„Die Ängste der Deutschen“ im Langzeitvergleich

Bereits zum 27. Mal hat das R+V-Infocenter die Deutschen nach ihren größten Ängsten befragt. Der Langzeitvergleich bietet interessante und teilweise erstaunliche Befunde zu den Themen: Terrorismus, Euro-Schuldenkrise, Pflegebedürftigkeit, Naturkatastrophen, Schadstoffe in Nahrungsmitteln, Überforderung der Politiker, Arbeitslosigkeit und Straftaten.

Die sieben größten Ängste 1992 bis 2018

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Mit einem Klick: Übersicht über die Top-Sorgen der R+V-Studie in den einzelnen Jahren – seit Beginn der Befragung im Jahr 1992. Einfach im blauen Balken auf den Pfeil drücken und gewünschtes Jahr auswählen.

Die Top-Ängste 2004 bis 2018

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Bei der Langzeitbetrachtung fällt auf, dass es Zyklen bei den größten Ängsten gibt: Anfang des Jahrtausends bedrückten die Deutschen vor allem wirtschaftliche Sorgen – die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten erreichte Spitzenwerte. 2011 rückte die Angst in den Vordergrund, dass die Euro-Schuldenkrise teuer für den deutschen Steuerzahler wird. Unter dem Eindruck der Anschläge der IS-Attentäter verstärkte sich die Terrorangst enorm und stand zwei Jahre auf Platz eins der Ängsteskala. 2018 rückt erstmals eine außenpolitische Sorge auf den Spitzenplatz.

Auffallend: 2005 stieg zum ersten Mal eine Angst über die 70-Prozent-Marke. So hohe Werte erreichten bisher nur drei Sorgen: Die Ängste vor steigenden Lebenshaltungskosten, vor den Kosten der Euro-Schuldenkrise und vor Terror.

Der Angstindex: Durchschnitt aller Ängste

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Der Angstindex – der Durchschnitt aller abgefragten Sorgen – gibt Aufschluss über die Stimmungslage in Deutschland. Einige Erläuterungen zu den bisherigen Spitzenwerten der R+V-Studie:

  • 2003 beunruhigten immer mehr Insolvenzen, ein Reformstau in den Sozialsystemen und über vier Millionen Arbeitslose die Deutschen sehr. Da infolge des Anschlags in New York auch die Terrorangst in die Höhe schoss, stieg der Angstindex in diesem Jahr enorm an – und legte sich erst wieder nach den ersten Anzeichen eines Wirtschaftsaufschwungs im Jahr 2006.
  • 2010 verzeichnet die Studie einen erneuten Höchstwert. Auslöser für die wachsende Angst waren alarmierende Nachrichten über die Finanzmarkt- und Währungskrisen sowie Rettungsschirme für überschuldete EU-Staaten.
  • 2016 erschütterten harte Auseinandersetzungen über die Flüchtlingskrise und die Einwanderungspolitik das Sicherheitsbedürfnis der Deutschen stark.
  • 2018 sind die Ängste gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen – der Angstindex bleibt jedoch unter 50 Prozent. Sorglos sind die Deutschen weiterhin nicht: Insbesondere die politischen Ängste sind in diesem Jahr sehr hoch und liegen weit über dem üblichen Niveau.

Die Deutschen und ihre Politiker

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Bei Umfragen über das Ansehen verschiedener Berufsgruppen stehen Politiker traditionell am unteren Ende der Skala. Dieses Misstrauen spiegelt sich auch in der Studie „Die Ängste der Deutschen“ wider. 2018 bezweifeln überdurchschnittliche viele Bürger, dass die Politiker ihren Aufgaben gewachsen sind.

Dauerthema Euro-Schuldenkrise

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Neue Themen werfen neue Fragen auf: Seit 2011 befragt das R+V-Infocenter die Deutschen nach ihrer Angst vor der Euro-Schuldenkrise. Auch wenn diese Sorge in den vergangenen zwei Jahren deutlich geringer geworden ist, befürchtet 2018 noch immer mehr als jeder zweite Befragte, dass die EU-Schuldenkrise den deutschen Steuerzahler teuer zu stehen kommt.

Geringe Angst vor Arbeitslosigkeit

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Die deutsche Wirtschaft boomt und sorgt dafür, dass die Arbeitslosenquote auf den niedrigsten Wert seit über 25 Jahren sinkt. Mit der Quote sinkt auch die Angst der Deutschen: Nie zuvor im Verlauf der Umfrage fürchteten sich so wenige Befragte vor dem Verlust ihres eigenen Jobs. Auch die Sorge vor einem möglichen Anstieg der Arbeitslosenzahlen in Deutschland bleibt mit 29 Prozent sehr gering.

Mehrheit fürchtet sich vor Pflegefall

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Fast 2,9 Millionen Pflegebedürftige gibt es derzeit in Deutschland. Dementsprechend groß ist auch die Angst davor, anderen im Alter durch Pflegebedürftigkeit zur Last zu fallen – sie beunruhigt die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger. Bei Frauen, die in den meisten Fällen auch die Pflegenden in den Familien sind, ist diese Angst generell größer als bei Männern.

Angst vor Straftaten seit 1992

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Einbruch, Diebstahl, Körperverletzung oder Betrug: In den eigenen vier Wänden bestohlen zu werden oder Betrügern in die Hände zu fallen, ist um ein Vielfaches wahrscheinlicher, als einen Terroranschlag zu erleben. Das spiegelt sich aber nicht in den Ängsten der Deutschen wider. Während die Terrorangst bei der Bevölkerungsmehrheit überdurchschnittlich groß ist, rangiert die Sorge, Opfer einer Straftat zu werden, mit 28 Prozent weit hinten in der Ängsteskala.

Furcht vor Schadstoffen in Nahrungsmitteln

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Dioxin in Eiern, Mikroplastik in Fischen und Meeresfrüchten, Pestizide im Gemüse: Viele Verbraucher fragen sich, was sie überhaupt noch gefahrlos essen können. Dementsprechend groß ist auch die Angst: 55 Prozent der Deutschen befürchten, dass Nahrungsmittel immer stärker mit Schadstoffen belastet sind. Ihren bisherigen Höchststand erreichte diese Angst 2011 nach der EHEC-Epidemie.

Durchschnittliche Angst von Frauen und Männern

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Der Langzeitvergleich zeigt: Frauen sind grundsätzlich ängstlicher als Männer. Während die Männer 2018 insgesamt etwas sorgloser geworden sind, steigen die Ängste bei den Frauen an.

Durchschnittliche Angst in Ost und West

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Ost und West nähern sich seit etwa zehn Jahren beim Thema Angst an – die großen Unterschiede der 1990er Jahre gehören der Vergangenheit an.