1. Schäden vorbeugen

Löschsprays – schnelle Brandbekämpfer

Die ersten Minuten eines Brandes sind entscheidend, ob Privatpersonen ein Feuer in den eigenen vier Wänden aus eigenen Kräften löschen können – oder eben nicht.

Bereits nach kurzer Zeit ist die Rauchentwicklung häufig so stark, dass sie die Wohnung verlassen müssen. Die Zeitspanne bis zu einem Vollbrand einer Wohnung ist aufgrund der großen Menge an brennbaren Materialien gering.
Selbst wer die Feuerwehr sofort ruft, muss zunächst auf ihr Eintreffen warten.

Umso wichtiger sind Sofortmaßnahmen, nachdem die 112 gewählt wurde:

Es ist ratsam, für den Notfall eigene Löschmittel in Reichweite zu haben. Feuerlöschsprays bieten sich hierbei vor allem in Privathaushalten an. Sie lassen sich schnell und einfach bedienen und zielgerichtet einsetzen. Vor allem für Senioren oder Menschen mit Behinderung, stellen die Löschsprays eine Alternative zum schweren/sperrigen Feuerlöscher dar. Für den betrieblichen Bereich sind Löschsprays dagegen höchstens ein zusätzliches Löschinstrument. Denn in Industrie und Gewerbe sind Feuerlöscher aus berufsgenossenschaftlichen und rechtlichen Gründen vorgeschrieben.

Auch für Laien einfach zu bedienen

Die Handhabung der Löschsprays ist so einfach wie bei einer Haarspraydose: aufreißen, kräftig schütteln und lossprühen. Wegen der einfachen Anwendung sind Löschsprays gerade für Laien ideal. Allerdings sind Löschsprays keine Feuerlöscher und erreichen auch nicht deren Leistung. Die Löschleistung variiert je nach Hersteller. Die Sprühweite beträgt im Schnitt rund drei bis vier Meter. Nach etwa 20 Sekunden ist die Löschspraydose leer. Im Gegensatz zu den Feuerlöschern ist eine Wartung nicht möglich. Deshalb ist die maximale Lebensdauer auf drei Jahre begrenzt.

Welches Löschmittel kommt zum Einsatz?

Löschsprays von unterschiedlichen Anbietern bekommt man beispielsweise in Baumärkten. Die Kosten pro Spraydose liegen zwischen 15 und 30 Euro. Dabei gibt es Sprays mit Schaummittellösungen, Pulver oder auch Gel. In Deutschland sind aber vor allem Schaummittellösungen und Löschpulversprays verbreitet.

Löschsprays für den privaten und gewerblichen Bereich

Je nach Hersteller findet man auf den Löschspray-Dosen Bezeichnungen wie "Universal", "Haus und Wohnung", "Caravan und Outdoor" oder "Küche und Gastro", die damit bestimmte Einsatzgebiete suggerieren. Doch welche Brandszenarien damit genau gelöscht werden können, wird nicht angegeben.
Die Tabelle zeigt fünf Kategorien von Brandklassen: Die Löschsprays sind in der Regel für die Kategorien A, B und F geeignet.

Brandklassen

Feuer ist nicht gleich Feuer, deshalb unterteilt man in verschiedene Brandklassen. Die Löschsprays eignen sich in der Regel für Kategorie A, B und F.

Brandklasse/
Symbol
BrandstoffErscheinungs-
bild
Beispiele
feste, nicht schmelzende Stoffe Glut und Flammen Holz, Papier, Textilien, Kohle, nicht-
schmelzende Kunststoffe
Flüssigkeiten, schmelzende feste Stoffe Flammen Lösungsmittel, Öle, Wachse, schmelzende Kunststoffe
Gase Flammen Propan, Butan, Acetylen, Erdgas, Methan, Wasserstoff
Metalle Glut Natrium, Magnesium, Aluminium
Speisefette und -öle in Frittier- und Fettback-
geräten
Flammen Speisefett, Speiseöl

Aufbau von Löschspraydosen

Der Aufbau einer Spraydose kann je nach Produkt variieren. Hier zwei gängige Modelle:

Ein-Kammer-Löschspray

Die Sprayflasche besitzt nur eine Kammer, in der Treib- und Löschmittel zusammen vorliegen. Ein Teil des Treibmittels ist im Löschmittel gelöst. Der andere Teil liegt gasförmig als "Druckpolster" über dem Lösch-Treibmittelgemisch. Wird der Sprühkopf betätigt, drückt das gasförmige Treibmittel den Inhalt durch das Ventil nach außen. In diesem Augenblick verdampft das Treibmittel und das zurückbleibende Löschmittel verteilt sich gleichmäßig.

Zwei-Kammer-Löschspray

Die Sprayflasche ist im Ventilbeutelsystem aufgebaut. Das heißt, das Treibmittel und das Löschmittel liegen innerhalb der Sprühdose. Ein beschichteter Aluminiumbeutel wird in die Dose eingebracht. Die Dose wird bis zum gewünschten Druck mit Treibmittel befüllt und das Ventil mit der Dose fest verbunden. Anschließend wird das Produkt in den Beutel gefüllt. Das Treibmittel umgibt den produktgefüllten Beutel und übt so den notwendigen Druck für die Entleerung der Sprühdose aus. Zur Anwendung kommt das System bei Stoffen, die nicht mit dem Treibmittel mischbar oder nicht sprühfähig (Pasten, Gele oder Emulsionen) sind.

Löschsprays im Praxistest

In Kooperation mit der freiwilligen Feuerwehr Wiesbaden hat die Abteilung Risk Engineering der R+V Versicherung unterschiedliche Feuerlöschsprays mit Schaum- und Pulverlöschmittel getestet. Insgesamt erfüllten alle getesteten Sprays die Erwartungen an die Löschleistung. Alle getesteten Sprays waren außerdem einfach zu bedienen. Damit sind Löschsprays bei gewissen Bränden eine echte Alternative zum klassischen Feuerlöscher. Sie sind leicht bedienbar und preiswert. Doch können sie einen Feuerlöscher nicht immer ersetzen. Interessenten sollten diesen Grundsatz vor der Anschaffung eines Löschgerätes berücksichtigen.

Immer zuerst 112

Im Brandfall sollte die erste aktive Handlung immer die Alarmierung der Feuerwehr unter 112 sein, um schnell professionelle Hilfe zu bekommen. Erst danach sollte das Löschspray eingesetzt werden, sofern man die gefährliche Situation beherrscht. Wichtig ist dann der schnelle Zugriff. Daher empfiehlt es sich, das Spray nahe an gefährdeten Bereichen zu deponieren – beispielsweise unweit der Küche.

Als Grundsatz gilt: nie sich oder andere in Gefahr bringen.

Autor/in

M. Thomas, K. Albrecht

Apr. 2013

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