06Sep2022 Bauen, Wohnen & Technik

    Heizkosten-Alarm: Falsche Sparsamkeit fördert Schimmel

    Drohender Gasmangel, explodierende Energiepreise: Im Winter könnte der Druck zum Energiesparen steigen. Doch übertrieben niedrige Temperaturen in Innenräumen können die Schimmelbildung begünstigen, warnt das Infocenter der R+V Versicherung. Wer richtig heizt und lüftet, kann dies verhindern – und gleichzeitig Kosten sparen.

    Die ersten Wohnungsunternehmen haben bereits angekündigt, die Heiztemperaturen im kommenden Winter zu senken. Das Problem daran: Kalte Luft kann deutlich weniger Feuchtigkeit aufnehmen als warme. „Die Feuchtigkeit ist aber trotzdem vorhanden und schlägt sich dann beispielsweise an den Wänden nieder, insbesondere in den Ecken“, erklärt Sven Dreher von der R+V Versicherung. „Dann ist auf Dauer Schimmelbildung möglich.“
    Deshalb ist es keine gute Idee, die Heizkörper komplett abzudrehen, um Kosten zu sparen. Das Problem: Fällt die Temperatur in einem unbeheizten Raum zu stark, ist die Gefahr von Feuchtigkeit an den Wänden oder Möbeln groß. „Sehr anfällig für Schimmel sind beispielsweise Spanplatten-Rückseiten von Möbeln, die an kalten Wänden stehen“, sagt R+V-Experte Dreher. „Kochen, Duschen oder Wäsche trocknen erhöht die Feuchtigkeit zusätzlich, aber auch der Wasserdampf durch Atmen oder Schwitzen nachts im Schlafzimmer.“ Und zu viel feuchte Raumluft freut die Hausstaubmilben und Schimmelpilzsporen. Dann können bei dafür anfälligen Menschen gesundheitliche Probleme auftreten. Wer Schimmel feststellt, sollte deshalb schnell handeln.

     

    Mindestens 16 Grad Celsius und regelmäßig Lüften

    Besonders wichtig: Die Raumtemperatur sollte nicht unter etwa 16 Grad fallen – auch wenn Energiesparen angesagt ist. Bei einem Standard-Thermostat entspricht Stufe zwei etwa 16 Grad, Stufe drei etwa 20 Grad und Stufe vier etwa 24 Grad. Eine Faustregel besagt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher pro Grad weniger etwa sechs Prozent Heizkosten sparen.  
    Der wichtigste Faktor zur Schimmelvermeidung ist jedoch regelmäßiges Lüften. Denn dadurch wird die Feuchtigkeit nach draußen abgeführt. „Der größte Fehler ist, gar nicht mehr zu lüften“, sagt R+V-Experte Dreher. Am besten ist es, früh morgens oder nachts die Fenster einige Minuten vollständig zu öffnen. Wie lange dieses Stoßlüften dauern sollte, hängt von der Jahreszeit und der Außentemperatur ab. In den Wintermonaten sind etwa fünf Minuten empfehlenswert. Der Trick beim richtigen Lüften ist, die warme und feuchtere Innenluft durch die kühle und trockenere Außenluft zu ersetzen. Der Innentemperatur macht das wenig aus, die ist ganz schnell wieder auf dem gewünschten Niveau. Gut ist es, zusätzlich die Türen zu öffnen, damit Durchzug entsteht. Dauergekippte Fenster führen dagegen im Winter zu höherem Energieverbrauch. Zudem ist der Bereich um das ausgekühlte Fenster herum anfälliger für Schimmel.

    Weitere Tipps des R+V-Infocenters:
    • Bewohnte Räume sollten während der Heizperiode mindestens zwei- bis dreimal täglich durch kurzes Lüften entfeuchtet werden. Für Neubauten gilt: Hier hält sich oft noch Feuchtigkeit vom Bauen – also die Fenster häufiger öffnen.
    • Es stimmt nicht, dass die Luft bei Nebel, Regen oder Schnee zu feucht ist, um wirksam zu lüften. Die Luft trocknet auf dem Weg durch die – wärmeren – Wohnräume und Keller und nimmt dann zusätzliche Feuchtigkeit mit nach draußen.
    • Die Luftfeuchtigkeit in einem Wohnraum sollte zwischen 40 und 60 Prozent liegen. Ein Hygro-Thermometer misst Raumtemperatur und relative Luftfeuchtigkeit und hilft so, das Raumklima zu überwachen.
    • Eine Hausratversicherung oder eine Wohngebäudeversicherung kommt in der Regel dann für Schäden auf, wenn der Schimmelpilz eine Folge von Leitungswasser- oder Hochwasserschäden ist. Schäden durch unsachgemäßes Heizen und Lüften sind nicht abgedeckt.
    Kontakt für die Medien

    Gesa Fritz

    Pressesprecherin Kfz- und Sachversicherungen, Rückversicherung, Verbraucherthemen, Studie „Die Ängste der Deutschen“

    0611 533-52284

    gesa.fritz@ruv.de

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