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Keine Angst vor Erster Hilfe: Jeder kann’s!

Ob im Straßenverkehr oder zu Hause: Unfälle sind schnell passiert – und oft genug entscheidet die Erste Hilfe darüber, wie schwer die Folgen für das Unfallopfer sind oder ob es überlebt. Doch viele wissen nicht, was zu tun ist. Dabei ist jeder gesetzlich verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Wir geben Tipps für das Verhalten im Notfall.

Erste Hilfe ist Pflicht

„Helfen kann eigentlich jeder – auch ohne große medizinische Kenntnisse.“ Das ist nicht nur die Meinung von R+V-Arzt Dr. Gerd-Marko Ostendorf, sondern die vieler Experten. „Unfallstelle absichern, einen Notruf absetzen und Verletzte trösten gehört genauso zur Ersten Hilfe im Straßenverkehr, und diese Maßnahmen sind für die Unfallopfer enorm wichtig.“

Dass Erste Hilfe mehr als notwendig ist, zeigen auch die Zahlen. 2017 wurden allein im Straßenverkehr fast 400.000 Menschen verletzt. Hinzu kommen die zahlreichen Unfälle zu Hause oder in der Freizeit. Darüber hinaus ist laut Strafgesetzbuch jeder dazu verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Wer etwa bei Verkehrsunfällen nicht als Ersthelfer tätig wird, obwohl es notwendig und zumutbar ist, muss mit einer Geldstrafe rechnen – oder sogar mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr.

Erste Hilfe im Straßenverkehr

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) bietet zahlreiche Erste-Hilfe-Kurse an. Dabei lernen Sie, ein Ersthelfer und damit ein „HELD“ zu sein. Die einzelnen Buchstaben stehen dabei für ganz bestimmte Schritte, die im Notfall immer richtig sind. „Wer sich daran orientiert, hat schon viel für einen Verletzten getan“, sagt Dr. Gerd-Marko Ostendorf.

HELD sein

H – Hilfe rufen/Notruf 112

E – Ermutigen und trösten

L – Lebenswichtige Funktionen kontrollieren: Atmung (Hebt und senkt sich die Brust?), Herzschlag (Ist der Puls am Handgelenk oder der Halsschlagader spürbar?)

D – Decke unterlegen und zudecken

Wenn Ihr Auto Erste Hilfe braucht

Manchmal reicht schon eine kleine Unachtsamkeit und ein Unfall passiert. Die Kfz-Vollkaskoversicherung hilft auch bei selbstverschuldeten Unfallschäden und bewahrt Sie vor hohen Kosten.

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Sie haben Fragen zu den R+V-Kfz-Versicherungen oder zu Ihrer generellen Versicherungssituation? Unsere Ansprechpartner sind gerne in einem persönlichen Gespräch für Sie da.

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Nur wer unverletzt und gesund ist, kann anderen helfen.

R+V-Arzt Dr. Gerd-Marko Ostendorf

Erste Hilfe: Das ist wichtig

Sie sind Zeuge eines Verkehrsunfalls und müssen Erste Hilfe leisten. Jetzt heißt es ruhig bleiben! Verschaffen Sie sich zunächst ein genaues Bild von der Situation und beruhigen Sie betroffene Personen. Dann ergreifen Sie die Initiative als Ersthelfer: Machen Sie Passanten oder Autofahrer auf den Unfall aufmerksam und bitten Sie diese um Unterstützung bei den Hilfsmaßnahmen. Versuchen Sie, den Überblick zu behalten und unüberlegtes Handeln anderer Helfer zu verhindern.

Besonders wichtig ist in einer solchen Situation auch, für die eigene Sicherheit zu sorgen. „Niemand muss sich bei der Ersten Hilfe im Straßenverkehr selbst gefährden“, so Dr. Ostendorf.

Erste-Hilfe-Apps

Wie Sie bei einem Unfall schnell und richtig Erste Hilfe leisten, zeigt der R+V-Notfallhelfer. Die App hält darüber hinaus alle wichtigen Notrufnummern und viele weitere Infos bereit.

