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Wie notwendig ist ein Architekt?

Die riesige Glasfront oder das markante Spitzdach: Viele denken beim Wort „Architektenhaus“ an ein Zuhause, das sündhaft teuer ist. Doch die Hilfe eines Architekten kann selbst beim Bau eines Fertighauses sinnvoll sein und für Einsparungen sorgen. Wir erläutern die verschiedenen Leistungsphasen und Honorare und zeigen die Vor- und Nachteile der Zusammenarbeit auf.

131.259 Architekten und Stadtplaner verzeichnet die Bundes­architekten­kammer 2018.

Wer darf sich Architekt nennen?

Ein Architekt befasst sich mit der technischen, wirtschaftlichen und gestalterischen Planung sowie dem Bau von Gebäuden. Die Berufsbezeichnung „Architekt“ ist gesetzlich geschützt. Es darf sich nur Architekt nennen, wer auch Mitglied in der Bundesarchitektenkammer ist und von dieser auf der Architektenliste geführt wird. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Ausbildung und Berufspraxis. Architekten unterliegen einer Berufsordnung ihrer jeweiligen Architektenkammer, deren Einhaltung überwacht wird.

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Planen, beraten, überwachen: Das leistet ein Architekt

Architekten bieten in der Regel ein umfangreiches Angebot an Dienstleistungen an, die eine Begleitung des Bauherrn vom ersten Planungsgespräch bis zur Fertigstellung des Hausbaus beinhalten.

Konzeption

In den ersten Gesprächen mit dem Bauherrn erfasst und präzisiert der Architekt dessen Vorstellungen und setzt sie mit Skizzen und Zeichnungen in ein erstes Entwurfskonzept um. Der Architekt kann dabei Anregungen und Ratschläge mit Blick auf das Baurecht, Kosten, technische Rahmenbedingungen, Statik, Haustechnik sowie Energie- und Ökoeffizienz einbringen.

Planung

Die konkrete Ausgestaltung der Hausform und der Räume arbeitet der Architekt dann so auf, dass der Bauherr seine Pläne den zuständigen Behörden zur Genehmigung vorlegen kann. In aller Regel bietet es sich jedoch wegen der Komplexität der notwendigen Genehmigungen an, dass der Architekt das übernimmt.

Begleitung des Hausbaus

Je nach Wunsch und Geldbeutel des Bauherrn übernimmt der Architekt dann auch die Vorbereitung, Koordination und Überwachung des eigentlichen Hausbaus. Dazu gehören die notwendigen Bauzeichnungen, Leistungsbeschreibungen für die Handwerker sowie Terminpläne. Im weiteren Verlauf holt der Architekt Angebote von Baufirmen und Handwerksbetrieben ein und prüft und vergleicht diese inhaltlich und rechnerisch. Außerdem kontrolliert er die Arbeiten auf der Baustelle und kümmert sich um die Erfassung und Beseitigung von Baumängeln.

Mängelauflistung

Bei einer abschließenden Objektbegehung hält der Architekt mögliche Mängel fest – und macht gegebenenfalls Gewährleistungsansprüche geltend. Der Architekt überwacht auch die Mängelbeseitigung.

Sicherheit während der Bauzeit

Ein Bauhelfer stürzt vom Gerüst, ein Unwetter sorgt für Schäden am Bau oder der Bauherr fällt infolge eines Unfalls aus: Auf einer Baustelle kann vieles passieren. Als Bauherr sind Sie für die Sicherheit auf der Baustelle verantwortlich. Schließen Sie daher notwendige Versicherungen am besten schon vor Baubeginn ab.

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Gerne beraten Sie unsere Experten und finden mit Ihnen gemeinsam den passenden Versicherungsschutz.

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Wie finde ich einen guten Architekten?

In den üblichen Branchenverzeichnissen zu suchen und nach dem Zufallsprinzip einen Architekten auszuwählen, ist keine gute Idee. Schließlich bauen die meisten Menschen nur einmal im Leben ein Haus, die Bauphase ist lang und es sind unzählige Entscheidungen zu treffen.

Gegenseitige Sympathie sollte deshalb eine Grundvoraussetzung sein – ebenso wie die Auswahl nach der fachlichen Qualifikation bei besonderen Anforderungen an Ihr Traumhaus.

