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Erntehelfer einstellen: Das müssen Arbeitgeber beachten

Landwirtschaftliche Betriebe sind oft auf Erntehelfer angewiesen, viele kommen aus dem europäischen Ausland. Bei der Beschäftigung von Erntehelfern haben Arbeitgeber einige Besonderheiten zu beachten. Wie viel Lohn muss gezahlt werden, wie sieht es mit der Versicherung aus, welche steuerlichen und rechtlichen Änderungen gelten seit dem 1. Januar 2022?

 

Erntehelfer finden

Auch wenn die Reisefreiheit wegen des Coronavirus gelockert wurde und Saisonarbeitskräfte wieder relativ unproblematisch nach Deutschland einreisen können, fehlen in der Landwirtschaft weiterhin dringend benötigte Arbeitskräfte. 

Auf den folgenden beispielhaft genannten Internet-Plattformen können sowohl Arbeitgeber ihre Jobangebote als auch potenzielle Arbeitskräfte ihre Arbeitsgesuche offerieren:

www.daslandhilft.de
www.agrarjobboerse.de

Erntehelfer: Keine Arbeitserlaubnispflicht für EU-Bürger erforderlich

Bürger aus EU-Mitgliedsstaaten benötigen für eine Tätigkeit als Saisonarbeiter in Deutschland keine Arbeitserlaubnis. Das bedeutet, dass sie zu jeder Zeit eine Beschäftigung als Erntehelfer in Deutschland ausüben können. Das gilt auch für die Art, die Qualifikation sowie die Dauer der Beschäftigung. Sie sind inländischen Personen gleichgestellt.

Bürger aus Drittstaaten können im Bereich der Land- und Forstwirtschaft als Saisonarbeiter nur beschäftigt werden, wenn entsprechende Vermittlungsabsprachen zwischen Deutschland und dem Drittstaat bestehen. Geregelt ist dies in der Beschäftigungsverordnung. In dieser Verordnung hat Deutschland die so genannte Saisonarbeitnehmerrichtlinie der EU in nationales Recht umgesetzt. Aktuell bestehen Vermittlungsabsprachen mit Georgien und Moldawien.

Was gilt für Arbeitskräfte aus Georgien und Moldawien?

Für beide Drittstaaten findet man auf der Seite der Bundesagentur für Arbeit unter dem Stichwort „Informationen für Arbeitgeber“ wichtige Informationen sowie die erforderlichen Formulare.

Regelungen für Arbeitskräfte aus Georgien

Bürger aus Georgien können im anonymen Verfahren (Beauftragung über den Arbeitgeber-Service der Bundesagentur für Arbeit, kurz BA) angefordert werden.

Sind Saisonkräfte aus Georgien bereits bekannt und sollen diese erneut beschäftigt werden, ist dies im namentlichen Verfahren (über das Team Arbeitsmarktzulassung der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung) möglich. In beiden Verfahren erteilt die Bundesagentur für Arbeit (BA) die Arbeitsgenehmigung. Erst danach ist eine Beschäftigungsaufnahme möglich. 

Regelungen für Arbeitskräfte aus Moldawien (Republik Moldau)

Mit der Republik Moldau wurde 2021 eine Vermittlungsabsprache geschlossen. Somit können ab diesem Jahr Bürger aus Moldawien auch in Deutschland für landwirtschaftliche Saisontätigkeiten beschäftigt werden. Die Anforderung in diesem Jahr erfolgt ausschließlich im anonymen Verfahren über den Arbeitgeber-Service der BA.

 

Sonderregelung für Bürger der Westbalkan-Staaten

Eine befristete Sonderregelung bis zum 31.12.2023 gibt es für Bürger der Westbalkan-Staaten (Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Serbien). Sie können in Deutschland für jede Beschäftigung eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Ausgenommen sind Tätigkeiten als Leiharbeitnehmer.

Die Befristung bis 31.12.2023 bezieht sich auf den Zeitraum, bis zu dem das Zulassungsverfahren abgeschlossen sein muss, und nicht auf die Dauer der Beschäftigung, für die die Zustimmung erteilt wird. Es kann auch eine Zustimmung für eine Beschäftigung über den 31.12.2023 hinaus erteilt werden.

Welche Voraussetzungen muss ein Bürger aus dem Westbalkan erfüllen?

  • Er kann ein verbindliches Arbeitsplatz-Angebot von einem Arbeitgeber vorweisen.
  • Er erfüllt die visarechtlichen Voraussetzungen. Das Visum kann er bei der deutschen Auslandsvertretung im jeweiligen Herkunftsstaat oder in dem Staat seines rechtmäßigen Wohnsitzes beantragen. Achtung: Die Bearbeitung dauert häufig sehr lange, Wartezeiten von bis zu einem Jahr sind keine Seltenheit. Den Sitz der jeweiligen deutschen Auslandsvertretung findet man auf den Seiten des Auswärtigen Amtes.

