1. Pflege

Pflegefall Pflege: zu Hause oder im Heim?

Pflege in den eigenen vier Wänden oder Umzug in eine Pflegeeinrichtung: Es gibt viele Dinge, die zu berücksichtigen sind. Das gilt für die pflegebedürftige Person genauso wie für deren Angehörige.

Eigene Wohnung oder Pflegeeinrichtung: Für welche der Möglichkeiten sich Betroffene oder deren Angehörige entscheiden, hängt zum einen von der Schwere der Pflegebedürftigkeit, zum anderen von den persönlichen Lebensumständen und Wünschen der zu pflegenden Personen ab. Und natürlich nicht zuletzt auch von den (zeitlichen) Möglichkeiten der Familie, die Betreuung des Pflegebedürftigen zum festen Bestandteil des Tagesablaufs zu machen. Die wichtigsten Pflegemöglichkeiten sind:

Pflege durch Angehörige

Für den pflegebedürftigen Menschen ist die häusliche Pflege durch Angehörige die wohl schönste und angenehmste Alternative. Sie gestattet ein harmonisches Zusammenleben unter angenehmen Rahmenbedingungen und lässt erkrankte oder ältere Menschen mehr Geborgenheit empfinden und Kraft schöpfen. Anders für die Angehörigen: Für sie ist die häusliche Pflege keine leichte Aufgabe und meist mit gravierenden Veränderungen im eigenen Alltag verbunden. Die Familie sollte genau überlegen, ob sie der Belastung auf Dauer physisch und psychisch gewachsen ist. Viele Angehörige von Pflegebedürftigen leiden nach einiger Zeit selbst erheblich unter den Anforderungen der häuslichen Pflege. Es gilt in jedem Fall, an die eigenen Grenzen zu denken und sich nicht einreden zu lassen, man handle herzlos, wenn die Familie die Hilfe von ambulanten Pflegediensten mit speziell ausgebildetem Personal in Anspruch nimmt.

Übernehmen Angehörige die Pflege, können sie Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung erhalten – das so genannte Pflegegeld. Mehr noch: Arbeitnehmer dürfen sich zehn Tage frei nehmen, um im akuten Fall die Pflege eines Angehörigen zu organisieren und die Versorgung in diesem Zeitraum sicherzustellen. Darüber hinaus haben Arbeitnehmer, die Angehörige zuhause pflegen, Anspruch auf eine Freistellung von der Arbeit von bis zu sechs Monaten. In dieser Zeit erhalten sie zwar kein Gehalt, sind aber sozialversichert. Allerdings gilt diese Regelung nur in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten.

Weitere Alternative: die Familienpflegezeit. Sie macht es möglich, nahe Angehörige zu pflegen und weiterhin erwerbstätig zu sein. In der Familienpflegezeit können Beschäftigte ihre Arbeitszeit über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren auf bis zu 15 Stunden Wochenarbeitszeit reduzieren. Wird zum Beispiel die Arbeitszeit in der Pflegephase auf 50% reduziert, erhalten die Beschäftigten weiterhin 75% des letzten Bruttoeinkommens. Zum Ausgleich müssen sie im Anschluss an die Pflegephase wieder voll arbeiten, bekommen in diesem Fall aber weiterhin nur 75% des Gehalts – so lange, bis das Zeitkonto wieder ausgeglichen ist.

Es ist durchaus möglich, Hilfe durch einen ambulanten Pflegedienst mit selbst durchgeführter Pflege zu kombinieren. Die Kasse zahlt dann jeweils anteilig die jeweiligen Leistungen – für von Laien durchgeführte Pflege gibt es das Pflegegeld, für die Leistungen des professionellen Pflegedienstes die sogenannte Pflegesachleistung. Demenzkranke in den Pflegestufen I oder II erhalten leicht erhöhte Sätze. Die gesetzliche Pflegeversicherung entrichtet zudem für die Pflegeperson Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung. Während der Pflege ist die Hilfsperson übrigens über die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert.

