„Die Ängste der Deutschen“ im Langzeitvergleich

Wie haben sich die Sorgen der deutschen Bevölkerung im Lauf der Zeit verändert? Die R+V-Studie „Die Ängste der Deutschen“ ist bundesweit die einzige Umfrage, die die Befindlichkeiten der Bundesbürger über einen Zeitraum von mittlerweile fast 30 Jahren dokumentiert. Der Langzeitvergleich zeigt, welche Ängste seit 1992 Jahr für Jahr im Fokus standen und gibt Aufschluss über die Intensität der unterschiedlichen Sorgen.

Die sieben größten Ängste 1992 bis 2020

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Mit einem Klick: Übersicht über die Top-Sorgen der R+V-Studie in den einzelnen Jahren – seit Beginn der Befragung im Jahr 1992. Einfach im blauen Balken auf den Pfeil drücken und gewünschtes Jahr auswählen.

Der Angstindex: Durchschnitt aller Ängste


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Der Angstindex – der Durchschnitt aller abgefragten Sorgen – gibt Aufschluss über die Stimmungslage in Deutschland. Einige Erläuterungen zu den bisherigen Spitzenwerten der R+V-Studie:

  • 2003 beunruhigten immer mehr Insolvenzen, ein Reformstau in den Sozialsystemen und über vier Millionen Arbeitslose die Deutschen sehr. Da infolge des Anschlags in New York auch die Terrorangst in die Höhe schoss, stieg der Angstindex in diesem Jahr enorm an – und legte sich erst wieder nach den ersten Anzeichen eines Wirtschaftsaufschwungs im Jahr 2006.
  • 2010 verzeichnet die Studie einen erneuten Höchstwert. Auslöser für die wachsende Angst waren alarmierende Nachrichten über die Finanzmarkt- und Währungskrisen sowie Rettungsschirme für überschuldete EU-Staaten.
  • 2016 erschütterten harte Auseinandersetzungen über die Flüchtlingskrise und die Einwanderungspolitik das Sicherheitsbedürfnis der Deutschen stark.
  • Die Corona-Pandemie bestimmt das Jahr 2020. Trotzdem reagieren die Deutschen keineswegs panisch: Der Angstindex sinkt auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Studie.

Die Top-Ängste 2006 bis 2020


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Die Zyklen der größten Ängste: Anfang des Jahrtausends bedrückten die Deutschen vor allem wirtschaftliche Sorgen – die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten erreichte Spitzenwerte. Als 2011 die Rettungsschirme für überschuldete EU-Staaten in aller Munde waren, rückte die Angst in den Vordergrund, dass die Euro-Schuldenkrise teuer für den deutschen Steuerzahler wird. Unter dem Eindruck der Attentate der IS-Terrormiliz verstärkte sich die Terrorangst enorm. Sie stand zwei Jahre auf Platz eins der Ängste-Skala. 2020 rückt zum zweiten Mal nach 2018 die Angst vor den Folgen der Trump-Politik auf Platz eins. Allerdings ist sie heute deutlich geringer als vor zwei Jahren.

Steigende Preise beunruhigen viele Deutsche


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Die Corona-Krise heizt 2020 die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten an – sie beunruhigt mehr als der Hälfte der Befragten. Damit nimmt diese Angst erstmals seit fünf Jahren wieder zu. Kein Vergleich zum Rekord 2008: Damals bewegten hohe Energiekosten und Lebensmittelpreise die Gemüter wie nie zu vor, entsprechend trieb diese Sorge drei Viertel der Deutschen um. Heute ist es rund jeder zweite.

Angst vor schwerer Erkrankung auf Tiefstand


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Ein überraschendes Ergebnis im Corona-Jahr: Die Angst vor einer schweren Erkrankung ist 2020 mit 32 Prozent auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Befragung. Im Jahr 2005, nach der Gesundheitsreform, bereitete dieses Thema doppelt so viele Deutschen Sorgen.

Die Deutschen und ihre Politiker


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Traditionell trauen die Deutschen den Politikern wenig zu. So gering wie 2020 waren diese Bedenken noch nie in diesem Jahrtausend: Nur noch 40 Prozent der Befragten zweifeln daran, dass die Politiker ihren Aufgaben gewachsen sind.

Angst vor politischem Extremismus


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Seit 2001 fragt das R+V-Infocenter nach der Angst vor Extremismus. In diesem Jahr fällt die Sorge erstmals unter die 40-Prozent-Marke: 37 Prozent der Befragten befürchtet, dass sich der politische Extremismus ausbreitet. Doch welches politische Spektrum haben die Deutschen dabei im Hinterkopf? Auf Nachfrage des R+V-Infocenters zeigt sich eine bemerkenswerte Reihung: Fast jeder zweite hat Angst vor Rechtsextremismus, damit hat diese Sorge deutlich zugenommen (2019: 25 Prozent). Islamistische Extremismus ängstigt nur noch 33 Prozent, vor Linksextremisten fürchten sich lediglich acht Prozent der Befragten.

Angst vor Konflikten durch Zuwanderung


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Angst vor Konflikten und soziale Spannungen durch Zuwanderung spielt für weniger Menschen als in den Vorjahren eine Rolle. Die Ängste vor einer Überforderung des Staates durch die große Zahl der Geflüchteten und vor möglichen Spannungen durch den weiteren Zuzug von Ausländern sind auf dem niedrigsten Stand seit 2015.

