10Nov2023 Kollegen privat

    Fastnacht hoch drei

    R+V-ler Marcus Schwalbach zelebriert die Fastnacht in gleich drei Rollen – auch im Fernsehen.

    Von Marianna Hammel

    Das ist ungefähr der Blick, den das Publikum auf den Karnevalisten hat.

    Für Karnevalist Marcus Schwalbach ist der 11.11. gar nicht so bedeutend. In Köln oder Düsseldorf startet dann zwar die Saison, für den gebürtigen Mainzer findet an dem Datum aber erst die „närrische Generalprobe“ statt. Denn die Fastnachtszeit beginnt in Mainz offiziell am ersten Januar und erstreckt sich bis zum Aschermittwoch. In dieser Zeit hat Schwalbach keine ruhige Minute, denn er gestaltet die Fastnacht in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt aktiv mit: Im Mainzer Karnevalverein „Die Brunnebutzer“ ist er seit 24 Jahren Mitglied – mehr als die Hälfte seines Lebens. Heute ist er Büttenredner, Sitzungspräsident und Kommandeur der vereinseigenen Garde in einem. Ein Leben für die Fastnacht!

    „Was gibt es Schöneres als mit seinem Hobby und seiner Freizeitgestaltung Menschen zum Lachen zu bringen“, sagt Schwalbach, der sich in seinem Hauptberuf bei der R+V um die Instandhaltung von Immobilien kümmert, die die R+V an Dritte vermietet. Offiziell lautet seine Berufsbezeichnung technischer Asset Manager im Bereich der fremdgenutzten Immobilien. Die Fastnacht bietet ihm einen kreativen Ausgleich zu seinem doch eher rationalen Arbeitsalltag. Für ihn ist die Fastnacht auch nicht nur ein Hobby, sondern ein Lebensgefühl. „Ein Grundgedanke der Mainzer Fastnacht ist, dass alle gleich sind – unabhängig von Hierarchien wird gemeinsam gefeiert und gelacht, ganz vorurteils- und barrierefrei.“

     

    Und so sieht Marcus Schwalbachs Perspektive aus.
    Auftritte bei „Mainz bleibt Mainz“

    Mindestens ein Drittel des Jahres ist er mit Vorbereitungen, Auftritten und natürlich Feiern beschäftigt. Die meiste Zeit geht dabei für seine Rolle als Büttenredner drauf. „Gardist“ nennt er sich – und war mit dieser Rolle auch schon im Fernsehen zu sehen. In der Fastnachtskampagne der Jahre 2022 und 2023 ist er in der Fernsehsitzung „Mainz bleibt Mainz“ aufgetreten – vor ca. 650 Menschen im Kurfürstlichen Schloss und zuletzt annähernd 5 Millionen an den Bildschirmen.

    Trotz seiner jahrelangen Erfahrung ist Schwalbach jedes Mal aufgeregt: „Die vielen Kameras sind schon etwas einschüchternd“, sagt er. „Dann wird mir bewusst: Ich bin jetzt von Kiel bis nach München im Fernsehen zu sehen.“ Zusätzliches Lampenfieber kommt bei dem gestandenen Büttenredner auf, wenn Prominenz im Saal ist: „Es macht einen Unterschied, wenn man weiß, dass da Ministerpräsidenten oder Bundesminister sitzen.“ In diesem Jahr waren Bundesinnenministerin Nancy Faeser und die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer unter den Zuschauern. Von der Bühne aus hat er sie zwar nicht entdeckt, aber später in der Aufzeichnung: „Sie haben gelacht, zumindest kam es im Fernsehen so rüber.“

     

    Eine lokale Berühmtheit

    Wie aber kommt man als Büttenredner ins Fernsehen? Indem man von den Fernsehleuten der ARD und des ZDF bei einer der Fastnachtssitzungen der vier großen Mainzer Karnevalsvereine entdeckt wird, so erzählt es Schwalbach. „Die Redakteure haben mich nach meinem Auftritt beim ‚Mainzer Carneval-Verein‘ einfach angesprochen.“

    Die Fernsehauftritte haben aus Schwalbach eine lokale Fastnachts-Berühmtheit gemacht. „Beim Rosenmontagszug haben einige Zuschauer vom Straßenrand gerufen: Das ist doch der Gardist, klasse Vortrag, hat uns gefallen.“ Selbst im Alltag, ganz ohne Kostüm, wird Schwalbach erkannt: „Ich wurde tatsächlich vor ein paar Wochen beim Bäcker von einer Dame angesprochen, die scheinbar meine Stimme erkannt hat. Die sagte: Entschuldigen Sie, Sie sind doch der Gardist aus der Fernsehsitzung.“

     

    Marcus Schwalbach in Aktion

    Wer Marcus Schwalbach in Aktion erleben möchte, kann sich hier seinen diesjährigen Fernsehauftritt ansehen: 

