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Ausbildung oder Studium – was tun nach dem Abitur?

Nach dem Abitur stehen die meisten Jugendlichen vor der Frage: Ausbildung oder Studium. Keine leichte Entscheidung – zumal die Abiturienten in Deutschland immer jünger werden. Wir zeigen die Vorteile und Nachteile beider Ausbildungswege und stellen das Duale Studium als dritte Möglichkeit vor.

Keine leichte Entscheidung

Kinder werden heute häufig schon mit fünf Jahren eingeschult und viele Bundesländer haben auf ein Abitur nach 12 statt 13 Schuljahren umgestellt (so genanntes „G8“). All das führt dazu, dass sich Abiturienten oft schon mit 17 für eine Ausbildung oder Studium entscheiden müssen.

Die Chance zu studieren, wollen sich viele Abiturienten nicht entgehen lassen: Denn die langfristigen Gehaltsaussichten sind für Hochschulabsolventen deutlich besser als für Arbeitnehmer mit Berufsausbildung.

Auszubildende beziehen ein festes Gehalt.

Mit Ausbildung früher unabhängig

Auszubildende sind dafür früher unabhängig von ihren Eltern und beziehen ein regelmäßiges Gehalt. Je nach Branche oder Beruf kann ein Facharbeiter dabei durchaus mehr verdienen als ein Hochschulabsolvent. Besonders dann, wenn dieser nicht direkt den Einstieg in den festen Arbeitsmarkt schafft und sich mit befristeten Jobs durchschlagen muss.

Gehalt: So viel verdienen Arbeitnehmer während ihres Berufslebens

In einer 2014 veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) berechnete das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB), wie viel Arbeitnehmer in Deutschland während ihres gesamten Berufslebens verdienen:

  • Uni-Absolventen kommen demnach auf durchschnittlich 2,3 Millionen Euro.
  • FH-Absolventen verdienen im gleichen Zeitraum 2 Millionen Euro.
  • Bei Arbeitnehmern mit Berufsausbildung kommen durchschnittlich 1,3 Millionen Euro zusammen.

Die Experten sprechen von einer „Bildungsrendite“.

Meister und Techniker seltener arbeitslos als Akademiker

Beim Thema Arbeitslosigkeit lohnt es sich ebenfalls genau hinzuschauen. Lange Zeit galt als Faustregel: Ein Studium schützt am besten vor Arbeitslosigkeit. Laut einer IAB-Studie aus dem Jahr 2015 liegt die Arbeitslosigkeit bei Akademikern tatsächlich nur bei 2,5 Prozent. Auch nach abgeschlossener Berufsausbildung oder dem Besuch einer Fachschule liegt die Quote mit 5,1 Prozent unter der durchschnittlichen Arbeitslosenquote. Meister und Techniker haben sogar nur eine Arbeitslosenquote von 2 Prozent. Sie können also noch zuversichtlicher als Akademiker sein, ihren Job zu behalten.

Karriereplanung bedenken

Bei der Alternative „Ausbildung oder Studium“ spielt es auch eine Rolle, welche Karriere angestrebt wird. In vielen Berufen ist ein Studium Voraussetzung für den Berufseinstieg. Das setzt sich fort, wenn es um den Schritt in eine Führungsposition geht. Diese sind oft nur mit Hochschulabschluss zu erreichen. In manchen Branchen soll es sogar ein Master sein oder, wie in naturwissenschaftlichen Berufen, ein Doktor-Titel. Bei der Entscheidung Ausbildung oder Studium müssen also auch die weiteren Pläne überdacht werden.

Spätere Berufswege sind weniger festgelegt.

Studium ermöglicht vielfältigere Berufswege

Auch wenn es nicht die große Konzernkarriere sein muss, eröffnet ein Studium vielfältigere Möglichkeiten. Die späteren Berufswege sind weniger festgelegt als nach einer Ausbildung. Praktika und Studentenjobs ermöglichen es, schon während des Studiums in ganz unterschiedliche Branchen und Unternehmen hineinzuschnuppern – auch im Ausland.

Vorteile eines Studiums

  • Bessere Karrierechancen
  • Höheres Einstiegsgehalt, positive Einkommensperspektiven
  • Einblicke in verschiedene Branchen und Unternehmen durch Praktika und Nebenjobs
  • Auslandsaufenthalte möglich
  • Selbstständige und flexible Studien- und Freizeitgestaltung
  • Flexiblere Berufswahl während des Studiums
  • Eigenverantwortliches Lernen und Arbeiten
  • Akademischer Titel und höherer Status

Nachteile eines Studiums

  • Unter Umständen lange Studiendauer
  • Jobben zur Studienfinanzierung verlängert das Studium zusätzlich
  • Wenig Anleitung und Führung beim Lernen
  • Anfangs kein regelmäßiges Einkommen
  • Selbstdisziplin und Eigeninitiative erforderlich
  • Viel theoretisches Wissen, wenig praktische Kenntnisse

Ausbildung nach dem Abitur: Praxisbezug von Anfang an

Beim Thema Praxisbezug zeichen sich die Vorteile einer Ausbildung gut beraten. Anders als Studenten bekommen Auszubildende sofort praktische Kenntnisse und arbeiten eng mit Vorgesetzten und Kollegen zusammen. Bei der Frage nach Ausbildung oder Studium fällt auch das feste Gehalt ins Gewicht, das es bei der Ausbildung von Anfang an gibt.

Junge Menschen, die sich bei der Wahl von Ausbildung oder Studium noch unsicher sind, sollten sich auch fragen, wie gut sie sich selbst organisieren können. Wer das nicht kann, ist mit einer Ausbildung gut beraten. Die Tätigkeiten und Aufgaben sind klar definiert und bereiten konsequent auf den späteren Beruf vor. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels haben die Auszubildenden gute Chancen auf eine feste Anstellung. Die überschaubare Ausbildungsdauer (maximal dreieinhalb Jahre) ist ein weiterer Vorteil.

