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Fünf Wege zur betrieblichen Altersversorgung

Die betriebliche Altersversorgung ist eine Leistung, die der Arbeitgeber seinem Arbeitnehmer zur Alters-, Berufsunfähigkeits- oder Hinterbliebenenversorgung anbietet.

Entgeltumwandlung: Was genau ist das?

Die betriebliche Altersversorgung kann auf verschiedene Weisen finanziert werden: Entweder durch den Arbeitnehmer allein, indem er einen Teil seines Gehalts in Beiträge zu einer betrieblichen Altersversorgung umwandelt. Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf diese so genannte Entgeltumwandlung. Wie die Regelung zur Entgeltumwandlung genau aussieht, erfahren Sie in dem Beitrag Anspruch auf betriebliche Altersversorgung.

Eine Alternative zu der arbeitnehmerfinanzierten Entgeltumwandlung besteht darin, dass allein der Arbeitgeber Beiträge in die betriebliche Altersversorgung einzahlt.

Die dritte Variante ist eine Mischfinanzierung. Bei ihr finanzieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam die Beiträge für die betriebliche Altersversorgung des Arbeitnehmers.

In Deutschland sind fünf Durchführungswege zur betrieblichen Altersversorgung zugelassen. Der Arbeitgeber entscheidet, welche Variante er anbietet. Im Folgenden informieren wir Sie über die unterschiedlichen Durchführungswege.

bAV jetzt noch attraktiver durch 15 Prozent Arbeitgeberzuschuss

Bei einer Entgeltumwandlung sparen in der Regel Arbeitnehmer und Arbeitgeber Sozialabgaben. Ab 2019 sind Arbeitgeber bei Neuverträgen (Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds) verpflichtet, ihre  ersparten Sozialabgaben an ihre Arbeitnehmer weiterzugeben und in deren bAV einzuzahlen. Das können pauschal 15 Prozent Zuschuss auf den Beitrag sein. Dadurch wird die Betriebsrente für Arbeitnehmer noch attraktiver.

Ein weiterer Vorteil: der neue Freibetrag bei der Grundsicherung

Auszahlungen aus „zusätzlicher Altersvorsorge“, z. B. bAV-, Riester- und Rürup-Verträgen, werden nur noch reduziert auf die Grundsicherung angerechnet. Betriebliche Altersversorgung wird für alle Arbeitnehmer, insbesondere mit niedrigerem Einkommen, attraktiver. Sie behalten mehr von ihrer zusätzlichen Vorsorge. Vorsorgen lohnt sich – für jeden!

Die Direktversicherung

Bei der Direktversicherung schließt der Arbeitgeber eine Rentenversicherung auf das Leben seines Arbeitnehmers ab. Auch Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenleistungen können abgesichert werden. Bezugsberechtigt für die Leistungen sind der Arbeitnehmer oder seine Hinterbliebenen. Die Beiträge können vom Arbeitgeber, vom Arbeitnehmer durch Entgeltumwandlung oder von beiden gemeinsam finanziert werden.

Für Arbeitnehmer ist ein Beitrag nach § 3 Nr. 63 EStG bis zu 8% der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung (BBG-GRV(West)) steuerfrei und bis zu 4 % der BBG-GRV (West) sozialversicherungsfrei. Im Jahr 2018 sind das 6.240 EUR, die jährlich steuerfrei eingezahlt werden können (520 EUR im Monat). Die Steuerfreiheit der Beiträge in der Ansparphase bewirkt, dass die Leistungen in der Leistungsphase dann im vollen Umfang zu versteuern sind. Für viele Arbeitnehmer ist dies jedoch vorteilhaft, da sie im Ruhestand über weniger Einkommen und damit über einen niedrigeren Steuersatz verfügen.

Die Pensionskasse

Der Arbeitgeber schließt bei der Pensionskasse eine Rentenversicherung auf das Leben seines Arbeitnehmers ab. Auch Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenleistungen können abgesichert werden. Die Pensionskasse ist eine rechtlich selbstständige Versorgungseinrichtung, die von einem oder mehreren Unternehmen getragen werden kann und dem Arbeitnehmer oder seinen Hinterbliebenen einen Rechtsanspruch auf ihre Leistungen gewährt. Die Beiträge können vom Arbeitgeber, vom Arbeitnehmer durch Entgeltumwandlung oder von beiden gemeinsam finanziert werden.

Auch bei der Pensionskasse ist ein Beitrag von bis zu 8% der BBG-GRV (West) in der gesetzlichen Rentenversicherung steuerfrei und bis zu 4 % der BBG-GRV (West) sozialversicherungsfrei. Die Steuerfreiheit der Beiträge in der Ansparphase bewirkt, dass die Leistungen in der Leistungsphase dann zu versteuern sind. Für viele Arbeitnehmer ist dies jedoch vorteilhaft, da sie im Ruhestand über weniger Einkommen und damit über einen niedrigeren Steuersatz verfügen.

Neuer bAV-Förderbetrag

Arbeitgeber werden mit dem neuen Förderbetrag motiviert, eine arbeitgeberfinanzierte bAV für Mitarbeiter mit einem Brutto-Monatseinkommen bis 2.200 EUR einzurichten.

