Ihr Ansprech-partner vor Ort
Finden Sie Berater in Ihrer Nähe:
R+V-Ratgeber Gesundheit (Quelle: Thinkstock)

Gesundheit

Gesundheitstipps

Risiken rezeptfreier Medikamente

Die Selbstmedikation ist ein wichtiger Bestandteil des deutschen Gesundheitssystems. Bei geringen Beschwerden wird häufig kein Arzt aufgesucht.
Abbildung: Frauenmund mit Pillenkapsel zwischen den Zähnen
Nach einer Studie des Instituts für Demoskopie in Allensbach aus dem Herbst 2010 besorgten sich zwei von drei befragten Personen rezeptfreie Medikamente in Apotheken. Dabei werden oft die Risiken und Nebenwirkungen solcher Arzneimittel unterschätzt und können zur Gefahr für die Gesundheit werden. Besonderes Augenmerk sollte der Verbraucher auf die Dosierung und Behandlungsdauer der Selbstmedikation legen. "Jedes rezeptfreie Medikament, das über einen längeren Zeitraum eingenommen wird, ist potenziell gefährlich", sagt die Leiterin der Patientenberatung der Hamburger Ärztekammer, Anne Hammer.

Risiko: Rezeptfreie Schmerzmittel

Ganz oben auf der Liste der häufig verwendeten rezeptfreien Medikamente stehen die Schmerzmittel. Paracetamol ist hier auf Platz 1. In über 50 Prozent der Fälle zahlten Patienten das Medikament laut der Studie aus eigener Tasche. Doch "selbst so gängige und gern verwendete Mittel wie Paracetamol können bei einer Überdosierung schwere Leberschäden verursachen", wird die Vizepräsidentin der Bundesärztekammer, Cornelia Goesmann, in der Studie zitiert. Auch der Magen-Darm-Trakt und die Nieren sind gefährdet. Paradox erscheint, dass bei vielen Schmerzmitteln, wie etwa Aspirin, als mögliche Nebenwirkung Kopfschmerzen angegeben werden. Diese treten bei zu hoch dosierter oder zu häufiger Anwendung auf.

An viele Präparate gewöhnt sich der Körper darüber hinaus relativ schnell und der gewünschte Effekt bleibt irgendwann aus. Dies gilt nicht nur für Schmerzmittel. Außerdem kann regelmäßige Anwendung eine Abhängigkeit zur Folge haben. "Schmerzmittel, aber auch Wirkstoffe einiger Erkältungsmittel, können abhängig machen", weiß Expertin Hammer. Wer sich selbst mit Schmerzmitteln behandelt, geht immer ein hohes Risiko ein, da er nur die Symptome eines Leidens unterdrückt, diesem aber nicht auf den Grund geht.

Die Selbstmedikation kann aber nie den Gang zum Arzt völlig ersetzen. "In der Regel sollten nur Symptome, über die man bereits mit einem Arzt besprochen hat und die bekannt sind, in Eigenregie behandelt werden", sagt Hammer. Wiederkehrende Kopfschmerzen, wegen derer man bereits in Behandlung ist und die nicht zu häufig auftreten, können zum Beispiel selbstständig behandelt werden. Treten jedoch ungewöhnliche Symptome oder überdurchschnittlich starke Schmerzen auf, sollte man mit einem Arzt sprechen.

Risiko: Rezeptfreie Erkältungsmedizin

Laut der Studie aus Allensbach sind neben Schmerzmitteln auch Erkältungspräparate sehr gefragt. Demnach versorgt sich jeder Dritte ohne ärztliche Empfehlung bei einer Erkältung auf eigene Rechnung mit Medikamenten. Erkältungen beziehungsweise grippale Infekte bringen jedoch ein großes Risiko mit sich. Ein verschleppter Infekt kann schnell zu einer gefährlichen Lungen- oder Hirnhautentzündung werden. "Dauert die Erkältung zu lange oder ist das Fieber hoch, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen", sagt Hammer.

Das Verschleppungsrisiko wird durch die Selbstmedikation verstärkt. "Erkältungsmedikamente verschaffen oft Linderung, tragen jedoch selten zum Heilungsprozess bei und sind oft sogar hinderlich, etwa weil sie das Fieber, eine natürliche Abwehr des Körpers, senken." Auch Hustenmedikamente lindern oft nur den Hustenreiz, helfen aber nicht die Ursache des Hustens zu bekämpfen. Der Virus oder Infekt kann so länger unentdeckt im Körper bleiben, da der Erkrankte das Gefühl hat, es ginge ihm besser. Tatsächlich werden dabei allerdings nur die Symptome unterdrückt.

Ein weiterer Gefahrenpunkt bei Erkältungsmedizin sind Medikamente mit mehreren Wirkstoffen, die alle gleichzeitig wirken. Diese erschweren die zielgerichtete Behandlung oder Linderung eines einzelnen Symptoms. Außerdem sind sie unberechenbar. "Gerade bei Mischmedikamenten mit verschiedenen Wirkstoffen sind die Nebenwirkungen schwer einzuschätzen", sagt Hammer.

Risiko: Rezeptfreie Nasensprays

Ein gesonderter Fall ist das Nasenspray. Dieses wird von vielen zu häufig und über einen zu langen Zeitraum verwendet. Die darin enthaltenen Wirkstoffe wie Xylometazolin, Oxymetazolin, Tramazolin oder Naphazolin verengen die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut und sorgen so für ein freieres Atmen. Benutzt man das Nasenspray jedoch länger als eine Woche, wird dieser Effekt umgekehrt. Die Schleimhäute schwellen noch stärker an und die Nase scheint dauerhaft verstopft. Zur Bekämpfung setzen viele Patienten dann noch mehr Nasenspray ein und verschlimmern den Effekt langfristig, eine Abhängigkeit droht.

Risiko: Rezeptfreie Schlafmittel

Der Studie zufolge ist auch der Konsum rezeptfrei erhältlicher Schlafmittel gestiegen. Diese sollten in jedem Fall nur kurzfristig eingenommen werden, da die enthaltenen Wirkstoffe Diphenhydramin, Dimenhydrinat oder Doxylamin den Schlafrhythmus verändern und den Schlaf weniger erholsam machen. Sobald Schlafprobleme länger als maximal einen Monat andauern, mindestens dreimal in der Woche auftreten oder sich störend auf den persönlichen Alltag auswirken, ist die Hinzuziehung eines Fachmanns dringend erforderlich.

Fazit

Die Selbstmedikation kann ein helfender Bestandteil des Gesundheitssystems sein und in einigen Fällen Zeit sparen. Oft verschaffen die freien Präparate jedoch nur Linderung und bekämpfen die Symptome, nicht deren Ursache. Der Gang zum Arzt kann nie vollständig ersetzt werden. Und wenn man sich in Eigenregie behandelt, sollte dies nie völlig ohne professionelle Unterstützung geschehen. "Die Beratung von Arzt oder Apotheker kann nie schaden und ist in den meisten Fällen ratsam", sagt Hammer. Vom Medikamentenkauf in Onlineapotheken ohne die vorherige Konsultation eines Fachmannes ist daher abzuraten.

Weiterführende Links zum Thema Risiken rezeptfreier Medikamente:

D. Konrad, Juni 2011
zum Seitenanfang