1. Eltern + Kind

Betreuung für Kinder: Wie findet man eine Leihoma?

Leihoma statt Tagesmutter oder Hort? Kitaplätze und Angebote zur Nachmittagsbetreuung fehlen immer noch in vielen Städten und Gemeinden.

Vor allem die Betreuung von Kleinkindern unter 3 Jahren ist daher ein viel diskutiertes Thema. Bei langen Wartelisten und wiederholten Absagen suchen berufstätige Eltern und Alleinerziehende nach alternativen Lösungen. Eine Ausweichmöglichkeit kann die sogenannte Leihoma sein.

Die Leihoma ist kein Babysitter

Stundenweise ein Kind beaufsichtigen und versorgen: Eine Leihoma eignet sich für die Betreuung besonders gut, wenn es um regelmäßige Termine geht. Zeitlich ist sie nicht ganz so flexibel wie beispielsweise eine Babysitterin – und steht auch nicht immer auf Abruf bereit.

Meist betreuen Leihomas die Kinder im familiären Umfeld, wobei allerdings der Kontakt zu gleichaltrigen Spielgefährten ausbleibt. Diesen ermöglicht eher eine Tagesmutter außerhalb der eigenen Wohnung.

Leihoma aus Überzeugung

Geld steht bei den engagierten Leihomas in der Regel nicht im Vordergrund. Meist sind sie selbst Mütter im Alter von 55 bis 65 Jahren. Ihre Familien wohnen oft weit entfernt oder die eigenen Enkel sind bereits erwachsen. Eltern können darauf bauen, dass die Leihoma Spaß am Umgang mit Kindern hat und sich über den Familienanschluss freut. Oft entstehen daher auch über Jahre andauernde, freundschaftliche Betreuungsverhältnisse. Die Kinder erhalten mit der Leihoma einen älteren Menschen als neue Bezugsperson.

Kind und Leihoma: Dos und Don'ts

Dos

  1. Bedenken Sie alle Optionen: Vielleicht ist auch eine jüngere Leihtante oder ein Leihopa geeigneter.
  2. Prüfen Sie, ob die Einstellung der Leihoma zu Ihrem Erziehungsstil passt.
  3. Achten Sie darauf, wie das Kind bei der ersten Begegnung auf die Leihoma reagiert. Entscheiden Sie erst danach.
  4. Sagen Sie Ihrem Kind immer genau, wohin Sie gehen und wie lang es mit der Leihoma allein sein wird.
  5. Bleiben Sie telefonisch erreichbar und in der Nähe. Das gilt insbesondere in der Anfangszeit.

Don'ts

  1. Lassen Sie das Kind nicht gleich am ersten Tag mit der fremden Leihoma allein. Geben Sie ihm genügend Zeit für die Annäherung.
  2. Verlassen Sie Ihr Kind niemals ohne Abschied. Gestalten Sie diesen jedoch "kurz und schmerzlos".
  3. Handeln Sie aus Überzeugung. Wer selbst nicht mit der Lösung "Leihoma" zufrieden ist, überträgt die Unsicherheit oft auf das Kind.
  4. Vermeiden Sie ständige Wechsel: Suchen Sie bei den ersten kleinen Problemen bereits eine neue Leihoma, erschweren Sie Ihrem Kind den Vertrauensaufbau.
  5. Bringen Sie keine Unregelmäßigkeit in die Treffen. Sonst machen Sie es dem Kind zusätzlich schwer, die Leihoma als Bezugsperson anzunehmen.

Leihoma: vielfältige Vermittlungsmöglichkeiten

Findet man keine Leihoma über den Verwandten- oder Bekanntenkreis, kann man eine Anzeige in der Regionalzeitung schalten oder im Internet suchen. Auf zahlreichen Plattformen kommen Eltern und Leihoma zusammen. Allerdings gibt es bei einer Absprache auf privater Basis nur wenig rechtliche Absicherung.

Die verlässlichere Lösung für das Betreuungsmodell der Leihoma führt über eine lokale Vermittlungsstelle, von denen es in Deutschland etwa 300 gibt. Die Adressen können bei Caritas, Diakonie, Kinderschutzbund oder ähnlichen Einrichtungen erfragt werden.

