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Glückliche Kollegen tauschen sich im Büro aus.
Unternehmen

Fachkräftemangel im Mittelstand: Ursachen, Folgen und Lösungsansätze

Steigende Arbeitslosenzahlen und rückläufige Entwicklungen bei den zu besetzenden Stellen können nicht darüber hinwegtäuschen: Die Fachkräftesituation im Land ist angespannt. Laut KOFA-Fachkräftereport können rund 400.000 freie Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte nicht besetzt werden. Mehr als jede dritte offene Position ist davon betroffen. Mit fatalen Folgen – auch und gerade für die mittelständische Wirtschaft. Deshalb ist es für die Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens entscheidend, jetzt die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, um Fachkräfte zu begeistern, fit zu halten und langfristig zu binden. Wir haben für Sie praktische Tipps und Lösungsempfehlungen zusammengestellt, die genau dazu beitragen.

Fachkräftemangel: eine Definition

Der so häufig zitierte Begriff des Fachkräftemangels beschreibt, dass mehr offene Stellen für qualifizierte Fachkräfte vorhanden sind, als besetzt werden können. Als Fachkraft gilt, wer eine Berufsausbildung oder ein Studium abgeschlossen hat und über spezielles Wissen und Können verfügt. Wenn Stellen für einen begrenzten Zeitraum oder in einzelnen Regionen unbesetzt bleiben, spricht man von einem Fachkräfte-Engpass. Doch in Deutschland und vielen anderen europäischen Staaten ist die Situation noch gravierender: Der Fachkräftemangel ist ein anhaltendes Problem, das Unternehmen in ihrer Entwicklung behindert.

Gesundheit, Pflege, Handwerk: Engpässe in vielen Berufen

Der Mangel an Fachkräften trifft die gesamte deutsche Wirtschaft. Studien zeigen, welche Berufe besonders betroffen sind:

  • Gesundheitswesen:

    Sehr schwierig ist die Situation im Gesundheitswesen. Hier können über 46.000 Stellen nicht besetzt werden. Es fehlt an Physiotherapeutinnen und -therapeuten, Pflegekräften und Zahnmedizinischen Fachangestellten.

  • Baugewerbe:

    Ähnlich gravierend stellt sich die Situation im Baugewerbe mit rund 41.000 vakanten Stellen dar. Ob Bauelektrik oder Sanitär- Heizungs- und Klimatechnik – im Handwerk fehlt es an ausgebildeten Fachkräften.

  • Weitere Bereiche:

    Weitere sogenannte Engpass-Berufe finden sich in der öffentlichen Verwaltung, im Handel, im sozialen Bereich und im Beratungssektor. Auch in der Industrie bleiben viele Stellen unbesetzt, insbesondere im Metall- und Maschinenbau.

Top 10: In diesen Branchen ist der Fachkräftemangel am größten

Wirtschaftszweig Offene Stellen Fachkräftelücke
Gesundheitswesen 87.792 46.138
Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe 88.458 41.293
Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung 78.123 37.639
Einzelhandel (ohne Handel mit Kraftfahrzeugen) 100.263 26.929
Sozialwesen (ohne Heime) 48.047 26.426
Herstellung von Metallerzeugnissen 40.979 18.480
Handel mit Kraftfahrzeugen; Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen 38.255 17.957
Maschinenbau 35.251 16.764
Heime (ohne Erholungs- und Ferienheime) 26.930 16.430
Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung 29.586 13.965


Quelle: IW-Fachkräftedatenbank auf Basis von BA-Sonderauswertungen und der IAB-Stellenerhebung.

Der Fachkräftemangel trifft Unternehmen jeder Größe. Besonders herausfordernd ist die Situation jedoch für kleine und mittelständische Betriebe im ländlichen Raum, wo das Potenzial an qualifizierten Kräften ohnehin geringer ist als in den Ballungszentren.

Die Ursachen: Demografie und die Folgen

Der Fachkräftemangel in Deutschland ist eine unmittelbare Folge des demografischen Wandels. In unserer alternden Gesellschaft scheiden deutlich mehr Menschen aus dem Erwerbsleben aus als neu hinzukommen. Wie groß das Problem ist, zeigt ein Blick auf die geburtenstarken Jahrgänge der zwischen 1946 und 1964 Geborenen. Von den knapp 16,4 Mio. sogenannten Babyboomern, die 2022 noch im erwerbsfähigen Alter waren, werden bis 2028 weniger als zehn Millionen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Ihr Ausscheiden aus dem Erwerbsleben hinterlässt eine große Lücke.

