Die Ängste der Bundesländer im Vergleich

In der Corona-Pandemie rücken wirtschaftliche Themen in den Vordergrund: Allein in fünf Bundesländern führt die Sorge vor steigenden Lebenshaltungskosten das Ranking an. In drei weiteren Bundesländern steht die Angst vor höheren Steuern und geringeren Leistungen wegen der Corona-Schulden auf Platz eins. Bitte beachten: Im Vergleich der Bundesländer kann aufgrund der zum Teil abweichenden oder geringeren Fallzahlen eine gewisse Unschärfe auftreten. Wie in den Vorjahren wurden einige Bundesländer zusammengefasst, so dass sich insgesamt 13 Einzelbetrachtungen ergeben.

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Bitte beachten: Im Vergleich der Bundesländer kann aufgrund der zum Teil geringen Fallzahlen eine gewisse Unschärfe/Fehlertoleranz auftreten.

Große Unterschiede zwischen den Bundesländern

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Die gelassensten Menschen leben wieder in Nordrhein-Westfalen. Auch in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen ist die Stimmung relativ entspannt. Die größten Sorgen machen sich die Menschen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg.

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Baden-Württemberg (Platz 5)

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  • Die Stimmung in Baden-Württemberg hat sich im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert (plus zwei Prozentpunkte). Das Land belegt damit in diesem Jahr Platz fünf (2020: Platz sechs).
  • Am meisten sorgen sich die Menschen vor steigenden Lebenshaltungskosten (64 Prozent). Diese Angst lag auch im Vorjahr unter den Top drei. Jetzt ist sie noch einmal um sechs Prozentpunkte gestiegen.
  • Rang zwei nimmt die Angst vor Steuererhöhungen und Leistungskürzungen wegen Corona ein (62 Prozent). Eine Wirtschaftsflaute befürchten im Südwesten 58 Prozent der Befragten – das ist der höchste Wert im Vergleich der Bundesländer.
  • Noch eine weitere Angst ist hier größer als in allen anderen Bundesländern: Die überwiegende Mehrheit der Baden-Württemberger befürchtet, dass Deutschland dauerhaft bei der Digitalisierung hinterherhinkt (57 Prozent; Platz sechs).

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Bayern (Platz 10)

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  • Die Menschen im Süden sind so optimistisch wie im Vorjahr. Sie liegen im Vergleich der Bundesländer auf Platz zehn (2020: Platz elf).
  • Oben auf der Angstskala rangieren in Bayern wirtschaftliche Themen. Auf Platz eins liegt die Sorge, dass die EU-Schuldenkrise den Steuerzahler teuer zu stehen kommen könnte (53 Prozent, plus sieben Prozentpunkte). Platz zwei belegt die Angst vor Steuererhöhungen und Leistungskürzungen wegen Corona (49 Prozent).
  • Schadstoffe in Nahrungsmitteln ängstigen 42 Prozent der Bayern – Platz drei. So weit oben auf der Angstskala liegt dieses Thema nur noch in Schleswig-Holstein und Hamburg.
  • Am stärksten zugenommen hat die Angst vor Überforderung der Politiker (38 Prozent, plus acht Prozentpunkte). Allerdings liegt sie im Vergleich mit den anderen Bundesländern auf einem niedrigen Niveau (Bundesdurchschnitt: 41 Prozent).

