Kundeninformationen zum Brexit

Die EU und Großbritannien streben den Abschluss eines Freihandelsvertrages an, der ab dem 1. Januar 2021 die Grundlagen für die zukünftige wirtschaftliche Zusammenarbeit legen soll. Gelingt keine Einigung, droht ein Rückfall in den bilateralen Beziehungen auf WTO-Standards (No-Deal Brexit).

Mit dem Ende der Übergangsphase am 31. Dezember 2020 endet die Teilnahme Großbritanniens am Binnenmarkt. Finanzdienstleistungen können dann nicht mehr im Wege der Niederlassung- und Dienstleistungsfreiheit aus der EU heraus in Großbritannien erbracht werden (bzw. vice versa).

Was bedeutet das für Ihren Versicherungsvertrag? Wir haben einige Punkte zusammengetragen.

Sofern das versicherte Risiko in Großbritannien liegt, konnte die R+V den Versicherungsvertrag vor dem Brexit im Rahmen der EU-Dienstleistungsfreiheit zeichnen. Diese Zulässigkeit entfällt somit. Großbritannien wird dann ein Nicht-EU-Land (Drittland), wie beispielsweise die USA. Die R+V wird nach dem Brexit keine neuen Versicherungsgeschäfte in Großbritannien mehr zeichnen und dort bestehende Versicherungsverträge abwickeln.

Wenn Sie Ihren Wohnsitz in Großbritannien haben, kann dies Einfluss auf den Versicherungsschutz aus Ihren Verträgen haben. Hier drei Beispiele:

Lebens- und Rentenversicherungen

Versicherungsschutz besteht grundsätzlich weltweit. Dies gilt auch für Leistungen aus eingeschlossenen Zusatzversicherungen, wie z. B. einer Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung. Wenn Sie zwischen dem 01.07.1995 und dem 30.04.1999 einen Vertrag mit Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherung abgeschlossen haben, so ist in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) geregelt, dass der Versicherungsschutz endet, wenn die versicherte Person ihren ständigen Wohnsitz in den Ländern der EU aufgibt. Wir werden uns nicht auf die Regelung in den AVB berufen, wenn Sie Ihren Lebensmittelpunkt in Großbritannien haben und damit nach einem Brexit nicht mehr innerhalb der EU wohnen.

Restkreditversicherungen

Versicherungsschutz besteht grundsätzlich weltweit. Nur wenn sich die versicherte Person länger als drei Monate ununterbrochen außerhalb Europas (nicht außerhalb der EU) aufhält, besteht kein Anspruch auf Arbeitsunfähigkeitsrente, solange dieser Aufenthalt fortdauert

Krankenversicherungen

Bei der Krankheitskosten­versicherung, der Krankentagegeld­versicherung und der Pflegezusatz­versicherung ergeben sich auch nach Ablauf der Übergangsfrist am 31.12.2020 keine Änderungen im Umfang des Versicherungsschutzes für diejenigen Personen, die ihren gewöhnlichen Aufenthalt vor dem 01.01.2021 in Großbritannien begründet haben und solange sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt nicht in ein anderes Land verlegen.

Bei einem No-deal-Brexit haben Versicherte, die am 31.12.2020 ihren gewöhnlichem Aufenthalt in Großbritannien hatten, in der Privaten Pflegepflichtversicherung ein Sonderkündigungsrecht. Sie können die Versicherung bis spätestens 31.03.2021 kündigen (Zugang der Kündigung beim Versicherer). Die Kündigung wirkt dann rückwirkend zum Ablauf des 31.12.2020.

Hier ist zu beachten, dass eine solche Kündigung Auswirkungen auf eine etwaig abgeschlossene staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung (bei der R+V ist dies der „Pflege FörderBahr“) hat. Voraussetzung für die Fortführung einer solchen Pflegezusatzversicherung mit staatlicher Förderung ist grundsätzlich die Zulageberechtigung, d. h. die zu versichernde Person muss Mitglied in der sozialen oder privaten Pflege(pflicht)versicherung sein. Entfällt diese Voraussetzung, enden der Anspruch auf die staatliche Zulage und auch die Versicherung.

Wird nach dem 31.12.2020 der gewöhnliche Aufenthalt in Großbritannien begründet und gibt es keine Vereinbarung zur sozialen Sicherheit, empfehlen wir dringend, sich wegen der weiteren Vorgehensweise rechtzeitig mit dem privaten Krankenversicherer in Verbindung zu setzen. Denn viele private Krankenversicherungen werden dann – abhängig vom jeweiligen Tarif - mit dem Wegzug enden, wenn keine anderweitige Vereinbarung zur Fortführung oder über eine Anwartschaft getroffen wurde. Es kann außerdem sein, dass sich der Versicherungsschutz ändert.