Boomer werden Rentner

Zahl der Babyboomer in Deutschland ...

... unter dem gesetzlichen Renteneintrittsalter

... unter dem gesetzlichen Renteneintrittsalter

15453900 2023
12115200 2026
8778000 2029
4963800 2032
1163700 2035
0 2038

... über dem gesetzlichen Renteneintrittsalter

... über dem gesetzlichen Renteneintrittsalter

4065100 2023
6920400 2026
9656000 2029
12757700 2032
15705400 2035
15824400 2038

 

Die Folgen des Fachkräftemangels für den Mittelstand sind gravierend: Bleiben Stellen unbesetzt, können Aufträge nicht abgearbeitet, Projekte nicht realisiert und Innovationen nicht vorangetrieben werden. Das schmälert den wirtschaftlichen Erfolg und ist angesichts der Anforderungen des Transformationsprozesses fatal für die Zukunftsfähigkeit der Betriebe.

Gleichzeitig steigt die Belastung für bestehende Teams. Das führt zu steigender Fluktuation und einem hohen Krankenstand. Steigende Lohn- und Rekrutierungskosten verschärfen die Situation zusätzlich. Längst bewerben sich nicht mehr die Fachkräfte bei Arbeitgebern, sondern die Unternehmen bei potenziellen Kandidatinnen und Kandidaten. Um die Besten für sich zu begeistern, greifen Betriebe nicht nur tief ins Portemonnaie, sondern investieren auch massiv in Employer Branding und zeitgemäßes Recruiting.

Erfolgreich trotz Fachkräftelücke: Das können Sie tun

Expertinnen und Experten sind sich einig: Der Weg zur Fachkräftesicherung führt über mehr Zuwanderung, eine höhere Erwerbstätigen-Quote unter der weiblichen Bevölkerung und längere Lebensarbeitszeiten. Die politisch Verantwortlichen sind gefordert, die dafür notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen. Mittelständische Unternehmen stehen vor der Aufgabe, jetzt tragfähige Strategien zu entwickeln, um Fachkräfte zu finden und zu binden. Doch wie sieht die aus?

Die richtige Kombination aus kurz-, mittel- und langfristig wirksamen Maßnahmen hilft Ihnen, dem Fachkräftemangel im eigenen Unternehmen entgegenzuwirken:
 

  • Gehen Sie bei der Rekrutierung neue Wege:

    Setzen Sie zum Beispiel auf gezieltes Active Sourcing via Social- Media- und Online-Plattformen, initiieren Sie Programme wie „Mitarbeitende-werben-Mitarbeitende“ und binden Sie Personalberatungen mit ein.

  • Verstärken Sie das Team kurzfristig:

    Überbrücken Sie Phasen großen Personalmangels, indem Sie Zeitarbeit und Freelancer einsetzen.

  • Zeigen Sie als Arbeitgeber Präsenz:

    Nehmen Sie Kontakt mit Schulen, Hochschulen und Wirtschaftsförderern auf und präsentieren Sie Ihr Unternehmen beispielsweise bei deren Jobmessen aus.

  • Bauen Sie eine starke Arbeitgebermarke auf:

    Betreiben Sie ein offensives Employer Branding, um als attraktiver Arbeitgeber erfahrbar zu werden und zu begeistern.

  • Bieten Sie Benefits, die zu den Bedürfnissen des Teams passen:

    Begeistern Sie beispielsweise mit Gesundheitsangeboten, betrieblicher Zukunftsvorsorge, Zeitwertkonten für mehr Flexibilität oder Invaliditätsschutz.

  • Bieten Sie attraktive Entwicklungsmöglichkeiten:

    Binden Sie Mitarbeitende an Ihr Unternehmen, indem Sie auf individuelle Qualifizierungsangebote, individuelle Entwicklungsmöglichkeiten und innovative Nachwuchsförderung setzen.

  • Planen Sie die Personalstruktur strategisch:

    Gehen Sie dabei langfristig vor und planen Sie systematisch.

  • Werben Sie Fachkräfte aus dem Ausland an:

    Entwickeln Sie dazu eine vorausschauende Strategie, die Sie vor Ort umsetzen können, und denken Sie dabei auch das Thema Integration mit.

