vor allem in der professionellen Pflege angewendet, ist aber auch für pflegende Angehörige eine wertvolle Orientierung. Sie erweitert die bisherigen Regeln und betrachtet die Medikamentengabe ganzheitlich. Zu den zehn „R“ gehören:

  • die richtige Person

  • das richtige Medikament

  • die richtige Dosierung

  • der richtige Zeitpunkt

  • die richtige Applikationsart

  • die richtige Dokumentation

  • der richtige Wirkstoff

  • die richtige Darreichungsform

  • die richtige Lagerung

  • die richtige Information und Aufklärung

Durch diese umfassende Prüfung lassen sich Überdosierungen, Wechselwirkungen und andere Risiken deutlich reduzieren. Die 10-R-Regel ist deshalb ein fester Bestandteil von Qualitätsmanagement und Behandlungspflege und unterstützt eine sichere, nachvollziehbare und verantwortungsvolle Medikamentengabe – sowohl durch Pflegekräfte als auch durch Angehörige.

Medikamentengabe übernehmen oder durch den Pflegedienst durchführen lassen

Bewältigen Sie nicht jede Situation allein. Wenn Sie unsicher sind oder die komplexe Medikamentengabe übernehmen müssen, ziehen Sie einen ambulanten Pflegedienst in Betracht. Geschulte Pflegekräfte übernehmen die Medikamentengabe und bringen Erfahrung mit verschiedenen Arzneiformen, Injektionen und komplexen Therapien mit.

In bestimmten Fällen übernimmt die Krankenkasse die Kosten, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt und die Maßnahme als notwendig gilt. Klären Sie dies frühzeitig mit der Krankenkasse, dem Arzt, dem Apotheker oder dem Pflegedienst.

Unterstützung durch Apotheke und Arzt

Nutzen Sie die Apotheke als wichtige Unterstützung bei der Medikamentengabe. Apotheken beraten Sie, prüfen Wechselwirkungen, helfen bei der Vorsortierung und stellen Muster für Medikamentenpläne bereit. Sie unterstützen auch beim Stellen der Medikamente und beantworten Fragen zur Einnahme, zu Wirkstoffen und zur Darreichungsform.

Wenden Sie sich bei Unklarheiten immer an Ihren behandelnden Arzt oder Ärztin, um die korrekte Therapie sicherzustellen.

Vorsorgen für den eigenen Pflegefall

Als pflegender Angehöriger tragen Sie oft hohe Pflegekosten. Gleichzeitig kann eine berufliche Auszeit Ihre eigene Altersvorsorge beeinträchtigen. Wir unterstützen Sie dabei, eine passende Lösung zu finden, damit Sie im Alter oder im Pflegefall abgesichert sind.

Unsere Ansprechpartner bei R+V beraten Sie gerne persönlich zu Ihrem individuellen Vorsorgebedarf.

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Häufig gestellte Fragen zum Thema Medikamentengabe

In der häuslichen Pflege dürfen Angehörige die Verabreichung übernehmen, wenn die Arzneimittel von einem Arzt verordnet wurden und die Verabreichung korrekt erfolgt. Bei Unsicherheiten kann eine geschulte Pflegekraft hinzugezogen werden, um Fehler zu vermeiden.

Bei der Einnahme von Medikamenten gilt: Medikamente müssen regelmäßig, vollständig und zur richtigen Zeit eingenommen werden. Besonders bei mehreren Medikamenten ist es wichtig, die Übersicht zu behalten und Wechselwirkungen zu vermeiden.

Ein zentraler Punkt der sicheren Medikamentengabe ist die richtige Person. Gerade wenn mehrere Menschen im Haushalt leben, muss sichergestellt sein, dass jedes Medikament ausschließlich von der vorgesehenen Person eingenommen wird.

Ein ambulanter Pflegedienst unterstützt bei komplexen Therapieplänen, kontrolliert die Dosierung und sorgt für eine fachgerechte Verabreichung von Arzneimitteln. In bestimmten Fällen können die Kosten über die Krankenkasse abgerechnet werden, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt.

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Zuletzt aktualisiert: Dezember 2025