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Erntehelfer einstellen: Das müssen Arbeitgeber beachten

Landwirtschaftliche Betriebe sind oft auf Erntehelfer angewiesen, viele kommen aus dem europäischen Ausland. Bei der Beschäftigung von Erntehelfern haben Arbeitgeber einige Besonderheiten zu beachten. Wie viel Lohn muss gezahlt werden, wie sieht es mit der Versicherung aus, welche steuerlichen und rechtlichen Änderungen gelten seit dem 1. Januar 2019?

Erntehelfer: Keine Arbeitserlaubnispflicht für EU-Bürger erforderlich

Bürger aus EU-Mitgliedsstaaten benötigen für eine Tätigkeit als Saisonarbeiter in Deutschland keine Arbeitserlaubnis. Das bedeutet, dass sie zu jeder Zeit eine Beschäftigung als Erntehelfer in Deutschland ausüben können. Das gilt auch für die Art, die Qualifikation sowie die Dauer der Beschäftigung. Sie sind inländischen Personen gleichgestellt.

Bürger aus Drittstaaten können derzeit nicht im Bereich der Land- und Forstwirtschaft als Saisonarbeiter beschäftigt werden. Deutschland hat die so genannte Saisonarbeitnehmerrichtlinie der EU in nationales Recht umgesetzt. Dennoch bedarf es konkreter Vermittlungsabsprachen zwischen Deutschland und Drittstaaten, damit Bürger aus diesen Staaten hier beschäftigt werden können. Aktuell existieren keine Vermittlungsabsprachen.

Keine Regel ohne Ausnahme: Sonderregelung für Bürger der Westbalkan-Staaten

Eine befristete Sonderregelung bis 2020 gibt es für Bürger der Westbalkan-Staaten (Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Serbien). Sie können in Deutschland für jede Beschäftigung eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Ausgenommen sind Tätigkeiten als Leiharbeitnehmer.

Verbindliches Arbeitsplatz-Angebot erforderlich

Voraussetzung ist, dass der Saisonarbeiter ein verbindliches Arbeitsplatz-Angebot von einem Arbeitgeber vorweisen kann und die visarechtlichen Voraussetzungen erfüllt. Des Weiteren darf er noch keine Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz beziehen und grundsätzlich keinen Asylantrag gestellt haben. Hierzu wird eine Beratung bei der Arbeitsagentur empfohlen.

Saisonarbeiter: Zahlen und Fakten

2016 arbeiteten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 286.300 Saisonarbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft. Nach Einschätzung
des Gesamtverbandes der Deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA) sind davon rund 95 Prozent nichtdeutscher Herkunft. Die Anzahl der Arbeitskräfte aus Polen ist in den letzten Jahren zurückgegangen, die Anzahl der Arbeitskräfte aus Rumänien deutlich gestiegen.

9,19 Euro Mindestlohn/Stunde ab 1. Januar 2019

Gesetzlicher Mindestlohn gilt auch für Saisonarbeiter

In Deutschland gilt ein gesetzlicher Mindestlohn für alle Branchen und Beschäftigten, unabhängig von ihrer Nationalität. Seit dem 1. Januar 2018 gilt dieser auch in der Landwirtschaft.

Der Mindestlohn wurde zum 1. Januar 2019 auf 9,19 Euro/Stunde erhöht. Eine weitere Erhöhung findet zum 1. Januar 2020 auf dann 9,35 Euro/Stunde statt.

Unfall- und Kranken­versicherung für Saisonarbeiter

Die R+V Versicherung hat mit dem Zentralverband Gartenbau Sonderkonditionen vereinbart, nach denen die Betriebe ihre ausländischen Saisonarbeitskräfte in der Unfall- und Krankenversicherung zu günstigen Bedingungen und Beiträgen versichern können.

Möchten Sie mehr erfahren? Unsere Ansprechpartner vom R+V-AgrarKompetenzZentrum freuen sich auf ein persönliches Gespräch.

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Sozialversicherung von Ernte­helfern

Ob für einen EU-Ausländer das deutsche oder das Recht des Wohnsitzstaates gilt, richtet sich nach der EG-Verordnung Nr. 883/2004. Danach sind Personen, die im bezahlten Urlaub in Deutschland arbeiten, sowie Selbstständige, die eine ähnliche Tätigkeit in Deutschland ausüben, grundsätzlich nach dem ausländischen Recht zu versichern.

Die Sozialversicherungsbeiträge sind an den zuständigen Träger im Wohnsitzstaat abzuführen. Das betrifft zum Beispiel den polnischen selbstständigen Landwirt, der in Deutschland eine landwirtschaftliche Saisontätigkeit ausübt, beispielsweise als Erntehelfer.

Alle anderen Personen sind nach deutschem Recht grundsätzlich versicherungspflichtig. Das gilt für alle Zweige der Sozialversicherung. Für diesen Personenkreis besteht auch die Möglichkeit einer geringfügigen Beschäftigung.

Regelungen bei gering­fügiger Beschäftigung

Bei geringfügiger Beschäftigung ist zu unterscheiden zwischen:

  • geringfügig entlohnter Beschäftigung
  • kurzfristiger Beschäftigung

Geringfügig entlohnte Beschäftigung

Bei einer Tätigkeit mit einer maximalen Entlohnung von 450 Euro/Monat spricht man von einer geringfügig entlohnten Beschäftigung. Der Arbeitgeber hat Pauschalabgaben zur Sozialversicherung in Höhe von 28 Prozent an die Minijob-Zentrale zu leisten. Für den Arbeitnehmer fallen keine Sozialabgaben an. Zusätzlich fallen 2 Prozent Pauschalsteuer an, die entweder vom Arbeitnehmer oder vom Arbeitgeber zu tragen sind. Der Status des Arbeitnehmers ist hier ohne Belang.

