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Reifenwechsel und der richtige Reifendruck

en Reifen richtig wechseln stellt so manch einen Autofahrer vor besonders hohe Hürden. Der Reifenwechsel kann aus verschiedenen Gründen durchgeführt werden. Üblicherweise wird ein Wechsel vor Ostern und Oktober vorgenommen. Jedoch ist ein Wechsel auch nach einer Reifenpanne oder einem abgefahrenen Reifen notwendig. Hier bekommen Sie Tipps, wie Sie Ihre Reifen erfolgreich, schnell und sicher wechseln und worauf Sie bei der Wahl der richtigen Reifen achten müssen.

Reifenwechsel in drei Schritten

Beginnen Sie mit dem Blick in die Bedienungsanleitung Ihres Autos. "So wird man gleich auf die Besonderheiten des jeweiligen Fahrzeugs aufmerksam", sagt der Fachmann. Dann kann es direkt los gehen.

Schritt 1: Altes Rad entfernen

  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr Fahrzeug auf einer ebenen Fläche sicher steht.
  • Handbremse anziehen und Gang einlegen.
  • Mit dem Radkreuz die Radschrauben oder -bolzen kreuzweise lockern.
  • Den Wagenheber an der richtigen Stelle ansetzen und das Auto so anheben, dass das zu wechselnde Rad gerade in der Luft ist.
  • Entfernen Sie nun die Radschrauben - immer kreuzweise. Drehen Sie das Rad so, dass in der oberen Hälfte eine Schraube bleibt, die das Rad bis zum Schluss hält. Sitzen die Bolzen zu fest, kann man sich auf das Radkreuz stellen und sie so lockern", sagt Müller.

Schritt 2: Neues Rad aufsetzen

  • Montieren Sie das neue Rad - wieder kreuzweise.
  • Dabei auf die Laufrichtung des Reifens achten.
  • Kennzeichnen Sie das demontierte Rad mit Kreide. So merken Sie sich die Position und können beim nächsten Wechsel einen Radtausch von vorne nach hinten durchführen. Der Experten-Tipp: Haben Sie das alte Rad heruntergenommen, sollten Sie die Auflagefläche reinigen. Ruprecht Müller vom ADAC meint: "Das geht am besten mit einem Bremsenreiniger oder einer Drahtbürste."

Schritt 3: Schrauben anziehen

  • Ziehen Sie die Schrauben zunächst mit dem Radkreuz leicht an.
  • Senken Sie das Fahrzeug soweit herab, dass der Reifen gerade so auf dem Untergrund aufliegt.
  • Nun die Schrauben unbedingt mit dem Drehmomentschlüssel festziehen. Diesen zuvor auf das vom Auto-Hersteller vorgeschriebene Anzugsdrehmoment einstellen.
  • Kontrollieren Sie an der nächsten Tankstelle den Luftdruck in allen Rädern. Der Experte und ADAC-Fachmann Müller warnt: "Wenn Sie die Schrauben zu fest anziehen, kann das Gewinde beschädigt werden, so dass sich im Extremfall die Schrauben wieder lösen."

Reifenwechsel bei einer Reifenpanne

Ist Ihr Reifen auf der Straße geplatzt oder platt? Jetzt müssen Sie unbedingt zuerst das Fahrzeug sichern, bevor Sie den Reifen richtig wechseln. "Die Devise heißt: Weg vom Verkehr, um eine Gefährdung auszuschließen", sagt Ruprecht Müller. "Notfalls sollte der Fahrer in Schrittgeschwindigkeit auf dem defekten Reifen den nächsten sicheren Bereich wie Parkplatz oder Nothaltebucht ansteuern."

Die nächsten Schritte:

  • Bringen Sie das Fahrzeug auf einen festen sicheren Untergrund.
  • Sichern Sie das Auto mit einem Stein gegen Wegrollen.
  • Stellen Sie das Warndreieck auf, um andere Verkehrsteilnehmer zu warnen. Dabei gilt: 50 m vor dem Pannenfahrzeug innerhalb geschlossener Ortschaften, 100 m auf Landstraßen, 200 m auf der Autobahn.
  • Vor dem Radwechsel beachten: "Bevor man eine Schraube öffnet, empfiehlt es sich zu prüfen, ob sich das Ersatzrad überhaupt ausbauen lässt und ob es genügend Luftdruck hat, um verwendet werden zu können", rät der Experte.

