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Quer kann mehr: So gelingt der Quereinstieg

Fast jeder Arbeitnehmer gelangt während seiner beruflichen Laufbahn an den Punkt, an dem er seine Karrierechancen neu auslotet. Oft ist der Jobwechsel innerhalb des vertrauten Berufsfelds die richtige Strategie. Manchmal ist aber auch die Zeit für eine berufliche Neuorientierung gekommen. Was ist bei einem solchen Quereinstieg zu beachten?

Berufliche Neuorientierung: Welche Gründe gibt es?

Gründe für eine berufliche Neuorientierung gibt es viele: Arbeitnehmer erhalten die Kündigung oder finden in ihren erlernten Berufen keine Stelle. Manchmal steckt auch einfach der Wunsch nach persönlicher Veränderung hinter einem Jobwechsel. Andere sehen wiederum in ihrer Firma keine Karrierechancen mehr.

Bis zu zwei Drittel der Beschäftigten in Deutschland sind laut einer Umfrage der Personalexperten Prof. Dr. Martin-Niels Däfler und Ralph Dannhäuser unzufrieden mit ihrem Arbeitsplatz. Über einen Wechsel nachzudenken liegt dann nahe.

Wer ist ein Quereinsteiger?

Eine allgemein verbindliche Definition für „Quereinsteiger“ gibt es nicht. Zu der Gruppe zählt jeder, der aus bestimmten Gründen in eine andere Branche oder ein neues Aufgabenfeld wechselt, ohne die dafür übliche Ausbildung absolviert zu haben.

Verbreitet sind für Quereinsteiger auch die Bezeichnungen „Seiteneinsteiger“ oder „Career Changer“.

Bei Arbeitgebern ist der Quereinstieg gern gesehen

In manchen Branchen waren Quereinsteiger schon immer willkommen. Ein typisches Beispiel sind Unternehmensberatungen. Ingenieure, Natur- und Geisteswissenschaftler sind fester Bestandteil der Beraterteams. Ihre fächerübergreifende Urteilsfähigkeit und analytisches Geschick machen sie attraktiv für das Consulting. Außerdem benötigen die Consultingfirmen Experten für ihre verschiedenen Beratungsgebiete.

Auch in anderen Branchen ist frischer Wind von außen gerne gesehen, etwa in der Versicherungs- oder Immobilienbranche, in den Bereichen Medien, Marketing und Social Media oder in der Tourismuswirtschaft.

Offenheit für Quereinsteiger ist aber auch eine Frage der Unternehmenskultur. So bieten beispielsweise bekannte Unternehmen wie Audi, Ikea oder Lufthansa spezielle Programme für Quer- oder Wiedereinsteiger.

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Einstiegschancen durch Fachkräftemangel

In anderen Arbeitsbereichen ist die Offenheit für Quereinsteiger häufig aus der Not geboren und resultiert aus dem Fachkräftemangel. Wer die nötigen Qualifikationen und Weiterbildungen mitbringt, kann auch als Seiteneinsteiger Karriere beispielsweise in der IT-Branche machen. Auch die Pflegebranche sucht dringend nach fachfremdem Personal.

Und manche Bundesländer und Kommunen schulen systematisch Quereinsteiger, um mit ihrer Hilfe den Schulunterricht oder die Kitabetreuung aufrechterhalten zu können. In diesen Bereichen sind die Chancen auf einen Arbeitsplatz als Seiteneinsteiger derzeit also besonders gut.

Geschützte Berufe: Quereinstieg nicht überall möglich

In manchen Berufen ist ein Quereinstieg nicht ohne Weiteres möglich. Das gilt insbesondere für Berufe mit geschützten Berufsbezeichnungen, zum Beispiel für Ärzte, Apotheker, Psychotherapeuten oder Rechtsanwälte, aber auch für Konditoren und Fleischer.

Wer hier nicht die komplette Ausbildung durchlaufen möchte, muss sich beruflich anders orientieren. Wem der Weg zum Fachanwalt für Immobilienrecht zu mühsam ist, der kann sich vielleicht mit dem Berufsbild des Immobilienmaklers anfreunden.

Worauf Quereinsteiger achten müssen

Unzufriedenheit mit dem bisherigen Job reicht als Motivation für den Seiteneinstieg nicht aus. Denn dann ist die Gefahr groß, dass sich nach der beruflichen Neuorientierung am neuen Arbeitsplatz die alten Muster wiederholen. Schon in ihren Bewerbungen sollten Quereinsteiger herausstellen, was sie bei ihrer neuen Aufgabe einbringen können und welche Herausforderungen sie bei der beruflichen Neuorientierung suchen. Wer sich damit aufhält, was im bisherigen Job frustriert hat, wird den neuen Arbeitgeber nicht überzeugen.

