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Die Angst vor dem Zahnarzt in den Griff bekommen

Ausgeliefert und mit weit geöffnetem Mund auf dem Behandlungsstuhl – für viele zählt der Termin beim Zahnarzt nicht zu den liebsten Beschäftigungen. Dennoch wissen die meisten um die Notwendigkeit regelmäßiger Zahnkontrollen. Doch was, wenn schon der Gedanke an den Zahnarzt Panik auslöst? Was bedeutet Dentalphobie? Und wie kann die Zahnarztangst bewältigt werden?

Dentalphobie weit verbreitet

Was geläufig als Zahnarztangst betitelt wird, heißt im eigentlichen Sinne und im Fachjargon Dentalphobie, also Zahnbehandlungsphobie. Nicht die Angst vor dem Zahnmediziner ist nämlich gemeint, sondern die Angst vor der Behandlung der Zähne.

Die Furcht und die unangenehmen Gefühle beschränken sich dabei nicht allein auf Bohrer oder Spritze, sondern die Betroffenen fühlen sich während der Behandlung hilflos und schämen sich – für ihre Zähne und für ihre Angst. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Dentalphobie als spezielle Form der Phobien anerkannt und in das Diagnoseklassifikationssystem (ICD) aufgenommen.

Im Rahmen einer Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) fanden Experten heraus, dass rund 15 Prozent der Bevölkerung unter der massiven Form dieser speziellen Angst leiden dürften.

Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ)

Junge Menschen leiden besonders an Zahnarztangst

Junge Menschen sind der Untersuchung zufolge häufiger betroffen als ältere. Ganz genaue Zahlen über die Dentalphobie-Erkrankungen liegen nicht vor, da die Dunkelziffer der Betroffenen vermutlich erheblich höher ist.

Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) schätzt, dass 60 bis 80 Prozent der Bevölkerung Angst vor dem Zahnarztbesuch hat. Etwa 5 Prozent der Deutschen gehen überhaupt nicht zum Zahnarzt.

Symptome der Dentalphobie

Menschen, die unter einer Dentalphobie leiden, haben deutlich stärkere Symptome als nur ein mulmiges Gefühl vor dem Zahnarztbesuch. Bei manchen Betroffenen reicht allein der Gedanke einer Terminvereinbarung beim Zahnarzt aus, um heftige körperliche oder psychische Reaktionen auszulösen.

Die Ausprägungen der Symptome können stark variieren und sind sehr individuell. Oft aber treten „klassische“ Symptome wie Herzrasen, Schweißausbrüche, Zittern und Unruhe auf.

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Ursachen vielfältig

Die Gründe für eine Dentalphobie können ebenfalls ganz unterschiedlich sein. Negativerfahrungen bei Zahnarztbesuchen in der Kindheit, Berichte und Erzählungen aus dem Familien- oder Freundeskreis, traumatische Erlebnisse, die nicht in Zusammenhang mit einem Zahnarztbesuch stehen, oder andere phobische Störungen (Spritzen-, Blut-, Verletzungsphobie) können die Ursache sein.

Ein typischer Fall

Ein 30-jähriger Patient wurde bei seinem ersten Zahnarztbesuch – damals war er zehn Jahre alt – von einer Arzthelferin festgehalten, weil er nicht stillsitzen blieb. Er fühlte sich ausgeliefert und Panik stieg in ihm auf. Seither lehnte er jeden weiteren Zahnarztbesuch ab und ertrug stattdessen lieber seine Zahnschmerzen.

Daher kommt die Angst vor dem Zahnarzt

Dass die Arztangst häufig auf den Bereich der Zahnmedizin bezogen ist, hat unterschiedliche Gründe:

  • Bei der Zahnbehandlung öffnen wir mit dem Mund einen extrem intimen Teil unseres Körpers und lassen so einen Einblick in unser Inneres zu. Es ist nicht angenehm, eine fremde Person so nahe an sich heranzulassen, vor allem nicht mit spitzen Gegenständen.
  • Die Nerven im Kopfbereich laufen nicht über den längeren abgemilderten Weg durch das Rückenmark, sondern gehen direkt im Schmerzzentrum des Gehirns als akuter Schmerz ein.
  • Ein weiterer Aspekt kann auch sein, dass die Geschichte von der Angst vor Zahnkrankheiten sehr alt ist. Lesen Sie mehr zum Thema Dental-Anthropologie.

Eltern als Vorbilder

Eine besondere Rolle kommt den Eltern in Bezug auf die Vorbeugung einer Dentalphobie zu. Durch eine frühe und unaufgeregte Heranführung an den Zahnarztbesuch und die damit einhergehenden Gespräche über Mund- und Zahnhygiene, gelingt ein gesunder und angstfreier Umgang mit dem Zahnarzt.

Kinder sollten sich daher so früh wie möglich an den Zahnarzt und die Praxis gewöhnen. Geht ein Elternteil selbst zum Zahnarzt, sollte es das Kind mitnehmen, auch wenn dieses nicht behandelt wird. So hat es in Ruhe Zeit, sich alles anzuschauen und sich mit den Räumlichkeiten vertraut zu machen.