Was Sie für den Reifenwechsel immer dabei haben sollten:

  • Wagenheber
  • Drehmomentschlüssel
  • Warnweste
  • Arbeitshandschuhe
  • Gutes Radkreuz
  • Reserverad mit genügendem Luftdruck

Reifendruck

Bei ca. 40 % aller Verkehrsunfälle wird ein zu geringer Reifendruck festgestellt.

Sichern Sie sich in jedem Fall vor einem Schaden oder einem Unfall mit der KfZ-Haftpflichtversicherung von R+V ab.

Ist der Reifendruck zu niedrig, kann das Folgen haben:

  • Der Reifen erhitzt sich und kann vorzeitig verschleißen, weil das Gummi brüchig und spröde wird. Schon 0,4 Bar weniger Reifendruck verringern die Lebensdauer um rund 30%, bei 0,6 Bar sind es sogar schon 45%.
  • Der Reifen kann, von außen nicht sichtbar, innen geschädigt werden was zu Unfällen (zum Beispiel verursacht durch Reifenplatzer) führen kann.
  • Der Rollwiderstand steigt an und damit der Kraftstoffverbrauch: Bei nur 0,2 Bar Minderdruck macht das einen Mehrverbrauch von 1% aus, bei 0,6 Bar bereits 4%.

Ausgelöst wird ein zu niedriger Reifendruck oft durch schleichenden Druckverlust, manchmal nur wenige Hundertstel Bar im Monat, aber diese addieren sich im Laufe der Zeit. Deshalb sollte immer wieder bei einem Tankstopp der Luftdruck geprüft und gegebenenfalls aufgefüllt werden. Dabei sollten Sie das Ersatzrad nicht vergessen. Die Höhe des richtigen Reifendrucks können Sie der Bedienungsanleitung Ihres Fahrzeugs oder Hinweisschildern im PKW entnehmen, die oft am Tankdeckel oder am Rahmen der Tür angebracht sind.

Messen Sie den Luftdruck immer bei kalten Reifen, da sich die erwärmte Luft ausdehnt und einen höheren Druck anzeigt. Ist der Reifen erwärmt, dann sollte der Reifendruck 0,3 Bar über dem angegebenen Wert liegen. Grundsätzlich kann der Reifendruck ruhig 0,2 Bar über dem angegebenen Wert liegen. Auf jeden Fall sollte der Reifendruck um 0,2 Bar höher liegen als angegeben bei

  • längeren Fahrten auf Autobahnen,
  • bei beladenen Fahrzeugen, wie bei Urlaubsfahrten.

Für beladene Fahrzeuge wird in der Regel aber auch der korrekte Reifendruck im Serviceheft oder dem Hinweisschild am Fahrzeug durch entsprechende Symbolik angezeigt.

Auch Winterreifen sollten 0,2, Bar über dem angegebenen Wert aufgefüllt werden, da sie in der Regel in der wärmeren Werkstatt oder Garage aufgezogen werden und dann in der Kälte noch etwas Druck verlieren.

Die Wahl des richtigen Reifens

Bei den Reifen kann man sparen, sollte es aber nicht um jeden Preis. Gerade von den Reifen hängt in hohem Maße unsere Sicherheit ab.

Ob nach einer Reifenpanne oder nach dem üblichen Verschleiß der Reifen, ein Reifenwechsel steht am Ende immer an – und der ist nicht immer ganz billig. Ihre Sicherheit hängt von den vier postkartengroßen Flächen ab. Nur intakte Reifen mit gutem Profil und richtigem Druck gewährleisten einen sicheren Halt auf der Fahrbahn.

Sommer-, Winter- oder Allwetterreifen?

