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Zahlungsverkehr mit dem Ausland: Mit Verzug rechnen

Zahlungsverkehr mit dem Ausland gehört für viele Unternehmen zum Geschäftsalltag. Die deutsche Wirtschaft wird immer internationaler, immer mehr Firmen exportieren ihre Dienstleistungen und Produkte.

Doch dabei gilt: Im Ausland herrschen oft andere Sitten - auch wenn es ums Bezahlen geht. Bei ausländischen Firmenpartnern kann das Zahlungsziel variieren. Das sollten Unternehmen bei ihrer Liquiditätsplanung unbedingt beachten.

Zahlungsverkehr mit nationalen Unterschieden

Zahlungsverzögerungen oder sogar Zahlungsausfälle können Unternehmen in finanzielle Bedrängnis bringen. Trotzdem verzichten viele Firmen auf Vorkasse oder Barzahlung, um ihren ausländischen Kunden beim Zahlungsverkehr entgegenzukommen und die Handelsbeziehungen zu pflegen. Es soll den Umsatz steigern. Doch trotz Verlängerung des Zahlungsziels machen deutsche Unternehmen immer wieder eine gegenteilige Erfahrung: Ihre ausländischen Kunden zahlen nicht pünktlich.

Im europäischen Schnitt verstreichen 57 Tage, bis die Zahlung eintrifft. Dem gegenüber stehen 38 Tage, die deutsche Unternehmen ihren Auslandskunden durchschnittlich gewähren. Betrachtet man die Gesamtsumme aller Forderungen ins Ausland, so treffen 4,8 Prozent gar nicht auf dem Konto ein. Ausfälle müssen die Unternehmen dann abschreiben. Noch mehr Zahlen, Daten und Fakten lesen Sie im regelmäßig erscheinenden "Zahlungsmoralbarometer". Der Forderungsmanagement-Spezialist Atradius befragt hier regelmäßig rund 3.000 Unternehmen in 14 westeuropäischen Ländern.

Wenn der Zahlungsverkehr ins Stocken gerät

Zahlt der ausländische Kunde nicht, sollte das deutsche Unternehmen zuerst eine außergerichtliche Einigung anstreben, neue Fristen vorgeben und Ratenzahlungsmodelle vorschlagen. Sollen gerichtliche Schritte eingeleitet werden, kommt es oft zu großem Mehraufwand. Der Geschäftsvertrag muss eventuell in die jeweilige Landessprache oder zumindest ins Englische übersetzt werden. Bei Zahlungsverkehr mit dem Ausland ist es daher ratsam, die Verträge in Deutsch und Englisch unterzeichnen zu lassen -selbst dann, wenn der Geschäftspartner Deutsch spricht.

Bonität prüfen bei Zahlungsverkehr außerhalb Europas

Beim Zahlungsverkehr außerhalb der EU werden die Regelungen mitunter richtig kompliziert. Manchmal kann es einfacher und günstiger sein, die Forderungen abzuschreiben, als die Kosten und den Aufwand eines Verfahrens auf sich zu nehmen. Aus diesem Grund ist es bei größeren Geschäften ratsam, die Bonität des Geschäftspartners im Voraus zu prüfen. Dafür können deutsche Firmen professionelle Hilfe vor Ort in Anspruch nehmen. Es gibt beispielsweise Rechtsanwaltskanzleien oder Inkassounternehmen, die sich mit Abteilungen oder guten Kontakten im entsprechenden Land auf solche Auskünfte spezialisiert haben. Anwälte in Ihrer Nähe nennt Ihnen die zuständige Rechtsanwaltskammer. Eine Übersicht aller Kammern finden Sie auf den Webseiten der Bundesrechtsanwaltskammer.

Zahlungsverkehr durch Auslandsfactoring in Gang bringen

Viele Unternehmen wollen nicht monatelang auf ihr Geld warten. Eine mögliche Lösung heißt Auslandsfactoring. Dabei verkaufen die Firmen ihre offenen Forderungen an einen Dienstleister, meist für etwa 90 Prozent der gesamten Summe. Diese erhält man in der Regel sofort ausgezahlt. Der Dienstleister treibt die Forderung dann selbstständig vom Auslandskunden bei. Das deutsche Unternehmen muss sich nicht mit den länderspezifischen Unterschieden auseinandersetzen und erhält eine finanzielle Sicherheit. Auf den Webseiten des Bundesverbands Factoring für den Mittelstand finden Sie ein Verzeichnis passender Unternehmen. Oft sorgen die Anbieter ebenfalls für den professionellen Inkassoeinzug. Hier gilt jedoch: Nicht jeder Dienstleister nimmt Forderungen außerhalb Europas an.. Bevor Sie Ihre Forderungen ganz abschreiben, lassen Sie sich in jedem Fall beraten - der Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen nennt Ihnen qualifizierte Ansprechpartner.

Weitere Möglichkeiten für abgesicherten Zahlungsverkehr

  • Zahlungsverkehr nur per Vorkasse
  • permanente Bonitätsüberwachung
  • Forderungsabsicherung durch Garantien und Bürgschaften
  • Verrechnung durch Kompensationsgeschäfte
  • Exportkreditversicherungen oder - falls möglich - die staatliche "Hermesdeckung"
  • niedrigere Lieferantenkredite, schnellere Leistungssperre
  • ausstehende Forderungen direkt anmahnen

Absicherung gegen Forderungsausfall möglich

Die R+V bietet für mittelständische Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler mit der ProfiPolice WKV plus eine Forderungsausfall-Versicherung an. Diese übernimmt die Kreditprüfung und leistet bereits Entschädigung, wenn der Inlandskunde zwei Monate nach Fälligkeit seine Rechnung noch nicht bezahlt hat. Bei ausländischen Kunden übernimmt die Forderungsausfall-Versicherung das Inkassoverfahren.

Andere Zahlungssitten beim Online-Shopping

Auch im Umgang mit Endkunden sollten deutsche Firmen die nationalen Unterschiede bedenken. Wer beispielsweise Dienstleistungen und Produkte übers Internet ins Ausland verkauft, muss sich mit internationalen Zahlungsmethoden auskennen. Kreditkarten und Zahlungsportale wie PayPal, Moneybookers und andere sind zwar verbreitet, werden jedoch längst nicht von allen Konsumenten genutzt. In England können Kunden zum Beispiel beim Online-Shopping direkt per EC-Karte zahlen, was in Deutschland häufig nicht ohne Weiteres nicht möglich ist. In Italien und Portugal nutzt man noch immer gern die Möglichkeit der Bareinzahlung am Postschalter. Die gute Nachricht: Ab Februar 2014 werden Zahlungen im einheitlichen Euro-Zahlungsraum SEPA (Single Euro Payments Area) vereinheitlicht und damit verbindlich für alle Lastschrift- und Überweisungszahlungen. Das sorgt grenzüberschreitend für einheitlichen Zahlungsverkehr mit dem Ausland.

Autor/in

Eva Blumenfeld

Mär. 2014

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