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Handwerkerbörsen: Billig ist nicht alles

In Wohnung oder Haus ist eine Reparaturarbeit zu erledigen. Der örtliche Handwerker bekommt den Job, bald darauf flattert eine gesalzene Rechnung ins Haus.
Es geht auch günstiger: Per Ausschreibung der Arbeit in Online-Handwerkerbörsen. Was zu beachten ist.

Was sind Handwerkerbörsen und wie viel kann man sparen?

Abbildung: Rennender Handwerker
In größerem Stil kam die Idee der Handwerkerbörsen im Internet Mitte der neunziger Jahre auf. Zu Beginn schrieb der Auftraggeber einen Job aus, interessierte Handwerker gaben ihr Gebot ab, und der günstigste bekam per Rückwärtsauktion den Zuschlag. Heute ist für den Auftrag nicht mehr nur der Preis ausschlaggebend. Es entscheidet allein der Kunde - nach den individuellen Kriterien, die für ihn wichtig sind. Dies können neben dem Preis beispielsweise auch die Bewertung des Handwerkers durch frühere Auftraggeber oder dessen Nachweis von Professionalität durch Zertifikate sein.
Gespart werden kann per Ausschreibung in Handwerkerbörsen viel. Ein Test von "Computer-Bild" ergab kürzlich je nach Auftragsart Einsparpotenziale von 25 bis mehr als 50 Prozent. Zu den großen Handwerkerbörsen in Deutschland zählen My-Hammer, Blauarbeit, Jobdoo und Quotatis.

Wer sollte die Börsen für welche Aufträge nutzen?

Grundsätzlich kann jeder Bürger jeden legalen Job in den Börsen ausschreiben. Übereinstimmend raten Experten jedoch dazu, nur überschaubare und daher auch für Laien präzise zu beschreibende Arbeiten auszuschreiben. Der Grund: Der Handwerker erstellt sein Angebot auf Basis der Ausschreibung. Stellt sich bei der Arbeit heraus, dass der Job in Wirklichkeit umfangreicher ist - hat der Auftraggeber beispielsweise die zu streichende Wandfläche falsch berechnet oder liegt die Menge der Umzugskisten deutlich über dem angegebenen Wert - kann der Auftragnehmer Nachforderungen stellen.

Bei komplexen Aufträgen wie zum Beispiel, ein Dach neu zu decken, kann der Laie anders als bei den vorigen Beispielen die zu verrichtenden Arbeiten kaum realistisch angeben. Ein präzises Angebot ist ohne vorherige Baubesichtigung kaum möglich. Experten raten deshalb solche Arbeiten auch nicht im Internet auszuschreiben, sondern lokale Firmen zu einem Besichtigungstermin einzuladen, sich Angebote machen zu lassen und dann zu entscheiden.

Worauf ist bei der Wahl des Handwerkers zu achten?

Wie in anderen Lebenssituationen, so gilt auch hier: Was zu schön ist, um wahr zu sein, das ist es meist auch nicht. Daher sollten Auftraggeber von extrem niedrigen Geboten die Finger lassen. Verbraucherschützer warnen zunehmend vor Betrügern auf Handwerksbörsen. Und selbst wenn man keinem Betrüger auf den Leim zu gehen droht, so ist ein deutlich unter den anderen Geboten liegender Preis oft ein Hinweis auf Schwarzarbeit.

Orientieren können sich Auftraggeber unter anderem an Zertifikaten und ähnlichen Qualifizierungsnachweisen. Diese sind im Profil des Anbieters hinterlegt. Auch ein Meister- oder Gesellenbrief kann ein Indiz für die Seriosität und Qualität des Anbieters sein, ebenso, wenn ein Betrieb bei einer Handwerkskammer eingetragen ist.

Immer wichtiger werden für Internetnutzer auch die Bewertungen des Dienstleisters durch frühere Auftraggeber. Finger weg, heißt es, wenn es mehr als nur ein oder zwei negative Bewertungen gibt. Allerdings ist die Aussagekraft positiver Bewertungen im Handwerksbereich deutlich weniger aussagekräftig als etwa bei eBay, denn der Laie kann oft nur Pünktlichkeit und Freundlichkeit des Handwerkers, nicht aber fachmännisch die Qualität der Arbeit bewerten.

Wie sieht es mit Gewährleistungsansprüchen aus?

Egal, ob dem Handwerker der Auftrag per Internet, in dessen Geschäftsräumen oder zuhause erteilt wird, es entsteht gleichermaßen ein Vertrag, der dem Auftraggeber Garantie- und Gewährleistungsansprüche gibt. Hier besteht für den Auftraggeber also keine Gefahr. Wer aber Schwarzarbeiter beschäftigt, macht sich strafbar und kann schwerlich Gewährleistungsansprüche durchsetzen.

Kritik seitens Handwerkskammern und Fazit

Die Handwerkskammern beobachten die Handwerker-Auktionen im Internet skeptisch. Viele Laien können den Wert der Arbeit nicht richtig beurteilen und lassen sich vom billigsten Angebot blenden. Doch der billigste Anbieter ist nicht unbedingt der Beste. "Eine Handwerkerleistung ist keine industrielle Leistung und lässt sich nicht verkaufen, wie ein Päckchen Gummibärchen", warnt Alexander Konrad, Pressesprecher der Handwerkskammer Düsseldorf. Oft sei die Lage vor Ort anders, als im Internet beschrieben. "Keine seriöse Firma kann eine realistische Preiskalkulation abgeben, ohne die Anforderung vor Ort begutachtet zu haben", so Konrad. "Und dann geht der Ärger los."

Handwerkerbörsen können also durchaus Vorteile bringen, vor allem beim Preis. Verbraucher sollten aber Vorsicht walten lassen und sich die Angebote und Profile der potenziellen Auftragnehmer genau und in Ruhe ansehen. Sonst droht trotz billiger Angebote ein teurer Reinfall.


Eva Blumenfeld, Dezember 2011

Links:

Hier können Sie direkt auf die großen Handwerkerbörsen zugreifen.
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