20Mär2026 R+V engagiert sich

    Gutenbergschule in Wiesbaden gründet Schülergenossenschaft

    Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse übernehmen mit der Gutenbergwerk eSG unternehmerische Verantwortung und stärken zugleich ihr Verständnis für Demokratie und Nachhaltigkeit.

    Von Kati Eggert

    Schulkiosk der Gutenbergschule

    Der Schulkiosk der Gutenbergschule in Wiesbaden wird von den Schülerinnen und Schülern schon seit einigen Jahren selbst betrieben und in den Pausen gut angenommen: Eistee, Wasser, Apfelsaft oder Süßigkeiten helfen über kleinere Durststrecken und mögliche Denkblockaden hinweg. Für den größeren Appetit gibt es Laugenbrezeln, belegte Brötchen oder frische Sandwiches. Alle Produkte folgen den Aspekten der Nachhaltigkeit, um „sicherzustellen, dass sie einen positiven Einfluss auf die Schulgemeinde haben“, verspricht die Website der Gutenbergschule.

    Eine Nachfrage der zuständigen Finanzbehörde zum Steuernachweis war Auslöser, das bisherige Geschäftsmodell jedoch zu überdenken und eine neue Rechtsgrundlage zu schaffen. Heiko Knoll, seit 2009 Lehrer für Politik und Wirtschaft (kurz: PoWi) am Wiesbadener Gymnasium, hat sich der Sache angenommen. „Selbstverständlich hätten wir die Steuerklärung einfach abgeben können – und die Angelegenheit wäre damit erledigt gewesen“, sagt der promovierte Soziologe. „Doch das wäre zu kurz gedacht. Vielmehr haben wir die Gelegenheit genutzt und den Schulkiosk auf neue rechtliche Beine gestellt.“ 

    Als Geschäftsmodell kam zunächst der Gedanke an einen Verein auf. Doch schließlich wurde die Idee der Genossenschaft verfolgt – ganz nach dem Vorbild der Schweiz: Als „Land der Genossenschaften“ verfügen die sogenannten Eidgenossen über rund 8.100 eingetragene Genossenschaften. Andere Vorbilder fand die Wiesbadener Gutenbergschule direkt vor der Haustür: die bestehenden Schülergenossenschaften der Helene-Lange- und der Leibnizschule. 

    Nicht die Gewinnmaximierung steht im Vordergrund, sondern der Einsatz für die Gemeinschaft.“
    Heiko Knoll
    Lehrer der Gutenbergschule
    Vorstand der neuen Gutenbergwerk eSG (v.l.): Raphael Kraft, Hannah Weiß und Ferdinand Kowalczek
    Unternehmerische Verantwortung mit Lehrplan gut vereinbar

    „Mit einem genossenschaftlich organisierten Schulkiosk verbinden wir Marktwirtschaft mit Ökologie und Nachhaltigkeit“, begründet PoWi-Lehrer Knoll den Entscheid. „Das Projekt ist fester Bestandteil einer Unterrichtseinheit der 11. Klasse der E-Phase für alle Schüler, die das Fach „Politik und Wirtschaft“ gewählt haben. „Nicht die Gewinnmaximierung steht im Vordergrund, sondern der Einsatz für die Gemeinschaft“, bekräftigt Knoll. Der Kiosk wird schon bisher größtenteils von Schülerinnen und Schülern in neun Gruppen betrieben, die sich um die Gesamtorganisation, die Bestellungen und den Verkauf, die Finanzen und das Marketing kümmern. Mit der Schülergenossenschaft Gutenbergwerk eSG solle nun die unternehmerische Verantwortung der Schülerinnen und Schüler steigen, was mit dem Lehrplan gut vereinbar sei, meint Knoll. 

    Durch die Gründung eines realen Unternehmens bekommen die Jugendlichen Einblicke in die Wirtschaft und engagieren sich zugleich für die Gemeinschaft.“
    Ralph Glodek
    Leiter der R+V STIFTUNG
    Gründungsveranstaltung der Schülergenossenschaft
    R+V fördert die Schülergenossenschaft 

    Mit der Gründungsveranstaltung am 14. März 2026 ist die Schülergenossenschaft offiziell gestartet. Fachliche Unterstützung für die Gründung bekamen Heiko Knoll und seine PoWi-Klasse vorab vom Genoverband und von der R+V Versicherung. Der Verkauf von Geschäftsanteilen sicherte den Jugendlichen das Startkapital ihrer Genossenschaft. Darüber hinaus unterstützt die gemeinnützige R+V STIFTUNG das Vorhaben im ersten Jahr mit gut 5.000 Euro und trägt in den Folgejahren laufende Verwaltungskosten. 

    „Durch die Gründung eines realen Unternehmens bekommen die Jugendlichen praxisnahe Einblicke in die Wirtschaft und engagieren sich zugleich für die Gemeinschaft“, betont Ralph Glodek, Leiter der R+V STIFTUNG, welche ihre Förderschwerpunkte unter anderem auf Jugend und Bildung legt. 

    Schülergenossenschaften zeigen, wie modern und lebendig das genossenschaftliche Modell ist.“
    Anja Stolz
    R+V-Bereichsleiterin Kundenmanagement & Marketing

    „Schülergenossenschaften zeigen, wie modern und lebendig das genossenschaftliche Modell ist“, sagt Anja Stolz, R+V-Bereichsleiterin Kundenmanagement & Marketing. „Deshalb unterstützt die R+V mit ihrer Haltung sehr gerne diese werteorientierte Form von Schülerfirmen.“ R+V-Markenmanager André Dörfler begleitet Lehrer Heiko Knoll und die Schülerinnen und Schüler bei der Gründung. 

    Stellen die Idee der Schülergenossenschaft vor: Lehrer Heiko Knoll (l.) und Schülerinnen der PoWi-Klasse
    Schülergenossenschaften sind eine einzigartige Verbindung von Demokratie, Unternehmertum und Nachhaltigkeit.“
    Daniela Watzke
    zuständig beim Genoverband für Gründerfragen
    Praxiswissen für persönliche Weiterentwicklung der Jugendlichen 

    Zuständig beim Genoverband für Gründerfragen ist Daniela Watzke. Sie unterstützt das Projekt und sagt: „Schülergenossenschaften sind eine einzigartige Verbindung von Demokratie, Unternehmertum und Nachhaltigkeit. Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Jahrgangsstufen lernen dabei im Team zu arbeiten, Entscheidungen zu treffen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.” Gleichzeitig könnten sie ganz nebenbei praktische Erfahrungen in Buchführung, Marketing oder Personalarbeit gewinnen und damit grundlegende Fähigkeiten für das spätere Berufsleben erwerben. „Unter dem Dach der Schule bietet dieses Projekt die Möglichkeit zur berufsorientierten Bildung und persönlichen Entwicklung aller Beteiligten.“
     

    Die Schülergenossenschaften „Green Leibniz“ und „HELA-NATURE“, beide aus Wiesbaden, und „Adornos Vision“ aus Frankfurt wurden in den vergangenen Jahren bereits von der R+V Versicherung, dem Genoverband sowie der R+V STIFTUNG unterstützt.  

    Fotos: R+V