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Autobatterie und Elektronik - die häufigsten Autopannen

Wenn ein Auto liegen bleibt, ist in nahezu jedem zweiten Fall eine Störung der Elektrik, der Elektronik oder der Batterie die Ursache. Das berichten übereinstimmend die professionellen Pannenhelfer der Autoclubs ADAC und ACE. Doch die meisten Einsätze betreffen Autos, die gar nicht erst losgefahren sind. Rund jede dritte Pannenhilfe galt 2015 der Starthilfe - die defekte oder leere Batterie hatte den Geist aufgegeben.

Höhere Anforderungen - mehr Elektronik

Die stetige Verbesserung der Sicherheit moderner Autos und die gestiegenen Anforderungen an weniger schädliche Abgase haben dazu geführt, dass unter dem Blech heute mehr Elektronik zu finden ist, als in einer modernen Waschmaschine. Zahlreiche Sensoren, Fühler und Steuerungselemente wollen präzise aufeinander abgestimmt sein. Die vielen kleinen Helfer (Aktuatoren) sorgen für die Umsetzung der von der Elektronik bestimmten Sollwerte in eine mechanische Bewegung. Typische Beispiele sind das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP) oder die geschwindigkeitsabhängige Abstandsregelautomatik. Dazu braucht ein heutiges Auto vor allem einen zuverlässigen "Computer".

Häufigste Pannenursache: Autobatterie

War die Elektronik noch vor fünf Jahren für 40 Prozent aller Pannen verantwortlich, nimmt sie in der ADAC-Hitliste der Autopannen 2015 mit 15,2 Prozent nach der defekten Autobatterie nur noch Rang zwei ein.

Erhöhter Strombedarf und Beschädigungen der Autobatterie

Konnte man noch vor einigen Jahren Pannen am Straßenrand teilweise selbst beheben, bleibt heute der Ruf nach dem Fachmann oder dem Pannendienst oft unerlässlich, wenn das Auto streikt. Die Batterie ist immer noch Schwachstelle Nr. 1. Ein Ausfall der Starterbatterie ist die häufigste Ursache bei Autopannen. Das liegt nach Einschätzung von Experten unter anderem am erhöhten Strombedarf moderner Fahrzeuge und ihrer Aggregate wie Klimaanlage und Sitzheizung. Häufig sind die Batterien auch schon vor der Autopanne beschädigt gewesen. Sobald der Stromspeicher - zum Beispiel wegen zu langer Standzeit - einmal komplett entladen wurde, hat er irreparablen Schaden genommen. Mit einem Überbrückungskabel oder einem Power-Pack (Starter-Koffer) kann der Motor zwar meist schnell wieder gestartet werden, doch wird die Batterie danach kaum mehr die volle Leistung bringen. Das kann bei großer Kälte dazu führen, dass dem Akku die Energie fehlt, den kalten Motor zu drehen und ihn zum Anspringen zu bringen.

So erhöhen Sie die Lebensdauer Ihrer Autobatterie

Durch regelmäßiges Nachladen etwa alle zwei Monate kann die Lebensdauer einer Batterie auf gut 15 Jahre verlängert werden. Dafür sollte die Batteriespannung alle 2 Wochen überprüft werden. Mit einem digitalen Spannungsanzeiger (im Fachhandel für rund 20 Euro erhältlich), kann die Spannung gemessen werden. Ist die Anzeige unter 12,4 Volt sollte die Batterie nachgeladen werden.

Der richtige Umgang mit defekten Autobatterien

Autobatterien enthalten Schwefelsäure. Die meisten sind wartungsfrei und haben keine Füllstutzen mehr. Dennoch dürfen sie nicht gekippt werden. Auslaufende Säure kann böse Spuren hinterlassen. Extrem schwache Batterien oder solche mit einem "Zellenschluss" muss man ausbauen und im Fachhandel entsorgen.

Nach dem Wechsel müssen Radio oder Alarmanlage neu eingestellt werden. Behandeln Sie vor dem Einbau die Batterie an den Polen mit säurefreiem Fett oder - nach dem Anklemmen - mit dafür vorgesehenem Schutzlack. Bei einfachen und älteren Akkus ist auch der Säurestand zu prüfen. Dazu muss der Verschluss der Batterie abgeschraubt werden. Durch die Öffnung ist die Markierung am inneren Rand gut sichtbar. Ist der Säurestand unter dem Strich, füllt man nur destilliertes Wasser nach, denn nur dieses ist verdunstet, der Säuregehalt ist gleich geblieben.

Unser Tipp:

Vor dem Ausbau der Autobatterie unbedingt die Kennung für das Autoradio und die Diebstahlanlage notieren oder auf 0000 einstellen. Überprüfen Sie jedoch zuvor Lichtmaschine, Regler und offen liegende Kabelverbindungen, damit die neue Batterie nicht gleich wieder beschädigt wird, falls hier die Ursache lag.

Starthilfe - aber richtig

Wenn das Auto zuhause oder unterwegs stehen bleibt, kann Nachbarschaftshilfe mit einem Starthilfekabel den Motor wieder zum Laufen bringen. Damit es nicht zu einem Kurzschluss kommt, ist eine feste Regel zu beachten: Man bildet mit den Kabeln (eines ist rot, eines schwarz) gewissermaßen einen Kreis. Mit dem roten Kabel verbindet man vom Pannenauto (leere Batterie, also stromlos!) dessen Pluspol mit dem Pluspol der Spenderbatterie. Dann klemmt man die schwarze Polzange am Pannenauto entweder an den Minuspol oder an ein nicht lackiertes Metallstück am Motor. Zum Schluss wird das schwarze Kabel an der Spenderbatterie ebenfalls an Minus angeklemmt. Vor dem Start alle Stromfresser (Heizheckscheibe, Sitzheizung, Radio und Licht) ausschalten - nicht aber die Warnblinker. Wenn der gestartete Motor wieder einwandfrei läuft, nach und nach die Stromfresser einschalten - und erst jetzt die Kabel wieder lösen. Die Regel dafür lautet: Pluspol am Pannenauto lösen, dann am Spenderauto, dann Minuspol am Pannenauto abklemmen und dann beim Spender.

