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Unfall im Ausland - So vermeiden Sie Ärger

Urlaub, Tagesausflug oder Geschäftsreise - wer mit dem Auto im Ausland unterwegs ist, sollte sich vorher informieren, was zu tun ist, wenn es zu einem Unfall kommen sollte. Wie Sie bei einem Unfall im Ausland vorgehen...

Verkehrsunfälle bringen zwangsläufig Ärger und Aufwand mit sich, selbst wenn es beim harmlosen Blechschaden bleibt. Bei einem Unfall im Ausland kommen Sprachbarrieren, unbekannte Gepflogenheiten von Polizei und Behörden sowie meist längere Schadensregulierungszeiten hinzu. Volker Lempp, Leiter Verkehrsrecht beim ACE Auto Club Europa, gibt Tipps, worauf es ankommt, wenn es im Ausland gekracht hat.

Vor der Reise

Ganz entspannt durchs Ausland fahren kann nur, so Lempp, wer eine Vollkasko- und eine Verkehrsrechtsschutz-Versicherung hat: "Die Vollkaskoversicherung braucht man, weil sich auch bei eindeutiger Sach- und Rechtslage die Regulierung über Monate hinziehen kann. Dann sollte man Reparatur- oder Wiederbeschaffungskosten problemlos abdecken können."

Zudem können bei einem Unfall im Ausland erheblich höhere Anwalts-, Gerichts- und Sachverständigenkosten entstehen, die selbst im Erfolgsfall nicht immer erstattet werden. Das macht eine Rechtsschutzversicherung sinnvoll. "Wer sich als Geschädigter ohne Kostenrisiko bewegen kann, dem stehen alle Optionen offen, vom informierten Rechtsanwalt vor Ort über das inländische Regulierungsverfahren nach EU-Recht bis zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung", sagt Lempp. Mitgenommen werden sollten auf die Reise zwei ausgedruckte Exemplare des "Europäischen Unfallberichts" und die grüne Versicherungskarte. Diese ist zwar in der EU nicht mehr Pflicht, in vielen anderen Ländern aber schon. Zudem erleichtert sie die Regulierung des Schadens. Der "Europäische Unfallbericht" hilft Sprachbarrieren zu überwinden. Jeder Unfallbeteiligte füllt ihn in seiner Sprache aus. Sinnvoll ist es, sich vor Fahrtantritt bei der Rechtsschutzversicherung eine Liste von Anwälten im Zielland zu besorgen. "In diesen Kanzleien wird deutsch gesprochen", sagt Lempp. Kommt es zum Unfall im Ausland, sollte man gleich nachdem die Polizei gerufen wurde, die Kanzlei anrufen und sich Tipps für das weitere Vorgehen holen.

Wenn es gekracht hat

Nun gilt es, Ruhe zu bewahren und sich zu keinem Streit provozieren zu lassen. Höchste Priorität hat, den Unfall genau aufzunehmen, Beweise zu sichern (gerne auch durch Fotos) und Daten des Unfallgegners zu sammeln.

Es empfiehlt sich laut Lempp, die Polizei zu rufen, außer der Schaden ist minimal und die Schuldfrage klar. Folgende Daten sollten unbedingt notiert werden:

  • Ort und Zeit des Unfalls,
  • Name und Anschrift von Unfallgegner und Fahrzeughalter,
  • amtliches Kennzeichen und Typ des gegnerischen Autos,
  • Versicherung und Versicherungsnummer des Gegners.

Lempp: "Je mehr Daten des Unfallgegners man gesammelt hat, desto schneller können Anwalt und/oder Versicherung die Schadenregulierung in Angriff nehmen. Gehen Sie davon aus, dass die Einholung solcher Informationen in manchen Ländern erheblich schwieriger ist als in Deutschland, und verlassen Sie sich nicht darauf, Ihr Anwalt werde das schon regeln."

Zudem sollte man den Unfall im Ausland genau dokumentieren. Dies kann durch Fotos, Skizzen oder Zeugenaussagen geschehen. "Alles kann wichtig sein", sagt Lempp. "Der Unfallendstand der Fahrzeuge, die Örtlichkeit des Unfalls, die Schäden an den Fahrzeugen, die genaue Lage weggeschleuderter Fahrzeugteile, Glassplitter und Bremsspuren. Hier sollten Sie mit Fotos nicht sparen. Dass man Zeugenanschriften festhält, versteht sich von selbst." Man selbst soll laut Lempp nichts unterschreiben, was man nicht versteht. Geld bezahlt man nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt, also Festnahme oder Beschlagnahme des Autos drohen - und dann nur gegen eine Quittung.

Kam es bei dem Unfall im Ausland zu Verletzungen und will man Schmerzensgeld einfordern, rät Lempp dazu, einen örtlichen Anwalt einzuschalten. "Nur er kann beurteilen, welche Forderungen in dem betreffenden Land realistisch und durchsetzbar sind." Bei leichteren Verletzungen sollte man vor Ort ein ärztliches Attest einholen. Die Kfz-Versicherung sollte zeitnah, spätestens jedoch eine Woche nach dem Unfall im Ausland kontaktiert werden.

Die Schadenregulierung bei einem Unfall im Ausland

Hat sich der Unfall in der EU ereignet, beauftragt man entweder sofort eine örtliche Anwaltskanzlei. "Bei der Suche nach deutschsprachigen Rechtsanwälten sind die Auslandsabteilungen der Rechtsschutzversicherungen behilflich", sagt Lempp. Oder man geht in Deutschland gegen den Schadenregulierungsbeauftragten der zuständigen ausländischen Versicherung vor. "Besteht kein Rechtsschutz, wird man sich in der Regel für die zweite Alternative entscheiden" rät Lempp.

Wer unverrichteter Dinge in die Heimat zurückfährt, sollte bedenken, dass ein deutscher Rechtsanwalt mit den Informationen zurechtkommen muss, die man ihm liefert und auch kein Akteneinsichtsrecht hat, so Lempp. Deshalb sollte man alles sammeln, was der anwaltlichen Vertretung dienlich sein könnte.

Autor/in

Eva Blumenfeld

Jun. 2013

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