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Tatort Schulhof: (Cyber-)Mobbing und Diebstahl in der Schule

Materielle Schäden lassen sich ersetzen. Viel tragischer sind die seelischen Schäden, die junge Opfer durch einen Diebstahl oder durch Schikanen im Schulalltag, wie (Cyber-)Mobbing und Ausgrenzung, erleiden. Wir geben Ihnen Tipps, was Sie für die Sicherheit Ihres Kindes in der Schule tun können.

Mobbing in sozialen Netzwerken

Der medienpädagogische Forschungsverband hat in der JIM-Studie 2016 Folgendes herausgefunden: In der Altersgruppe der 12- bis 19-Jährigen gibt jeder Dritte (34 Prozent) an, dass in seinem Freundeskreis schon einmal jemand im Internet oder per Handy fertiggemacht wurde. Das sogenannte Cyber-Mobbing erlaubt Hetze gegen Kinder und Jugendliche im großen Stil. Gerade Instagram, Snapchat und Youtube geben die Möglichkeit, anonymisiert zu mobben, die Hemmschwelle ist deutlich niedriger als im realen Leben.

zur JIM-Studie 2016

Schauen Sie genau hin

Sie sollten als Eltern genau wissen, in welchen sozialen Netzwerken Ihr Kind aktiv ist. Versuchen Sie, auch wenn Ihr Kind davon genervt ist, regelmäßig zu erfragen, was sich da auf Facebook oder Instagram so tut. Gerade bei jüngeren Kindern dürfen Sie als Eltern auf keinen Fall wegschauen – Sie müssen wissen, was Ihr Kind im Social Web postet.

Anonymität macht es Tätern leicht

Während es im Klassenzimmer zu verbalen oder gar körperlichen Attacken kommen kann, besteht im Internet die Gefahr, dass Täter (auch Bullys genannt) ohne viel Aufwand Falschaussagen über Opfer verbreiten oder ihnen eine gefälschte Identität in Form von Online-Profilen einrichten. Auch die fehlende Aufsicht von Lehrern oder anderen Mentoren begünstigt diese Form des Psychoterrors.

Tipp:

Informieren Sie sich im Dossier „Cyber-Mobbing“ bei KlickSafe, einer EU-Initiative für mehr Sicherheit im Netz, wenn Sie das Gefühl haben, Ihr Kind ist davon betroffen.

Schlimme Folgen für die Opfer

Die Opfer, die meist vorher schon unter sozialer Isolierung leiden, verfallen nicht selten in eine passive Haltung und in schlimmen Fällen in eine Depression. Im deutschen Schulsystem fällt die Fürsorge für die Opfern und deren seelische Schädigungen meist unter den Tisch, denn der Fokus der Mobbing-Intervention wird ganz klar auf die Täter und deren Verhaltensweisen gelegt. Deshalb sollten Eltern das regelmäßige Gespräch mit ihren Kindern suchen und darauf achten, dass sie sich in einem angenehmen Schulklima bewegen.

Nummer gegen Kummer

Neben Lehrern und der Familie gibt es noch weitere Anlaufstellen für Betroffene. Der Verein Nummer gegen Kummer bietet Kindern und Jugendlichen eine kostenfreie Beratung an. Rund 150 Ehrenamtliche zwischen 16 und 21 Jahren geben hier kompetenten Rat auf Augenhöhe. Auch Eltern können dort anrufen.

Tatort Schulhof: Vorsicht vor Diebstahl in der Schule

Auch Diebstahl ist keine Seltenheit und gehört laut Statistik zur häufigsten Straftat auf Deutschlands Schulhöfen. Meistens sind es die Mitschüler, die zu Langfingern werden. Schulen warnen daher Kinder und Jugendliche davor, ihre Wertsachen mit in den Unterricht zu nehmen.

Wussten Sie?

Unbewusst trägt der Bestohlene manchmal zum Diebstahl bei, indem er den Mitschülern die neuesten Wertsachen, wie etwa ein Smartphone, stolz präsentiert. Das weckt die Begehrlichkeiten der anderen.