Sommerreifen

Welche Reifen sinnvoll und notwendig sind, hängt von der Nutzung des Autos ab: Sind Sie in einer schneearmen Gegend, lediglich auf Autobahnen oder in der Stadt unterwegs und können das Auto bei Glätte, Schnee und Matsch stehen lassen, dann sind Winterreifen nicht zwingend notwendig. Zur besseren Sicherheit sollte auf allen vier Rädern dieselbe Reifenart aufgezogen sein.

Winterreifen

Wohnen Sie in einer Gegend, in der es häufiger schneit, oder so abgelegen, dass nicht immer sofort geräumt wird, ist die Nutzung von wintertauglicher Bereifung gesetzlich vorgeschrieben. Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte sind die Winterpneus Pflicht. Auch für den geplanten Winterurlaub sollte die korrekte Bereifung für ihr Fahrzeug zur Verfügung stehen. Erwiesen ist, dass Winterreifen bei niedrigen Temperaturen (laut Reifenhersteller unter +7 °C) bessere Fahreigenschaften vorweisen als Sommerreifen. Das gilt auch ohne Schnee und Eis auf der Fahrbahn. Winterreifen sollten nur von Herbst bis Frühjahr gefahren werden, da sie auf Grund ihrer Zusammensetzung im Sommer bei hohen Temperaturen einen wesentlich längeren Bremsweg haben als Sommerreifen.

Allwetterreifen

Allwetterreifen sind eine Kompromisslösung, im Sommer nicht so gut wie Sommer- und im Winter nicht so gut wie Winterreifen, aber in jeder Jahreszeit einsetzbar. Wenn Sie jedoch vorwiegend in einer Stadt im Flachland fahren, und bei einem plötzlichen Wintereinbruch auch mal auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen können, dann brauchen Sie nicht zwei Sätze Reifen und können sich den halbjährlichen Reifenwechsel sparen.

Generell bleibt jedoch anzuraten, nicht zuletzt auch wegen der Gesetzespflicht, für den Winter- und Kälteeinbruch vorbereitet zu sein und die passenden Winter- oder Allwetterreifen griffbereit zu haben.

Wichtig ist, dass Sie nur die Reifengröße wählen, die in den Papieren vermerkt und zugelassen ist – ansonsten entfällt bei einem Unfall Ihr Versicherungsschutz.

Neue, gebrauchte oder runderneuerte Reifen?

Für die Runderneuerung werden Reifen verwendet, deren Laufflächen abgefahren sind. Es wird dann eine neue Profillauffläche aufgetragen. Die Gefahr bei einem solchen Reifen kann darin bestehen, dass diese aufgetragene Lauffläche nicht richtig haftet und sich bei höherer Geschwindigkeit ablösen kann.

Grundsätzlich sollten Fahrer schneller Autos auf runderneuerte Sommerreifen verzichten, zu groß ist die Gefahr eines zerfetzten Reifens bei schneller Fahrt. Runderneuerte Reifen, deren innere Bestandteile wie Stahl- und Nylongewebe, beschädigt sind, sind risikoträchtig und damit höchst gefährlich. Leider kann man nicht sehen, wie der Reifen innen beschaffen ist. Wer sich für runderneuerte Reifen entscheidet, sollte zumindest darauf achten, dass sie mit dem Prüfstempel des TÜV am Rand versehen sind. Dieser Stempel garantiert, dass die Aufarbeitung durch einen Betrieb durchgeführt wurde, der vom TÜV überwacht wird.

Günstiger als runderneuerte sind oft gebrauchte Reifen, von deren Anschaffung jedoch abzuraten ist: Auch hier weiß der Käufer nicht, ob die inneren Reifenbestandteile intakt sind. Außerdem gibt es bleibende Schäden (zum Beispiel durch Einwirkung von Öl) die nicht sichtbar sind, aber ein großes Sicherheitsrisiko darstellen. Neue Reifen sind die teuerste, aber auch sicherste Alternative. Hier lohnt sich ein Preisvergleich bei verschiedenen Reifenhändlern, auch über das Internet. Für einen bestimmten Reifen derselben Marke sind Preisunterschiede von 20-30% keine Seltenheit.

Autor/in

Funda Dogan

Sep. 2017

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