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Umzugsspecial Teil III: Haftungs­fragen beim Umzug

Vor dem Einzug in die Wohnung oder das neue Haus steht der Umzug. Dieser ist nicht nur nervenaufreibend, sondern auch ein Risiko für das eigene oder fremdes Eigentum. Wir sagen, wer bei Schäden haften muss und worauf bei einem Umzug zu achten ist.

Umziehen mit einem Umzugsunternehmer

Generell gilt, dass der Umzugsunternehmer für die Schäden haftet, die in seinem Verantwortungsbereich liegen. Dieser beginnt in der Regel mit der Übernahme zur Beförderung und endet mit der Auslieferung. Ausgenommen von der Haftung sind Pflanzen und Tiere sowie Wertgegenstände. Zu den Wertgegenständen gehören beispielsweise Edelmetalle, Münzen, Juwelen und Schmuck oder auch Wertpapiere, Bargeld und Urkunden. Auch Elektrogeräte können unter diese Regelung fallen. Der Bundesverband Möbelspedition e.V. (AMÖ) rät, Wertgegenstände in der persönlichen Obhut - also selbst - zu transportieren. Dabei kann es sinnvoll sein, für die Zeit des Umzugs die Wertgegenstände in einem Tresor oder Schließfach einer Bank zwischenzulagern. Ebenfalls problematisch ist die Haftung durch den Spediteur bei Umzugsgütern, die durch ihre natürliche Beschaffenheit leicht zu zerstören sind. Dieses gilt für fragile Einrichtungsgegenstände zum Beispiel aus Glas ebenso, wie für Möbel, die etwa durch Rost oder Bruchstellen bereits beschädigt sind.

Haftung gedeckelt

Der Schaden für Möbel und andere Umzugsgegenstände ist für Spediteure nach den gesetzlichen Regelungen auf 620 Euro je Kubikmeter reglementiert. Im Falle eines Schadens, wird der Zeitwert des beschädigten Gegenstands ersetzt. Der AMÖ verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass der subjektive persönliche Wert etwa eines Möbelstückes für den Auftraggeber viel höher sein kann als dessen Zeitwert, da es sich beispielweise um ein Erbstück oder ein besonderes Geschenk handelt. Der Spediteurs-Verband empfiehlt daher, den Umzugsunternehmer auf solche besonderen Stücke hinzuweisen. Generell wird zur Ermittlung des Zeitwerts der Marktpreis herangezogen. Bei einem von ihm verursachten Schaden muss der Umzugsunternehmer gegebenenfalls auch die Kosten für die Schadensermittlung ersetzen.

Spediteur haftet nicht in jedem Fall

Ein Haftungsausschluss für den Umzugsunternehmer entsteht, wenn ein Schaden durch ein so genanntes "unabwendbare Ereignis" entsteht. Dazu gehören etwa Unfallschäden in Folge von Blitzeis oder wenn Sachschäden durch Dritte entstehen, die dann aber nicht festgestellt werden können.

Transportversicherung erhöht Sicherheit

Wer sich auch gegen solche "unabwendbaren Ereignisse" absichern möchte, sollte eine entsprechende Umzugstransportversicherung abschließen. Diese Transportversicherung kann entweder auf den Neuwert oder den Zeitwert der zu versichernden Gegenstände abgeschlossen werden. Die Kosten für eine solche Versicherung sind von den individuellen Anforderungen des Umziehenden abhängig. Eine erste Beratung kann in der Regel der Umzugsunternehmer vornehmen, der auch die Police für den Kunden abschließen kann.

Was tun im Schadenfall?

Beim Umzug entstandene Schäden müssen zunächst entsprechend dokumentiert werden. Hier bietet es sich bei besonders gefährdeten Objekten (wie beispielsweise besonders sperrige Möbel) den Zustand auch vor dem Umzug - etwa mit entsprechenden Fotos - zu dokumentieren. Wer einen entstandenen Schaden beim Umzugsunternehmen reklamieren will, muss die gesetzlichen Fristen beachten. "Sofern möglich, sollten Schäden sofort während des Umzugs dem Teamleiter gemeldet und auf dem Arbeitsschein festgehalten werden. Offen ersichtliche Schäden sind dem Spediteur spätestens am Tag nach der Ablieferung schriftlich spezifiziert anzuzeigen", rät der Speditionsverband AMÖ. Nicht offen ersichtliche Schäden müssen dem Umzugsunternehmen spätestens 14 Tage nach Ablieferung gemeldet worden sein. Generell gilt, dass der Schaden schriftlich spezifiziert und gemeldet werden muss. "In keinem Fall genügen mündliche, telefonische oder pauschale Schadensmeldungen", warnt der AMÖ. Tipp: Unbedingt Quittungen für Einrichtungsgegenstände und Möbelstücke aufbewahren. Im Zweifel hilft das, Streitigkeiten über die Höhe des Schadensersatzes zu vermeiden und den Zeitwert leichter zu ermitteln.

Umzug mit privaten Helfern

Wer mit privaten Helfern umzieht, muss im Zweifel für die von den Helfern verursachten Schäden an Dritten mit seiner eigenen Haftpflichtversicherung haften. Private Helfer haften nämlich nur beschränkt für von ihnen verursachte Schäden. Das Amtsgericht Plettenberg (AZ: 1 C 345/05) hat im September 2007 in einem viel beachteten Urteil festgestellt, dass Helfer bei Gefälligkeitsdiensten nicht haften, wenn sie fahrlässig einen Schaden anrichten. Voraussetzung dafür ist, dass die Helfer keine Entlohnung erhalten. Eine Verpflegung mit Essen und Trinken während des Umzugstages wird dabei übrigens nicht als Entlohnung gewertet.

Im konkreten Fall hatte einer der Helfer bei einem Umzug Schrankbretter so unsachgemäß am Möbelwagen abgestellt, dass diese umfielen und ein vorbeifahrendes anderes Auto beschädigten. Der Schaden wurde zunächst von der Versicherung des Umziehenden bezahlt. Später forderte der Versicherer aber die die Hälfte des Betrages vom Verursacher des Schadens. Das Amtsgericht Plettenberg hielt dieses in ihrem Urteil für unangemessen, da der Helfer keine Entlohnung für die Arbeit erhalten habe.

Bei Schäden, die an Gegenständen des Umziehenden entstehen, haftet in der Regel dessen Hausratversicherung, vorausgesetzt, der Schaden ist nicht auf grobe Fahrlässigkeit zurückzuführen.

Weitere Informationen zum Thema:

Umzug selbst organisieren
Umziehen mit Profis
Checkliste Umzug: Was muss wann erledigt werden

Autor/in

Eva Blumenfeld

März 2011

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