Eine erste Übersicht bietet die Architektensuche der Bundesarchitektenkammer.

Haben Sie auf der Straße oder im Internet ein Haus gesehen, dessen Architektur Ihnen besonders gut gefällt? Setzen Sie sich mit den Eigentümern in Verbindung und tauschen Sie sich über den zuständigen Architekten aus.

Auch Freunde, Bekannte und Kollegen können häufig gute Tipps liefern, von ihren Erfahrungen berichten und bei der Auswahl eines Architekten helfen. Rankings geben Auskunft über besonders kreative und erfolgreiche Architekturbüros – und auch die Bewertungen im Internet geben erste Rückschlüsse auf die Arbeitsweise des Architekten.

Checkliste für das Architektengespräch

Als Vorbereitungshilfe für Ihr Gespräch mit dem Architekten haben wir für Sie eine ausfüllbare Checkliste zusammengestellt.

Checkliste: Vorbereitungshilfe für das Architektengespräch

Tipp: Sprechen Sie das Thema Eigenleistungen an!

Entscheiden Sie sich für die Bauabwicklung über einen Architekten, sollten Sie unbedingt die eventuell gewünschten Eigenleistungen ansprechen. Schätzen Sie sich und Ihre Leistungen realistisch ein und hinterfragen Sie Ihre mögliche Ersparnis durch Eigenleistung kritisch. Auch hier ist Ihnen der Architekt behilflich.

HOAI: Die neun Leistungsphasen

Architekten teilen ihre Dienstleistungen in neun Leistungsphasen (LP) ein. Diese haben jeweils einen Anteil an der Gesamtarchitektenleistung – und damit an dessen Honorar. Die Leistungsphasen sind wie die Architekten-Honorare in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) geregelt. Die HOAI ist eine preisrechtliche Verordnung der Bundesregierung, die zuletzt im Jahr 2013 angepasst wurde.

In den meisten Fällen übernimmt der Architekt alle Leistungsphasen „aus einer Hand”. Sind jedoch Fachkenntnisse, zum Beispiel für denkmalgeschütztes Bauen oder Sanierungen, erforderlich, kann es sinnvoll sein, die Planung (LP 1-4) oder Ausführung (LP 5-9) einzeln an spezialisierte Architekturbüros zu vergeben.

Architektenhonorare sind in der HOAI geregelt.

Das beinhalten die neun Leistungsphasen eines Architekten

Leistungsphase 1: Grundlagenermittlung (zwei Prozent Anteil am Gesamthonorar)

Bevor Ihr Bauprojekt geplant werden kann, muss wie bei einem Haus zunächst ein „Fundament“ geschaffen werden. Schritt für Schritt bespricht der Architekt mit Ihnen Ihre baulichen Vorstellungen, die Grundstücksvoraussetzungen, Sonderwünsche und auch Ihr finanzielles Budget (dazu ist er gesetzlich verpflichtet). Nach einer Ortsbesichtigung dokumentiert er die Ergebnisse und beginnt mit der Planung.

Leistungsphase 2: Vorplanung (sieben Prozent)

Ihr Haustraum nimmt erste Gestalt an: Mit den gesammelten Grundlagen skizziert der Architekt einen oder mehrere Entwürfe, schätzt die Baukosten und gibt einen Ausblick, inwieweit Ihre Vorstellungen den baurechtlichen Vorgaben entsprechen. Ein erstellter Terminplan gibt den zeitlichen Rahmen des Bauvorhabens vor.

Leistungsphase 3: Entwurfsplanung (15 Prozent)

Sie haben sich für einen Entwurf entschieden? Dann konkretisiert der Architekt die Pläne mit einer zeichnerischen Darstellung. Schritt für Schritt arbeitet er dabei in enger Abstimmung mit Ihnen Aussehen, Besonderheiten, Funktionen, Technik und Budget heraus, bis ein vollständiger Gesamtentwurf vorliegt. Den Entwurf stimmt das Architekturbüro dann mit den Behörden und anderen an der Planung beteiligten Stellen ab.

