Stellen wir einmal fest: Wenn du dafür zuständig bist, euren Familienalltag zu organisieren, erledigst du eine Menge unsichtbarer Arbeit im Kopf. Zahlreiche To-dos, vom Windeln kaufen über neue Matschhosen besorgen bis hin zum Achten auf die Medienzeiten der Kinder, werden zu einem nahezu unüberwindbaren Berg an Aufgaben, wobei einzelne Dinge weitere nach sich ziehen.
Kennst du diese Situation? Du wolltest „nur schnell“ die Wäsche waschen, hast dabei bemerkt, dass das Waschmittel knapp und die Kinderjeans zu klein geworden ist. Dabei fällt dir ein, dass du schon längst nachschauen wolltest, ob noch zur Jahreszeit passende Jacken im Keller sind. Und bei der Suche bemerkst du, dass der Keller dringend aufgeräumt werden muss. Aus einem To-do werden fünf neue, und so fühlt sich das eigene Zuhause wie eine Dauerbaustelle an.
Dazu kommt das Gefühl, dass diese Aufgabenlast von außen unbemerkt bleibt und du Wertschätzung für all deine Mühen vermisst. Obwohl Mental Load auch eine Belastung ist, die Väter spüren, ist sie besonders häufig bei Müttern zu finden. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung zeigt, dass vor allem dann, wenn Kinder im Haushalt leben, Frauen die Hauptlast der Alltagsorganisation übernehmen. „Der Mental Load ist jedoch selbst dann ungleich verteilt, wenn Frauen in Vollzeit beschäftigt sind.“
Das liegt unter anderem an der Erwartung, dass Frauen sich für Fürsorgearbeit und Haushalt verantwortlich fühlen. Von ihnen wird „das Kümmern“ eher erwartet als von Männern. Diese ungleiche Verteilung lässt weniger Raum für persönliche und berufliche Entfaltung sowie für Erholung und Freizeit.
Doch es sind nicht ausschließlich Frauen betroffen. Auch Männer können diese Art der Belastung spüren. Gerade dann, wenn Menschen es gewohnt sind, sich um Kinder, deren Belange und die Aufgaben des Alltags zu kümmern, etwa, weil sie lange Elternzeit genommen haben, behalten sie diese Verantwortung oft bei. Der Partner oder die Partnerin gerät dann in der Regel unbeabsichtigt in die Rolle eines Haushaltsassistenten oder einer Haushaltsassistentin.
Ganz praktisch lässt sich die Last, an alles denken zu müssen, am Beispiel Einkauf erklären: Lebensmittel im Supermarkt einzukaufen, sie zu bezahlen und zu Hause einzuräumen, ist die Handlungsebene. Doch schon im Vorfeld fällt Arbeit an, die unsichtbar im Kopf abläuft: „Was müssen wir einkaufen? Was brauchen die Kinder für die Schule? Haben wir noch genug Salz, Pfeffer und Milch? Und was gibt es zu essen, wenn am Wochenende die Großeltern kommen?“
Der Unterschied zwischen „Mitmachen“ und „Mitdenken“ ist entscheidend. Denn eine einseitige Belastung kann reduziert werden, wenn alle gemeinsam mitdenken und der Mental Load aufgeteilt wird.