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Schulzeugnisse – So reagieren Eltern richtig

Zweimal im Jahr werden an deutschen Schulen Zeugnisse ausgegeben und sorgen regelmäßig für Unmut oder sogar Streit, wenn die Noten schlecht ausfallen. Aber was bedeutet eigentlich „schlecht“? Eltern und Kinder können gemeinsam vorbeugen und rechtzeitig gegensteuern, damit es erst gar nicht zu bösen Überraschungen im Schulzeugnis kommt.

Schulnoten – Fluch oder Segen?

Schulnoten werden seit Jahren kontrovers diskutiert, einige Fachleute halten sie nach wie vor für eine angemessene Darstellungsform des aktuellen Leistungsstands, andere sehen die Benotung von eins bis sechs eher kritisch und wünschen sich eine Abbildung der schulischen Leistungen in anderer Form – zumindest an Grundschulen, zum Teil auch in den unteren Klassenstufen weiterführender Schulen.

Ob es Schulnoten gibt und in welcher Form diese vergeben werden, hängt auch von der gewählten Schulform ab. Bei Schulen, die nach Montessori-Pädagogik ausgerichtet sind, wird zum Beispiel weitesgehend notenfrei bewertet, ähnlich wie bei Waldorfschulen, wo bis zur Oberstufe auf Noten verzichtet wird. Das klassische Schulnotensystem ist in Deutschland allerdings weit verbreitet und stellt Eltern und Kinder immer wieder vor die Herausforderung: Wie geht man damit um, wenn die Noten nicht den eigenen Vorstellungen entsprechen?

Erfolgreiche Schulsysteme mit und ohne Noten

Finnische Schüler erzielen in den PISA-Studien der OECD im Mittel weit überdurchschnittliche Leistungen; Noten gibt es hier erst ab der siebten Klasse.

Eine Benotung der Schüler in Schweden findet erst ab dem sechsten Schuljahr statt. Dann gibt es nur drei Noten: „Durchgefallen“, „Bestanden“ oder „Sehr gut“.

In Kanada, dessen Schulsystem für seine hohe Qualität anerkannt ist, wird ab der ersten Klasse benotet.

Was ist ein „schlechtes Schulzeugnis“?

Darüber, welche Noten als gut oder schlecht eingestuft werden, sind sich Eltern, Kinder und Lehrkräfte häufig uneinig. Einige Väter und Mütter gehen vergleichsweise locker damit um, wenn der Nachwuchs eine Vier mit nach Hause bringt, bei anderen schrillen bereits bei einer Zwei die Alarmglocken.

Viel Geld für Nachhilfe

Einer aktuellen Forsa-Studie zufolge halten selbst viele Eltern von Einserschülern eine weitere Förderung für angebracht. Etwa ein Viertel von ihnen investierte der Umfrage zufolge in Nachhilfe, obwohl das Kind im letzten Zeugnis überwiegend Einsen und Zweien mit nach Hause brachte.

Hohe Erwartungshaltung relativieren

Viele Eltern haben eine hohe Erwartungshaltung, die die Kinder oft nicht erfüllen können – sei es tatsächlich oder nur gefühlt. Eltern sollten daher versuchen, die Situation möglichst objektiv und lösungsorientiert zu betrachten:

  • Überprüfen Sie, welche Erwartungen Sie an Ihr Kind stellen und vor allem, warum Sie dies tun. Geht es tatsächlich darum, gute Noten zu erlangen, um den Start ins Berufsleben zu erleichtern? Oder findet vielleicht ein Vergleich mit Leistungen von Geschwistern, befreundeten Kindern oder den Leistungen aus der eigenen Schulzeit statt?
  • Finden Sie heraus, ob Ihre Ansprüche tatsächlich gerechtfertigt sind und inwieweit sie mit denen Ihres Kindes und dessen Lehrkräften übereinstimmen. Sind die Ansprüche an ihr Kind realistisch? Jedes Kind bringt eigene und ganz individuelle Bedürfnisse und Voraussetzungen mit, die berücksichtigt werden müssen.
  • Vergegenwärtigen Sie sich die ausformulierte Beschreibung der einzelnen Schulnoten: Eine Zwei zum Beispiel steht für „gut“, eine Vier immerhin noch für „ausreichend“. Oft gibt es gar keinen Grund, die Situation zu schwarz zu sehen.