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Berlin (Platz 8)

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  • Entspannung in der Hauptstadt: Das Angstniveau ist deutlich gesunken (minus fünf Prozentpunkte). Kein anderes Bundesland hat einen so großen Sprung gemacht (2020: Platz vier, 2021: Platz acht).
  • Am meisten Angst haben die Berliner vor den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie. 57 Prozent der Hauptstädter befürchten, dass der Staat Steuern erhöht oder Leistungen kürzt, um die Corona-Schulden abzubauen.
  • Zwei Themen, die 2020 gar nicht unter den Top Ten vertreten waren, belegen jetzt Rang zwei und drei der Berliner Angstskala: steigende Lebenshaltungskosten (54 Prozent) und die Sorge, im Alter ein Pflegefall zu werden (53 Prozent).
  • In der Bundeshauptstadt befürchten 45 Prozent der Befragten, dass die Politiker von ihren Aufgaben überfordert sind – das liegt über dem Bundesdurchschnitt von 41 Prozent.
  • Besonders stark zurückgegangen ist die Angst vor Terroranschlägen (minus 18 Prozentpunkte, Rang zehn). Im vergangenen Jahr lag diese Angst noch weit oben auf Rang vier.

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Brandenburg (Platz 2)

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  • Obwohl die Menschen in Brandenburg etwas positiver in die Zukunft blicken, gehören sie im Vergleich der Bundesländer zu den Ängstlichsten (minus vier Prozentpunkte, Platz zwei).
  • Die sechs größten Sorgen auf der Brandenburger Angstskala sind höher als in allen anderen Bundesländern. An der Spitze: Jeweils 71 Prozent der Befragten fürchten sich vor steigenden Lebenshaltungskosten und Steuerhöhungen oder Leistungskürzungen wegen Corona. Auf Rang drei liegt die Befürchtung, dass der Staat durch die große Zahl der Geflüchteten überfordert sein könnte (66 Prozent).
  • Das Thema Klimawandel spielt in Brandenburg eine besondere Rolle: Diese Angst ist am stärksten gestiegen (plus fünf Prozentpunkte). In keinem anderen Bundesland ist diese Sorge so groß (66 Prozent; Bundesdurchschnitt: 40 Prozent). Zudem ist sie in keinem anderen Bundesland so weit vorne platziert (Rang vier; bundesweit: Rang elf).

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Hessen (Platz 4)

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  • Getrübte Stimmung in Hessen: Das Angstniveau ist um drei Prozentpunkte gestiegen. Damit hat das Land zwei Plätze eingebüßt und liegt auf Platz vier.

  • Die Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten ist von Rang drei im vergangenen Jahr (2020: 61 Prozent) in diesem Jahr auf Rang eins geklettert (70 Prozent). Damit liegt diese Sorge deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 50 Prozent.

  • Platz zwei: Zwei Drittel der Hessen (65 Prozent) befürchten, dass der Staat Steuern erhöht und Leistungen kürzt, um die Corona-Schulden abzubauen. Im Bundesdurchschnitt ist die Angst mit 53 Prozent deutlich geringer.

  • Auf Rang drei folgt die Furcht, im Alter ein Pflegefall zu werden (60 Prozent). Diese Sorge ist um 14 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr gestiegen (2020: Rang zehn).

  • Deutlich präsenter ist ein weiteres persönliches Thema: die Angst vor einer schweren Erkrankung oder Corona-Infektion (49 Prozent, plus 16 Prozentpunkte).

  • Die Angst vor einer Wirtschaftsflaute ist in Hessen hingegen am deutlichsten zurückgegangen (minus 15 Prozentpunkte). Im vergangenen Jahr führte sie die Angstskala an (2020: 67 Prozent). Jetzt liegt sie auf Rang sechs (52 Prozent).

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Mecklenburg-Vorpommern (Platz 11)

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  • Die Menschen im Nordosten sind weiterhin positiv gestimmt: Das Angstniveau ist um einen Prozentpunkt gesunken. Noch besser ist die Stimmung nur in Nordrhein-Westfalen.
  • Bemerkenswert: Die beiden größten Sorgen des vergangenen Jahres führen auch 2021 das Ranking in Mecklenburg-Vorpommern an. 56 Prozent der Bürger hier befürchten Spannungen durch Zuzug von Ausländern (plus sieben Prozentpunkte; Bundesdurchschnitt: 42 Prozent).
  • Auf Rang zwei liegt die Angst vor Überforderung der Politiker (48 Prozent). Rang drei nehmen steigende Lebenshaltungskosten ein – mit einem deutlich niedrigeren Wert als deutschlandweit (40 Prozent; Bundesdurchschnitt: 50 Prozent).
  • Dass die Steuerzahler für die Kosten der EU-Schuldenkrise zur Kasse gebeten werden, bereitet den Menschen in Mecklenburg-Vorpommern so wenig Sorgen wie in keinem anderen Bundesland (34 Prozent; Bundesdurchschnitt: 50 Prozent).

