„Die Ängste der Deutschen“ im Langzeitvergleich

Wie haben sich die Sorgen der deutschen Bevölkerung im Lauf der Zeit verändert? Die R+V-Studie „Die Ängste der Deutschen“ ist bundesweit die einzige Umfrage, die die Befindlichkeiten der Bundesbürger über einen Zeitraum von mittlerweile fast 30 Jahren dokumentiert. Der Langzeitvergleich zeigt, welche Ängste seit 1992 Jahr für Jahr im Fokus standen und gibt Aufschluss über die Intensität der unterschiedlichen Sorgen.

Die sieben größten Ängste 1992 bis 2019

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Mit einem Klick: Übersicht über die Top-Sorgen der R+V-Studie in den einzelnen Jahren – seit Beginn der Befragung im Jahr 1992. Einfach im blauen Balken auf den Pfeil drücken und gewünschtes Jahr auswählen.

Der Angstindex: Durchschnitt aller Ängste

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Der Angstindex – der Durchschnitt aller abgefragten Sorgen – gibt Aufschluss über die Stimmungslage in Deutschland. Einige Erläuterungen zu den bisherigen Spitzenwerten der R+V-Studie:

  • 2003 beunruhigten immer mehr Insolvenzen, ein Reformstau in den Sozialsystemen und über vier Millionen Arbeitslose die Deutschen sehr. Da infolge des Anschlags in New York auch die Terrorangst in die Höhe schoss, stieg der Angstindex in diesem Jahr enorm an – und legte sich erst wieder nach den ersten Anzeichen eines Wirtschaftsaufschwungs im Jahr 2006.
  • 2010 verzeichnet die Studie einen erneuten Höchstwert. Auslöser für die wachsende Angst waren alarmierende Nachrichten über die Finanzmarkt- und Währungskrisen sowie Rettungsschirme für überschuldete EU-Staaten.
  • 2016 erschütterten harte Auseinandersetzungen über die Flüchtlingskrise und die Einwanderungspolitik das Sicherheitsbedürfnis der Deutschen stark.
  • Nach zwei relativ angstvollen Jahren sinkt der Angstindex 2019 auf den niedrigsten Wert seit 25 Jahren. Der Grund: Nahezu alle Ängste sind gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen – im Westen deutlich stärker als im Osten.

Die Top-Ängste 2005 bis 2019

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Die Zyklen der größten Ängste: Anfang des Jahrtausends bedrücken die Deutschen vor allem wirtschaftliche Sorgen – die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten erreichte Spitzenwerte. Als 2011 die Rettungsschirme für überschuldete EU-Staaten in aller Munde waren, rückte die Angst in den Vordergrund, dass die Euro-Schuldenkrise teuer für den deutschen Steuerzahler wird. Unter dem Eindruck der Attentate der IS-Terrormiliz verstärkte sich die Terrorangst enorm und stand zwei Jahre auf Platz eins der Ängste-Skala. 2019 rückt erstmals ein Zuwanderungsthema auf Platz eins – allerdings auf vergleichsweise niedrigem Niveau.

Die Deutschen und ihre Politiker

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Bei Umfragen über das Ansehen der verschiedenen Berufsgruppen stehen Politiker traditionell am unteren Ende der Skala. Dieses Misstrauen spiegelt sich auch in der Studie „Die Ängste der Deutschen“ wider. 2019 zweifeln 47 Prozent der Befragten daran, dass die Politiker ihren Aufgaben gewachsen sind – Platz vier im Ranking der größten Ängste. Das schlechte Image wird auch von den Schulnoten untermauert, die die Deutschen den Politikern in Regierung und Opposition vergeben. Die Durchschnittsnote von 4,0 gibt 2019 keinen Grund zur Freude: Etwa jeder dritte Deutsche bewertet die ‚Arbeit der Volksvertreter mit ‚mangelhaft‘ oder ‚ungenügend‘. Mit einem Anteil von gut sieben Prozent fallen die Noten ‚sehr gut‘ oder ‚gut‘ äußerst spärlich aus.

