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Organspende: Eine lebensrettende Entscheidung

Soll ein soeben verstorbenes Familienmitglied Organspender werden? Tatsächlich darf dies nach dem Tod von den Angehörigen entschieden werden – aber wer sich nicht schon zu Lebzeiten klar dazu positioniert hat, der bürdet den Hinterbliebenen eine Entscheidung auf, die häufig mit „Nein“ beantwortet wird: In neun von zehn Fällen verweigern die Angehörigen die Organspende.

Bereitschaft zur Organspende

Dabei sprechen die Fakten eigentlich eine andere Sprache: Verschiedene Befragungen ergeben regelmäßig, dass über 90 Prozent aller Menschen in Deutschland selbst eine Organspende annehmen würden. Bei einer Umfrage der Krankenkasse Barmer GEK gab 2015 mehr als die Hälfte der Befragten an, dass sie zur Organspende prinzipiell bereit sei. Trotzdem aber besitzt nur etwa ein Drittel der Bevölkerung einen Organspendeausweis. Die Diskrepanz zwischen diesen Zahlen ist bemerkenswert. Man könnte auch sagen: erschreckend.

Nicht, wie man sich entscheidet, sondern dass man sich entscheidet, zählt.

Ausdrückliche Zustimmung erforderlich

Die Folge: Jährlich sterben in Deutschland etwa 1.000 Menschen, die mit Spenderorganen hätten überleben können, statistisch gesehen also drei pro Tag. Rund 10.000 Personen stehen auf der Warteliste für eine Transplantation. Hinzu kommen 50.000 Menschen, die aufgrund von Nierenversagen dauerhaft auf die Dialyse angewiesen sind.

Entnommen werden dürfen Organe in Deutschland aber nur, wenn eine eindeutige Zustimmung vorliegt – anders als in anderen Ländern, die mit „passiver Zusage“ arbeiten, was bedeutet, dass der Verstorbene explizit widersprochen haben muss. Was viele aber nicht wissen: Diese Zusage ist ganz einfach zu erbringen. Zwar ist die eindeutig beste Lösung ein Organspendeausweis, im Zweifelsfall reicht aber auch ein formloses Blatt Papier, auf dem das Einverständnis erklärt wird – oder ein Vermerk in der Patientenverfügung.

Organspendeausweis – überall erhältlich

Den Organspendeausweis nach § 2 des Transplantationsgesetzes finden Sie in zahlreichen Arztpraxen und Apotheken. Oder auch direkt im Internet, zum Beispiel auf der Website der Deutschen Stiftung Organtransplantation.

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Ängste, Unwohlsein, Horrorgeschichten

Die Gründe, warum so viele Menschen zögern, sind unterschiedlich, haben aber häufig mit eher diffusen Ängsten zu tun: Die meisten von uns beschäftigen sich ungern mit der Aussicht auf den eigenen Tod. Hinzu kommen Ängste vor Horrorgeschichten wie Organhandel, vorzeitiger Entnahme oder das Misstrauen durch die Skandale um Manipulationen der Wartelisten 2012.

Tatsächlich ist seit diesem Jahr die Zahl der Spender in Deutschland noch einmal deutlich gesunken und blieb in den vergangenen Jahren eher niedrig. Um es klar zu sagen: Organgeschäfte sind in Deutschland verboten und hierzulande auch kein Thema. Das deutsche Transplantationsgesetz stellt zudem sicher, dass die Vergabe sehr genau geregelt ist und transparent abläuft.

Seit 2012 sind die Gesetze und Kontrollmechanismen deutlich verschärft. So muss zum Beispiel eindeutig ein Hirntod diagnostiziert worden sein. Nur dann kann der Kreislauf weiterhin maschinell stabil gehalten werden.

Tatsächlich aber liegt ohnehin nur bei etwa einem Prozent aller im Krankenhaus Verstorbenen ein Hirntod vor – ein weiterer Grund dafür, warum es generell eher schwierig ist, das passende Spenderorgan zu erhalten: Nur etwa 3.000 Menschen eignen sich jedes Jahr überhaupt für eine Organentnahme – und nur etwa 850 Organe wurden im Jahr 2015 tatsächlich entnommen. Damit ist Deutschland das Schlusslicht in Europa.

Ein einziger Organspender kann mehreren Schwerkranken oder Unfallopfern das Leben retten.

Eindeutige, transparente medizinische Kriterien

Erst wenn ein medizinisch festgelegter Kriterienkatalog abgearbeitet ist, wird der Hirntod diagnostiziert – dazu gehört zum Beispiel das Fehlen von Hirnströmen oder der Atmung. Auch wenn für uns bisweilen der Angehörige äußerlich noch gar nicht verstorben wirkt, sind die medizinischen Kriterien für Hirntod streng und eindeutig.

Zwei Ärzte müssen diesen unabhängig voneinander feststellen. Um Interessenkonflikte zu vermeiden, dürfen diese Ärzte die Organe nicht selbst entnehmen. Auch eine weitere Sorge mancher potenzieller Spender und Angehöriger ist unbegründet: Organentnahmen entstellen den Spender nicht. Tatsächlich handelt es sich häufig nur um sehr kleine, unauffällige Schnitte, die anschließend wieder vernäht werden. Auch bei einer Hornhauttransplantation sieht man anschließend dem Verstorbenen nichts an.

Kann jeder spenden?

Eigentlich ja, denn tatsächlich gibt es für die Organspende keine Altersgrenze. Entscheidend ist allein der Zustand der Organe. Und der hängt nur bedingt davon ab, wie alt jemand ist. Viel wichtiger sind eventuelle Krankheiten: Verstorbenen mit akuten Krebserkrankungen oder positivem HIV-Befund werden zum Beispiel keine Organe entnommen. Ob ein Organ transplantiert werden kann, wird nach dem Tod medizinisch geprüft – und letztlich entscheidet der Arzt.

Zahlen zur Organspende

Erfolgsaussichten: sehr gut

Spenden, das geht also eigentlich ganz einfach. Es erfordert nicht mehr als den Willen zur bewussten Entscheidung und eine Unterschrift. Nicht jeder, der sich zum Organspender erklärt, ist nach dem Tod auch für die Organentnahme geeignet. Aber jeder, der die Entscheidung trifft, setzt ein Zeichen für Engagement und Nächstenliebe.

Denn die Erfolgsaussichten bei Spenderorganen sind häufig sehr gut: Nieren zum Beispiel funktionieren bei mehr als drei Viertel der Empfänger auch nach mehreren Jahren noch – und können schwerkranken Menschen eine Zukunft schenken.

Autor/in

C. Hartmann

Apr. 2017

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