30Mär2022 100 Jahre

    Gründer der Genossenschaft

    Er war Visionär, er hat viel riskiert, er hat unglaublich viel erreicht. Wir sind dankbar für Friedrich Wilhelm Raiffeisen, denn ohne ihn gäbe es uns als R+V-Versicherung nicht. In unserem 100. Jubiläumsjahr denken wir an den großen Gründer der Genossenschaftsidee aus dem kleinen Hamm (Sieg). Heute jährt sich sein Geburtstag zum 204. Mal.

    von Anja Schmidt-von Rhein und Dr. Karsten Eichner

    7632 Genossenschaften allein in Deutschland und noch viele mehr in aller Welt, die heute noch jeden Tag Erstaunliches schaffen. Den Namen Friedrich Wilhelm Raiffeisen kennt wohl jeder.
    Hand aufs Herz – wie viel wissen Sie über den Gründer des genossenschaftlichen Gedankens?

    Karl Marx.

    Nein. Geboren wurde er als eins von neun Kindern. Da sein Vater nach einer Erkrankung verarmte, war seine Mutter weitestgehend auf sich allein gestellt, um die neun Kinder zu ernähren und zu erziehen.

    Da das Geld nicht für ein Studium reicht, geht er nach der Schule zur preußischen Armee. Ein Augenleiden verhindert aber die geplante Offizierskarriere. Raiffeisen bleibt jedoch im preußischen Staatdienst – als Dorfbürgermeister in seiner Westerwälder Heimat, die damals zu Preußen gehört. 1845 übernahm er als Bürgermeister den Amtsbezirk Weyerbusch.

    1846/47 war ein Hungerwinter: Missernten u.a. durch Kartoffelfäule hatten dazu geführt. Raiffeisen gründete als Bürgermeister von Weyerbusch im Westerwald in diesem Winter den ersten Brotverein.

    Durch das Sammeln von Geld bei den Wohlhabenderen einer Gemeinde konnte der Brotverein Mehl kaufen, von dem für die Hilfsbedürftigen Brot gebacken wurde. Durch den Einkauf größerer Mengen konnte er einen besseren Preis erzielen als Einzelkäufer. Der Verein verkaufte das Brot günstig an die Armen. Wer kein Geld hatte, erhielt einen Schuldschein und zahlte den Kredit dann in wirtschaftlich besseren Zeiten zurück – zu fairen Konditionen.

    Die Grundidee: Menschen sollten keine Almosen bekommen, sondern aus eigener Kraft für schwere Zeiten vorsorgen können. Die Basis dafür bildet die Gemeinschaft.

    „Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele.“
    Raiffeisens Motto der ganz praktischen „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist heute populärer denn je. Rund 22,6 Millionen Bundesbürger sind heute Mitglied einer Genossenschaft, Tendenz steigend.

    Es ist die solidarische Grundidee, die Raiffeisen mehrfach weiterentwickelt. 1864 lässt er – inzwischen seit 1852 Bürgermeister von Heddesdorf – einen Wohltätigkeitsverein in den „Heddesdorfer Darlehenskassen-Verein“ umgründen.
    Die Vereinsumformung von Wohltätigkeits- auf Selbsthilfeeinrichtung ging wieder zurück auf Raiffeisens Überzeugung, dass sich die Armen nur durch Selbsthilfe aus der Not befreien können.
    Menschen mit wenigem oder unregelmäßigem Einkommen galten bei großen Banken als nicht kreditwürdig. An der Darlehenskasse aber konnten sich Arme wie Reiche beteiligen. Auch die Kreditnehmer müssen hier nun zwingend Mitglied sein und damit in Solidarhaftung langfristig zum Wohl des Ganzen beitragen

    Dies war die erste ländliche Kreditgenossenschaft Deutschlands: Der „Urtyp der Raiffeisen’schen Darlehenskassen-Vereine“. Bald schon entstanden in ganz Deutschland viele Vereine nach demselben Prinzip. Sie gaben Kredite, beschafften Saatgut und Düngemittel und erweiterten ihre Arbeit bald auch auf den Absatz der landwirtschaftlichen Produkte. Die Genossenschaftsbewegung gewann zunehmend an Fahrt.

    Einen eigenen genossenschaftlichen Versicherer hat Raiffeisen nicht mehr selbst erlebt: Zwar wollte er ein solches Unternehmen ursprünglich auch gründen, erhielt aber von den preußischen Behörden seinerzeit keine Genehmigung. Die Genossenschaftsorganisation behalf sich zunächst damit, den Versicherungsschutz am Markt bei schon bestehenden Gesellschaften einzukaufen. Erst 1922 war die Zeit reif für die Gründung. Raiffeisen hätte es gewiss gefreut.

    Raiffeisen selbst hatte zu kämpfen: Sein Augenleiden, das schließlich zur fast völligen Erblindung führte, und körperliche Erschöpfung setzen ihm so sehr zu, dass er 1865 mit nur 47 Jahren frühpensioniert werden musste. Finanziell ein Desaster. Erst mit einer Weinhandlung schaffte er seiner Familie eine neue wirtschaftliche Grundlage.
    Durch seine frühe Pensionierung hatte Raiffeisen aber mehr Zeit, sich dem Aufbau des Genossenschaftswesens zu widmen. Seine Idee gewann schnell an Popularität.

    1.447 - darunter der Platz, an dem die Wiesbadener R+V-Direktion steht. Damit liegt der Genossenschaftsgründer fast gleichauf mit Mozart (1.449). Insgesamt gibt es rund eine Million Straßen und Plätze gibt es in Deutschland.
    Der häufigste Straßenname in Deutschland ist übrigens recht prosaisch: Hauptstraße (7.066 Mal)

    Ja. Seit November 2016 ist sie Immaterielles Weltkulturerbe.

    Weltweit sind mehr als eine Milliarde Menschen Mitglied einer Genossenschaft.

    Seine Initiale steht bei der R+V ganz vorn. Nämlich das „R“ für „Raiffeisen“. Zwar ist Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818-1888) nicht der Gründer unserer heutigen Versicherung. Aber er ist ihr geistiger Vater und Vordenker – und zugleich der Schöpfer des ländlichen Genossenschaftswesens in Deutschland.

    Film zur Historie: eine Idee wird geboren
    Noch mehr Filme rund um die genossenschaftliche Idee
    Kalenderblatt
    Der Genossenschaftsfilm