1. Pflege

Diagnose Pflegefall. Und jetzt?

Was man tun kann, um den (drohenden) Pflegefall so gut wie möglich zu meistern und dem Betroffenen ein Leben in weitgehender Selbstbestimmung zu bieten.

In den meisten Fällen wird die Pflegebedürftigkeit im Krankenhaus festgestellt. Spätestens dann sollte die Familie aktiv werden und die notwendigen Schritte einleiten. Zunächst ist zu überlegen, wer anzusprechen oder einzubeziehen ist und welche öffentlichen Stellen von der Pflegebedürftigkeit in Kenntnis zu setzen sind.

Darüber hinaus empfehlenswert ist die Erstellung einer Liste mit Dingen, die zu besorgen und zu erledigen sind, bevor der Patient entlassen wird. Soll der Pflegebedürftige in den eigenen vier Wänden versorgt werden, sind zum Beispiel umfangreiche Vorbereitungen und oft sogar Umbauten erforderlich. Dazu gehören der Einbau neuer behinderten- und rollstuhlgerechter Türen, Rampen im Eingangsbereich, Umbauten im Bad (höheres WC-Becken, Badewanne mit Haltevorrichtungen und/oder Hebeeinrichtung), im Schlafzimmer (Pflegebett) und in der Küche sowie die Anschaffung von Gehhilfen und Rollstuhl.

Aber auch die Unterbringung in einem Pflegeheim will gut geplant und vorbereitet sein – Wohnungskündigung und Haushaltsauflösung inklusive. Für die meisten Pflegebedürftigen ist es sehr wichtig, dass sie weiterhin von ihren Verwandten und Freunden besucht werden können. Dann ist ein Pflegeheim in der Nähe die beste Wahl. Um das passende Pflegeheim zu finden, ist es ratsam, gemeinsam mit den Angehörigen die infrage kommenden Einrichtungen zu besuchen und genau unter die Lupe zu nehmen. Zu klären sind zum Beispiel Tagesablauf, Speiseplan und angebotene Aktivitäten. Auch den Heimvertrag sollte man genauestens durchlesen und überprüfen. Abzuklären ist zudem, ob eigene Möbel mitgebracht werden können. Eine wichtige Rolle spielen schließlich die Kosten. Da die gesetzliche Pflegeversicherung meist nur einen Teil der Pflegeheimkosten abdeckt, empfiehlt es sich nachzurechnen, ob der Aufenthalt im Heim durch Einkommen und Vermögenswerte finanziell gesichert ist.

Checkliste: Pflege zu Hause absichern
Checkliste: Wohnen im Pflegeheim
Checkliste: Pflegevertrag

Pflegetagebuch führen

In den meisten Fällen hat die Familie den Angehörigen bereits vor Beantragung einer Pflegestufe bei bestimmten Dingen des Alltags unterstützt – etwa beim Einkaufen oder bei der Wohnungsreinigung. Diese Tätigkeiten sollten lückenlos dokumentiert werden. Am besten ist es, ein Pflegetagebuch anzulegen und zu führen – und zwar über mehrere Wochen. Hintergrund: Über die Einstufung in eine der Pflegestufen entscheidet bei Kassenpatienten der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK), bei Privatversicherten kommt ein Gutachter der Firma Medicproof. Die Mitarbeiter von MDK oder Medicproof überprüfen, inwieweit dauerhaft und regelmäßig Hilfebedarf bei den sogenannten Katalogverrichtungen besteht. Dazu gehören Körperpflege, Nahrungsaufnahme, Mobilität und hauswirtschaftliche Versorgung.

Dieser Besuch ist für Betroffene wie Angehörige ein überaus wichtiger und ernstzunehmender Termin. In der Regel schätzen die Prüfer den Pflegeaufwand nämlich nur theoretisch und zu niedrig ein. Tätigkeiten wie Waschen, Ankleiden, Unterstützung beim Toilettengang und andere pflegerische Hilfen sind Dinge, deren Zeitbedarfe schwer beurteilt werden können. In diesem Fall liefert das Pflegetagebuch wichtige Daten für die Ermittlung des tatsächlichen Pflegebedarfs.

Vordruck Pflegetagebuch
Entscheidungsbaum: Die Pflegestufe bestimmen

Wichtige Ansprechpartner im Pflegefall

Was viele nicht wissen: Jeder Pflegebedürftige hat seit 2009 einen gesetzlich festgelegten Rechtsanspruch auf Beratung. Die erste Anlaufstelle für gesetzlich Krankenversicherte ist die Kranken- beziehungsweise Pflegekasse, für privat Krankenversicherte die private Kranken- beziehungsweise Pflegeversicherung. Weitere Ansprechpartner:

  • Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit
    Informationen aus erster Hand gibt es über das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit unter 018 05 - 99 66-03 oder im Internet unter bmg.bund.de/ministerium/kontakt-und-service/buergertelefon.html.
  • Sozialdienste
    Wer im Krankenhaus liegt und feststellt, dass eine Rückkehr in die eigenen vier Wände vorübergehend oder dauerhaft nicht möglich ist, kann sich an den Sozialdienst des Krankenhauses wenden. Solche Einrichtungen gibt es heute in allen Tumorzentren und größeren Krankenhäusern. Die Mitarbeiter des Sozialdienstes informieren zu vielen Fragen, die bei und nach der Entlassung auf Patienten zukommen können. Dazu gehören
    • die Möglichkeit einer stationären oder ambulanten Anschlussrehabilitation,
    • Hilfe bei der Beantragung eines Schwerbehinderten-Ausweises,
    • Hilfe bei der professionellen Pflege zu Hause,
    • Unterstützung und Schulung von Angehörigen,
    • stationäre Kurzzeit- oder Dauerpflege oder Betreuung in Hospizen oder auf Palliativstationen, wenn eine Pflege in der eigenen Wohnung nicht mehr möglich ist.
  • Pflegestützpunkte
    Gut beraten sind gesetzlich Krankenversicherte darüber hinaus bei den offiziellen Pflegestützpunkten und bei zahlreichen Pflegeberatungsstellen. Die regionalen Pflegestützpunkte bieten Beratung über Hilfs- und Betreuungsangebote, über die pflegerische, medizinische und soziale Versorgung und geben Hilfestellung bei der Organisation ambulanter Pflege. Der Pflegeberater hilft auch bei der individuellen Pflegekonzeption. Dabei berät er nicht nur zu Leistungen aus der Pflegekasse, sondern auch zu anderen professionellen und ehrenamtlichen Hilfsmöglichkeiten vor Ort. Er organisiert die Hilfeleistungen, kann sie gegebenenfalls auch überwachen und unterstützt bei der Organisation der Finanzierung. Wenn nötig, nimmt er Kontakt mit den Sozialhilfeträgern auf. Die nächstgelegene Stelle erfahren Patienten und Angehörige von der Stadt oder Gemeinde oder von ihrer Krankenversicherung. Alternativ finden sich die Pflegestützpunkte und deren Kontaktdaten auf der Seite des Zentrums für Qualität in der Pflege unter der Internetadresse psp.zqp.de/search.php.
  • COMPASS – Die Pflegeberatung
    COMPASS Private Pflegeberatung wurde im Juni 2008 als Tochter des Verbands der privaten Krankenversicherung gegründet. COMPASS stellt für alle privaten Kranken- und Pflegeversicherungen die vom Gesetzgeber im Rahmen des Pflegeweiterentwicklungsgesetzes neu eingeführte Pflegeberatung sicher. Das Angebot der Pflegeberatung richtet sich an pflege- und hilfsbedürftige Menschen, deren Angehörige oder Betreuer sowie an allgemein Ratsuchende, die sich im Vorfeld einer aufkommenden Pflegesituation informieren wollen. Internetadresse von COMPASS: compass-pflegeberatung.de.
  • Pflegedienste
    Sozialstationen und Pflegedienste spielen bei der vorübergehenden oder dauerhaften Versorgung eine wichtige Rolle. Noch vor wenigen Jahren waren überwiegend Kirchen die Träger von Sozialstationen. Heute bieten die meisten Sozialverbände ebenfalls Pflegedienste an, und es gibt eine Vielzahl von freien Anbietern. Adressen gibt es im jeweiligen Branchenverzeichnis des Telefonbuches, beim Hausarzt, bei den Krankenkassen – oder im Internet:
    • weisse-liste.de – Suchmaschine der Bertelsmann Stiftung für Pflegeeinrichtungen in den Bereichen stationäre Pflege, Tagespflege, Kurzzeitpflege sowie Urlaubs- und Verhinderungspflege
    • bkk-pflegefinder.de – Suchmaschine für alle Pflegearten mit Angabe des jeweiligen Leistungsangebots und der Preise
    • pflegelotse.de – Die Pflege-Suchmaschine des Verbands der Ersatzkassen
  • Hilfsdienste vor Ort
    Wer sich noch gut alleine versorgen kann, für bestimmte Tätigkeiten aber Unterstützung benötigt, wendet sich an örtliche Hilfsdienste. Nachbarschaftshilfen und Wohlfahrtsverbände bieten oft ehrenamtliche Unterstützung beim Einkauf, Kochen, bei Arzt- und Behördengängen.
  • Hospize und ambulante Palliativversorgung
    Schwerstkranke Menschen haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine sogenannte "Spezialisierte ambulante Palliativversorgung", abgekürzt SAPV. Damit soll sichergestellt werden, dass Patienten in den letzten Tagen oder Wochen ihres Lebens nicht ins Krankenhaus müssen, sondern zuhause oder in vertrauter Umgebung bei der Familie versorgt werden können. Alternativ kommt die Unterbringung in einem Hospiz in Betracht. Die Pflege dort ist auf die Versorgung Schwerstkranker bzw. Menschen, die nur noch wenige Wochen zu leben haben, eingerichtet. Informationen zum Thema sowie über die Einrichtungen bietet der Deutscher Hospiz- und PalliativVerband e.V. unter der Internetadresse dhpv.de.
  • Spezialfall Demenz
    Bei demenziellen Erkrankungen ist die Familie zumeist auf die Unterstützung eines Facharztes angewiesen. Adressen von auf demenzielle Erkrankungen spezialisierten Medizinern und Beratungsstellen gibt es bei der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft unter 030 259 37 95 14 (Festnetztarif) oder 01803 17 10 17 (9 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz) sowie im Internet unter deutsche-alzheimer.de.

Unser Tipp

Sorgen Sie für den Fall der Fälle vor – mit den Pflegetagegeldern der R+V.

Sie schützen vor hohen finanziellen Belastungen im Pflegefall und bieten eine Einkommens- und Vermögenssicherung für den Betroffenen und seine Familienangehörigen. Auch eine staatliche Förderung kann in Anspruch genommen werden.

Produktinformationen R+V-Pflegetagegelder

Unsere Ansprechpartner vor Ort informieren Sie gerne auch persönlich zu den Pflegeversicherungen der R+V.

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Autor/in

D. Konrad und C. Langolf

Mai. 2014

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