Er darf noch keine Leistungen nach dem Asylbewerber­leistungsgesetz beziehen und grundsätzlich keinen Asylantrag gestellt haben.

9,82 € Mindestlohn ab 01.01. und 10,45 € ab 01.07.2022

Gesetzlicher Mindestlohn gilt auch für Saisonarbeiter

In Deutschland gilt ein gesetzlicher Mindestlohn für alle Branchen und Beschäftigten, unabhängig von ihrer Nationalität. Der gesetzliche Mindestlohn gilt auch in der Landwirtschaft.

Ab dem 1. Januar 2022 beträgt der Mindestlohn 9,82 Euro brutto/Stunde. Zum 1. Juli 2022 erfolgt eine weitere Erhöhung auf 10,45 Euro brutto/Stunde.

Sozialversicherung von Ernte­helfern

Ob für einen EU-Ausländer das deutsche oder das Recht des Wohnsitzstaates gilt, richtet sich nach der EG-Verordnung Nr. 883/2004. Danach sind Personen, die im bezahlten Urlaub in Deutschland arbeiten, sowie Selbstständige, die eine ähnliche Tätigkeit in Deutschland ausüben, grundsätzlich nach dem ausländischen Recht zu versichern.

Die Sozialversicherungsbeiträge sind an den zuständigen Träger im Wohnsitzstaat abzuführen. Das betrifft zum Beispiel den polnischen selbstständigen Landwirt, der in Deutschland eine landwirtschaftliche Saisontätigkeit ausübt, etwa als Erntehelfer.

Alle anderen Personen sind nach deutschem Recht grundsätzlich versicherungspflichtig. Das gilt auch für georgische und moldawische Saisonarbeitnehmer. Die Versicherungspflicht gilt für alle Zweige der Sozialversicherung. Unter bestimmten Voraussetzungen besteht für diesen Personenkreis auch die Möglichkeit einer geringfügigen Beschäftigung.

Bei geringfügiger Beschäftigung ist zu unterscheiden zwischen:

  • geringfügig entlohnter Beschäftigung
  • kurzfristiger Beschäftigung

Geringfügig entlohnte Beschäftigung

Bei einer Tätigkeit mit einer maximalen Entlohnung von 450 Euro/Monat spricht man von einer geringfügig entlohnten Beschäftigung. Der Arbeitgeber hat Pauschalabgaben zur Sozialversicherung in Höhe von 28 Prozent an die Minijob-Zentrale zu leisten. Der Arbeitnehmer ist in der Rentenversicherung grundsätzlich versicherungspflichtig. Er kann sich aber von der Versicherungspflicht befreien lassen. Tut er das, fallen keine Sozialabgaben für den Arbeitnehmer an. Im anderen Fall zahlt der Arbeitnehmer einen Eigenanteil von 3,6 Prozent an die Rentenversicherung (Stand 2022).

Weiterhin fallen 2 Prozent Pauschalsteuer an, die entweder vom Arbeitnehmer oder vom Arbeitgeber zu tragen sind. Der Status des Arbeitnehmers ist hier ohne Belang.

Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung unterliegt keinen zeitlichen Grenzen. Jedoch muss bei der Stundenanzahl unbedingt auf den Mindestlohn geachtet werden. Ab Januar 2022 ist nur noch eine monatliche Beschäftigungsdauer von 45 Stunden (ab Juli 2022 von 43 Stunden) möglich, ohne dass die Beschäftigung voll sozialversicherungspflichtig wird.

Kurzfristige Beschäftigung

Eine kurzfristige Beschäftigung liegt vor, wenn sie im Voraus zeitlich begrenzt ist. Die zeitliche Begrenzung für ein Kalenderjahr beträgt: drei Monate oder 70 Arbeitstage.

Mehrere kurzfristige Beschäftigungen werden zusammengerechnet.

Eine kurzfristige Beschäftigung ist nur möglich, wenn sie nicht berufsmäßig ausgeübt wird (z. B. Hausfrauen, Rentner, Schüler/Studenten). Berufsmäßigkeit liegt vor, wenn die Beschäftigung nicht von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung für den Arbeitnehmer ist. Das betrifft beispielsweise Arbeitslose oder Arbeitnehmer im unbezahlten Urlaub. Im Fall der Berufsmäßigkeit ist die Beschäftigung sozialversicherungspflichtig.

Für alle geringfügigen Beschäftigungen sind die Meldepflichten zur Sozialversicherung zu beachten. Weitere Informationen dazu findet man auf den Seiten der Minijob-Zentrale.

Wir helfen bei der Versicherung Ihrer Saisonarbeitskräfte

Die R+V Betriebskrankenkasse (R+V BKK) unterstützt Sie bei der Anmeldung und Verwaltung Ihrer Saisonarbeitskräfte zur GKV.