Vorteile einer Ausbildung

  • Eigenes Gehalt ab Beginn der Ausbildung
  • Sofort praktische Berufserfahrung
  • Von Anfang an enge Zusammenarbeit mit Vorgesetzen und Kollegen
  • Klar definierte Tätigkeiten und Aufgaben
  • Konsequente Vorbereitung auf den späteren Beruf
  • Überschaubarer Ausbildungszeitraum
  • Frühe Unabhängigkeit von den Eltern
  • Gute Chancen auf eine feste Anstellung nach der Ausbildung
  • System der dualen Ausbildung in Deutschland weltweit ein Vorbild

Nachteile einer Ausbildung

  • Schlechtere Karrierechancen
  • Führungspositionen schwerer erreichbar
  • Langfristig schlechtere Einkommensperspektiven
  • Weniger Flexibilität und Spielraum bei eigenen Entscheidungen
  • Berufsalltag stellt sich sofort ein
  • Wechsel in andere Berufe schwieriger

Duales Studium: der dritte Weg

Ausbildung oder Studium? Beides, lautet die Antwort beim Dualen Studium. Neben dem Bachelor-Studium an der Hochschule oder einer Berufsakademie absolvieren die Studenten eine Berufsausbildung in einem Unternehmen. Die theoretischen Phasen an der Hochschule wechseln sich mit praktischen Phasen in der Firma ab. Die Praxisphasen sind nicht mit Pflichtpraktika anderer Studiengänge zu verwechseln – bei einem Dualen Studium schließt der Student einen festen Vertrag mit dem Unternehmen. Aber Vorsicht: Der Begriff „Duales Studium“ ist nicht geschützt, und nicht jedes Duale Studium bietet gleichzeitig eine Ausbildung.

Das System der Dualen Ausbildung

Zur Berufsausbildung gehören in Deutschland die praktische Ausbildung im Betrieb und der theoretische Unterricht in der Berufsschule. Das duale System gilt als Grund dafür, dass Deutschland die geringste Jugendarbeitslosigkeit in Europa aufweist.

Theorie und Praxis

Ein Duales Studium bietet den Studenten einen festen Rahmen. Es stellt aber auch hohe Anforderungen. Denn der Lernstoff ist zwar praxisorientiert, soll aber das Niveau wie an einer Fachhochschule haben. Dazu kommen die regelmäßigen Praxisphasen im Unternehmen. Es gibt im Dualen Studium auch keine Semesterferien, in der die Studenten Zeit hätten, sich auf Klausuren und Prüfungen vorzubereiten. Sie erhalten genauso viel Urlaub wie die anderen Mitarbeiter des Unternehmens, also lediglich mindestens 24 Werktage im Jahr.

Duales Studium: Angebote gut vergleichen

Der Begriff „Duales Studium“ ist nicht geschützt. Entsprechend unterschiedlich fallen die Angebote aus. Interessenten sollten vor einer Entscheidung also gut vergleichen: zum Beispiel in Bezug auf die Bezahlung während des Studiums, auf Studien- und Ausbildungsinhalte, auf die Dauer des Studiums und die Studiengebühren.

Dauert das angebotene Duale Studium weniger als drei Jahre, ist Vorsicht geboten: In dieser Zeit lassen sich die Inhalte einer Ausbildung und eines Studiums kaum seriös vermitteln.

Vorteile eines Dualen Studiums

  • Doppelter Abschluss (bei ausbildungsintegrierendem Studiengang)
  • Enge Verzahnung von Theorie und Praxis
  • Sichere Studienfinanzierung
  • Sehr gute Aussichten auf direkten Berufseinstieg nach dem Studium
  • Höheres Einstiegsgehalt als nach einer Ausbildung

Nachteile eines Dualen Studiums

  • Hohe Doppelbelastung
  • Keine Semesterferien
  • Frühe Festlegung auf ein Unternehmen und eine Branche
  • Kein interdisziplinäres Studium durch Besuch fachfremder Vorlesungen und Seminare
  • Keine Praktika in anderen Branchen oder Unternehmen während des Studiums

Bildungswege werden durchlässiger

Ob sich Abiturienten für Ausbildung oder Studium entscheiden – die Berufswahl muss heute keine Festlegung fürs ganze Leben mehr sein. Bundesregierung, Länder, Unternehmen und Verbände bemühen sich, die Bildungswege durchlässiger zu machen. Auch nach einer Ausbildung kann man später noch studieren.

Aufstiegsstipendium für Berufserfahrene

Mit dem Aufstiegsstipendium fördert der Bund ein erstes Studium von Menschen mit Berufserfahrung. Wer sich um ein Stipendium bewerben möchte, muss unter anderem eine abgeschlossene Berufsausbildung mit der Abschlussnote 1,9 oder besser vorweisen und braucht mindestens zwei Jahre Berufserfahrung.

Mehr Infos zum Thema Ausbildung und Studium

  • Das Informationsportal www.praktisch-unschlagbar.de der Bundesregierung gibt Tipps zur Berufsausbildung und beruflichen Weiterbildung.
  • Auf dem Portal AusbildungPlus informiert das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) über alle Aspekte der beruflichen Ausbildung. Ausbildungsbetriebe und Duale Studiengänge können ebenfalls recherchiert werden.
  • Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz bietet zahlreiche Informationen zur Studienwahl und eine Datenbank mit über 18.000 Studiengängen in Deutschland.

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Autor/in

K. Waldheim, C. Hartmann

Mär. 2017

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