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Die Reform der betrieblichen Alters­vorsorge

Zum 1. Januar 2018 wird es eine Reform der betrieblichen Altersversorgung (bAV) geben. Besonders für kleine und mittlere Unternehmen werden stärkere Anreize geschaffen, die betriebliche Altersversorgung ihrer Mitarbeiter zu fördern. Der Artikel gibt einen Überblick über die wichtigsten Änderungen.

bAV: Ein Win-Win für Arbeitgeber und Arbeit­nehmer

Die Arbeitslosenquoten in Deutschland sind so niedrig wie seit Jahren nicht. Auf der anderen Seite klagt der deutsche Mittelstand über einen erheblichen Fachkräftemangel. Wer heute gut ausgebildete Mitarbeiter für sein Unternehmen gewinnen will, muss als attraktiver und verantwortungsbewusster Arbeitgeber überzeugen. Dazu gehört auch das Angebot einer betrieblichen Altersversorgung – auch Betriebsrente oder bAV genannt.

bAV-Reform zum 1. Januar 2018: Was ändert sich?

Die Lebenserwartung und der Altersvorsorgebedarf in Deutschland steigen. Themen wie steigende Altersarmut, sinkende gesetzliche Rentenleistungen, unzureichende Altersvorsorge sowie das langanhaltende Niedrigzinsumfeld bewegen Politik und Bürger. Darauf reagiert die Politik und stärkt die Altersvorsoge in Deutschland mit einer Reform der betrieblichen Altersversorgung (bAV-Reform). Das sogenannte Betriebsrenten­stärkungsgesetz wurde am 7. Juli 2017 verabschiedet und tritt am 1. Januar 2018 in Kraft.

Welche Chancen bietet die bAV-Reform Ihnen und Ihrem Unternehmen?

Aktuell haben circa 60 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland eine betriebliche Altersvorsorge. Mit der Reform der Betriebsrente zum 1. Januar 2018 soll diese für Arbeitgeber und Arbeitnehmer noch attraktiver werden. Diskutiert werden unter anderem:

Steuer- und sozial­versicherungs­rechtliche Änderungen

  • Erhöhung des steuerlichen Förderrahmens von 4 Prozent auf 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (BBG)
  • 15 Prozent Pflicht-Arbeitgeberzuschuss zur Entgeltumwandlung ab 2019
  • Erweiterte Einzahlungsmöglichkeiten in die bAV
  • Neue Freibeträge für die Altersversorgung bei der Grundsicherung
  • Wahlrecht des Arbeitnehmers bei Insolvenz des Unternehmens
  • Abschaffung Riester-Doppelverbeitragung in der bAV und Erhöhung der Grundzulage ab 2018 aif 175 Euro (aktuell 154 Euro)

Neuer bAV-Förderbetrag

  • Gezielte Förderung von Arbeitnehmern mit einem monatlichen Bruttoeinkommen bis 2.200 Euro

Stärkung tarifvertraglicher Regelungen: Sozialpartnermodell

  • Enthaftung des Arbeitgebers durch eine Beitragszusage
  • Automatisierte Aufnahmeverfahren in die bAV (Opting-out)

Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über die wesentlichen Änderungen der bAV zum 1. Januar 2018.

Erhöhung des steuer­rechtlichen Förderrahmens

Ab dem 1. Januar 2018 erhöht sich die steuerliche Förderung von 4 Prozent auf 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (BBG), der bisherige Erhöhungsbetrag von 1.800 Euro entfällt. Diese Regelung gilt sowohl für neue als auch für bestehende Verträge der Direktversicherung, der Pensionskasse und des Pensionsfonds. Die Grafik zeigt ein Beispiel für die Neuregelung des steuerlichen Förderrahmens.

Pflicht-Arbeitgeberzuschuss: Weitergabe der Sozialversicherungs-Ersparnis bei Entgeltumwandlung

Der Arbeitgeber zahlt ab 2019 immer 15 Prozent Arbeitgeberzuschuss auf den Beitrag zur Entgeltumwandlung, sofern er Sozialversicherungsbeiträge spart. Dies gilt für neue Entgeltumwandlungsvereinbarungen der Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds ab dem 1. Januar 2019 sowie für bestehende Entgeltumwandlungsvereinbarungen ab dem 1. Januar 2022.

Mitarbeiterbindung staatlich unterstützt: Neuer bAV-Förder­betrag

Ab dem 1. Januar 2018 können Sie Ihre Mitarbeiter mit einem Monatseinkommen bis 2.200 Euro gezielt fördern und so mit staatlicher Unterstützung an sich binden. Zahlen Sie einen Arbeitgeberzuschuss von 240 bis 480 Euro im Jahr in die betriebliche Altersvorsorge Ihrer Mitarbeiter ein. 30 Prozent des Beitrags können Sie über die Lohnsteuerverrechnung direkt einbehalten bzw. werden Ihnen vom Finanzamt zurückerstattet. Dies gilt für neu gezahlte Arbeitgeberbeiträge ab 2018 und zusätzlich zu den aktuellen Förderungen.

Gesetzgeber gibt Tarif­parteien mehr Gestaltungs­spielraum bei der bAV

Ab dem 1. Januar 2018 können Tarifvertragsparteien eine neue Art der Zusage in der bAV vereinbaren: die Beitragszusage. Hier garantieren Arbeitgeber ihren Mitarbeitern ausschließlich die Zahlung der Beiträge in eine betriebliche Altersversorge und nicht wie bisher eine Betriebsrente bzw. Versorgungsleistung. Auch nicht tarifgebundene Arbeitgeber können die Anwendung der tarifvertraglichen Regelungen vereinbaren. Allerdings muss die jeweilige Versorgungseinrichtung zustimmen.

Vorteile der bAV für Arbeitgeber auf einen Blick

  • Bindung und Motivation qualifizierter Mitarbeiter
  • Imagegewinn Ihres Unternehmens
  • Stärkung der Wettbewerbskraft durch modernes Firmenversorgungssystem
  • Sozial- und Mitarbeiterverantwortung und dadurch hohe Attraktivität am Arbeitsmarkt

Mehr Infos zur betrieb­lichen Alters­vorsorge und zur bAV-Reform

Im Artikel Fragen und Antworten zur betrieblichen Altersversorgung haben wir die wichtigsten Informationen zum Thema bAV für Sie zusammengestellt.

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Autor/in

K. Waldheim

Jul. 2017

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