Auch das DRK und andere Organisationen bieten Erste-Hilfe-Apps an. Sie können zum Üben genutzt werden, aber auch als „Begleiter“, etwa bei Erster Hilfe im Straßenverkehr.

Erste Hilfe: So setzen Sie einen Notruf ab

Bei einem Unfall ist es wichtig, schnell Hilfe zu holen. Die zentrale Telefonnummer dafür ist die 112 – in ganz Europa. Geben Sie der Rettungsleitstelle Auskunft über die vier W-Fragen:

  • Wo ist der Unfall passiert?
  • Was ist genau passiert?
  • Wie viele Personen sind verletzt?
  • Welche Verletzungen konnten Sie erkennen?

Danach heißt es: Warten auf Rückfragen.

Erste Hilfe – Step 1: Anhalten

  • Warnblinklicht einschalten.
  • Nicht zu dicht an die Unfallstelle heranfahren (ca. 10 bis 20 Meter Sicherheitsabstand einhalten).
  • Bei Dunkelheit den Scheinwerfer zur Beleuchtung der Unfallstelle nutzen.

Erste Hilfe – Step 2: Unfallstelle sichern

  • Warnweste tragen.
  • Warndreieck weit genug vor der Unfallstelle aufstellen (innerorts 50 Meter, Landstraße 100 Meter, Autobahn 150 bis 400 Meter).
  • In Kurven besonders gewissenhaft absichern.
  • Nachfolgende Fahrzeuge und Gegenverkehr durch Winken warnen.
  • Bei mehreren Ersthelfern: Aufgaben verteilen.

Erste Hilfe – Step 3: Notruf absetzen

  • Der Rettungsleitstelle Auskunft auf die vier W-Fragen geben.
  • Warten Sie auf Rückfragen.

Erste Hilfe – Step 4: Verletzte ansprechen

  • Verletzte laut und deutlich ansprechen.
  • Dabei den eigenen Namen nennen.
  • Körperkontakt herstellen, zum Beispiel die Hand halten oder die Hand auf die Schulter legen.
  • Dem Verletzten sagen, welche Erste-Hilfe-Maßnahmen Sie leisten.
  • Den Verletzten beruhigen.

eCall: Automatischer Notruf

Alle neu typengenehmigten Fahrzeugmodelle in der Europäischen Union müssen seit diesem Jahr mit dem Notrufsystem eCall ausgestattet sein. Dadurch sollen die Folgen von Unfällen minimiert werden – schnelle Erste Hilfe also. Dafür setzen mit eCall ausgestattete Fahrzeuge bei einem Verkehrsunfall automatisch einen Notruf ab.

Ältere Autos können inzwischen mit einem automatischen Notrufsystem nachgerüstet werden. Das System der Versicherer besteht aus einem Unfallmeldestecker für den Zigarettenanzünder und einer Unfallmelder-App.

Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag:

Notrufsystem eCall in allen Neuwagen Pflicht

Der größte Fehler ist, nichts zu tun.

Rechtssicherheit für Ersthelfer

Wichtig zu wissen: Wer im Straßenverkehr Erste Hilfe leistet, ist rechtlich auf der sicheren Seite.

Sie sind zum einen automatisch gegen körperliche Schäden gesetzlich versichert. Zum anderen haften Ersthelfer nicht, wenn die Erste-Hilfe-Maßnahme falsch angewendet wird.

Zudem werden Ihnen Kosten durch Schäden oder Auslagen durch die Versicherungen der Unfallbeteiligten ersetzt.

Erste Hilfe: So geht’s

Stabile Seitenlage

Das Unfallopfer reagiert nicht auf Ansprache oder Berührung? Lagern Sie den Betroffenen so, dass er nicht erstickt: Die stabile Seitenlage stellt sicher, dass die Atemwege freigehalten werden und Erbrochenes oder Blut ablaufen kann. Der Mund des Betroffenen wird zum tiefsten Punkt des Körpers.

