12Aug2026 Berufserfahrene

    Ehrlich statt perfekt: Was unseren Recruiterinnen im Erstgespräch mit Talenten wirklich wichtig ist

    Zwei Recruiterinnen, die täglich im direkten Austausch mit Vertriebstalenten stehen, geben Einblick in ihre Praxis und verraten ihre besten Tipps, wie im Erstgespräch gepunktet werden kann. Allegra und Angela arbeiten beide im Recruiting bei der R+V Versicherung mit dem Schwerpunkt, Professionals für den Vertrieb zu gewinnen. Ihre Kernaufgabe besteht darin, passende Talente am Markt zu finden und proaktiv den Erstkontakt herzustellen.
    Sie sagen offen, wie ein Erstgespräch abläuft, was sie von KI in Bewerbungsunterlagen halten, wie sie mit Lebenslauf-Lücken umgehen und welcher Moment sie zuletzt daran erinnert hat, warum sie diesen Job lieben.

    Angela Marushkina (links) und Allegra Weißleder
    Menschlich, nah und auf Augenhöhe

    Das Erstgespräch ist bewusst kein Fachinterview, sondern ein reines Kennenlernformat und dauert meist nicht länger als 30 Minuten. „Ziel ist es, auf beiden Seiten herauszufinden, ob die Chemie stimmt“, erklärt Allegra. Dazu gehören Transparenz schaffen, das Beantworten der Fragen der Kandidaten und ein Blick auf den bisherigen Lebenslauf. So merken beide, ob die gemeinsame Reise hier beginnen kann.

    Lebenslaufunterbrechungen aktiv ansprechen

    Umstrukturierungen, befristete Verträge, Lücken im Lebenslauf – für viele ein Klopfen im Bauch vor dem Gespräch. „Am besten ist es, wenn Kandidatinnen und Kandidaten solche Themen selbst im Gespräch ansprechen”, so Angela. "Wer es nicht anspricht, wird gefragt."

    KI in der Bewerbung

    Beide nutzen KI selbst im Recruiting und finden sie im Bewerbungsprozess völlig legitim, solange die Fakten stimmen. Durchfallen tun generische Floskeln wie „Ich bin kommunikationsstark” ohne ein konkretes Beispiel zu nennen, austauschbare Anschreiben ohne Bezug zur Stelle und übertriebene Angaben, die im Gespräch nicht standhalten. „Spätestens im persönlichen Gespräch merkst du, wenn etwas nicht der Realität entspricht”, so Allegra.

    Verlässlichkeit zeigt sich früh

    Reaktionszeit auf E-Mails, eine persönliche Rückmeldung, Pünktlichkeit zum Call oder Termin. Alles Signale, die positiv bewertet werden. Die gute Nachricht: Diese Verbindlichkeit hat sich laut beiden in den letzten anderthalb Jahren spürbar verbessert.

    Zum Abschluss: Wann habt ihr zuletzt gemerkt, dass euer Job wirklich etwas bewegt?

    „Es ist die Rückmeldung und der Dank von Kandidaten oder heutigen Mitarbeitenden", sagt Allegra. Sie erinnert sich an ein besonders eindrückliches Beispiel: ein gelernter Friseur, der als Quereinsteiger den Sprung in eine Spezialisten-Funktion im Gewerbekundenbereich geschafft hat und dort heute sehr erfolgreich ist. Von der „Achterbahn der Gefühle“, spricht Angela, wenn sich die Führungskraft für das gelungene Placement persönlich bedankt, aber auch Kandidaten abgesagt wird, für die man sich so sehr eine Zusage gewünscht hätte.  

    Fazit: Ehrlichkeit, Vorbereitung und ein bisschen Geduld bringen im Bewerbungsprozess weiter als jede perfekte Fassade. Vielen Dank an Allegra Weißleder und Angela Marushkina für die offenen Einblicke in ihren Recruiting-Alltag.

     

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    von ESTHER VALLAZZA