Je nach Region müssen Eltern jedoch auch hier mit Wartelisten rechnen – aus gutem Grund: Die Vermittler nehmen sich die nötige Zeit für die Auswahl der passenden Leihoma. Kostenlos ist das für die Eltern nicht. Bei Aufnahme in die Suchkartei wird meist eine geringe Gebühr fällig. Hinzu kommen Bearbeitungsgebühren, wenn die Leihoma erfolgreich vermittelt wurde.

Leihomas nur mit Vertrag

In den meisten Fällen laufen Verträge und Vereinbarungen dann über die Vermittlungen. Dabei unterscheiden sich die Agenturen dadurch, ob sie die Rechnungen für die Arbeitsleistung ausstellen oder die Bezahlung mit der Leihoma direkt geklärt wird.

Vorteil der Abrechnung über die Vermittlung: Eltern müssen sich nicht um Sozialabgaben kümmern und bekommen bei Erkrankung der Leihoma möglichst schnell einen Ersatz gestellt. Es wird allerdings auch festgelegt, dass die Leihoma nicht ohne Absprache mit der Agentur an Bekannte weitervermittelt werden darf.

Schreibt die Leihoma selbst eine Rechnung, wird die Tätigkeit meist als Minijob ausgeübt:

  • Die monatlichen Kosten müssen dann unter 400 EUR liegen, ansonsten wird der Verdienst abgabepflichtig.
  • Die Leihoma schwarz zu bezahlen, gilt als Ordnungswidrigkeit.
  • Daher muss die Familie diese Tätigkeit im privaten Haushalt bei der Minijobzentrale über das "Haushaltsscheckverfahren" melden. Es werden zusätzlich zum Stundenlohn der Leihoma noch Pauschalabgaben fällig.
  • Einen Teil der Gesamtausgaben kann die Familie später von ihrer zu zahlenden Einkommenssteuer abziehen.
Minijob-Zentrale: Privathaushalte als Arbeitgeber

Wichtig: Haftpflicht- und Unfallversicherung für die Leihoma

  • Die Leihoma hat einen größeren Schaden verursacht? Dann kommt die Versicherung ins Spiel. Allerdings nicht die private Haftpflicht der Leihoma. Da es sich um einen Schaden während der Arbeitszeit handelt, muss auch ein privater Arbeitgeber seine eigene Versicherung verständigen.
  • Der Schaden wurde nachweislich grob fahrlässig oder vorsätzlich angerichtet? Dann kommt es auf die genauen Umstände an: Der Schaden wird zumindest zwischen beiden Parteien geteilt, die Leihoma muss ihn ganz übernehmen oder ihre Vermittlungsagentur.
  • Der Leihoma passiert etwas – auch auf dem Weg zur Betreuung? Dann greift die gesetzliche Unfallversicherung. Die Minijob-Zentrale übernimmt die Anmeldung automatisch und berechnet die Beiträge zusammen mit den anderen Abgaben. Die zuständige Unfallkasse informiert man, sobald sich ein Arzt um die verletzte Leihoma kümmern muss.
Private Haftpflichtversicherung der R+V

Selbst Leihoma werden

Sich engagieren und im fortgeschrittenen Alter noch gebraucht werden: Das ist vielen Menschen wichtig. Vom Modell der Leihoma profitieren nicht nur die Familien. Wer Interesse an dieser betreuenden Tätigkeit hat, sollte zuverlässig, im Umgang mit Kindern erfahren und körperlich fit sein. Dann muss man sich entscheiden, ob man gegen Bezahlung oder ehrenamtlich – beispielsweise über das Jugendamt – als Leihoma tätig werden möchte.

Nachteile entstehen den Freiwilligen nicht: Fahrtkosten und andere Auslagen werden meistens erstattet. Während der Einsatzzeit sind ehrenamtliche Leihomas versichert.

Die Aufnahme in die Kartei läuft bei vielen Vermittlungsstellen ähnlich ab: In einem Vorstellungsgespräch werden die Bewerberinnen nach ihren Erfahrungen und Qualifikationen befragt. Es wird auch geklärt, an welchem Ort und in welchem zeitlichen Rahmen die Leihoma zum Einsatz kommen möchte. Sie kann auch die Leihoma von mehreren Kindern gleichzeitig sein und mehrmals wöchentlich arbeiten.

Bei vielen Vermittlungen gibt es Mitarbeiter, welche die Bewerberinnen einweisen und auch später noch beraten. Zum Erfahrungsaustausch werden für die Leihomas regelmäßig gemeinsame Treffen organisiert.

Autor/in

D. Konrad

Sep. 2012

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