Personalentscheider schätzen Quereinsteiger als Charaktere, die nicht betriebsblind sind, den Status quo hinterfragen, die sich aktiv weiterentwickeln wollen und bereit sind, für die Verwirklichung ihrer Vorhaben auch mal Risiken einzugehen. Bei der Bewerbung sollten Sie neben Argumenten echten Enthusiasmus vermitteln, denn dann haben Sie auch bei einem Branchenwechsel gute Karrierechancen. Wichtig ist, dass der Bewerber gut begründen kann, warum sein Profil trotz des branchenfremden Ausbildungswegs passt.

Unzufriedenheit mit dem bisherigen Job reicht als Motivation nicht aus

Haben Sie an Ihren Versicherungs­schutz gedacht?

Eine berufliche Neuorientierung ist häufig auch mit finanziellen Unsicherheiten verbunden. Das muss nicht sein!

Haben Sie beispielsweise schon über eine Arbeitslosenschutzversicherung oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung nachgedacht?

Gerne steht Ihnen unser Ansprechpartner vor Ort mit weiteren Informationen zur Verfügung.

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Vor dem Quereinstieg: Ehrliche Selbstanalyse

Vor dem Quereinstieg sollte eine ehrliche Selbstanalyse stehen, zum Beispiel mithilfe der folgenden Fragen:

  • Was stört mich an der aktuellen Situation?
  • Wie bereit bin ich für einen Jobwechsel wirklich?
  • Was wünsche ich mir von der neuen Position?
  • Was hat mich zuletzt im Beruf richtig zufrieden gemacht?
  • Mit welcher Aufgabe könnte ich künftig zufrieden sein?
  • Wie viel Unsicherheit halte ich aus?

Bei dieser Analyse kann die Unterstützung durch einen Karrierecoach hilfreich sein. Auch ein offener Austausch mit Freunden und Kollegen, die einen guten Überblick über verschiedene berufliche Möglichkeiten bieten können, kann Ihnen hier den Rücken stärken.

Weiterbildung: Für neue Jobs qualifizieren

Kristallisiert sich bei der Analyse eine bestimmte Branche oder ein geeignetes Aufgabenfeld heraus, folgt der nächste Schritt. Zu prüfen ist:

  • Wie offen ist die Branche für Quereinsteiger?
  • Welche Wege sind hier beim beruflichen Neuanfang möglich?
  • Wie kann die weitere Karriere verlaufen?
  • Welche Zusatzqualifikationen und welche Weiterbildung sind eventuell nötig?

Eine gezielt ausgewählte Weiterbildung oder ein berufsbegleitendes Studium können die erforderlichen Qualifikationen vermitteln und der eigenen Karriere den nötigen Schub geben. Wer die erforderliche Selbstdisziplin mitbringt, kann auch ein Fernstudium in Betracht ziehen.

„Mein Hobby zum Beruf gemacht“

Matthias Peters, Technischer Online-Redakteur im Bereich Marketing, über seinen Quereinstieg bei R+V. Abgeschlossen hatte Peters zuvor den Diplomstudiengang Getränketechnologie.

Wie kam es für Sie zu dem Einstieg in eine fremde Branche?

Matthias Peters: Als das Internet 1995 anfing, spannend zu werden, entwickelte ich den ersten Onlineshop in Europa für deutsche Weingüter. Ein Kollege wurde drei Jahre später darauf aufmerksam und gab mir den Tipp, dass bei der R+V Versicherung jemand für das Intranet gesucht werde.

Gibt es Unterschiede zwischen der neuen und der alten Branche? Wie verlief die Umorientierung für Sie?

Matthias Peters: Die Unterschiede sind auf den ersten Blick natürlich groß. Die Gemeinsamkeiten bei genauem Hinsehen aber auch. Eine Umorientierung in dem Sinne gab es für mich allerdings nicht: Ich habe ja mein Hobby zum Beruf gemacht.

Was war für Sie der größte Gewinn des Wechsels?

Matthias Peters: Viele neue Kontakte und die Weiterbildung. Gerade die Vernetzung und die Schnittstellen zwischen IT und den Fachbereichen machen die Arbeit im Marketing spannend.

Ist die Rückkehr in Ihren alten Beruf für Sie denkbar?