So wäre das z. B. bei der privaten Pflegepflichtversicherung. Zum einen endet die Versicherung, wenn keine Vereinbarung zur Fortführung getroffen wird. Zum anderen ändern sich – auch bei einer Vereinbarung zur Fortführung – die Leistungen. Nach einem harten Brexit werden dann das Pflegegeld sowie Leistungen zur sozialen Sicherung von Pflegepersonen und Leistungen bei Pflegezeit nur bei einem vorübergehenden Aufenthalt in Großbritannien und nur bis zu sechs Wochen im Kalenderjahr weitergezahlt. Sachleistungen für Pflege werden für diese Zeit nur erbracht, wenn die professionelle Pflegekraft, die ansonsten die Pflege im Inland durchführt, die versicherte Person während des vorübergehenden Auslandsaufenthalts begleitet.

Auch in diesem Fall gilt: Besteht eine staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung, entfällt mit Beendigung der privaten Pflegeversicherung die Zulageberechtigung. Das gilt entsprechend, wenn Sie in der sozialen Pflegeversicherung Ihrer Krankenkasse versichert sind und diese endet.

Abhängig von der bestehenden Versicherung und der weiteren Lebensplanung gibt es viele Optionen für die Gestaltung und den Erhalt von Optionen, wenn z. B. eine Rückkehr nach Deutschland geplant oder nicht ausgeschlossen ist. Lassen Sie sich beraten.

Krankenzusatzversicherungen setzen das Bestehen einer Versicherung bei einer deutschen gesetzlichen Krankenversicherung voraus. Sie enden grundsätzlich, wenn die Versicherung in der deutschen gesetzlichen Krankenversicherung endet. Hieran ändert sich durch den Brexit nichts.

Wir helfen gerne weiter!

Wenn Sie Fragen zu Ihrem konkreten Vertrag haben, sprechen Sie uns gerne an! Ansprechpartner finden Sie unter dem Punkt „Wohin kann ich mich bei weiteren Fragen wenden?“

Der internationale Fahrzeugverkehr ist, soweit es Schädigungen durch ausländische Fahrzeuge betrifft, durch das Grüne-Karte-System zwischen den Länderbüros vertraglich geregelt. Hieran ändert sich auch durch einen harten Brexit nichts. Das heißt, Sie können sich nach einer Schädigung durch ein britisches Fahrzeug in Deutschland weiter an das Deutsche Büro Grüne Karte e.V. wenden. Genauso kann sich ein Brite, der in Großbritannien von einem deutschen Fahrzeug geschädigt wurde, weiter an das britische Grüne-Karte-Büro wenden.

Ist die Schädigung durch ein britisches Fahrzeug allerdings in Großbritannien erfolgt, müssen Sie sich (gegebenenfalls mit der Unterstützung Ihrer Rechtsschutzversicherung) nach einem harten Brexit direkt an den britischen Versicherer wenden.

Darüber hinaus ist damit zu rechnen, dass Sie bei der Einreise nach Großbritannien in Zukunft wieder den ordnungsgemäßen Versicherungsschutz durch das Dokument der Grünen Karte nachweisen müssen. Diese sollten Sie deshalb rechtzeitig bei Ihrem Versicherer besorgen.

Die Haftpflichtversicherung unterscheidet zwei Formen der Auslandsaufenthalte – den vorübergehenden und den zeitlich unbegrenzten Aufenthalt.

Vorübergehender Auslandsaufenthalt

Der Versicherungsschutz der Privathaftpflichtversicherung umfasst auch eine Absicherung von im Ausland entstehenden Schäden. So sind regelmäßig Haftpflichtansprüche versichert, die bei einem vorübergehenden Auslandsaufenthalt entstehen. Je nach Tarifgeneration und Produktvariante gilt der Versicherungsschutz für unterschiedlich lange Zeiträume, meist für einen Zeitraum zwischen zwei und fünf Jahren.

Ein vorübergehender Aufenthalt im Vereinigten Königreich Großbritannien und Nordirland (Großbritannien/Nordirland) zu Urlaubs-/Ausbildungszwecken oder aus anderen Gründen ist somit immer für den im Vertrag beschriebenen Zeitraum über die Privathaftpflichtversicherung versichert.