Kurzfristige Beschäftigung

Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn sie im Voraus zeitlich begrenzt ist. Die zeitliche Begrenzung für ein Kalenderjahr beträgt:

  • drei Monate (bei einer Beschäftigung von mindestens fünf Tagen pro Woche)
  • oder 70 Arbeitstage (bei einer Beschäftigung von weniger als fünf Tagen pro Woche).

Mehrere kurzfristige Beschäftigungen werden zusammengerechnet.

Eine kurzfristige Beschäftigung ist nur möglich, wenn sie nicht berufsmäßig ausgeübt wird (z. B. Hausfrauen, Rentner, Schüler/Studenten). Berufsmäßigkeit liegt vor, wenn die Beschäftigung nicht von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung für den Arbeitnehmer ist. Das betrifft beispielsweise Arbeitslose oder Arbeitnehmer im unbezahlten Urlaub. Im Fall der Berufsmäßigkeit ist die Beschäftigung sozialversicherungspflichtig.

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Unterschied­liche Möglich­keiten der Besteuerung

Für Aushilfskräfte in der Land- und Forstwirtschaft, beispielsweise als Erntehelfer, gibt es verschiedene Möglichkeiten der Besteuerung des Lohnes:

  • mit Lohnsteuerkarte
  • mit 5 Prozent pauschaler Lohnsteuer
  • mit 25 Prozent pauschaler Lohnsteuer
  • mit 2 Prozent pauschaler Lohnsteuer (nur möglich bei einem 450-Euro-Job)

Unkompli­ziert: Besteuerung nach Lohn­steuer­karte

Viele Landwirte und ihre ausländischen Saisonarbeitnehmer verzichten auf die Lohnsteuerpauschalierung und besteuern nach Lohnsteuerkarte. Vorteil hier ist, dass Werbungskosten in Ansatz gebracht werden können. Hierzu gehören auch die Kosten der doppelten Haushaltsführung (An-/Abreisekosten, Kosten der Unterbringung und Verpflegung). Diese sind häufig so hoch, dass gar keine Lohnsteuer anfällt. Hierfür muss der Arbeitnehmer einen Werbungskosten-Freibetrag beim zuständigen Finanzamt beantragen.

An strenge Voraussetzungen gebunden: Pauschalierte Lohnsteuer

Die oben genannten Pauschalierungen sind an verschiedene strenge Voraussetzungen geknüpft. Beispielhaft zeigen wir im Folgenden die Voraussetzungen für die 5-Prozent-Pauschalierung:

  • Der Arbeitgeberbetrieb ist ein landwirtschaftlicher Betrieb im Sinne des Steuerrechts.
  • Es dürfen nur typische land- und forstwirtschaftliche Tätigkeiten verrichtet werden. Verkaufstätigkeiten zählen nicht dazu!
  • Bei den Arbeitnehmern darf es sich nur um Hilfskräfte (keine Fachkräfte) handeln.
  • Es dürfen nur saisonale Aushilfstätigkeiten ausgeübt werden, andere ganzjährige Tätigkeiten dürfen maximal 25 Prozent betragen.
  • Der Stundenlohn darf maximal 12 Euro/Stunde betragen.
  • Die Beschäftigungsdauer darf maximal 180 Tage/Kalenderjahr betragen (im Sinne des Steuerrechts).

Häufig trägt der Arbeitgeber die Pauschalsteuer. Er kann sie jedoch auch auf den Saisonarbeitnehmer abwälzen.

Umsatzsteuer für Kost und Logis

Landwirte, die Erntehelfern für die Beschäftigungsdauer Unterkunft und Verpflegung stellen, müssen Umsatzsteuer für die Vermietung der Unterkünfte und die Verpflegung abführen. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden:

  • Für die Vermietung einer Unterkunft durch den Arbeitgeber, die für bis zu sechs Monate überlassen wird, sind 7 Prozent Umsatzsteuer abzuführen.
  • Für das Stellen der Verpflegung durch den Arbeitgeber sind 19 Prozent Umsatzsteuer vom Landwirt an das Finanzamt abzuführen. Verpflegen sich die Saisonarbeitnehmer selbst, entfällt die Umsatzsteuer hierfür.

Die günstige Besteuerung nach Durchschnittssätzen gemäß § 24 Umsatzsteuergesetz ist nicht anwendbar.

R+V bietet individuellen Schutz für Ihren Agrarbetrieb

Mit der AgrarPolice versichert R+V unterschiedliche landwirtschaftliche Betriebe wie Marktfruchtbetriebe, Futterbaubetriebe, Veredlungsbetriebe, Gemischtbetriebe, Weinbaubetriebe und Sonderkulturbetriebe. Hierfür ist eine genaue Kenntnis der Bedürfnisse des Einzelbetriebs erforderlich. So sind etwa Weinbaubetriebe ganz anders versichert als zum Beispiel Schweinemastbetriebe.

Unsere kompetenten landwirtschaftlichen Fachberater stehen Ihnen bundesweit zur Seite und überprüfen gerne mit Ihnen gemeinsam Ihren privaten und betrieblichen Versicherungsschutz.

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Autor/in

K. Waldheim

Jan. 2019

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