1. Unternehmer
  2. Recht + Geld
  3. Versicherungsinfos

Forderungsausfälle: So schützen Sie Ihr Unternehmen

Durch Insolvenzen entsteht alljährlich ein hoher volkswirtschaftlicher Schaden. Aktuelle Vorhersagen prognostizieren für das Jahr 2019 eine Zunahme der Unternehmensinsolvenzen. Wir zeigen an Praxisbeispielen und im Video, wie Unternehmen sich mit einer Warenkreditversicherung – alternativ zu Factoring – vor diesem Risiko schützen können.

Warum kommt es immer wieder zu Forderungsausfällen?

Die Eigenkapitalquote bei Unternehmen beträgt in Deutschland durchschnittlich nur 29,7 Prozent. Fast 40 Prozent aller Firmen in der Baubranche weisen sogar nur eine Eigenkapitalquote von 10 Prozent auf. Kommen dann noch verzögerte oder ausfallende Kundenzahlungen dazu, ist das Risiko gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen sehr hoch, die eigene Existenz zu gefährden. Eine Analyse des Mittelstandes aus dem Februar 2019 ergab, dass gerade dort die Forderungsausfälle und damit Verluste wieder zunehmen, vor allem im Baugewerbe. Zuletzt betrug das Zahlungsziel im B2B-Bereich 31,6 Tage. Hinzu kommt ein durchschnittlicher Zahlungsverzug im deutschen B2B-Bereich von 10,7 Tagen. Ein Unternehmen muss im Durchschnitt mehr als 42 Tage auf sein Geld warten.

Unternehmen warten im Schnitt rund sechs Wochen auf ihr Geld.

Zahlungsausfälle ausgleichen – aber wie?

Erlittene Zahlungsausfälle können Sie nur durch erheblichen Mehrumsatz ausgleichen. Um Ihre Umsatzeinbußen wettzumachen, müssen Sie sich außerdem neue Auftraggeber im In- und Ausland suchen. Das Problem: In der Regel bestehen mit den neuen potenziellen Auftraggebern noch keine oder nur wenig Erfahrungen – und damit auch keine Zahlungserfahrungen – und es liegen auch selten Kenntnisse aus dem Umfeld vor, auf die Sie zurückgreifen können. Neue Auftraggeber auf Bonität zu prüfen, ist für kleine und mittelständische Unternehmen aber eine aufwändige und nur schwer zu bewältigende Aufgabe.

Wie können Unternehmen sich gegen einen Forderungsausfall absichern?

Unternehmen – insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) – sollten sich ganz auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können und sich nicht mit fachfremden Aufgaben, etwa zeitaufwändigen Bonitätsprüfungen ihrer Auftraggeber oder gerichtlichen Verfahren, auseinandersetzen müssen. Wir empfehlen jedem Unternehmen, das eine Ware liefert oder eine Dienstleistung auf Rechnung erbringt, sich bereits im Vorfeld durch den Abschluss einer Warenkreditversicherung (WKV) gegen das Risiko einer unbezahlten Forderung abzusichern und dadurch die eigene Liquidität sicherzustellen. Die WKV bietet das nötige Sicherheitsnetz im Hintergrund, um sich voll und ganz auf das eigentliche Business konzentrieren zu können.

Bonitätsprüfungen sind Bestandteil der R+V-Warenkreditversicherung

Eine Warenkreditversicherung schützt Unternehmen nicht nur vor der Zahlungsunfähigkeit seiner Kunden. Der Versicherer nimmt auch die Bonitätsprüfung von Auftraggebern im In- und Ausland vor, bevor es zu einem Vertragsabschluss kommt. Ein guter Versicherer warnt zudem vor branchen- und länderspezifischen Risiken und springt bereits bei Zahlungsverzug ein.

Video: So funktioniert die Warenkreditversicherung

Die Warenkreditversicherung ist der finanzielle doppelte Boden eines Unternehmens und kommt dort zum Tragen, wo Liquidität gefährdet ist. Ist diese nicht mehr sicher, gerät das finanzielle Fundament ins Wanken: Zum Beispiel sind Löhne, Mieten und Investitionen dann plötzlich nicht mehr finanzierbar.

Wir beraten Sie – persönlich und individuell

Möchten Sie mehr über die R+V-Warenkreditversicherung erfahren? Unsere Firmenkunden-Spezialisten beraten Sie gerne und beantworten Ihre Fragen.

Ansprechpartner finden

Offene Forderungen sind Teil Ihres Firmenvermögens

Diese Absicherung lohnt sich für jedes Unternehmen, auch wenn es finanziell gesund und gut ausgelastet ist. Offene Forderungen sind Teil des Firmenvermögens, das verloren geht, wenn die Forderungen nicht bezahlt werden. Erfahrungsgemäß sind Unternehmen oftmals umfangreich gegen alle möglichen Risiken versichert, gegen Forderungsausfälle jedoch nicht. Dabei sind Forderungen gegenüber Kunden genau wie Anlagevermögen, produzierte Waren oder Bankguthaben wertvolles Vermögen.

