Viele freuen sich auf das neue Haus oder die neue Wohnung. Wir sagen Ihnen, was Sie als Allergiker dabei beachten sollten.
Gute Lüftung ist wichtig
Ob Neubau oder neue Wohnung, ob renoviertes Zimmer, ob schlicht neuer Bodenbelag oder der sprichwörtliche Tapetenwechsel. Als Allergiker und Allergiegefährdete sollten Sie einige Dinge beachten, wenn es ans Einrichten und Bauen geht. So empfiehlt
Dr. Jörg Kleine-Tebbe vom Allergie- und Asthma-Zentrum Westend in Berlin, grundsätzlich auf gute Ablüftung nach Renovierungs- oder Neubauarbeiten zu achten. Vor allem bei Asthmatikern können laut Kleine-Tebbe ausgasende Lösungsmittel oder Chemikaliendämpfe die Schleimhaut irritieren.
Anhaltender Durchzug
Durchzug für lange Zeit und über mehrere Tage oder gar Wochen hinweg sei probates Mittel, um die ausgasenden Dämpfe loszuwerden. "Es ist wichtig, dass Gebäude und Zimmer bei Neubau und Renovierung bis zum Einzug gut gelüftet sind, um eine Belastung zu vermeiden." Deshalb sollte eine ausreichend lange Frist eingeplant werden.
Achtung auf Schimmel
Schimmelpilze in der Wohnung können durch die Versporung der Raumluft ebenfalls Allergien auslösen oder Allergikern das Leben schwer machen. Auch hier kommt es nach Ansicht der Experten auf gutes und häufiges Lüften an, besonders wenn das Haus sehr gut gedämmt und die Fenster sehr dicht sind. "Ein guter Tipp ist die eigene Nase", sagt der Experte. Wenn es irgendwo feucht muffle oder komisch rieche, sei das oft ein Indikator für schlechte Raumluft und möglichen Schimmel, auch wenn dieser unsichtbar hinter Schränken oder Fußleisten auftrete.
Für das Baby nicht renovieren
Eltern von Neugeborenen empfiehlt der Mediziner, besser auf das frisch gestrichene Zimmer und den neu verklebten Teppichboden zu verzichten. Auch sei es oft vernünftiger, die alten Möbel der Großeltern zu benutzen, da diese ihre schädlichen oder reizenden Dämpfe über die Jahre hinweg abgegeben hätten. Mit neuen Möbeln, frisch gestrichener Tapete und einem neuen Teppichboden setzten viel zu viele Eltern ihre Kinder ungewollt besonders hohen Schadstoffkonzentrationen aus.
Glatte, wischbare Böden sind besser als Teppich
Vor allem für Allergiker mit Hausstauballergie sind nach Ansicht von Experten glatte, wischbare Böden besser als Teppich. Dabei komme neben Parkett oder Linoleum auch Laminat in Frage. Wichtig sei es, das so genannte Klick-Laminat zu benutzen, so müsse kein schädlicher Kleber verwendet werden.
Lack muss ausdünsten
Grundsätzlich ist für die Experten synthetischer Lack als Möbelfarbe kein Problem - wenn er genug ausgehärtet ist und somit keine Dämpfe mehr an die Umluft abgibt. Sind diese Lacke nicht genug ausgehärtet, könne es nicht nur zu Inhalationsreaktionen sondern auch zu oft schweren Kontaktallergien kommen. Deshalb gilt auch hier: Genug Zeit zum Auslüften einplanen.
Natürliche Baustoffe kritisch betrachten
Bei vielen als gesund geltenden natürlichen Baustoffen müsse immer daran gedacht werden, dass solche Substanzen im Einzelfall zu Schwierigkeiten führen könnten. Werde beispielsweise bei der Dämmung für Holzhäuser Schafwolle verwendet, könne das spätestens bei einem Parasitenbefall wie Läusen problematisch werden. Denn alles was Parasiten oder Insekten beherberge oder fördere, könne zu einer Belastung führen. Hier lösten von der Natur produzierte Proteine oft eine Sofortallergie aus. Deshalb empfiehlt Kleine-Tebbe einen "kritischen Umgang mit natürlichen Baustoffen."
Bettwäsche und Sitzmöbel
Für Bettwäsche und Bettbezüge empfiehlt der Experte bei gefährdeten Personen Decken und Kissen sowie spezielle Matratzen für Allergiker einzusetzen. Bei Polstermöbeln solle man sich am besten für Ledermöbel entscheiden. In die glatte Oberfläche könnten keine Hausstaubmilben eindringen. Auch Wildseide als Bettbezug sei zu meiden, da sie Allergien auslösen könne.
Haustiere und Pflanzen
Für Allergiker gilt: Keine Haustiere mit Fell. Aber auch Fische können hier gefährlich sein, könnten doch bestimmte Fischfutterbestandteile Allergien auslösen. Und vor allem die häufig in Büroräumen stehende Pflanze Ficus Benjamini sollen Allergiker meiden.
Raumpflege
Generell gilt, so rät der Experte, tagsüber zu lüften. "In der Nacht sollten die Fenster geschlossen bleiben, tagsüber ist die Pollenbelastung meist geringer", sagt Kleine-Tebbe. Staubsauger-Filter sollten häufig gewechselt und bei Klimaanlagen die Wartungen eingehalten werden. Von Luftbefeuchtern dagegen rät er ab. "Das sind eher Keimschleudern. Und wer eine Hausstauballergie hat, braucht es trocken und kühl."
J. Ollenik, E.Blumenfeld, aktualisiert Dezember 2011
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