Matthias Peters: Ich habe nicht die Absicht, in meinen erlernten Beruf zurückzuwechseln. Nach über 20 Jahren habe ich mich in der alten Branche natürlich nicht weitergebildet. Dennoch habe ich inzwischen meinen erlernten Beruf zum Hobby gemacht und versorge Familie und Freunde mit Selbstgebrautem.

Was würden Sie Menschen raten, die über einen Quereinstieg nachdenken?

Matthias Peters: Ich empfehle jedem jungen Menschen, sich nicht von vornherein einzuschränken, sondern den Interessen freien Lauf zu lassen. Wer heute vielseitig interessiert ist, muss nicht zwangsläufig in seinem Studienfach den Beruf fürs Leben finden.

Karriere bei R+V – auch für Quereinsteiger

Bei R+V finden Sie Einstiegsmöglichkeiten auf jedem Karrierelevel – für Schüler, Studenten, Absolventen und Berufserfahrene. Auch als engagierter Quereinsteiger haben Sie eine Vielzahl an Möglichkeiten. Informieren Sie sich in unserer Jobbörse und erfahren Sie, was R+V als Arbeitgeber auszeichnet.

Fördermöglichkeiten: Vom Bildungsgutschein bis zum Aufstiegsstipendium

Umschulung

Eine Umschulung kommt infrage, wenn der bisherige Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann, etwa aus gesundheitlichen Gründen. Auch bei einem Wiedereinstieg in das Berufsleben nach der Elternzeit oder bei einem nachlassenden Jobangebot durch den Strukturwandel kann eine Umschulung das geeignete Mittel für einen Jobwechsel sein. Das Portal Kursnet der Bundesagentur für Arbeit (BA) enthält ein großes Angebot möglicher Umschulungen.

Die Arbeitsagentur kann die Teilnahme an einer Umschulung in Form eines Bildungsgutscheins übernehmen. Dabei handelt es sich jedoch um eine Kannbestimmung – verpflichtet ist die Arbeitsagentur dazu nicht. Es kommt also auch auf das Argumentationsgeschick des Antragstellers beim zuständigen Sachbearbeiter an.

Bildungsprämie: Prämiengutschein

Mit der Bildungsprämie will der Bund Erwerbstätige mit wenig Einkommen bei ihrer berufsbezogenen Weiterbildung unterstützen. Wer selbst aktiv wird und sich weiterbildet, wird durch einen staatlichen Zuschuss gefördert.

Einen Prämiengutschein können Arbeitnehmer erhalten, die mindestens 15 Stunden pro Woche erwerbstätig sind und über ein zu versteuerndes Einkommen von maximal 20.000 Euro im Jahr verfügen. Die Bildungsprämie ist daher gut geeignet für Personen, die während der Weiterbildung noch in ihrem erlernten Beruf arbeiten. Wer sich in Elternzeit oder Pflegezeit befindet, kann ebenfalls einen Gutschein erhalten und so die berufliche Auszeit auch zur Weiterbildung nutzen. Die Höhe der Förderung beträgt 50 Prozent der Veranstaltungsgebühren, maximal jedoch 500 Euro.

Bildungsprämie: Spargutschein

Der Spargutschein (Weiterbildungssparen) ist ebenfalls ein Baustein der Bildungsprämie. Mit dem Spargutschein können Beschäftigte auch längere und teurere Weiterbildungsmaßnahmen finanzieren. Der Arbeitnehmer kann zu diesem Zweck Geld aus dem Guthaben entnehmen, das nach dem Vermögensbildungsgesetz (VermBG, vermögenswirksame Leistungen) angespart wurde. Das gilt auch dann, wenn die Sperrfrist noch nicht abgelaufen ist.

Gründungszuschuss

Auch als Selbstständiger kann der Quereinstieg in einen neuen Beruf gelingen. Die Arbeitsagentur unterstützt dies möglicherweise mit einem Gründungszuschuss. Dazu muss der Existenzgründer arbeitslos sein, zum Zeitpunkt der Aufnahme der Selbstständigkeit noch mindestens 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld I (ALG I) haben und der Arbeitsagentur ein tragfähiges Konzept für die Existenzgründung vorlegen. Außerdem muss die Existenzgründung erfolgversprechender sein als eine Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt.

Anders als früher ist der Gründungszuschuss eine Ermessensleistung der Arbeitsagentur. Ob der Unternehmensgründer den Zuschuss erhält, hängt deshalb außer von seiner Überzeugungskraft oft auch vom zur Verfügung stehenden Budget der jeweiligen Arbeitsagentur ab.