Terrorangst seit Anschlag in New York


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Nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York 2001 schnellte die Terrorangst nach oben und blieb seither auf hohem Niveau. 2020 wird die Furcht vor terroristischen Anschlägen aus den Top Ten verdrängt und fällt mit 35 Prozent auf Platz 15.

Euro-Schuldenkrise bedrückt die Deutschen


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In den vergangenen Jahren haben die hohen Schulden einiger EU-Staaten die Deutschen stark beschäftigt. 2020 zeigt sich der Einfluss der Corona-Krise auf die wirtschaftlichen Ängste: Fast jeder zweite Befragte fürchtet, dass die EU-Schuldenkrise den deutschen Steuerzahler teuer zu stehen kommt. Im Vergleich zum Vorjahr ein deutlicher Anstieg – das Thema rückt wieder mehr ins Bewusstsein.

Sorgenvoller Blick auf die Umwelt


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Umwelt- und klimapolitische Themen bereiten den Deutschen traditionell große Sorgen – schon lange vor der Fridays-for-Future-Protestbewegung. Die Werte liegen durchgehend oberhalb der 40-Prozent-Schwelle. 2020 haben 40 Prozent der Befragten Angst davor, dass der Klimawandel dramatische Folgen für die Menschheit hat. 44 Prozent befürchten, dass Naturkatastrophen zunehmen und Deutschland immer häufiger von Wetterextremen wie Dürre, Hitzeperioden oder Starkregen betroffen sein wird.

Mit der Arbeitslosenquote steigt die Angst vor Arbeitslosigkeit


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Wenn die Wirtschaft floriert, ist auch die Angst vor Arbeitslosigkeit gering. 2020 rütteln die Anzeichen einer bevorstehenden Insolvenzwelle viele Deutsche auf. Gleichzeitig steigt die Arbeitslosenquote. Die Folge: Die Angst vor höheren Arbeitslosenzahlen in Deutschland springt von 28 auf 40 Prozent. Ein anderes Ergebnis zeigt der Blick auf die Angst um den eigenen Job: Um ihn macht sich nur jeder vierte Befragte Sorgen. Der Hintergrund: Derzeit trifft die Corona-Krise nicht alle Branchen gleichermaßen. Besonders betroffen sind beispielsweise Kulturbetriebe, Reiseveranstalter oder die Gastronomie.

Auf und Ab bei wirtschaftlichen Ängsten


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Die Corona-Krise hat massiven Einfluss auf die wirtschaftlichen Ängste: 48 Prozent der Befragten blicken besorgt auf die wirtschaftliche Entwicklung. Ursache sind die Beschränkungen während der Pandemie und deren negativen Auswirkungen für die Wirtschaft. Verstärkt wird die Angst durch die Gefahr einer zweiten Corona-Welle, die einen noch tieferen Wirtschaftseinbruch zur Folge haben könnte. Dennoch vertrauen deutlich mehr Deutsche in die Wirtschaftskraft als beispielsweise ab 2009 zu Zeiten der Eurokrise oder als es 2004/2005 zu einem massiven Stellenabbau bei Großkonzernen kam. Damals fürchteten bis zu 70 Prozent eine Talfahrt der Wirtschaft.

Pflegefall ist vor allem ein Thema für Frauen


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Rund 4,3 Millionen Pflegebedürftige gibt es derzeit in Deutschland. Entsprechend groß ist auch die Angst davor, im Alter auf fremde Hilfe und Pflege angewiesen zu sein – sie beunruhigt 41 Prozent der Befragten. Bei Frauen, die in den meisten Fällen auch die Pflegenden in den Familien sind, ist diese Angst generell größer als bei Männern.

Angst vor Straftaten: Tendenz sinkend


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Einbruch, Diebstahl, Körperverletzung oder Betrug: Bei mehr als fünf Millionen Straftaten pro Jahr ist die Wahrscheinlichkeit hoch, in den eigenen vier Wänden bestohlen zu werden oder Betrügern in die Hände zu fallen. Das spiegelt sich jedoch nicht in den Ängsten der Deutschen wider. Noch nicht einmal jeder fünfte Bundesbürger fürchtet sich davor, Opfer einer Straftat zu werden. Mit 18 Prozent rangiert die Sorge weit hinten in der Ängste-Skala.

Furcht vor Schadstoffen in Nahrungsmitteln


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Dioxin in Eiern, Mikroplastik in Fischen und Meeresfrüchten, Pestizide im Gemüse: Viele Verbraucher fragen sich, was sie überhaupt noch gefahrlos essen können. Dementsprechend groß ist auch die Angst: 42 Prozent der Deutschen befürchten, dass Nahrungsmittel immer stärker mit Schadstoffen belastet sind. Ihren bisherigen Höchststand erreichte diese Angst 2011 nach der EHEC-Epidemie. Damals sorgte ein aggressiver Darmkeim in Sprossen für tausende Krankheitsfälle und sogar Todesfälle.

Durchschnittliche Angst von Frauen und Männern


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Der Langzeitvergleich zeigt: Frauen sind grundsätzlich ängstlicher als Männer. Daran ändert auch die Corona-Krise nichts.

Durchschnittliche Angst in Ost und West


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Seit etwa zehn Jahren haben sich Ost und West beim Thema Angst angenähert. Seit dem vergangenen Jahr klafft die Schere wieder auseinander – 2020 mit einem Unterschied von sieben Prozentpunkten.