  • Knien Sie sich seitlich neben den Betroffenen. Strecken Sie die Beine des Betroffenen. Legen Sie den Ihnen zugewandten Arm des Bewusstlosen angewinkelt nach oben, die Handinnenfläche zeigt dabei nach oben.
  • Greifen Sie den von Ihnen fern gelegenen Arm des Betroffenen am Handgelenk. Kreuzen Sie den Arm vor der Brust, die Handoberfläche des Betroffenen legen Sie an dessen Wange. Hand nicht loslassen.
  • Greifen Sie an den von Ihnen entfernten Oberschenkel und beugen Sie das Bein des Betroffenen.
  • Ziehen Sie den Betroffenen zu sich herüber. Richten Sie das oben liegende Bein so aus, dass der Oberschenkel im rechten Winkel zur Hüfte liegt.
  • Überstrecken Sie den Hals, damit die Atemwege frei werden. Öffnen Sie den Mund des Betroffenen leicht. Richten Sie die an der Wange liegende Hand so aus, dass der Hals überstreckt bleibt.

Blutungen stillen

Blutungen sind möglichst rasch zum Stoppen zu bringen. Denn bereits nach kurzer Zeit kann es zu einem hohen Blutverlust kommen. Häufig führt dies zum Schock. Bereits wenn Sie den betroffenen Körperteil hochhalten (Arm, Bein), lässt die Blutung meist etwas nach.

  • Ziehen Sie Einmalhandschuhe an, um sich selbst und den Betroffenen vor Infektionen zu schützen.
  • Legen Sie den Betroffenen hin, am besten auf eine Decke.
  • Pressen Sie möglichst keimfreies Material auf die Wunde, um die Blutung zu stoppen.
  • Der betroffene Arm oder das Bein sollten hochgehalten werden, um die Blutung zu verringern.
  • Wenn es die verletzte Körperstelle zulässt: Druckverband anlegen. Das geht am besten mit dem Verbandspäckchen aus dem Verbandskasten in Ihrem Auto, den Sie immer mitführen müssen.
    • Wundauflage (z. B. Kompresse des Verbandpäckchens) anbringen und mit einem Verband zwei bis drei Mal umwickeln.
    • Zweites Verbandpäckchen als Druckpolster auf die Wunde legen und mit dem restlichen Verband umwickeln (deckungsgleich, aber nicht zu stramm). Das Ende mit einem Knoten fixieren.

Knochenbrüche versorgen

Bei einem geschlossenen Bruch ist keine äußere Wunde zu sehen. Anzeichen sind starke Schmerzen sowie z. B. Verkürzungen, abnorme Lage der betroffenen Gliedmaßen. Bei einem offenen Bruch tritt im Bereich des Bruchs eine Wunde auf. Haut und Muskeln sind verletzt, eventuell sind auch Knochenanteile (Splitter) erkennbar. Hier besteht hohe Infektionsgefahr.

  • Bewegungen möglichst vermeiden, auf Wunsch die eingenommene Schonhaltung des Betroffenen unterstützen.
  • Bruchbereich mit geeignetem Polstermaterial (z. B. Decken, Tasche) ruhigstellen.
  • Geschlossener Bruch: Schwellung kühlen.
  • Offener Bruch: sofort mit keimfreien Wundauflagen bedecken.

Herz-Lungen-Wiederbelebung: Herzdruckmassage

Bei bewusstlosen Personen besteht immer die Gefahr eines Kreislaufstillstandes. Wenn Lebenszeichen wie Atmung und Herzschlag fehlen, muss schnellstmöglich gehandelt werden.