    ARD Mediathek: Mainzer Gardist – Mainz bleibt Mainz 2023

    Gefragter Gardist

    Doch auch ohne Fernsehen ist Schwalbach ein gefragter Mann im Mainzer Karneval: Zwischen 20 und 40 Auftritten absolviert er pro Kampagne, die sich von Freitag bis Sonntag ballen: „Pro Abend versuche ich, nicht mehr als drei Auftritte zu absolvieren, damit ich nicht zu sehr in Stress gerate.“ Er fährt von einer Veranstaltung zur nächsten, was im winterlichen, dichten Stadtverkehr ab und an zur Herausforderung wird. „Wenn es mal ganz knapp wird, dann greife ich auf einen Fahrer aus der Familie oder dem Verein zurück, sodass ich nur noch auf die Bühne hüpfen muss, zurück ins Auto springe und dann geht’s gleich weiter.“

    Seine Spezialität bei den Vorträgen: Er nimmt die Mainzer Garden und die Fastnacht selbst auf den Arm. „Die Namen, die ich verwende, sind natürlich Fantasienamen und fiktive Charaktere, die stark überzeichnet sind.“ Denn, so sagt er, vorführen will er niemanden. „Es gibt aber schon den ein oder anderen, der sich vielleicht wiedererkennen wird.“

     

    Woher die Ideen kommen

    Die Ideen für seine Büttenreden holt sich Schwalbach unter anderem bei einer der vielen Fastnachtsveranstaltungen, die er selbst als Sitzungspräsident leitet oder auf den Fastnachtsumzügen, an denen er als Kommandeur der von ihm begründeten „Kürassier Garde“ teilnimmt. Seit 2009 bereichert er mit seiner Garde in ihren prächtigen Uniformen die Sitzungen und Umzüge in Mainz.

    Bei dieser Ämterfülle bleibt kaum Zeit für andere Hobbies. „Die Fastnacht ist schon der größte Part meiner Freizeitgestaltung“, sagt Schwalbach. Denn nach der Fastnacht ist vor der Fastnacht. Schwalbach gönnt sich nur zwei, drei Wochen Pause, bevor er mit den Planungen für die nächste Saison beginnt. Die meiste Arbeit macht dabei die Vorbereitung der Sitzungen seines Heimatvereins „Die Brunnebutzer“: „Wir überlegen, wen wir gerne im Programm hätten, auf welcher Position und um welche Uhrzeit. Dann schreiben wir die Akteure an.“ Bis der Ablauf steht, vergehen Monate.

    Die Kürassier Garde und Kommandeur Marcus Schwalbach (ganz links) sind bereit für den Mainzer Umzug. Die oberste Regel lautet: Gute Laune unter den Narren und Närrinnen verbreiten. Woher der Name der Garde kommt und was Johann Wolfgang von Goethe damit zu tun hat, kann am Ende des Artikels nachgelesen werden.
    Kollegen unterstützen ihn

    Dieses Pensum könnte er nicht bewältigen ohne die Flexibilität, die ihm seine Arbeit ermöglicht. „Besonders hilfreich ist das Gleitzeitkonto. So kann ich einige Stunden vorarbeiten, die ich in der Fastnachtshochphase einfach abbaue“, erklärt Schwalbach. Und dann sind da noch seine direkten Kolleginnen und Kollegen der Immobilienabteilung, die ihm den Rücken freihalten. „Ich finde es super, dass Marcus so aktiv im Karneval ist, wie wir es in meiner rheinischen Heimat nennen“, sagt Svenja Marx. Auch Kollege Lars Maul findet´s super: „In der heutigen Zeit ist es beachtlich, so viel Herzblut und Zeit zu investieren, um Mitmenschen eine Freude zu bereiten.“

    Geschichtlicher Hintergrund der „Kürassier Garde“

    Der Name basiert auf einem preußischen Kürassierregiment, einer Kavallerieeinheit der Königlich Preußischen Armee, die ab 1792 Generalleutnant Herzog Carl August von Sachsen-Weimar unterstellt war. Im Jahr 1793 fand die Belagerung von Mainz als militärische Operation im Rahmen des ersten Koalitionskriegs (1792-1797) statt. Während dieser Zeit lagerte eine militärische Einheit des Kürassierregiments in der Nähe des Chausseehauses in Mainz Marienborn. Generalleutnant Herzog Carl August stand zudem in Kontakt mit Johann Wolfgang von Goethe, der zu diesem Zeitpunkt ebenfalls in Mainz verweilte. Vermutlich in der Funktion des Kriegsberichterstatters. Marcus Schwalbach hat diese historische Verbindung aufgedeckt, auf der die 2009 gegründete Garde des Karnevalvereins beruht.