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Pflegefall in der Familie: Rentenansprüche pflegender Angehöriger erhöhen

Ein Pflegefall in der Familie - was heißt das für die eigenen Rentenansprüche? Als pflegender Angehöriger zählt neben häuslicher Betreuung auch das Absichern der eigenen Zukunft. Denn das Thema Pflege betrifft immer mehr Menschen in Deutschland.

Benötigt ein Familienmitglied Pflege, möchten die Angehörigen dem Betroffenen ein Leben in der gewohnten häuslichen Umgebung ermöglichen - solange es geht. So werden in Deutschland rund 1,86 Millionen Pflegebedürftige zu Hause gepflegt (Stand 12/2013). Doch Pflege ist zeitintensiv und oft können die pflegenden Ehepartner, Kinder etc. ihren Beruf nicht mehr in gewohntem Maße ausüben. Die Folge: Weniger Gehalt und dadurch geringere Rentenbeiträge. Was bedeutet das konkret für die Rentenansprüche pflegender Angehöriger?

Gut zu wissen:

Damit pflegende Angehörige im Alter auf ihre Rente zählen können, zahlt die Pflegekasse der Pflegebedürftigen Rentenversicherungsbeiträge.

Pflegezeit zählt als Beitragszeit

Die Rentenansprüche pflegender Angehöriger sichert die gesetzliche Rentenversicherung - denn es besteht eine Versicherungspflicht, die komplett von der Pflegekasse des Pflegebedürftigen bezahlt wird. Das heißt: Pflegende Angehörige können ohne eigene Rentenbeiträge einen Rentenanspruch erwerben.

Wie viele Wochenstunden Pflege notwendig sind, ermittelt der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) bzw. ein von der Pflegekasse beauftragter unabhängiger Gutachter. Sind es mindestens 14 Stunden, können Rentenansprüche geltend gemacht werden.

Grundbedingung ist:

Der Pflegebedürftige hat Anspruch auf Leistungen aus der sozialen oder einer privaten Pflegeversicherung.

Was sind die Voraussetzungen für die Rentenansprüche pflegender Angehöriger?

  • Sie pflegen Ihren Angehörigen mindestens 14 Stunden pro Woche in häuslicher Umgebung.
  • Sie üben die Pflege nicht erwerbsmäßig aus.
  • Die Pflegetätigkeit besteht dauerhaft, das heißt länger als zwei Monate im Jahr.
  • Sollten Sie mehrere Pflegebedürftige pflegen, gilt die sogenannte Additionspflege. Das heißt, der Pflegeaufwand pro Pflegebedürftigen liegt zwar unter 14 Stunden in der Woche, insgesamt pflegen Sie aber mindestens 14 Stunden.
  • Neben der Pflege üben Sie maximal 30 Stunden pro Woche Ihren Beruf aus.
  • Sie haben Ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthaltsort in Deutschland, im Europäischen Wirtschaftsraum oder in der Schweiz.

Finanzielle Anerkennung ist zulässig:

Pflegepersonen können für ihre Pflege eine Zuwendung erhalten, solange sie die Tätigkeit nicht erwerbsmäßig ausüben. Das gilt für Familienangehörige ebenso wie für helfende Nachbarn oder Bekannte. Die Zuwendung darf jedoch nicht höher sein als das entsprechende Pflegegeld aus der Pflegeversicherung bzw. vergleichbare Leistungen.

Wichtig: Rentenansprüche pflegender Angehöriger geltend machen

Um die Zahlung der Rentenbeiträge zu beanspruchen, brauchen Sie nur den „Fragebogen zur Zahlung der Beiträge zur sozialen Sicherung für nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen“ auszufüllen. Diesen Fragebogen erhalten Sie von der Pflegekasse des Pflegebedürftigen, an die Sie sich selbst direkt wenden können. Sie finden den Fragebogen auch als PDF auf der Website der Deutschen Rentenversicherung. Das ist wichtig, denn die Rentenversicherungspflicht für den pflegenden Angehörigen ist an den Pflegeleistungsanspruch des Pflegebedürftigen gebunden.