Wofür sind Schulnoten ausschlaggebend?

Der Stellenwert von Schulzeugnissen ist unterschiedlich hoch. In aller Regel ist für potenzielle Arbeitgeber der letzte erreichte Bildungsabschluss wichtig – das kann, je nach Ausbildungsstand, auch der Berufsschulabschluss oder der Hochschulabschluss sein. In diesen Fällen sind die Noten aus der Schulzeit weniger wichtig. Für die Zulassung zu Ausbildungs- oder Studienplätzen können sie allerdings ausschlaggebend sein, ein Teil der Arbeitgeber sieht sie außerdem als Indikatoren für Qualitäten und Defizite.

Die schulischen Leistungen im Blick haben

Grundsätzlich sollten Eltern die schulischen Leistungen ihrer Kinder nicht nur punktuell zur Zeugnisvergabe, sondern kontinuierlich über das gesamte Schuljahr hinweg im Blick haben.

  • Bauen Sie ein gutes Vertrauensverhältnis zu Ihrem Kind auf und bleiben Sie mit ihm im Austausch über das Thema Schule – und damit auch über Hausaufgaben, Noten, Klassenarbeiten.
  • Insbesondere wenn sich die Kommunikation mit Ihrem Kind schwierig gestaltet, sollten Sie auch in Kontakt mit den betreffenden Lehrkräften stehen. Ein Gespräch zu dritt – Eltern, Kind und Lehrkraft – muss nicht erst dann stattfinden, wenn die Zeugnisnoten schlechter als erwartet ausfallen. Sie können jederzeit auf die Lehrer zugehen und frühzeitig gemeinsam planen, wie es am besten weitergeht.
  • Auch Vertrauenslehrer können wertvolle Ansprechpartner sein und im Fall der Fälle vermitteln, zum Beispiel, wenn es Probleme mit Lehrern oder auch Mitschülern gibt.

Sollten im Schulzeugnis Noten auftauchen, mit denen Sie oder Ihr Kind nicht gerechnet haben, lassen Sie sich nicht aus der Ruhe bringen und gehen Sie der Sache behutsam auf den Grund. Überlegen Sie, ob sich die Noten Ihres Kindes schlagartig verschlechtert haben oder sich schlechte Zensuren über einen längeren Zeitraum eingebürgert haben.

Wenn die Schulnoten sich plötzlich verschlechtern

  • Gibt es aktuell besondere Umstände im Leben Ihres Kindes, zum Beispiel eine Trennung der Eltern, Liebeskummer, Ärger im Freundeskreis, einen Trauerfall?
  • Hat ein Lehrerwechsel stattgefunden?

Wenn die Schulnoten sich kontinuierlich verschlechtern

  • Ist Ihr Kind in der passenden Schulform untergebracht?
  • Leidet Ihr Kind eventuell unter Mobbing?
  • Leidet Ihr Kind unter Prüfungsangst?
  • Ist Ihr Kind über einen längeren Zeitraum mit größeren persönlichen Veränderungen beschäftigt, zum Beispiel durch die Pubertät?

Welche ist die passende Lösung?

Je nachdem, in welchem Zeitraum sich die Leistungen Ihres Kindes verändert haben, können die Gründe vielfältig sein und damit auch ganz unterschiedliche Lösungen verlangen. In jedem Fall ist es wichtig, zuerst das Gespräch zu suchen und gegebenenfalls auch (pädagogische) Fachleute mit ins Boot zu nehmen. Nehmen Sie Hilfe an, wo sie angeboten wird, und ermutigen Sie vor allem auch Ihr Kind dazu.

Manchmal ist schon ein Gespräch zwischen Eltern und Kind ausreichend, in dem Unterstützung und Rückhalt zugesichert werden. In einigen Fällen kann ein Vertrauenslehrer oder Mediator weiterhelfen, in anderen ergänzende Nachhilfe, um tatsächliche Wissenslücken aufzufüllen. Ein Schulwechsel sollte in Betracht gezogen werden, wenn die bisherige Schulform Ihr Kind überfordert.

Autor/in

F. Dogan, A. Schneider

Juli 2017

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