Ambulante Pflegedienste

Diese übernehmen die Grundpflege, zum Beispiel das Waschen. Darüber hinaus kümmern sich ambulante Pflegedienste vor allem um die Behandlungspflege. Dazu gehören etwa der Verbandswechsel oder die Medikamentengabe. Außerdem können sich Pflegebedürftige bei der Hausarbeit helfen lassen. Schließlich beraten und unterstützen ambulante Pflegedienste bei der Beschaffung von Hilfsmitteln sowie Verbrauchsmaterialien für die Pflege und nennen weitere Möglichkeiten der Entlastung von pflegenden Angehörigen.

Haushaltshilfe aus Osteuropa

Oft sind Angehörige mit der Pflegearbeit überfordert oder können sich einen ambulanten Pflegedienst trotz der Zahlungen der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht leisten. Ein möglicher Ausweg: Haushaltshilfen aus den osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten. Seit 2011 können diese ganz legal in Deutschland beschäftigt und direkt angestellt werden. Haushaltshilfen sind vor allem dann eine gute Alternative, wenn Familie oder Pflegebedürftiger auf eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung Wert legen.

Unterstützen dürfen die Helferinnen im Haushalt und bei der sogenannten Grundpflege. Dazu gehören Waschen, Anziehen, Kämmen und Hilfe beim Laufen oder dem Toilettengang – also Tätigkeiten, für die es keiner Ausbildung bedarf. Professionelle Handgriffe, zum Beispiel Verbandswechsel oder Mobilisierung zum Erhalt der Beweglichkeit, müssen von Pflegefachkräften verrichtet werden.

Pflichten des Auftraggebers bei Haushaltshilfen aus den osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten: Er muss sämtliche Sozialabgaben für die Helferin bezahlen, wie gesetzliche Kranken-, Pflege-, Renten-, Arbeitslosen- und Unfallversicherung. Vorgesehen ist eine wöchentliche Arbeitszeit von 38,5 Stunden. Die Haushaltshilfen müssen nach Tarif bezahlt werden, damit sie das erhalten, was eine deutsche Kraft verdienen würde. Die tatsächliche finanzielle Belastung ergibt sich dann aus dem Gehalt abzüglich Pflegegeld von der Pflegekasse.

Senioren-Wohngemeinschaft und Pflege-Wohngemeinschaft

Lange selbstbestimmt und in häuslicher Umgebung leben: Das wollen die meisten Menschen – auch im Alter. Neue Wohnformen, dazu gehören insbesondere Senioren-Wohngemeinschaften und Pflege-Wohngemeinschaften, bieten diese Möglichkeit, ohne auf Privatsphäre und Eigenständigkeit verzichten zu müssen. Die Bewohnerinnen und Bewohner einer WG leben in eigenen Zimmern, können aber auch in Gemeinschaftsräumen Aktivitäten in der Gruppe durchführen. Dazu gehören etwa gemeinsames Kochen und Essen, Schach spielen oder Gymnastikübungen.

Seit dem 30. Oktober 2012 werden ambulant betreute Wohngruppen, die bestimmte Mindestvoraussetzungen erfüllen, von der gesetzlichen Pflegeversicherung besonders gefördert. Bedingungen hierfür sind, dass regelmäßig mindestens drei Pflegebedürftige zusammen wohnen, dass die Wohngemeinschaft den Zweck verfolgt, gemeinschaftlich eine pflegerische Versorgung für die Wohngruppe zu organisieren, und dass die Pflegebedürftigen unabhängig darüber entscheiden können, welche Pflege- und Betreuungsleistungen für die Bewohner erbracht werden sollen und welche Anbieter dafür ausgewählt werden.

