1. Unternehmer
  2. Im Job

Der Minijob: Vorteile für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Für Arbeitgeber kann es aus verschiedenen Gründen vorteilhaft sein, Minijobber einzustellen. Einer der Hauptgründe ist, eine variierende Auftragslage flexibel abfangen zu können. Dafür ist die Anstellung von geringfügig Beschäftigten eine gute Alternative. Aber auch die Minijobber haben Vorteile, denn sie sind weitgehend befreit von Sozialversicherungsbeiträgen.

Gut für Unternehmen: Flexibilität bei Auftragsspitzen und -flauten

Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) müssen sich kundenorientiert und flexibel im Markt bewegen. Schnell kann ein Auftrag jedoch die vorhandenen Kapazitäten überlasten. Doch um zusätzliche Vollzeitkräfte zu beschäftigen, ist die Markt- und Auftragslage oft zu sprunghaft. Minijobber können in solch einer Situation auftragsorientiert einspringen. Damit kann das Unternehmen die Produktion an vorübergehende Auftragsspitzen oder -flauten anpassen.

Entweder geringer Verdienst oder kurzfristige Beschäftigung.

Zwei Arten von Minijobs

Ein Minijob ist eine geringfügige Beschäftigung. Geringfügig bedeutet, dass es eine bestimmte Verdienstgrenze oder bestimmte Zeitgrenzen gibt. Ein Minijobber kann im gewerblichen Bereich oder im Privathaushalt beschäftigt sein. Unabhängig davon unterscheidet man zwischen zwei Arten von Minijobs:

  • 450-Euro-Minijobs sind geringfügig entlohnte Beschäftigungen. Der Minijobber kann parallel mehrere Minijobs wahrnehmen, darf aber insgesamt nicht mehr als 450 Euro im Monat verdienen.
  • Kurzfristige Minijobs sind von vornherein auf bestimmte Zeitgrenzen festgelegt. Der Minijobber darf im Laufe eines Kalenderjahres nicht mehr als drei Monate oder insgesamt 70 Arbeitstage arbeiten – die Höhe des Verdienstes spielt dabei keine Rolle.

Quelle: Deutsche Rentenversicherung

Lassen Sie sich beraten

Als erfahrener Firmenversicherer beraten wir Sie und finden mit Ihnen gemeinsam maßgeschneiderte Lösungen für Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter. Unsere Experten stehen Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch zur Verfügung.

Ansprechpartner finden

Sozialabgaben für gewerbliche 450-Euro-Minijobs

Arbeitgeber-Abgaben

Wenn ein 450-Euro-Minijobber in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert ist, zahlt der Arbeitgeber einen Pauschalbeitrag von 13 Prozent des Verdienstes zur Krankenversicherung. Zur Rentenversicherung entrichtet der Arbeitgeber einen Pauschalbetrag von 15 Prozent. Pflege- und Arbeitslosenversicherung sind beitragsfrei. Hinzu kommen noch ein individueller Beitrag zur gesetzlichen Unfallversicherung sowie eine Insolvenzgeld-Umlage von 0,06 Prozent und eine Pauschalsteuer von 2 Prozent an die Minijob-Zentrale, wenn der Arbeitgeber auf die Besteuerung nach individuellen Lohnsteuermerkmalen verzichtet.

Arbeitnehmer-Abgaben

Der Anteil des 450-Euro-Minijobbers an der Rentenversicherung bei Versicherungspflicht in der Rentenversicherung (RV) beträgt lediglich 3,6 Prozent seines Verdiensts. Dafür erhält er alle Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung, wie zum Beispiel Rehabilitation oder Rente wegen Erwerbsminderung – er kann gegebenenfalls früher in Rente gehen, und seine Rente erhöht sich. Auch die staatliche Förderung der Riester-Rente steht dem geringfügig Beschäftigten zu.

Sozialabgaben 450-Minijobs: Übersicht

Abgabeart Abgabehöhe Hinweis
Pauschalbetrag zur Krankenversicherung 13 Prozent Muss der Arbeitgeber nur dann zahlen, wenn wenn der Minijobber gesetzlich krankenversichert ist
Pflegeversicherung Keine Abgabe
Pauschalbeitrag Arbeitgeber zur Rentenversicherung 15 Prozent
Beitragsanteil des Minijobbers bei Versicherungspflicht in der Rentenversicherung 3,6 Prozent
U1: Umlage des Arbeitgebers für Aufwendungen bei Krankheit des Minijobbers 0,9 Prozent
U2: Umlage des Arbeitgebers für  Aufwendungen bei Mutterschaft des Minijobbers 0,24 Prozent
Gesetzliche Unfallversicherung Individueller Beitrag an den zuständigen Unfallversicherungsträger
Arbeitslosenversicherung keine Abgabe
Insolvenzgeldumlage 0,06 Prozent
Steuer 2 Prozent Pauschalsteuer, falls der Arbeigeber auf die Besteuerung nach individuellen Lohnsteuermerkmalen verzichtet

Abgaben an Minijob-Zentrale sind monatlich zu begleichen

Als Arbeitgeber müssen Sie die Abgaben für alle Ihre Minijobber monatlich der Minijob-Zentrale mit dem Beitragsnachweis melden und diese bezahlen.