Leistungsphase 4: Genehmigungsplanung (drei Prozent)

Lässt sich alles so umsetzen, wie Sie es sich vorstellen? In der Leistungsphase 4 kommt es auf den Prüfstand, wenn das Architekturbüro anhand der baurechtlichen Bestimmungen die notwendigen Bauanträge erarbeitet. Zudem hilft Ihnen der Architekt dabei, mögliche Fördermittel zu beantragen.

Leistungsphase 5: Ausführungsplanung (25 Prozent)

Aus den Ergebnissen der Leistungsphase 3 und 4 erarbeitet Ihr Architekt nun unter Berücksichtigung städtebaulicher, gestalterischer, funktionaler, technischer, bauphysikalischer, wirtschaftlicher, energiewirtschaftlicher und landschaftsökologischer Anforderungen eine ausführungsreife Lösung. Anhand von endgültigen und vollständigen Ausführungs-, Detail- und Konstruktionszeichnungen erstellt er konkrete Pläne für die Handwerker. Auch das Fortschreiben der Ausführungsplanung während der Objektausführung fällt in diese Leistungsphase.

Leistungsphase 6: Vorbereitung (zehn Prozent)

Wie viel Material und welche Gewerke werden benötigt? Die zu erbringenden Tätigkeiten am Neubau und die Menge der Materialien definiert der Architekt genau. Diese Leistungsverzeichnisse werden an die Handwerker ausgeschrieben und Kostenangebote eingeholt. Wichtig ist, dass er sorgfältig vorgeht und eine möglichst vollständige Leistungsbeschreibung erarbeitet, damit später kein Zeitdruck entsteht oder zu schlechteren Konditionen nachgebessert werden muss.

Leistungsphase 7: Mitwirkung bei der Vergabe (vier Prozent)

Der Architekt prüft die eingegangenen Angebote und berät den Bauherren bei der Auswahl der Handwerker. Dazu erstellt er unter anderem einen Preisspiegel für die Teilleistungen, der die Unterschiede der Kostenangebote einzelner Firmen deutlich macht. Der Architekt verhandelt dabei mit den Bietern, vergleicht die Kostenvoranschläge und wirkt bei der Auftragserteilung mit.

Leistungsphase 8: Objektüberwachung (32 Prozent)

Jetzt beginnt endlich die Bauphase: Während das Haus gebaut wird, überwacht der Architekt die Ausführung der Arbeiten auf Übereinstimmung mit der Baugenehmigung, den Ausführungsplänen, den Leistungsbeschreibungen sowie dem Zeitplan. Zudem prüft er die eingehenden Handwerkerrechnungen und organisiert behördliche Abnahmen.

Leistungsphase 9: Objektbetreuung und Dokumentation (zwei Prozent)

Geschafft! Die letzte Phase dient der Betreuung des fertigen Objekts. Der Architekt nimmt dazu eine Objektbegehung vor und stellt eventuelle Mängel vor Ablauf der gesetzlichen Verjährungsfristen fest. Sollten Mängel vorliegen, macht der Architekt die Gewährleistungsansprüche geltend und überwacht die Mängelbeseitigung.

Architekten­honorar: So wird es berechnet

Das Architektenhonorar ist in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) durch die entsprechenden Leistungsphasen (siehe oben) gesetzlich geregelt. Die Höhe des Honorars orientiert sich am Aufwand und der Komplexität der Bauaufgabe sowie an den zu erwartenden Gesamtbaukosten.

Als Faustregel sollten Bauherren für Architektenleistungen etwa 10 bis 15 Prozent der Baukosten veranschlagen. Wenn Sie als Bauherr Zweifel an der Richtigkeit des Architektenhonorars hegen, so wenden Sie sich rechtzeitig an die zuständige Architektenkammer. Grundsätzlich gilt: Verlassen Sie sich nicht auf mündliche Zusagen, sondern fixieren Sie alle Abmachungen schriftlich.

Warum sich auch beim Fertighausbau ein Architekt lohnen kann

Auch ein Fertighaus kommt nicht schlüsselfertig auf das Grundstück „geflogen“. Individuelle Anpassungen, die Ausführung der Innenausbauten oder Ausbaumöglichkeiten können schnell zu nachträglichen Kosten führen. Ein firmenunabhängiger Architekt berät vor der Bauphase, überwacht währenddessen die durchzuführenden Arbeiten und prüft anschließend nach. Je nach Aufwand beläuft sich das Honorar für den Architekten dabei auf wenige tausend Euro – die Kosten aufgrund von Problemen, Fehlern, Baupfusch oder Missverständnissen sind in der Regel jedoch um ein Vielfaches höher.