Aufstiegs-BAföG

Das Aufstiegs-BAföG (bis 2016 noch „Meister-BAföG“) fördert die Vorbereitung auf mehr als 700 Fortbildungsabschlüsse wie Meister, Fachwirt, Techniker, Erzieher oder Betriebswirt. Die Förderung ist offen für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung, aber auch für Bachelorabsolventen und Studienabbrecher. Der angestrebte berufliche Abschluss muss über dem Niveau einer Facharbeiter-, Gesellen- und Gehilfenprüfung oder eines Berufsfachschulabschlusses liegen. Außerdem muss die Weiterbildungsmaßnahme mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen.

Die Geförderten können unabhängig von ihrem Einkommen einen Beitrag bis maximal 15.000 Euro zu den tatsächlich anfallenden Gebühren erhalten, davon 40 Prozent als Zuschuss. Beim Aufstiegs-BAföG gibt es keine Altersgrenze.

Weiterbildungsstipendium

Das Weiterbildungsstipendium des Bundes unterstützt Menschen bis 25 Jahre (Anrechnungszeiten wie Elternzeit oder ein Bundesfreiwilligendienst werden berücksichtigt), die eine Berufsausbildung mit der Abschlussnote 1,9 oder besser vorweisen können. Das Stipendium fördert fachliche Weiterbildungen, etwa zum Techniker, Handwerksmeister oder Fachwirt. Fachübergreifende Weiterbildungen, zum Beispiel EDV-Kurse oder Intensivsprachkurse, sind ebenfalls möglich. Es können auch berufsbegleitende Studiengänge gefördert werden, die auf der Ausbildung oder der Berufstätigkeit aufbauen.

Innerhalb von maximal drei Förderjahren kann ein Gesamtbetrag von 7.200 Euro ausgezahlt werden. Die Geförderten müssen einen Eigenanteil von 10 Prozent je Fördermaßnahme übernehmen.

Aufstiegsstipendium

Mit dem Aufstiegsstipendium fördert der Bund ein erstes Studium von Menschen mit Berufserfahrung. Wer sich um ein Stipendium bewerben möchte, muss unter anderem eine abgeschlossene Berufsausbildung mit der Abschlussnote 1,9 oder besser vorweisen und braucht mindestens zwei Jahre Berufserfahrung. Ein Branchenwechsel ist möglich, das Programm ist dadurch auch für Quereinsteiger geeignet.

Für Studierende im Vollzeitstudium beträgt das Stipendium unabhängig vom Einkommen monatlich 815 Euro, inklusive Büchergeld. Studierende in einem berufsbegleitenden Studiengang können jährlich 2.400 Euro erhalten. Beim Aufstiegsstipendium gibt es keine Altersgrenze.

Eine persönliche Referenz kann den Weg ebnen

Berufliches Netzwerk pflegen

Wichtig ist für Quereinsteiger auch ein funktionierendes berufliches Netzwerk – bei der beruflichen Neuorientierung gilt das noch mehr als sonst. Denn wo nicht die formelle Ausbildung den Weg in den Wunschberuf ebnet, gelingt das vielleicht mit einer persönlichen Referenz. Schon lange vor dem eigentlichen Seiteneinstieg gilt es deshalb, berufliche Kontakte zu pflegen, auch auf persönlicher Ebene.

Denken Sie an Ihre Absicherung!

Das Berufsleben ist nicht immer planbar. Mancher Arbeitsplatzwechsel kommt unerwartet. Denken Sie deshalb daran, sich vor den finanziellen Folgen einer möglichen Arbeitslosigkeit oder Berufsunfähigkeit zu versichern.

Unsere Ansprechpartner vor Ort unterstützen Sie gerne mit weiteren Informationen.

Ansprechpartner finden

Tipps, Infos und Jobs für Quereinsteiger

  • Die Website quer-einstieg.de informiert über Voraussetzungen für eine berufliche Neuorientierung. Außerdem gibt es Tipps zur Bewerbung und zu Berufen, in denen ein Quereinstieg derzeit gut möglich ist.
  • Talentfrogs versteht sich als erste Online-Jobbörse, die sich speziell an Quereinsteiger richtet.
  • Der Blog Ratgeber Umschulung informiert rund um die Themen Umschulung, Zweitausbildung, Zweitstudium oder Fernstudium.

Autor/in

C. Hartmann

Aug. 2017

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