1. Altersvorsorge

Rente im Ausland – auf was man achten sollte

Tausende deutsche Rentner haben sich bereits ihren Traum vom Ruhestand im Ausland verwirklicht.

Zu den beliebtesten Auswanderungsländern gehören dabei Österreich, die Schweiz und auch die USA. Wenn auch Sie mit dem Gedanken spielen, Ihren Lebensabend im Ausland zu verbringen, lesen Sie hier, worauf zu achten ist und welche Einschränkungen es gibt.

Individuelle Beratung erforderlich

Die Rentenexperten der Deutschen Rentenversicherung Bund raten Interessierten dringend, sich rechtzeitig über die individuellen Voraussetzungen für eine Rentenzahlung ins Ausland zu informieren. Ansprechpartner für die Versicherten ist die Deutsche Rentenversicherung Bund, mit ihren örtlichen Beratungsstellen. Einen Überblick über die Beratungsstellen in ihrer Nähe erhalten Auswanderungswillige auf der Internetseite www.deutsche-rentenversicherung.de.

Vorübergehend oder dauerhaft

Der Rentenversicherungsträger unterscheidet, ob sich ein Rentner vorübergehend oder dauerhaft im Ausland aufhält. Unproblematisch ist es für den Rentenempfänger, wenn er insgesamt weniger als sechs Monate im Ausland lebt und die restliche Zeit des Jahres in Deutschland verbringt. Er bekommt seine Rente in voller Höhe ausgezahlt. Wer allerdings mehr als sechs Monate im Ausland lebt und damit seinen dauernden oder auch "gewöhnlich" genannten Aufenthalt im Ausland begründet, der muss unter Umständen mit Einschränkungen rechnen. Diese können sich entweder auf den Rentenanspruch oder auch die Höhe der Rente auswirken.

Eingeschränkter Rentenanspruch bei verminderter Erwerbsfähigkeit

Einschränkungen gibt es im Ausland bei Renten wegen verminderter Erwerbsfähigkeit. Dies gilt bei Rentenzahlungen die bewilligt wurden, weil für den Berechtigten aufgrund seiner eingeschränkten Erwerbsfähigkeit kein geeigneter Arbeitsplatz zu finden war. Wenn der potenzielle Rentenberechtigte für diese Rente allerdings im Ausland lebt, werden diese Renten grundsätzlich nicht gewährt. Grund dafür ist, dass der Arbeitsmarkt im Ausland für die Prüfung des Rentenanspruchs nicht berücksichtigt wird.

Eine Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit im Ausland erhalten nur Berechtigte, bei denen allein der Gesundheitszustand als Voraussetzung für einen Rentenanspruch berücksichtigt wurde, d.h. für die ein Arbeitsplatz gar nicht mehr in Frage kommt.

Ausgenommen von der Einschränkung bei der Rente für verminderte Erwerbstätigkeit ist eine Vielzahl an Ländern, bei denen die Verordnungen und die Sozialversicherungsabkommen entsprechende Gleichstellungsregelungen beinhalten.

Diese Ausnahmen gelten für:

  • Mitgliedsstaaten der EU
  • Island
  • Liechtenstein
  • Norwegen
  • Schweiz

Bilaterale Regelungen gibt es mit:

  • Australien
  • Bosnien-Herzegowina
  • Chile
  • China (Entsendeabkommen)
  • Indien (Entsendeabkommen)
  • Israel
  • Japan
  • Kanada und Quebec
  • Kosovo
  • Kroatien
  • Marokko
  • Mazedonien
  • Montenegro
  • Republik Korea
  • Serbien
  • Tunesien
  • Türkei
  • USA

Dabei kommt es aber auf die eigene Staatsangehörigkeit an.

In anderen Staaten kann es bei der Rente für verminderte Erwerbstätigkeit zu Problemen kommen.

Über die Rentenhöhe entscheiden mehrere Faktoren

Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung Bund sind mögliche Einschränkungen bei der gesetzlichen Rente von folgenden Faktoren abhängig:

  • der Staatsangehörigkeit
  • der Art der zurückgelegten Zeiten in der Rentenversicherung
  • dem Geburtsdatum
  • dem Zeitpunkt der Auswanderung
  • dem Land, in das ausgewandert wurde
  • der Höhe der Entgeltpunkte

Die Rente im Ausland ist dabei von zahlreichen verschiedenen Sonderregelungen und Vorschriften bestimmt. Eine individuelle Beratung und Berechnung von Seiten der Deutschen Rentenversicherung ist daher zwingend notwendig, wenn man seinen Ruhestand im Ausland mit Sicherheit planen will.

Generell gilt: Eine ungekürzte Zahlung der Rente in das Ausland ist nur möglich, wenn ausschließlich Bundesgebiets-Beitragszeiten zurückgelegt wurden. Aus Entgeltpunkten für Beiträge außerhalb Deutschlands und für Beschäftigungszeiten im Ausland wird keine Auslandsrente gezahlt.

Ausnahme: Deutsche und gleichgestellte Ausländer, die vor dem 19. Mai 1990 ausgewandert sind und zugleich vor dem 19. Mai 1950 geboren sind, können für die Auslandsrente zusätzlich auch noch Entgeltpunkte für Beitragszeiten nach dem Fremdrentengesetz und für Reichsgebiets-Beitragszeiten erhalten.

EU-weite Angleichung

In der Europäischen Union sind die Antragstellung und die Anrechnung der Beitragszeiten vereinheitlicht. In Folge von Kooperationen der Bundesrepublik mit allen EU-Ländern und auch anderen Staaten können im Ausland lebende Deutsche teilweise bei den jeweiligen Rentenversicherungsträgern vor Ort ihre Rente beantragen.

Fragen zu Steuern und Krankenkasse klären

Die Experten der Deutschen Rentenversicherung raten künftigen Rentnern, die ihren Ruhestand im Ausland planen, sich im Vorfeld auch ausführlich über die im Gastland ihrer Wahl geltenden steuerlichen Bestimmungen und den Beitritt zu einer neuen Krankenkasse zu informieren.

Generell gibt es bei einem dauernden Aufenthalt im Ausland keine Möglichkeit, den Versicherungsschutz der gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland in Anspruch zu nehmen. Auswanderungswillige sollten sich vor diesem Hintergrund auch aufklären lassen, wie im Falle einer Heimkehr nach Deutschland die Möglichkeiten einer Rückkehr in die gesetzliche Krankenkasse sind. Zu bedenken ist dabei, dass man ab 55 Jahren kaum noch eine Chance besitzt wieder in die gesetzliche Krankenversicherung aufgenommen zu werden.

Detaillierte Informationen zu allen Belangen der "Rente im Ausland" bietet die Deutsche Rentenversicherung Bund auf ihrer Internetseite zum Herunterladen an. Dort gibt es in der Rubrik "Services" eine Broschürenreihe mit umfassenden Informationen zu diesem Thema und einzelnen Ländern.

Autor/in

S. Nies

Feb. 2013

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