Dentalphobie führt oft zu Rückzug

Die Folge der speziellen Angst ist bei fast allen Betroffenen ein Vermeidungsverhalten. Nicht selten werden Zahnarzttermine kurzfristig abgesagt oder so lange hinausgezögert, bis der Schmerz unerträglich wird. Sehr häufig leiden die Angstpatienten deshalb auch unter großen Schamgefühlen, da sie sich für ihre „schlechten Zähne“ schämen. Betroffene vermeiden es wegen ihrer schlechten Zähne zu Lächeln und möglicherweise sogar mit ihren Mitmenschen zu sprechen. Dieses Verhalten kann zu Einsamkeit, Isolation oder auch zu sozialer Ausgrenzung führen.

Unbedingt behandeln lassen

Mediziner und Psychologen sind sich einig, dass eine Dentalphobie unbedingt behandelt werden sollte. Eine Nichtbehandlung oder Verdrängung des Problems kann neben erheblichen Zahnschäden bis hin zu Zahnverlusten in vielen Fällen auch zu Depressionen und zu sozialem Rückzug führen.

Vertrauen ist die Basis zwischen Arzt und Patient

Hilfe für Betroffene

Die gute Nachricht ist: Dentalphobie hat insgesamt eine gute Heilungsprognose. Mittlerweile hat sich das Hilfeangebot erheblich ausgeweitet. Die Palette der Therapieformen ist vielfältig und reicht von Entspannungsverfahren über Hypnose bis hin zur Verhaltenstherapie.

Die vertrauensvolle Beziehung zum Zahnarzt bildet die Grundlage für einen positiv verlaufenden Heilungsprozess. Viele Zahnärzte sind geschult im Umgang mit Angstpatienten und bieten praxisintern oft schon einige Möglichkeiten an, um die Ängste zu lindern.

Methoden zur Entspannung können dabei schon beruhigende Musik über Kopfhörer, der Einsatz einer Videobrille oder das Verwenden spezieller Duftstoffe im Behandlungsraum sein. Wichtig dabei ist, dass der Arzt individuell mit dem Betroffenen bespricht, was ihm persönlich guttut.

Zahnarztsuche – Qual der Wahl

Die meisten Zahnärzte haben bereits eine eigene Internetpräsenz, auf der sie auch Zusatzqualifikationen ausweisen. Auch Bewertungsportale im Internet (wie jameda) können weiterhelfen. Eine persönliche Empfehlung ist eine weitere wichtige Variante.

Doch der persönliche Eindruck ist am Ende ausschlaggebend: Ist die Praxis sauber, das Fachpersonal kompetent und erklärt der Zahnarzt die Therapiepläne verständlich? Gibt er transparente Auskünfte über Alternativen, Vorteile und Risiken sowie die zu erwartenden Gesamtkosten?

Entspannungs- und Hypnosetechniken

Hilfreich für die Patienten ist auch das Erlernen von Entspannungstechniken. Die Progressive Muskelentspannung (PME) ist ein leicht zu erlernendes Verfahren und nahezu überall und spontan anwendbar.

Etwas anspruchsvoller sind indes das Autogene Training und fernöstliche Methoden Chigong und Tai-Chi. Diese Methoden haben gemein, dass sie zur Verringerung körperlicher und seelischer Anspannung oder Erregung beitragen.

Der Einsatz ärztlicher Hypnosetechniken hat sich ebenfalls bei vielen Dentalphobikern als heilsam erwiesen. Während der Hypnosebehandlung orientiert sich die Aufmerksamkeit von der Außenwahrnehmung auf die Innenwahrnehmung, so dass äußere Einflüsse ausgeblendet werden können. Dies geschieht durch das Erreichen eines Trancezustandes, in dem der Patient durch einen erfahrenen Hypnosetherapeuten geleitet werden sollte.

Verhaltenstherapie und Medikamente

Als wirkungsvollste Therapieform hat sich die Verhaltenstherapie (VT) mit einer Heilungsquote von 70 Prozent herausgestellt. Die Behandlungsmethode wird von Psychotherapeuten angeleitet und findet außerhalb der Zahnarztpraxis statt.

Der Therapeut wendet nach vorangegangener Anamnese ein spezielles und individuell angepasstes Verfahren zur Angstreduktion an. Oftmals reicht bereits ein Kurzzeitverfahren von wenigen Therapiesitzungen aus, um den Patienten die Angst vor der Zahnbehandlung zu nehmen.

Der Einsatz von Medikamenten oder der Vollnarkose sind ebenfalls mögliche Mittel. Allerdings sollten diese lediglich als letztes Zahnbehandlungsmittel zum Einsatz kommen, da dem Phobiker zwar die Beschwerden, nicht aber die Angst genommen wird.

Unser Tipp

Die Verfahren zum Erlernen der Entspannungsmethoden können als Präventionskurs besucht werden und werden in den meisten Fällen zu 80 Prozent von den Krankenkassen bezuschusst.

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Zähne zusammenbeißen

Nehmen Sie Ihre Angst vor dem Zahnarztbesuch nicht auf die leichte Schulter, lassen Sie sich behandeln, holen Sie sich verlorene Lebensqualität zurück. Der Zahnarztbesuch sollte zur alltäglichen Sache werden.

Und wenn zudem mit einer Zahnzusatzversicherung auch die Angst vor zu hohen Kosten genommen wird, umso besser.

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Autor/in

C. Hartmann

Mai. 2017

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