Zwischen 25 und 33 Prozent Motorschäden

Störungen im Motorbereich

Zugenommen haben in den letzten Jahren Defekte am Motor. Die Angaben dazu schwanken bei ACE und ADAC zwischen 25 und 33 Prozent. Reine Motorschäden, wie etwa ein Kolbenfresser, sind eher die Ausnahme. Häufige Defekte sind gerissene Keil- oder Zahnriemen oder von außen nicht sichtbare Defekte in den elektronischen Zünd- und Gemischbildungssystemen. Was früher ein Sandkorn im Vergaser anrichten konnte, macht heute ein "Bug" ("Käfer") in der Software: Er legt die Maschine lahm. Obwohl die Preisunterschiede nach wie vor gravierend sind, passiert es immer wieder, dass Autofahrer zur falschen Zapfpistole greifen. Wer eine Dieselmaschine mit Benzin füttert, riskiert schon nach wenigen Kilometern einen schweren Motorschaden.

Zunehmend beobachten die Pannenexperten der Autoclubs auch "natürliche" Schäden, etwa Defekte an Wegfahrsperren, Türöffnern und an der Zündung. Ursache sind häufig Marderbisse, im Versicherungsjargon auch "Tierbisse" genannt. Diese sind über die Kfz-Teilkaskoversicherung versicherbar.

Neben der Lichtmaschine spielen mitunter auch gerissene Antriebsriemen oder lose Kabel eine Rolle. Auch das falsche oder zu wenig Öl können dem Motor schnell Schaden zufügen. Die Hauptaufgabe des Motoröls ist die Schmierung des Motors zur Reduzierung der mechanischen Reibung an den beweglichen Teilen. Bei der Fahrt entsteht große Hitze im Motorraum und der Motor wird heiß. Ist nicht genügend Kühlflüssigkeit vorhanden, überhitzt das Aggregat und es kann zu Schäden kommen.

Motorraum nach jedem dritten Tanken checken

Die meisten Motorräume sind heute nur schwer einsehbar: Aerodynamische Gründe führen zu großflächigen Kunststoffabdeckungen rund um die Maschine, Batterien sind in Isolierpacks eingebettet, Riemenantriebe verschwinden hinter Verkleidungen. Da kann man kaum mehr eine Eigendiagnose stellen. Gleichwohl sind regelmäßige Sichtprüfungen notwendig, zumindest bei jeder dritten Tankpause. Zunächst füllt man Wischwasser nach und prüft dabei auch den Stand des Kühlmittels im durchsichtigen Ausgleichsbehälter. Fehlt dort Wasser, dies nur in der Werkstatt oder bei kaltem Motor nachfüllen. Spätestens alle 5.000 Kilometer sollte man bei abgestelltem Motor (und nach einigen Minuten Wartezeit, deshalb nicht an der Tankstelle, sondern zuhause) den Peilstab ziehen, abwischen, wieder einstecken, rausziehen und dann ablesen. Fehlt Öl oder hängt der Rest nahe der Minimummarkierung, ist Öl nachzufüllen. Am besten in mehreren kleinen Etappen, denn Überfüllung schadet dem Motor.

0,2 bar mehr Luft im Reifen spart Sprit.

Gefahrenquelle Räder und Reifen

Zu geringer Luftdruck kann schnell zu Beschädigungen an Reifen und Felge führen. Der richtige Wert steht in der Betriebsanleitung (oft auch in der Klappe des Tankdeckels). Es ist unschädlich, wenn an allen Rädern 0,2 bar mehr Luft eingedrückt wird, das spart Sprit. Dies gilt auch bei voller Beladung, da dann ohnehin der Luftdruck geändert werden muss. Bei langen Fahrten sollte man zwischendurch rund ums Auto gehen, um nachzusehen, ob die Reifen gleichmäßig gewölbt sind. Ein geringer Druckverlust von 0,3 bis 0,5 bar macht sich optisch bemerkbar.

Nach Aussage der Pannenhelfer entstehen viele Reifenpannen durch menschliches Fehlverhalten. Das Fahren über die eckigen Kanten der Begrenzungssteine oder die Missachtung der vorgeschriebenen Profiltiefe von mindestens 1,6 Millimeter können schnell zu einer Panne oder gar einem Unfall führen. Das Alter von Reifen ist ebenfalls ein wichtiges Sicherheitskriterium. Hierzu hat jeder Reifen eine vierstellige DOT-Nummer. Diese gibt Produktionswoche und -jahr an. Steht auf einem Reifen etwa 2314, so ist dieser in der 23. Woche des Jahres 2014 gefertigt worden. Ist ein Reifen älter als zehn Jahre, sollte er ausgewechselt werden. Eine gesetzliche Vorschrift gibt es hier aber nicht. Bei Gespannen aus PKW mit Anhänger, die nach § 18 StVO eine 100 km/h-Zulassung besitzen, schreibt der Gesetzgeber das Höchstalter von sechs Jahren für die Reifen vor.

Unser Tipp:

Vor Beginn einer (längeren) Fahrt, bei der es dunkel werden kann, sollten Licht und Blinker geprüft werden. Scheibenwischer sollten gewechselt werden, wenn sie Schlieren ziehen. Sonst lässt sich nachts bei Regen und Gegenverkehr kaum etwas erkennen.

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Autor/in

Eva Blumenfeld

Juli 2016

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