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Was tun wenn das Auto brennt?

Ein Feuer im Fahrzeug oder im Motorraum kann tödliche Folgen für die Passagiere haben. Hier finden Sie Fakten und Hinweise, wie Sie möglichst sicher einen Fahrzeugbrand bekämpfen können.

Die Szenen sind aus Film und Fernsehen bekannt. Ein Auto fängt nach einem Unfall explosionsartig an zu brennen. Doch in der Realität sieht das ganz anders aus. "Mit solchen Filmen wird die Angst geschürt, dass brennende Autos jeden Moment explodieren können. Und dann lautet die Devise: wegrennen statt helfen", bemängeln Experten.

Autos explodieren kaum

Zahlreiche Versuche von deutschen, österreichischen und schweizer Autoclubs sowie des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) beweisen: Ein Feuer im Motorraum braucht normalerweise fünf bis zehn Minuten, bis es ins Innere des Wagens kommt. In dieser Zeit lassen sich auch verletzte Insassen befreien, bevor unnötig Zeit mit Löschversuchen vertan wird.

40.000 Fahrzeug-Brände im Jahr

Pro Jahr registriert der GDV rund 40.000 Fahrzeugbrände. Darin enthalten sind jedoch auch Schmorschäden durch Kurzschluss. Eine konkrete Zahl der vorsätzlich erzeugten Feuer lässt sich nur vermuten. Laut Polizei dürften etwa 20 Prozent der Fahrzeugbrände einen kriminellen Hintergrund von Racheakten bis hin zum Versicherungsbetrug haben. Laut Katrin Rüter de Escobar vom GDV sind Brand und Explosionen in Teilkasko und Vollkasko abgesichert. Sie empfiehlt, einen Brandschaden sobald als möglich der jeweiligen Versicherung mitzuteilen.

Im Jahr 2006 wurden durch Brand oder Explosion 21.021 Schäden gemeldet, was 0,6 Prozent aller Schäden die der Teilkasko gemeldet wurden entspricht. Die Versicherungen verzeichneten einen Gesamt-Schadenaufwand von 99,7 Millionen Euro, was etwa 3,8 Prozent des gesamten Schadens in der Kfz-Versicherung entspricht.

Geringe Anzahl von Fahrzeugbränden mit tödlichem Ausgang

Etwa ein Prozent der Fahrzeugbrände geht nach Angaben von Dekra-Unfallforscher Alexander Berg auf Kollisionen zurück. Bei schweren Unfällen mit tödlich verletzten Personen liegt der Anteil der Fahrzeugbrände bei 3,5 Prozent. Groben Schätzungen des Instituts für Fahrzeugsicherheit zufolge ersticken in Deutschland pro Jahr bei etwa 40 Pkw-Unfällen mit Folgebrand jeweils ein oder zwei Menschen. Die Bundesanstalt für Straßenwesen spricht pro Jahr von rund 80 solcher Todesfälle.

Richtiges Verhalten kann Leben retten

Angesichts dieser Fakten ist das richtige Verhalten im Falle eines Fahrzeugbrands die erste Voraussetzung, um Leben zu retten. Experten der Feuerwehr raten Helfern, immer zuerst den Notruf (110 oder 112) zu alarmieren und danach die Insassen aus dem brennenden Auto zu holen. Keinesfalls sollte zu Beginn wertvolle Zeit mit Löschversuchen verschwendet werden.

Autofeuerlöscher löschen nur kurz

Ob man einen Autofeuerlöscher kaufen soll oder nicht, muss jeder für sich entscheiden, erklärt der ADAC. Vor allem die kleineren Löscher (unter zwei Kilo Befüllung) halten nur wenige Sekunden. Man muss sie sehr gezielt einsetzen, um eine Wirkung zu erzielen. Das richtige Löschen aber will auch geübt sein, wozu man als Laie kaum kommt. Zudem muss das Gerät regelmäßig gewartet werden und so im Fahrzeug befestigt werden, dass es auch nach einem Unfall gut erreichbar ist.

Bei Brand richtig handeln

Bei beginnendem Qualm oder Rauch im Motorraum gilt laut Experten der Bayerischen Feuerwehr: Keine Panik! Suchen Sie sich einen ungefährlichen Platz zum Anhalten. Parken Sie dabei so, dass eine Gefährdung anderer Fahrzeuge und Verkehrsteilnehmer möglichst ausgeschlossen ist. Dann Warnblinkanlage ein- und Zündung ausschalten. Danach sollten alle Insassen das Fahrzeug verlassen. Haben Sie einen Feuerlöscher griffbereit, öffnen Sie die Motorhaube einen kleinen Spalt. Hier ist Vorsicht angebracht, Frischluft kann das Feuer zusätzlich entfachen. Dann mit dem Feuerlöscher kurze Löschstöße durch den Haubenspalt abgeben. Denken Sie daran, dass kleine Feuerlöscher oft nur für zehn bis zwölf Sekunden löschen können. Offenes Feuer sollten Sie laut ADAC aus einer Entfernung von ein bis zwei Metern mit einer Pulverwolke flach überdecken. Dabei auf den Wind achten und immer mit und niemals gegen den Wind sprühen.

Häufigste Brandursachen

Laut Dekra sind mit 40 Prozent die häufigsten Feuerursachen ein Kraftstoff- oder Ölaustritt auf heiße Motorteile oder Motoranbauteile. Durch Reibung von Fahrzeugteilen mit einem Betriebsstoff kommt es in 26 Prozent aller Fälle zum Brand, und in jeweils 17 Prozent aller Fälle sind entweder Kurzschlüsse oder ein Feuerübergriff von einem anderen Fahrzeug Grund für den Brand.

Kurzcheckliste für Rettungstipps beim brennenden Fahrzeug

  • Unfallstelle absichern (Warnblinker, Warndreieck)
  • Polizei/Feuerwehr verständigen
  • Zündung ausschalten
  • Insassen bergen
  • Erste Hilfe leisten
  • Vorhandene Feuerlöscher gezielt einsetzen, nicht gegen den Wind und nicht gegen Personen sprühen

Tipps zur Bergung von Insassen

  • Beine und Arme aus den Armaturen lösen.
  • Sicherheitsgurte entfernen oder durchtrennen, dabei den Oberkörper nicht nach vorne fallen lassen.
  • Unter der Schulter des Opfers hindurch nach dem Unterarm des Opfers fassen.
  • Opfer aus dem Auto hieven, gegen sich halten und rückwärts aus der Gefahrenzone entfernen.
  • Ist das Opfer sehr schwer können Sie auch die folgenden Techniken zum Bergen anwenden.
    • Durch Ziehen an den Knöcheln: Opfer an den Knöcheln fassen, diese bis auf Kniehöhe des Retters hochheben. Opfer rückwärts gehend wegschleifen und in Sicherheit bringen.
    • Durch Ziehen an den Handgelenken: Sich hinter dem Kopf des Opfers niederknien. Körper des Opfers aufrichten. Von hinten unter den Schultern des Opfers durch nach den Armen des Opfers fassen. Sich aufrichten und rückwärts gehend das Opfer aus der Gefahrenzone wegschleifen.

Autor/in

Eva Blumenfeld

Dez. 2008

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