Den Pauschalbetrag zur Rentenversicherung muss der Arbeitgeber auch dann zahlen, wenn der Minijobber bereits Altersrente oder Pension bekommt.

Sozialabgaben für kurzfristige gewerbliche Minijobs

Arbeitgeber-Abgaben

Für gewerbliche Arbeitgeber eines kurzfristigen Minijobbers fallen nur Umlagen zum Ausgleich der Aufwendungen bei Krankheit und Schwangerschaft bzw. Mutterschaft des Minijobbers sowie eine Umlage für den Fall einer Insolvenz an.

Arbeitnehmer-Abgaben

Für den Arbeitnehmer fallen keine Abgaben an.

Sozialabgaben kurzfristige Minijobs: Übersicht

Abgabeart Abgabehöhe Hinweis
Pauschalbetrag zur Krankenversicherung keine Abgabe
Pflegeversicherung keine Abgabe
Pauschalbeitrag Arbeitgeber zur Rentenversicherung keine Abgabe
Beitragsanteil des Minijobbers bei Versicherungspflicht in der Rentenversicherung keine Abgabe
U1: Umlage des Arbeitgebers für Aufwendungen bei Krankheit des Minijobbers 0,9 Prozent
U2: Umlage des Arbeitgebers für  Aufwendungen bei Mutterschaft des Minijobbers 0,24 Prozent
Gesetzliche Unfallversicherung Individueller Beitrag an den zuständigen Unfallversicherungsträger
Arbeitslosenversicherung keine Abgabe
Insolvenzgeldumlage 0,06 Prozent
Steuern Werden an das zuständige Finanzamt gezahlt

Vorteile von 450-Minijobs für Arbeitgeber

Arbeitgeber profitieren auf verschiedenen Ebenen durch die Beschäftigung von 450-Euro-Kräften: Minijobs bieten ihm Rechtssicherheit und einen vergleichsweise geringen bürokratischen Aufwand, was wiederum ausgleicht, dass geringfügige Beschäftigungsverhältnisse etwas teurer sind. Zudem können Unternehmen mit Minijobbern flexibel dem Auf und Ab von Nachfragespitzen oder Nachfragetiefs begegnen.

Vorteile von 450-Minijobs für Arbeitnehmer

Ein Hauptargument für Arbeitnehmer ist sicherlich die Tatsache, dass sie ihren Lohn beinahe „brutto wie netto“ ausgezahlt bekommen. Die Minijobber nutzen die Möglichkeit, ohne Steuer- und Beitragsabzüge hinzuverdienen zu können. Dies gilt insbesondere für Studenten, Rentner und Schüler. Zudem genießen sie denselben arbeitsrechtlichen Schutz wie sozialversicherungspflichtig Angestellte – auch geringfügig Beschäftigte haben Anspruch auf Entgeltfortzahlung, Kündigungsschutz und Urlaub.

Vorteile für Minijobber durch den vollen Rentenschutz

  • Eine vorzeitige Altersrente ist möglich.
  • Ansprüche auf Leistungen zur Rehabilitation sowohl im medizinischen als auch im Bereich der Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.
  • Anspruch auf Übergangsgeld bei Rehabilitationsmaßnahmen der gesetzlichen Rentenversicherung.
  • Aufrechterhaltung des Anspruchs auf eine Rente wegen Erwerbsminderung.
  • Anspruch auf Entgeltumwandlung für eine betriebliche Altersvorsorge.
  • Zugangsvoraussetzung für eine private Altersvorsorge mit staatlicher Förderung, zum Beispiel Riester-Rente – gegebenenfalls sogar für den Ehepartner des Minijobbers.