  • Gefördert werden ab 2018 neu gezahlte Arbeitgeberbeiträge in die bAV für Arbeitnehmer mit Monatseinkommen bis 2.200 EUR.
  • Der Arbeitgeber zahlt einen Arbeitgeberbeitrag von 240 bis 480 EUR pro Jahr in die bAV ein.
  • 30 % des Beitrags kann er mit der abzuführenden Lohnsteuer direkt verrechnen. Den Restbetrag kann der Arbeitgeber als Betriebsausgabe geltend machen.

Der Pensionsfonds

Der Pensionsfonds ist eine vom Unternehmen unabhängige und selbstständige Versorgungseinrichtung, die Altersvorsorgeleistungen erbringt und der staatlichen Versicherungsaufsicht unterliegt. Die Altersvorsorgeleistungen des Pensionsfonds werden für die Arbeitnehmer eines oder mehrerer Arbeitgeber durch Pensionspläne geregelt. Die Beiträge werden vom Arbeitgeber an den Pensionsfonds überwiesen. Die Beiträge können vom Arbeitgeber, vom Arbeitnehmer durch Entgeltumwandlung oder von beiden gemeinsam finanziert werden. Die Versorgungsleistungen müssen in Form von lebenslangen Rentenzahlungen erbracht werden.

Wie bei der Direktversicherung und der Pensionskasse sind die Beiträge zum Pensionsfonds bis zu 8% der BBG-GRV (West) steuerfrei und bis zu 4 % der BBG-GRV (West) sozialversicherungsfrei. Die Steuerfreiheit der Beiträge in der Ansparphase bewirkt, dass die Leistungen in der Leistungsphase dann zu versteuern sind.

Der Pensionsfonds ist in Deutschland der jüngste Durchführungsweg der betrieblichen Altersversorgung. Bei ihm können Arbeitnehmer stärker als bei anderen Durchführungswegen selbst bestimmen, ob sie von den Renditechancen der Kapitalmärkte profitieren möchten. Im Vergleich zu den anderen Formen der betrieblichen Altersversorgung kann ein höherer Kapitalanteil in Aktien angelegt werden. Dadurch erhöhen sich die Chancen auf höhere Leistungen. Im gleichen Maße nehmen auch die Risiken zu. Bei einer Beitragszusage mit Mindestleistung stehen im Versorgungsfall mindestens die eingezahlten Beiträge zur Verfügung.

Der Pensionsfonds untersteht der Aufsicht und der Anlageregulierung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.

Die Unterstützungskasse

Die Unterstützungskasse ist eine rechtlich selbstständige Versorgungseinrichtung mehrerer Trägerunternehmen. Mit nahezu unbegrenzten Leistungshöhen können hier auch große Versorgungslücken geschlossen werden. Damit ist sie ideal zur Versorgung von Fach- und Führungskräften sowie für Gesellschafter-Geschäftsführer geeignet.

Von großer praktischer Bedeutung ist die kongruent rückgedeckte Unterstützungskasse, die ihre Leistungen über den Abschluss von Lebens- oder Rentenversicherungen bei einer Versicherungsgesellschaft absichert. Es erfolgt kein Bilanzausweis – die Unternehmenskennzahlen des Arbeitgebers bleiben dadurch unberührt. Versorgungsverpflichtungen werden vollständig ausgelagert. Der Arbeitgeber wird Trägerunternehmen der Unterstützungskasse und führt die vom Arbeitnehmer umgewandelten Gehaltsteile als Zuwendungen der Unterstützungskasse zu.

Je nach Leistungsplan ist eine einmalige Kapitalzahlung oder eine laufende Rentenzahlung möglich. Auch Berufsunfähigkeits- und Hinterbliebenenleistungen können abgesichert werden.

Die Beiträge sind für Arbeitnehmer in voller Höhe steuerfrei und bis zu 4% der BBG-GRV (West) sozialversicherungsfrei. Die späteren Leistungen werden als Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit versteuert.

Die Pensionszusage

Mit der Pensionszusage verpflichtet sich das Unternehmen seinen Arbeitnehmern oder deren Angehörigen ab Eintritt des Versorgungsfalles (Ruhestand, Invalidität, Tod) aus betrieblichen Mitteln eine Versorgung zu zahlen. Für die Pensionszusage muss das Unternehmen Pensionsrückstellungen in der Bilanz bilden, deren Zuführungen den steuerpflichtigen Gewinn reduzieren.

Das mit der Erteilung der Pensionszusage verbundene finanziellen Risiko des Versorgungsfalls kann durch den Abschluss einer Rückdeckungsversicherung abgesichert werden. Der Arbeitgeber schließt als Versicherungsnehmer eine Lebensversicherung auf das Leben des Arbeitnehmers ab. Bezugsberechtigt ist der Arbeitgeber. Er erhält dann im Leistungsfall das Kapital, das er benötigt, um sein Leistungsversprechen gegenüber dem Mitarbeiter zu erfüllen.

Wie bei der Unterstützungskasse sind die Beiträge in voller Höhe steuerfrei und bis zu 4 % der BBG-GRV (West) auch sozialversicherungsfrei. Die späteren Leistungen werden als Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit versteuert.

Die Pensionszusage ist gerade für Personen mit höheren Einkommen eine gute Option zur Schließung der Versorgunglücke, da weder die Zusagenhöhe noch die Beitragshöhe limitiert sind.

Weitere Informationen

Hier erhalten Sie weitere Informationen zu den fünf Durchführungswegen der betrieblichen Altersversorgung.

Produktinformationen zur betrieblichen Altersversorgung

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Autor/in

K. Waldheim

Feb. 2018

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