Wussten Sie, …

  • … dass Unternehmer je nach Gesellschaftsform auch für Ausfälle privat haften müssen?
  • … dass 43 Prozent der Rechnungen nicht im Zahlungsziel gezahlt werden?
  • … dass die Zahlungsziele manchmal sogar bis zu 90 Tage betragen?

Insolvenzen und Forderungsausfälle in Deutschland

vergrößern

Forderungsausfälle können Dominoeffekt auslösen

Drei Viertel aller Unternehmensinsolvenzen in Deutschland sind auf Forderungsausfälle zurückzuführen. Die schlechte Zahlungsmoral der Kunden ist bei 67 Prozent aller Firmeninsolvenzen ein Hauptgrund. Mit jedem Zahlungsziel wird dem Kunden ein Kredit in Höhe der Forderungen, aber ohne jegliche Sicherheit gewährt. Ein Unternehmen agiert somit oft als Kreditgeber für seine Lieferanten. Das wird durch das Gewähren langer Zahlungsziele weiter verstärkt.

Wenn die Bezahlung für eine erfolgte Lieferung oder Leistung nicht – oder nicht rechtzeitig – erfolgt, gerät das Unternehmen schnell in einen Liquiditätsengpass: Löhne können nicht bezahlt und eigene Verbindlichkeiten/Kredite nicht eingelöst werden. Schlimmstenfalls droht dem eigenen Unternehmen die Insolvenz und durch Dominoeffekte können weitere Unternehmen in finanzielle Schieflage geraten.

Warenkredit­versicherung vs. Factoring

Eine Risikoabsicherung wird auch beim klassischen Factoring mit angeboten. Beim Factoring verkauft der Unternehmer seine Forderungen mit Abschlag an einen Factorer, falls dieser seine Forderungen überhaupt möchte, was je nach Branche sehr unterschiedlich ist. Bei Dienstleistungen beispielsweise wird Factoring so gut wie nicht angeboten und auch im Baubereich ist Factoring selten.

Factoring: Vorteile und Nachteile

  • Vorteile Factoring: Das Unternehmen kann seine Forderungen sofort realisieren, obwohl diese eigentlich erst (viel) später fällig werden. Es ist eine Art der Finanzierung, eine Alternative zu einem Bankkredit. Oft übernimmt der Factorer auch durch Zusammenarbeit mit einer Warenkreditversicherung das Forderungsausfallrisiko (Delkredererisiko). Hierzu wird vor Forderungsankauf für jeden Kunden ein Limit festgesetzt, bis zu dem eine Forderung gegenüber diesem Kunden übernommen werden kann.
  • Nachteile Factoring: Es wird ein Abschlag auf die Forderung vorgenommen. Die Forderung darf nicht bestritten sein, sondern muss zweifelsfrei feststehen. Es können nur Forderungen bestimmter Branchen verkauft werden. Forderungen gegenüber Privatkunden, im Dienstleistungssektor oder aus dem Baubereich werden so gut wie nie angekauft. Die Kosten sind oft höher als bei einer WKV. Die Kunden haben oft kein Verständnis dafür, dass ihre Forderung verkauft wird. Dies wird oft als negatives Signal gewertet, frei nach dem Motto „Mein Vertragspartner traut mir nicht“.

Warenkreditversicherung: Vorteile und Nachteile

  • Vorteile WKV: Die Versicherung zahlt nicht nur bei überfälligen oder ausgefallenen Forderungen, sondern prüft auch regelmäßig die Bonität der gemeldeten Kunden. So hat der Unternehmer jederzeitige Sicherheit und Liquidität. Bei Vereinbarung einer Rechtsschutz-Deckung ist der Versicherungsnehmer auch bei bestrittenen Forderungen abgesichert. Dies ist über eine „normale“ Rechtsschutz-Versicherung im Regelfall nicht absicherbar. Die WKV läuft im Hintergrund und belastet nicht die Kundenbindung.
  • Nachteile WKV: Das Unternehmen erhält seine Forderungen erst bei Fälligkeit durch den Kunden oder bei Überfälligkeit durch den Versicherer bezahlt.

Gut abgesichert mit der R+V-Warenkreditversicherung

Mit der R+V-Warenkreditversicherung sichern Sie Ihr Unternehmen vor Forderungsausfällen aus Warenlieferungen, Werk- oder Dienstleistungen bei Zahlungsverzug oder Zahlungsunfähigkeit Ihrer privaten oder gewerblichen Kunden. Möchten Sie mehr über die R+V-Warenkreditversicherung erfahren? Unsere Firmenkunden-Spezialisten beraten Sie gerne.