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Niedersachsen und Bremen (Platz 6)

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  • In Niedersachsen und Bremen sind die Ängste im Bundesländervergleich mit am stärksten gesunken – um sieben Prozentpunkte (2021: Platz sechs; 2020: Platz drei).
  • Ganz vorne liegen hier – wie deutschlandweit – wirtschaftliche Sorgen: steigende Lebenshaltungskosten (57 Prozent), höhere Steuern und weniger Leistungen wegen Corona (54 Prozent) sowie eine schlechtere Wirtschaftslage (53 Prozent).
  • Die Angst vor Naturkatastrophen und Wetterextremen ist am deutlichsten gesunken (minus 19 Prozentpunkte) und fällt damit von Platz eins im Vorjahr jetzt auf Platz sieben.
  • Deutlich geringer als im Vorjahr ist die Angst vor steigenden Arbeitslosenzahlen in Deutschland (47 Prozent, minus 14 Prozentpunkte).

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Nordrhein-Westfalen (Platz 13)

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  • Die optimistischsten Deutschen leben – wie im Vorjahr – in Nordrhein-Westfalen. Die Stimmung hat sich sogar noch leicht verbessert (minus einen Prozentpunkt).
  • Am größten ist die Angst vor Steuererhöhungen und Leistungskürzungen wegen Corona (46 Prozent).
  • Auf Platz zwei folgt die Furcht vor politischem Extremismus (43 Prozent). Dieses Thema hat deutlich an Bedeutung gewonnen (plus 16 Prozentpunkte) – 2020 war es gar nicht in den Top Ten vertreten. Und: So weit oben auf der Angstskala steht diese Angst in keinem anderen Bundesland.
  • Neu unter den zehn größten Ängsten ist auch die Furcht vor Schadstoffen in Nahrungsmitteln (31 Prozent, Platz sechs).
  • Viele Ängste sind in Nordrhein-Westfalen so gering wie in keinem anderen Bundesland. So teilen hier zum Beispiel die Sorge vor steigenden Lebenshaltungskosten nur 37 Prozent der Menschen (bundesweit: 50 Prozent).

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Rheinland-Pfalz und Saarland (Platz 9)

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  • Die Stimmung in Rheinland-Pfalz und dem Saarland hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum verändert (minus einen Prozentpunkt). So ist auch die Platzierung gleich geblieben (Platz neun).
  • Am deutlichsten gestiegen ist die Angst vor einer möglichen Drogensucht der eigenen Kinder (Platz eins). Nur in Thüringen ist diese Angst ebenfalls unter den Top Ten.
  • In keinem anderen Bundesland rangiert die Sorge vor einem Hinterherhinken bei der Digitalisierung so weit oben auf der Angstskala wie in Rheinland-Pfalz und dem Saarland: Rang fünf (40 Prozent).
  • Bei einem Thema sind die Menschen im Südwesten deutlich entspannter als anderswo: Höhere Steuern und Leistungskürzungen wegen Corona befürchtet nur jeder dritte Befragte (36 Prozent; Bundesdurchschnitt: 53 Prozent).

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Sachsen (Platz 11)

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  • In Sachsen blicken die Menschen noch einmal entspannter in die Zukunft als im vergangenen Jahr (2021: minus fünf Prozentpunkte, Platz elf; 2020: Platz neun).