Fragebogen der Deutschen Rentenversicherung

Wie hoch sind die Rentenzahlungen?

Die Rentenansprüche pflegender Angehöriger berechnen sich aus einem fiktiven Arbeitsentgelt sowie aus dem Pflegeaufwand und der Pflegestufe. Für die Beitrags­berechnung wird also ein fiktives Arbeitsentgelt zwischen ca. 700 und 2.100 EUR monatlich zugrunde gelegt, wodurch sich im Ruhestand die Rente erhöht. Die Höhe des fiktiven Arbeitsentgelts ist abhängig von der Pflegestufe und dem Umfang der Pflege. Die Pflegekasse zahlt die Beiträge direkt an den gesetzlichen Rentenversicherungsträger.

Das zahlt die Pflegekasse

PflegestufeMindestpflegezeit pro Woche in Std.Rentensteigerung pro Monat, WestRentensteigerung pro Monat, Ost
I - erheblich pflegebedürftig 14 7,49 EUR 6,90 EUR
II - schwer pflegebedürftig 14
21
9,98 EUR
14,97 EUR
9,21 EUR
13,81 EUR
III - schwerst pflegebedürftig 14
21
28
11,23 EUR
16,85 EUR
22,46 EUR
10,36 EUR
15,53 EUR
20,71 EUR

Quelle: R+V Versicherung, Stand 01/2016

Als Angehöriger können Sie für Ihre Pflege zum Beispiel mit einer Rentensteigerung von 7,49 Euro pro Monat rechnen. Gleichzeitig werden die Beiträge auf Ihre Wartezeit für die Rente angerechnet.

Anrechnung auf die Mindestversicherungszeit (Wartezeit)

Um beispielsweise eine Regelaltersrente zu erhalten, gilt eine Wartezeit von 5 Jahren. Das heißt konkret: Es müssen 60 monatliche Pflichtbeiträge auf das Rentenkonto einbezahlt worden sein. Für die Erlangung anderer Rentenarten sind höhere Wartezeiten zu berücksichtigen.

Deshalb sind Rentenansprüche pflegender Angehöriger wichtig: Die Pflegezeit gilt als Beitragszeit und wird Ihnen auf die Wartezeit angerechnet.

Mehr Informationen zur Wartezeit finden Sie bei der Deutschen Rentenversicherung.

Darf man neben der Pflege auch arbeiten?

Sie können neben der Pflege bis maximal 30 Stunden pro Woche erwerbstätig sein, um die Versicherungs­pflicht aufrechtzuerhalten. Die Versicherungs­pflicht bleibt auch bei Bezug von Arbeitslosengeld, Transfer­kurzarbeiter­geld (sog. Kurzarbeitergeld bei Kurzarbeit „Null“), Arbeitslosengeld II, Elterngeld oder der Inanspruchnahme von Elternzeit bestehen. Wenn Sie jedoch bereits eine deutsche Altersvollrente beziehen, können Sie nicht mehr versicherungs­pflichtig werden.

Stellt Sie Ihr Arbeitgeber auf Ihren Wunsch für eine Pflegezeit für höchstens sechs Monate von der Arbeit frei, ruht Ihr Gehalt. Die Rentenversicherungsbeiträge werden entsprechend bezahlt und sichern damit langfristig die Rentenansprüche pflegender Angehöriger.

Lesen Sie hierzu auch in unserem Artikel „Pflege: zu Hause oder im Heim?“ den Abschnitt „Pflege durch Angehörige“.

Weitere Informationen über Rentenansprüche pflegender Angehöriger:

Broschüre der Deutschen Rentenversicherung:

„Rente für Pflegepersonen: Ihr Einsatz lohnt sich“

Die Beratungsstelle Ihrer Krankenkasse, Ihrer Pflegekasse oder Ihres Ren­ten­ver­siche­rungsträ­gers beantworten alle weiterführenden Fragen zum Thema Rentenansprüche pflegender Angehöriger.

Autor/in

S. Nies

Juni 2016

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