Ansprechpartner finden

Beispiele aus der Praxis: So hilft die R+V

Ware geliefert, Kunde zahlt nicht

Die Geschäfte laufen gut für die Druckerei Paperfix. Gerade hat die Firma einen lukrativen Großauftrag zur Herstellung von speziellem Briefpapier im Gesamtwert von 85.000 Euro erhalten. Die Lieferung an den Auftraggeber wird vereinbarungsgemäß erbracht, doch dieser zahlt seine Rechnung nicht – der Kunde hatte bemängelt, dass das Briefpapier teilweise nicht ordnungsgemäß bedruckt worden war. Nach Erhalt der Schadenmeldung und der notwendigen Unterlagen prüft die R+V die Voraussetzungen für eine Entschädigungsleistung. Da die Forderung bestritten ist, gibt die R+V nach positiver Prüfung Rechtsschutz-Deckung.

Im Rahmen des nachfolgenden gerichtlichen Verfahrens, dessen Kosten die R+V übernimmt, erweisen sich die Einwendungen als unbegründet. Die Firma Paperfix hatte ihre Leistungen mangelfrei erbracht. Wegen der zwischenzeitlich eingetretenen Insolvenz ist der Auftraggeber jedoch zahlungsunfähig und kann die Rechnung nicht bezahlen. Nun springt die R+V ein und entschädigt den Betrag von 85.000 Euro abzüglich der vereinbarten Selbstbeteiligung an die Firma Paperfix.

Ware produziert, Kunde ist insolvent

Pflanzengroßhändler Baum züchtet seine Blumen in riesigen Gewächshäusern. Im Februar, kurz vor dem Valentinstag, stehen 240 extra für diese Zeit angestellte Saisonarbeiter in langen Reihen und binden einen Strauß nach dem anderen. Einer der wichtigsten Kunden von Großhändler Baum ist eine große Drogeriemarkt-Kette. Das Geld für die Ware soll er bekommen, sobald die Sträuße in den Filialen verkauft sind. Der gesamte Auftragswert: 600.000 Euro.

Im Januar beantragt die Drogeriekette Insolvenz – eine Katastrophe für Baum. Doch zum Glück hat er bei der R+V eine Warenkreditversicherung abgeschlossen. Voraussetzung dafür, dass diese greift, ist, dass Lieferung oder Leistung bereits erfolgt sind. Die Sträuße waren allerdings noch nicht an die Endkunden verkauft und viele noch nicht an die Filialen ausgeliefert.

Die Lösung: Die Filialen der Drogeriekette bleiben nach dem Insolvenzantrag noch einige Monate geöffnet. Baum liefert seine Sträuße daher weiterhin an die Filialen, die Fabrikationskosten bekommt er über die R+V ersetzt. Während des Abverkaufs der Waren werden sämtliche Zahlungen des Insolvenzverwalters direkt an die R+V geleistet. Am Schluss finden so viele Sträuße ihre Käufer, dass es für Baum fast null zu null aufgeht.

Auftrag erteilt, Forderung bestritten

Die Bau GmbH hat für ihren Auftraggeber, die Firma Müller, ein Gebäude errichtet. Die Schlussrechnung beläuft sich abzüglich aller Abschlagszahlungen auf 58.000 Euro. Firma Müller zahlt den Betrag innerhalb der vereinbarten Zahlungsfrist nicht und wendet ein, die Bauleistung sei mangelhaft ausgeführt worden.

Glück im Unglück für die Bau GmbH, dass diese eine Warenkreditversicherung bei der R+V abgeschlossen hat. Die R+V bietet in der Schadenabwicklung eine am Markt einzigartige Serviceleistung an: Kommt es zwischen dem Versicherungsnehmer und einem Kunden zum Streit über eine Forderung, klären externe Fachleute auf Kosten der R+V den strittigen Sachverhalt. Dank dieses Vermittlungsverfahrens konnte eine Einigung zwischen der Bau GmbH und der Firma Müller bereits im Vorfeld erreicht werden, sodass eine Entschädigungsleistung durch die R+V nicht mehr erforderlich war.

Machen Sie den Versicherungs­check für Ihr Unternehmen

Als Unternehmer müssen Sie zahlreiche Themen im Blick behalten. Die R+V Versicherung unterstützt Sie dabei in allen für Sie relevanten Handlungsfeldern. Unsere Ansprechpartner überprüfen gerne mit Ihnen gemeinsam Ihren privaten und betrieblichen Versicherungsschutz.

Ansprechpartner finden

Autor/in

K. Waldheim

Juli 2019

Produkte zu diesem Ratgeber Plus Artikel

Weitere Ratgeber Plus Artikel