Angst vor politischem Extremismus

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Seit 1996 fragt das R+V-Infocenter nach der Angst vor Extremismus. Wie der Langzeitvergleich zeigt, ist diese Sorge durchgehend hoch und übersteigt immer die 40-Prozent-Marke. So auch in diesem Jahr: Fast jeder zweite Befragte (47 Prozent, Platz 5) befürchtet, dass sich der politische Extremismus ausbreitet. Doch welches politische Spektrum haben die Deutschen dabei im Hinterkopf? Auf Nachfrage des R+V-Infocenters zeigt eine bemerkenswerte Reihung: Am meisten ängstigt die Befragten der als extrem gewaltsam eingestufte islamistische Extremismus (38 Prozent). Als geringer gilt die Bedrohung durch den Rechtsextremismus (25 Prozent). Vor Linksextremisten fürchten sich lediglich vier Prozent der Befragten.

Große Terrorangst seit Anschlag in New York

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Nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York 2001 schnellte die Terrorangst nach oben und bleibt bis heute auf hohem Niveau. Da spektakuläre Attentate in Deutschland und Europa ausgeblieben sind, sinkt die Furcht vor terroristischen Anschlägen 2019 auf 44 Prozent – bleibt aber weiterhin unter den Top zehn.

Euro-Schuldenkrise bleibt im Fokus

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Die hohen Schulden einiger EU-Staaten, haben die Deutschen in den vergangenen Jahren stark beschäftigt. 2019 haben immer noch 44 Prozent der Befragten Angst davor, dass die EU-Schuldenkrise den deutschen Steuerzahler teuer zu stehen kommt. Damit bleibt diese Angst weiterhin unter den Top zehn.

Sorgenvoller Blick auf die Umwelt

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Umwelt- und klimapolitische Themen bereiten den Deutschen traditionell große Sorgen – schon lange vor dem Aufstieg der Fridays for Future-Protestbewegung. Die Werte liegen durchgehend oberhalb der 40-Prozent-Schwelle. 2019 haben 41 Prozent der Befragten Angst davor, dass der Klimawandel dramatische Folgen für die Menschheit hat. Ebenso viele Deutsche befürchten, dass Naturkatastrophen zunehmen und Deutschland immer häufiger von Wetterextremen wie Dürre, Hitzewellen oder Starkregen betroffen sein wird.

Mehrheit fürchtet sich vor Pflegefall

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Rund 3,4 Millionen Pflegebedürftige gibt es derzeit in Deutschland. Dementsprechend groß ist auch die Angst davor, im Alter auf fremde Hilfe und Pflege angewiesen zu sein – sie beunruhigt nahezu jeden zweiten Bundesbürger. Bei Frauen, die in den meisten Fällen auch die Pflegenden in den Familien sind, ist diese Angst generell größer als bei Männern.

Angst vor Straftaten seit 1992

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Einbruch, Diebstahl, Körperverletzung oder Betrug: Bei über fünf Millionen Straftaten pro Jahr ist die Wahrscheinlichkeit hoch, in den eigenen vier Wänden bestohlen zu werden oder Betrügern in die Hände zu fallen. Das spiegelt sich jedoch nicht in den Ängsten der Deutschen wider. Noch nicht einmal jeder vierte Bundesbürger fürchtet sich davor, Opfer einer Straftat zu werden. Mit 23 Prozent rangiert die Sorge weit hinten in der Ängste-Skala.

Furcht vor Schadstoffen in Nahrungsmitteln

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Dioxin in Eiern, Mikroplastik in Fischen und Meeresfrüchten, Pestizide im Gemüse: Viele Verbraucher fragen sich, was sie überhaupt noch gefahrlos essen können. Dementsprechend groß ist auch die Angst: 42 Prozent der Deutschen befürchten, dass Nahrungsmittel immer stärker mit Schadstoffen belastet sind. Ihren bisherigen Höchststand erreichte diese Angst 2011 nach der EHEC-Epidemie. Damals sorgte ein aggressiver Darmkeim in Sprossen für Tausende Krankheitsfälle und sogar Todesfälle.

Durchschnittliche Angst von Frauen und Männern

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Der Langzeitvergleich zeigt: Frauen sind grundsätzlich ängstlicher als Männer. Obwohl die Angst bei den Frauen 2019 etwas stärker als bei den Männern gesunken ist, ändert sich daran nichts.

Durchschnittliche Angst in Ost und West

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Etwa zehn Jahre lang hatten sich Ost und West beim Thema Angst angenähert – 2019 klafft die Schere wieder auseinander. Da die Ängste im Westen stärker gesunken sind als im Osten, zeigt sich beim Angstindex – dem Durchschnitt aller abgefragten Ängste – ein Unterschied von zehn Prozentpunkten.