Schulen übernehmen keine Haftung

Im Fall von Diebstahl in der Schule bleibt man in der Regel auf dem Schaden sitzen, denn Schul- und Hausordnungen enthalten zumeist eine „Freizeichnungsklausel“, mit der die Haftung beschränkt oder gar ausgeschlossen wird. Der materielle Schaden ist in Fällen eines Diebstahls meist das geringere Leid der jungen Opfer, vielmehr kann es auch zu Vertrauensverlust und im schlimmsten Fall zur Schulangst kommen. Damit es so weit gar nicht erst kommt und Ihr Kind früh genug signalisiert, dass etwas nicht stimmt, hier ein paar Tipps:

Tipps zur Gewaltprävention in der Schule

  • Zeigt Ihr Kind plötzlich Unwillen, in die Schule zu gehen? Verlangt es ein höheres Taschengeld oder kam gar mit Verletzungen aus der Schule? Sprechen Sie über die Schulsituation und mögliche Vorfälle.
  • Gehen Sie darauf ein, wenn Ihr Kind von Gewalttaten erzählt. Das gilt auch, wenn Ihr Kind diese nur miterlebt hat und nicht selbst Opfer wurde.
  • Nehmen Sie die Probleme ernst und vermitteln Sie Ihrem Kind auch entsprechend das Gefühl. Suchen Sie gemeinsam nach einer Lösung.
  • Bauen Sie Vertrauen auf, und vermitteln Sie ihrem Kind, dass es jederzeit mit Ihnen über Probleme mit dem Internet reden kann, ohne dass Sie übereilt reagieren und sofort die Internetnutzung verbieten. Cyber-Mobbing führt zu einem großen Leidensdruck, besonders wenn Kinder mit niemandem darüber sprechen.
  • Informieren Sie sich darüber in welchen sozialen Netzwerken Ihr Kind aktiv ist.
  • Sprechen Sie regelmäßig darüber, was gerade auf Facebook und Instagram passiert. Sie müssen wissen, was Ihr Kind im Social Web postet.
  • Melden Sie sich, auch wenn Sie das Netzwerk nicht aktiv nutzen, an, um zu wissen, wie es aufgebaut ist. Vermeiden Sie jedoch den Eindruck zu vermitteln, Ihr Kind kontrollieren zu wollen.
  • Arbeiten Sie mit der Schule Ihres Kindes zusammen. Besuchen Sie Veranstaltungen, um sich mit den Lehrern und anderen Eltern auszutauschen. Sprechen Sie auch über Gewaltphänomene und Vorbeugungsmaßnahmen.
  • Melden Sie Vorfälle in der Schule und erwägen Sie auch die Anzeige bei der Polizei.
  • Seien Sie Vorbild: Ein fairer und respektvoller Umgang in Familien – auch bei Streitsituationen – vermittelt Kindern, wie sich Aggressionen und Konflikte gewaltfrei bewältigen lassen.
  • Zeigen Sie Ihrem Kind friedliche Konfliktlösungen auf.
  • Helfen Sie Ihrem Kind, Verantwortung für sein Verhalten zu übernehmen.
  • Trainieren Sie ein aufmerksames und selbstbewusstes Auftreten Ihres Kindes in der Öffentlichkeit.
  • Ermutigen Sie Ihr Kind, Freundschaften zu schließen. Kinder mit Freunden werden seltener attackiert.
  • Vermitteln Sie auch einen sicherheitsbewussten Umgang mit Geld.

Selbstbewusst durchs Leben gehen

Studien belegen, dass Kinder mit geringem Selbstbewusstsein häufiger Opfer von Gewalt werden – egal ob es Hänseleien sind, ob dem Kind Wertgegenstände oder Geld gestohlen werden oder ob es sich um Cyber-Mobbing handelt. Suchen Sie stets das Gespräch mit Ihrem Kind und bestärken Sie es in seinem Auftreten. Vermitteln Sie einen fairen Umgang mit Mitmenschen, ermuntern Sie aber auch dazu, die eigene Meinung durchzusetzen und vor allem den Mut zu haben, zu widersprechen. Es gibt viele Möglichkeiten, außerhalb der Schule den Kindern dabei zu helfen, zu selbstbewussten jungen Erwachsenen zu werden. Ob das nun der Sportverein ist, die Musikschule oder spezielle Trainings, damit Ihr Kind im Umgang mit Mitschülern sicherer auftritt. Nutzen Sie auch spezielle Angebote, wie die Jugendhilfe der Polizei, Erziehungs- oder Opferberatungsstellen.

Autor/in

K. Albrecht

Apr. 2017

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