  • Fördern Sie die Attraktivität der Region:

    Bringen Sie in Kooperation mit Playern aus Politik und Wirtschaft Infrastrukturprojekte voran.

Mitarbeitende gewinnen: Fachkräfte wollen begeistert werden

Immer weniger Fachkräfte werden von immer mehr Unternehmen umworben. Deshalb ist es wichtig, aktiv und erfolgreich um sie zu werben. Dabei gilt: Geld allein macht nicht glücklich.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wollen heute mehr als nur ein dickes Gehalt. Sie wollen einbezogen werden, möchten hinter den Werten und der Kultur ihres Arbeitgebenden stehen können und erwarten Wertschätzung. Wir haben im Folgenden eine Reihe entscheidender Erfolgsfaktoren zusammengetragen, mit denen Sie die Attraktivität Ihres Unternehmens steigern, die Besten für sich begeistern, die Personalzufriedenheit fördern und damit die eigene Wettbewerbsposition stärken können: 

  • Setzen Sie auf flache Hierarchien und bieten Sie die Möglichkeit, schnell Verantwortung zu übernehmen.

  • Schaffen Sie Gestaltungsräume und Entwicklungsperspektiven.

  • Begeistern Sie mit interessanten Aufgaben, an denen man wachsen kann.

  • Achten Sie auf modern ausgestattete Arbeitsbereiche.

  • Ermöglichen Sie Flexibilität hinsichtlich Zeit und Ort: flexible Arbeitszeiten, Teilzeit und Job- Sharing, Homeoffice und die Möglichkeit zu Auszeiten.

  • Unterstützen Sie bei wichtigen Vorsorgethemen: Gesundheit, Zukunftsvorsorge, Unfallschutz.

  • Bieten Sie Benefits und Mehrwerte, die so und zu diesen Konditionen am Markt nicht angeboten werden.

Mitarbeitende gewinnen und binden durch zusätzliche Benefits

Stärken Sie Ihr Image auf dem Arbeitsmarkt zusätzlich, indem Sie echte Mehrwerte anbieten, zum Beispiel mit den R+V-Lösungen für Ihr Team. So zeigen Sie, dass Sie die Arbeit Ihrer Mitarbeitenden wertschätzen und soziale Verantwortung übernehmen:

Auch das aktive Anbieten vermögenswirksamer Leistungen kommt bei Arbeitnehmenden gut an.

Lassen Sie sich beraten

Wir beraten Sie gerne und finden mit Ihnen gemeinsam maßgeschneiderte Lösungen für Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeitenden.

Unsere Expertinnen und Experten stehen Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch zur Verfügung.

Mitarbeitende fit halten durch ein betriebliches Gesundheitsmanagement

Wenn es den Mitarbeitenden gut geht, geht es auch dem Unternehmen gut. Oder anders gesagt: Fällt jemand wegen Krankheit aus, erhöht das auch die Belastung. Druck und Stress für den Rest der Belegschaft steigen – das hat sinkende Produktivität und sogar neue Krankheitsfälle zur Folge. Unternehmen tun daher gut daran, die Gesundheit ihrer Mitarbeitenden zu fördern. Mehr zum Thema „Das Team fit halten“ lesen Sie in unserem Ratgeberartikel: Betriebliches Gesundheitsmanagement

Betriebliches Gesundheitsmanagement:

Hier können Sie ansetzen

  • Schaffen Sie ein gesundes Arbeitsumfeld:

    Dazu gehören z. B. eine ergonomische Ausgestaltung der Arbeitsplätze, Sportangebote und das Angebot einer ausgewogenen Ernährung.

  • Beugen Sie Stress am Arbeitsplatz vor:

    Vermeiden Sie Überforderungen, achten Sie auf Pausenzeiten, zeigen Sie Verständnis für Ihre Mitarbeitenden, gehen Sie mit gutem Beispiel voran.

  • Nutzen Sie ...

    ... das Zeitwertkonto der R+V, um Arbeitszeiten in Ihrem Unternehmen flexibler zu gestalten.

  • Bieten Sie ...

    ... Ihren Mitarbeitenden eine betriebliche Krankenversicherung an. Wenn jemand in Ihrem Unternehmen erkrankt, sollte er oder sie die bestmögliche Versorgung bekommen.

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Zuletzt aktualisiert: Februar 2026

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