  • Knien Sie sich neben den Betroffenen in Höhe des Brustkorbs.
  • Platzieren Sie einen Handballen auf der Mitte des Brustkorbs.
  • Den Ballen der anderen Hand setzen Sie auf die erste Hand auf.
  • Mit gestreckten Armen den Brustkorb senkrecht 30 Mal mindestens fünf bis sechs Zentimeter tief eindrücken. In der Frequenz von 100 bis 120 Mal pro Minute drücken, z. B. im Rhythmus des Liedes „Atemlos durch die Nacht“ von Helene Fischer.
  • Beatmung (siehe nächster Slider-Punkt) und Herzdruckmassage erfolgen dann im steten Wechsel: 30 Mal drücken, zwei Mal beatmen.
  • Druck- und Entlastungsdauer sollten gleich sein.

Herz-Lungen-Wiederbelebung: Atemspende (Mund-zu-Mund-Beatmung)

Haben Sie bei einer bewusstlosen Person die Herzdruckmassage ausgeführt, sollten Sie diese ebenso beatmen. Fühlen Sie sich dazu nicht in der Lage, führen Sie die Herzdruckmassage kontinuierlich weiter durch.

  • Atemwege freimachen: Kopf des Betroffenen dazu nach hinten neigen und gleichzeitig das Kinn anheben.
  • Mit Daumen und Zeigefinger den weichen Teil der Nase verschließen.
  • Mund des Betroffenen öffnen.
  • Normal einatmen und Lippen dicht um den Mund des Betroffenen legen; gegebenenfalls Beatmungstuch auflegen.
  • Luft über einen Zeitraum von einer Sekunde gleichmäßig in den Mund des Betroffenen blasen, so dass sich der Brustkorb sichtbar hebt.
  • Drehen Sie Ihren Kopf zur Seite und atmen Sie erneut ein. Achten Sie darauf, ob sich der Brustkorb des Betroffenen wieder senkt.
  • Betroffenen ein zweites Mal beatmen.
  • Setzt die Atmung wieder ein, Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen.
  • Setzt die Atmung nicht ein, Druckmassage und Atemspende bis zum Eintreffen der Rettungskräfte fortführen: im Wechsel 30 Mal drücken und zwei Mal beatmen.

Unfallversicherung für Sie

Ihr Auto ist bei einem Unfall versichert. Aber wie sieht es mit Ihnen und Ihrer Familie aus? Schützen Sie sich mit einer privaten Unfallversicherung vor den finanziellen Folgen eines Unfalls.

Unsere Ansprechpartner vor Ort unterstützen Sie gerne mit weiteren Informationen.

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Gewusst wie: Erste Hilfe lernen

Was tun bei einem Verkehrsunfall? Die richtigen Handgriffe lernen Ersthelfer in speziellen Erste-Hilfe-Kursen meist vor der Führerscheinprüfung. Experten empfehlen jedoch, das Erste-Hilfe-Wissen regelmäßig aufzufrischen. „Das gibt bei Notfällen auch die Sicherheit“, so R+V-Arzt Dr. Gerd-Marko Ostendorf. Die Realität sieht jedoch anders aus: Bei den meisten Autofahrern liegt der letzte Erste-Hilfe-Kurs viele Jahre zurück.

Auffrischung ist angesagt: Erste-Hilfe-Kurs finden

Auch in Ihrer Nähe: Das DRK und andere Hilfsorganisationen bieten deutschlandweit Erste-Hilfe-Kurse an.

Ein Muss: vollständiger Verbandskasten im Fahrzeug

Bei einem Verkehrsunfall kommt oft der Erste-Hilfe-Kasten zum Einsatz. Umso wichtiger ist, dass dieser gut in Schuss ist, damit Sie als Ersthelfer keine wertvolle Zeit verlieren. Dazu gehört auch, das Verfallsdatum regelmäßig zu überprüfen. Zudem sollten alle Gegenstände funktionstüchtig sein, etwa die Verbandsschere oder die Einmalhandschuhe. Das dient auch der eigenen Sicherheit. Ebenfalls wichtig: Auch bei der Fahrt in den Urlaub sollte der Verbandskasten immer so verstaut sein, dass er griffbereit ist.

Autor/in

K. Albrecht

Okt. 2018

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