  • Die Kosten durch die EU-Schuldenkrise bereiten ihnen dabei die größten Sorgen (48 Prozent). Auf Platz zwei und drei folgen die Angst vor Spannungen durch den Zuzug von Ausländern (47 Prozent) und vor Steuererhöhungen und Leistungskürzungen durch Corona (46 Prozent).

  • Zwei politische Themen haben deutlich an Bedeutung verloren: die Angst vor Überforderung der Politiker (minus neun Prozentpunkte) und vor einer Überforderung des Staats durch Geflüchtete (minus acht Prozentpunkte).

  • Einmalig im Ländervergleich: Die Werte der Top-Ten-Ängste liegen alle unter dem Bundesdurchschnitt.

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Sachsen-Anhalt (Platz 1)

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  • In Sachsen-Anhalt macht sich Pessimismus breit: Die Stimmung hat sich so sehr verschlechtert wie in keinem anderen Bundesland (plus sieben Prozentpunkte) – damit liegt es auf Platz eins im Ranking (2020: Platz vier).
  • Im Bundestrend: Die größte Angst der Menschen in Sachsen-Anhalt ist, dass wegen Corona Steuern erhöht und Leistungen gekürzt werden (67 Prozent).
  • Den Politikern trauen die Menschen in Sachsen-Anhalt weniger zu als in allen anderen Bundesländern: Zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) befürchten, dass die Volksvertreter von ihren Aufgaben überfordert sind.
  • Auch vor Spannungen durch den weiteren Zuzug von Ausländern (60 Prozent), vor politischem Extremismus (56 Prozent) und vor sinkendem Lebensstandard im Alter (53 Prozent) fürchten sich die Menschen in Sachsen-Anhalt mehr als die Befragten in anderen Bundesländern.
  • Bemerkenswert: In Sachsen-Anhalt liegen die Werte aller Top-Ten-Ängste über dem Bundesdurchschnitt.

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Schleswig-Holstein und Hamburg (Platz 7)

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  • Die Menschen in Schleswig-Holstein und Hamburg sind wieder etwas pessimistischer als 2020. Das Angstniveau ist um vier Prozentpunkte gestiegen (2021: Platz sieben; 2020: Platz acht).
  • Während in fast allen Bundesländern wirtschaftliche Themen die größten Ängste auslösen, steht in Schleswig-Holstein und Hamburg das Thema Pflegebedürftigkeit ganz oben (57 Prozent; Bundesdurchschnitt: 43 Prozent). Diese Sorge ist im Vergleich zum Vorjahr zudem deutlich gestiegen (plus 14 Prozentpunkte).
  • Die Angst vor Schadstoffen in Nahrungsmitteln liegt mit 51 Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt (43 Prozent) und auf Platz drei im norddeutschen Ranking.
  • Nur die Menschen in Sachsen-Anhalt (53 Prozent) und Hessen (50 Prozent) fürchten sich noch mehr vor einem sinkenden Lebensstandard im Alter als die Menschen in Schleswig-Holstein und Hamburg (49 Prozent; Bundesdurchschnitt: 35 Prozent).

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Thüringen (Platz 3)

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  • Das Angstniveau in Thüringen ist deutlich gesunken (minus sieben Prozentpunkte). Damit liegt Thüringen nach zwei Jahren in Folge auf Platz eins jetzt auf Platz drei. 
  • Ganz oben in Thüringen: die Sorge vor steigenden Lebenshaltungskosten (67 Prozent).
  • Auf Platz zwei steht die Angst vor Pflegebedürftigkeit im Alter. Mit 61 Prozent ist diese Sorge größer als in allen anderen Bundesländern.
  • Die Angst, dass Geflüchtete Deutsche und Behörden überfordern könnten, ist besonders deutlich zurückgegangen (minus 17 Prozentpunkte, 48 Prozent). 2020 belegte sie noch Platz eins der thüringischen Angstskala (2021: Platz neun).

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