Ihre Vorteile durch die Zusammenarbeit mit der R+V BKK

  • Schnelle und unbürokratische Anmeldung Ihrer Saisonarbeiter.
  • Fachliche Beratung und Rechtssicherheit bei der Bewertung der Sozialversicherungs­verhältnisse (Sofortmeldepflicht etc.).
  • Schutz vor Beitragsnachforderungen.

Wir sind für Sie da

Unsere Experten für die Versicherung von Erntehelfern beantworten gerne Ihre Fragen und unterstützen Sie, damit Sie sich ganz auf Ihr Tagesgeschäft konzentrieren können:

Heiko Lottermann

 0611 99909-428
 heiko.lottermann@ruv-bkk.de

Heike Klipper
 0611 99909-129
 heike.klipper@ruv-bkk.de

Unterschied­liche Möglich­keiten der Besteuerung

Für Aushilfskräfte in der Land- und Forstwirtschaft, beispielsweise als Erntehelfer, gibt es verschiedene Möglichkeiten der Besteuerung des Lohnes:

  • mit Lohnsteuerkarte
  • mit 5 Prozent pauschaler Lohnsteuer
  • mit 25 Prozent pauschaler Lohnsteuer
  • mit 2 Prozent pauschaler Lohnsteuer (nur möglich bei einem 450-Euro-Job)

Unkompli­ziert: Besteuerung nach Lohn­steuer­karte

Viele Landwirte und ihre ausländischen Saisonarbeitnehmer verzichten auf die Lohnsteuerpauschalierung und besteuern nach Lohnsteuerkarte. Vorteil hier ist, dass Werbungskosten in Ansatz gebracht werden können. Hierzu gehören auch die Kosten der doppelten Haushaltsführung (An-/Abreisekosten, Kosten der Unterbringung und Verpflegung). Diese sind häufig so hoch, dass gar keine Lohnsteuer anfällt. Hierfür muss der Arbeitnehmer einen Werbungskosten-Freibetrag beim zuständigen Finanzamt beantragen.

An strenge Voraussetzungen gebunden: Pauschalierte Lohnsteuer

Die oben genannten Pauschalierungen sind an verschiedene strenge Voraussetzungen geknüpft. Beispielhaft zeigen wir im Folgenden die Voraussetzungen für die 5-Prozent-Pauschalierung:

  • Der Arbeitgeberbetrieb ist ein landwirtschaftlicher Betrieb im Sinne des Steuerrechts.
  • Es dürfen nur typische land- und forstwirtschaftliche Tätigkeiten verrichtet werden. Verkaufstätigkeiten zählen nicht dazu!
  • Bei den Arbeitnehmern darf es sich nur um Hilfskräfte (keine Fachkräfte) handeln.
  • Es dürfen nur saisonale Aushilfstätigkeiten ausgeübt werden, andere ganzjährige Tätigkeiten dürfen maximal 25 Prozent betragen.
  • Der Stundenlohn darf maximal 15 Euro/Stunde betragen.
  • Die Beschäftigungsdauer darf maximal 180 Tage/Kalenderjahr betragen (im Sinne des Steuerrechts).

Häufig trägt der Arbeitgeber die Pauschalsteuer. Er kann sie jedoch auch auf den Saisonarbeitnehmer abwälzen.

Umsatzsteuer für Kost und Logis

Landwirte, die Erntehelfern für die Beschäftigungsdauer Unterkunft und Verpflegung stellen, müssen Umsatzsteuer für die Vermietung der Unterkünfte und die Verpflegung abführen. Das hat der Bundesfinanzhof entschieden:

  • Für die Vermietung einer Unterkunft durch den Arbeitgeber, die für bis zu sechs Monate überlassen wird, sind 7 Prozent Umsatzsteuer abzuführen.
  • Für das Stellen der Verpflegung durch den Arbeitgeber sind 19 Prozent Umsatzsteuer vom Landwirt an das Finanzamt abzuführen. Verpflegen sich die Saisonarbeitnehmer selbst, entfällt die Umsatzsteuer hierfür.

Die günstige Besteuerung nach Durchschnittssätzen gemäß § 24 Umsatzsteuergesetz ist nicht anwendbar.

 

Die R+V bietet individuellen Schutz für Ihren Agrarbetrieb

Mit der AgrarPolice versichert R+V unterschiedliche landwirtschaftliche Betriebe wie Marktfruchtbetriebe, Futterbaubetriebe, Veredlungsbetriebe, Gemischtbetriebe, Weinbaubetriebe und Sonderkulturbetriebe. Hierfür ist eine genaue Kenntnis der Bedürfnisse des Einzelbetriebs erforderlich. So sind etwa Weinbaubetriebe ganz anders versichert als zum Beispiel Schweinemastbetriebe.

Unsere kompetenten landwirtschaftlichen Fachberater stehen Ihnen bundesweit zur Seite und überprüfen gerne mit Ihnen gemeinsam Ihren privaten und betrieblichen Versicherungsschutz.

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Autor/in

K. Waldheim

April 2022

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