Umbau und energetische Sanierung: Wo die Hilfe eines Architekten sinnvoll ist

Bei einem Umbau oder einer Modernisierung kann es vorkommen, dass die freigelegten Bauteile plötzlich Schäden oder anderweitige Probleme bereiten. Wer im Vorfeld einen Architekten zu Rate zieht, geht auf Nummer sicher: Der Experte prüft die Bausubstanz und hilft bei der Planung und Realisierung der Maßnahmen. Zudem erstellt er präzise Anforderungen, was die Auswahl der Handwerker sowie deren Kalkulation deutlich vereinfacht. Auch für kleinere Umbauprojekte kann es sich lohnen, stundenweise die Hilfe eines Architekten in Anspruch zu nehmen.

Vor allem bei der Modernisierung von Immobilien unter Denkmalschutz ist meist eine energetische Sanierung erforderlich. Hier ist die Unterstützung eines auf das Thema spezialisierten Architekten nahezu unverzichtbar. Der Experte weiß genau, wie man den Erhalt des Baudenkmal-Status mit den Anforderungen einer energetischen Sanierung kombiniert. Zudem kennt er sich mit der Beantragung möglicher Fördermittel aus.

Das spricht dafür, einen Architekten zu engagieren

Individualität: Ein Architekt hilft Ihnen dabei, Ihr ganz persönliches Traumhaus zu gestalten. Er weist auf baurechtliche Einschränkungen hin und findet alternative Lösungen.

Sicherheit: Als verlässlicher Baupartner begleitet der Architekt von der ersten Planung bis zur Bauabnahme. Er sorgt dafür, dass der Zeitplan eingehalten wird und Mängel sowie Versäumnisse erkannt und umgehend beseitigt werden.

Erfahrung: Bei komplizierten Grundstücksverhältnissen, denkmalgeschützten Bauten oder gesetzlichen Einschränkungen ist die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Architekten besonders empfehlenswert.

Baukosten sparen: Ein Architekt hat die Kosten und den Aufwand Ihres Bauvorhabens von Anfang an im Blick und versucht, diese möglichst klein zu halten. Er vergleicht die Angebote der Handwerker und Materialien und sorgt dafür, dass teure Baumängel oder Fehlplanungen gar nicht erst passieren.

Flexibilität: Für Ihr Bauvorhaben können Sie je nach Wunsch auch einzelne Architektenleistungen wie die Planung oder die Ausführung in Anspruch nehmen.

Das sollten Sie bei der Auswahl eines Architekten beachten

Auswahl: Es fällt nicht immer leicht, sich für den „richtigen“ Architekten zu entscheiden. Schließlich muss die Chemie stimmen, wenn man über einen so langen Zeitraum eng zusammenarbeitet. Kommt es zu einer vorzeitigen Vertragsbeendigung zwischen Bauherr und Architekturbüro, fallen im schlimmsten Fall sogar doppelte Kosten an.

Zeit: Vor allem die Planungsphase benötigt viel Zeit, in der Sie eng mit dem Architekten zusammenarbeiten und zahlreiche Entscheidungen treffen müssen.

Kosten: Auch wenn die Honorarkosten festgelegt sind und einen guten Überblick bieten, sind Architektenhäuser oftmals teurer als vergleichbare Standardhäuser. Je nach Bauvorhaben kann ein Architekt jedoch auch bei einem Fertighaus vor teuren Fehlern schützen.

Sichern Sie sich ab: Damit aus dem Haustraum kein Albtraum wird

Sie stehen kurz davor, Ihr eigenes Haus zu bauen. Doch haben Sie auch an die Risiken gedacht, die beim Erwerb, während der Bauzeit und nach dem Einzug entstehen können? Informieren Sie sich rechtzeitig. Unsere Ansprechpartner stellen gerne mit Ihnen gemeinsam den passenden Versicherungsschutz ganz nach Ihren Bedürfnissen zusammen.

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Autor/in

K. Waldheim

Juli 2018

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