Zeitlich unbegrenzter Auslandsaufenthalt

In neueren Privathaftpflicht-Versicherungsbedingungen ist zudem ein erweiterter Auslandsschutz enthalten. Ergänzend zum zeitlich begrenzten weltweiten Auslandsaufenthalt besteht auch Schutz bei einem zeitlich unbegrenzten Aufenthalt in bestimmen Ländern. Voraussetzung ist, dass zeitgleich der Erstwohnsitz in der Bundesrepublik Deutschland beibehalten wird.

Brexit – Bei Tarifen bis 2018 entfällt die Mitversicherung des zeitlich unbegrenzten Aufenthalts in Großbritannien/Nordirland mit dem Tag des EU-Austritts

In einzelnen Tarifen gilt diese Absicherung auch in den Ländern der Europäischen Union.

Bei einem Austritt Großbritanniens/Nordirlands aus der EU (mit oder ohne Vereinbarung) bedeutet dies, dass für Personen mit dauerhaften Aufenthalt in Großbritannien/Nordirland und zeitgleichem deutschen Erstwohnsitz dieser dauerhafte Auslandsversicherungsschutz mit dem Tag des Austritts entfällt.

Was ist zu tun?

Wir empfehlen Ihnen eine Umstellung des Vertrages auf unseren aktuellen Tarif. Denn dort ist der zeitlich unbegrenzte Auslandsaufenthalt auf die europäischen Staaten ausgedehnt, so dass eine Zugehörigkeit zur EU nicht maßgeblich ist.

Ja, auch wenn Sie Ihren Wohnsitz in Großbritannien haben oder dorthin verlegen, gelten Ihre Versicherungsverträge unverändert weiter. Allerdings kann sich der Umfang Ihres Versicherungsschutzes ändern. Einzelheiten finden Sie unter dem Punkt „Bin ich nach dem Brexit noch in Großbritannien versichert?“

Die Auswirkungen eines harten Brexits auf die Verzinsung der Lebensversicherungsverträge der R+V werden eher gering sein. Das hat mehrere Gründe:

  • Die Kapitalanlage-Portfolien der R+V-Versicherer sind breit diversifiziert: Das Vermögen ist in unterschiedlichen Anlageklassen wie Immobilien, Aktien oder Staats- und Unternehmensanleihen angelegt. Diese wiederum sind auf viele Länder und Branchen verteilt.
  • Weniger als fünf Prozent der gesamten Kapitalanlage der R+V ist in Großbritannien investiert.
  • Investitionen, die in britischem Pfund getätigt wurden, sind gegen Währungskursschwankungen weitestgehend abgesichert.
  • Mögliche Kapitalmarktschwankungen werden durch das einzigartige System der Lebensversicherer aus Garantien und ruhigen Überschussbeteiligungen für Kunden geglättet.

Nach Ablauf der Übergangsfrist am 31.12.2020 können Verträge bis zur nächsten Hauptfälligkeit auf Basis einer gesetzlichen Abwicklungsfrist in Großbritannien zunächst fortgesetzt werden. Schäden wickeln wir noch innerhalb der nächsten 15 Jahre ab.

Nach einem harten Brexit schließt die R+V Risiken in Großbritannien nicht mehr in den deutschen Vertrag ein, sondern erstellt ein internationales Versicherungsprogramm mit einer Lokalpolice vor Ort. Dennoch betreuen wir Sie als Kunde vollumfänglich von Deutschland aus.

Eine Notwendigkeit zur Erstellung eines internationalen Versicherungsprogramms besteht gegebenenfalls für Verträge in den folgenden Versicherungszweigen:

  • Allgemeine Haftpflichtversicherung
  • Vermögenschadenhaftpflichtversicherung
  • Sachversicherung
  • Transportversicherung
  • Agrarversicherung
  • Technische Versicherung

Sollten Sie auf Basis unserer Unterlagen betroffen sein, haben wir Sie bereits angesprochen. Wenn Sie Interesse an einem internationalen Programm haben, wenden Sie sich bitte an Ihren gewohnten Ansprechpartner.

Das ist weiterhin möglich, wenn der Versicherungsnehmer seinen Geschäftssitz in Deutschland, Österreich oder in einem Land hat, in dem die R+V Allgemeine Versicherung AG ihre Tätigkeit im Rahmen der Dienstleistungsfreiheit angezeigt hat. Risikokunden in der Warenkreditversicherung und Aval-Gläubiger in der Kautionsversicherung können in Großbritannien ansässig sein.

Bei weiteren Fragen wenden Sie sich bitte:

Fragen zu: Telefonnummer:
Lebens- und Rentenversicherungen 0800 533-1171
Krankenversicherungen 0800 533-1121
Alle anderen Versicherungssparten 0800 533-1112

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