Darüber hinaus können Pflegebedürftige, die eine neue Pflege-WG gründen wollen, eine Anschubfinanzierung zur altersgerechten oder barrierefreien Umgestaltung der gemeinsamen Wohnung erhalten – zusätzlich zu den Zuschüssen für Maßnahmen zur Verbesserung des gemeinsamen Wohnumfelds. Konkret kann jeder Pflegebedürftige bei seiner gesetzlichen Pflegeversicherung einmalig bis zu 2.500 EUR beantragen. Die Gesamtförderung je Wohngemeinschaft ist allerdings auf 10.000 EUR begrenzt. Den Antrag auf Bewilligung dieser Mittel ist innerhalb eines Jahres ab Vorliegen der Anspruchsvoraussetzungen zu stellen. Weitere Informationen zu den Bestimmungen und zur Verfahrensweise gibt es bei der gesetzlichen Pflegeversicherung.

Pflegeheim

Die medizinische Versorgung in Pflegeheimen unterscheidet sich grundsätzlich nicht von der, die man von zu Hause kennt. Auch die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen haben eine freie Arztwahl. Die Frage der haus-, fach- und zahnärztlichen Versorgung der Bewohner ist ein wichtiges Kriterium bei der Entscheidung für ein Pflegeheim. Grundsätzlich gibt es drei unterschiedliche Heimtypen: das Altenwohnheim, das Altenheim und das Pflegeheim.

  • In Altenwohnheimen leben die Bewohner relativ eigenständig in kleinen Wohnungen mit eigener Küche. Es besteht jedoch die Möglichkeit, die Mahlzeiten mit den anderen Bewohnern zusammen zum Beispiel in einem Gemeinschaftsraum einzunehmen.
  • Altenheime gewährleisten solchen Menschen pflegerische Betreuung und hauswirtschaftliche Unterstützung, die dazu allein nicht mehr in der Lage sind. Auch hier leben die Bewohner oft in abgeschlossenen kleinen Wohnungen oder Appartements.
  • Moderne Pflegeheime schließlich bieten heutzutage fast nur noch Einzelzimmer mit eigenem Duschbad und WC an – inklusive pflegerischer und hauswirtschaftlicher Versorgung und Betreuung am Tag und in der Nacht. Für Ehepaare gibt es regelmäßig kleine Appartements. Das Mitbringen der eigenen Möbel ist hier die Regel.

Wer auf der Suche nach einer ambulanten Betreuung oder einem Pflegeheim ist, steht vor einer wichtigen Entscheidung. Ein gründlicher Vergleich der lokalen Dienste und Heime erspart späteren Ärger und sorgt am Ende für eine optimale Lösung. Hierzu bietet der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) die kostenlose Pflegedatenbank BKK PflegeFinder an. Unter www.bkk-pflegefinder.de können Pflegebedürftige und ihre Angehörigen ambulante Pflegedienste, Pflegeheime und Hospize in ihrer Nähe nach Postleitzahlen suchen. Per Mausklick erhalten Sie eine Übersicht sämtlicher Anbieter im Umkreis von bis zu 100 Kilometern, inklusive Adressen und Telefonnummern. Übrigens: Der BKK PflegeFinder eignet sich auch zum Preisvergleich. Zu jedem ambulanten Pflegedienst sowie zu den meisten Pflegeheimen gibt es eine komplette Preisliste zum Herunterladen.

Unser Tipp

Sorgen Sie für den Fall der Fälle vor – mit den Pflegetagegeldern der R+V.

Sie schützen vor hohen finanziellen Belastungen im Pflegefall und bieten eine Einkommens- und Vermögenssicherung für den Betroffenen und seine Familienangehörigen. Auch eine staatliche Förderung kann in Anspruch genommen werden.

Produktinformationen R+V-Pflegetagegelder

Unsere Ansprechpartner vor Ort informieren Sie gerne auch persönlich zu den Pflegeversicherungen der R+V.

Ansprechpartner suchen

Autor/in

D. Konrad und C. Langolf

Apr. 2013

Themenwelten

Weitere Ratgeber Plus Artikel