Minijobs und Mindestlohn

Auch wer in einem 450-Euro-Job arbeitet, hat Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit 9,19 Euro (seit dem 1. Januar 2019). Es gibt allerdings Ausnahmen:

  • Jugendliche unter 18 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung
  • Auszubildende (unabhängig vom Alter) im Rahmen ihrer Berufsausbildung
  • Langzeitarbeitslose in den ersten sechs Monaten nach Beendigung der Arbeitslosigkeit
  • Praktikanten (mehr Infos im Ratgeberartikel „Das Praktikum – Einstiegschance ins Berufsleben“)
  • Jugendliche, die an einer Einstiegsqualifizierung als Vorbereitung zu einer Berufsausbildung teilnehmen
  • Ehrenamtlich Tätige

Hinzuverdienstgrenzen: Minijob kann Rente mindern

Ein Minijob kann dazu führen, dass die Witwen- oder Witwerrente gekürzt wird. Wenn außer dem Minijob noch andere Einkünfte, insbesondere eine eigene Rente, vorhanden sind, ist die Gefahr besonders groß: Alle Einkünfte werden zusammengerechnet und müssen unter einer bestimmten Grenze liegen. Wenn Sie eine Altersrente in voller Höhe erhalten möchten, dürfen Sie daher die Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro pro Jahr nicht überschreiten. Sind die Einkünfte höher, wird die Rente gekürzt. Mehr dazu im Ratgeberartikel

Hinzuverdienst zur Rente: Wann sich ein Job für Rentner lohnt

Know-how erfahrener Mitarbeiter im Unternehmen halten

Wissen im Unternehmen zu halten, ist ein Grund, einen erfahrenen Mitarbeiter, der in Rente geht, als Minijobber weiter zu beschäftigen. So bleibt sein Fachwissen dem Betrieb vorerst erhalten und der Arbeitnehmer bessert seine Rente auf.

Wer als Arbeitgeber eine langfristig angelegte Wachstumsstrategie verfolgt, sollte dann darauf achten, dass das Wissen auch an jüngere Kollegen weitergegeben wird.

Mehr zu dem Thema in unserem Ratgeberartikel:

Mitarbeiter binden und Know-how im Unternehmen erhalten

Mitarbeiter binden mit einem modernen Vergütungssystem

R+V hilft Ihnen, Fachkräfte zu finden und zu binden

Bieten Sie Ihren Mitarbeitern mit den ganzheitlichen Lösungen von R+V ein modernes Vergütungssystem an und kommunizieren Sie die daraus resultierenden Mitarbeiter-Mehrwerte auch in Ihren Stellenanzeigen und auf Ihrer Website.

Als erfahrener Firmenversicherer beraten wir Sie gerne und finden mit Ihnen gemeinsam maßgeschneiderte Lösungen für Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter. Unsere Experten stehen Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch zur Verfügung.

Ansprechpartner finden

Bei Fragen an die Minijob-Zentrale wenden

Für Arbeitgeber, die sich zum Thema Minijob ausführlich informieren möchten, ist die Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung die richtige Anlaufstelle. Sie ist deutschlandweit die zentrale Einzugs- und Meldestelle für alle geringfügigen Beschäftigungen. Auf dem Blog der Minijob-Zentrale können sich Unternehmen regelmäßig mit aktuellen Blogbeiträgen zum Thema informieren.

Besondere Regelungen für Saisonarbeiter und Erntehelfer

Beim Einstellen von Saisonarbeitern und Ernte­helfern müssen Arbeitgeber einige Besonderheiten beachten. Wie viel Lohn muss gezahlt werden, wie sieht es mit der Versicherung aus und wie sind die steuerlichen und rechtlichen Regelungen? Antworten auf diese Fragen gibt der Ratgeberartikel

Erntehelfer einstellen: Das müssen Arbeitgeber beachten

Mehr zum Thema Minijobs

Grundsätzlich gelten für Familien­angehörige, die im eigenen Betrieb mitarbeiten, dieselben arbeitsvertraglichen Regeln wie für fremde Mitarbeiter. Worauf müssen Arbeitgeber achten?

Beschäftigung im eigenen Familienbetrieb: Das ist wichtig

Mit Leiharbeitern ist die Belegschaft immer in der richtigen Größe vorhanden. Doch wie finden Arbeitgeber die passende Zeitarbeitsfirma?

Mehr Flexibilität für Ihr Unternehmen durch Zeitarbeit

Pflichtpraktikum, Auslandspraktikum oder doch ein Werkstudentenjob? Mit unserem Wegweiser gelingt Ihr Karrierestart.

Das Praktikum – Einstiegschance ins Berufsleben

Minijobs 2019: Das ändert sich für Arbeitgeber und Minijobber im neuen Jahr.

Blog der Minijob-Zentrale

Autor/in

K. Waldheim

Jan. 2019

Produkte zu diesem Ratgeber Plus Artikel

Weitere Ratgeber Plus Artikel