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R+V-Ratgeber Beruf + Karriere (Quelle: Thinkstock)

Beruf + Karriere

Studium

Serie: Studieren - aber wo?
Die alternativen Studiengänge

Die Gründe, sich für eine private Ausbildung zu entscheiden, können vielschichtig sein: Manche Anbieter locken mit deutlich kürzeren Studienzeiten, andere bieten besondere Spezialisierungen oder Ausbildungsmöglichkeiten, die an öffentlichen Universitäten wegen hoher Zugangsbarrieren (Numerus Clausus oder Leistungstests) nur wenigen Studenten offen stehen. Gerade in den beliebten Ausbildungsgängen Medien, Design oder im musischen Bereich ist das Angebot vielfältig. Hochschulexperte Thomas Wittwer vom Hochschulteam der Bundesagentur für Arbeit in Stuttgart rät Interessenten, sich im Vorfeld der Entscheidung zu fragen, warum ein Ausbildungsgang überhaupt privat angeboten wird. Problematisch ist es Wittwer zufolge immer dann, wenn das Angebot von staatlicher Seite reglementiert ist. Als Beispiel führt er das Fach Architektur an. In diesem Bereich ist das Angebot staatlicher Ausbildungsmöglichkeiten stark begrenzt, weil der Arbeitsmarkt einfach nicht so viele Architekten aufnehmen kann, wie es Absolventen dafür geben würde.

Blick auf den Arbeitsmarkt

Ausschlaggebend bei einer Entscheidung für einen Ausbildungsgang sollte Experte Wittwer zufolge daher immer der Blick auf den Arbeitsmarkt sein. Dabei sollte man sich gründlich informieren, in wie fern das Arbeitsplatzangebot in der gewählten Branche konjunkturellen Schwankungen unterliegt. Sollte das Angebot schon seit längerer Zeit eher gering sein, ist es wichtig herauszufinden, ob es sich nicht wie beim Beispiel Architektur um eine strukturelle Krise handelt. So finden beispielsweise die rund 100 jährlichen Absolventen des an vier Universitäten staatlich angebotenen Spezialstudiengangs Touristik in Kombination mit Betriebswirtschaftslehre trotz ihrer erwiesenen Qualifikation nur schwer einen Arbeitsplatz in der Branche.

Abschluss wichtig

Um für den Arbeitsmarkt attraktiv zu sein, ist Wittwer zufolge eine staatliche Anerkennung des erzielten Abschluss wichtig. Auf der Internetseite der Bundesagentur für Arbeit lassen sich in der KURSnet-Datenbank alle Informationen über staatlich anerkannte Abschlüsse abrufen. Dort bietet die Behörde auch ausführliche Checklisten für die berufliche Weiterbildung bei privaten Ausbildungsgängen an. Ausnahmen bilden Experte Wittwer zufolge in diesem Zusammenhang private Ausbildungsgänge, die eine Marktlücke der staatlichen Bildungsträger schließen. Diese Konstellation kann allerdings auch problematisch sein. Wittwer erinnert im Zusammenhang mit dem Boom der so genannten New Economy am Ende des vergangenen Jahrtausends und die hierbei sprunghaft gestiegene Nachfrage nach EDV-Spezialisten. Damals hätten viele private Anbieter Menschen in dieser Fachrichtung auch ohne staatlich anerkannten Abschluss ausgebildet. Für viele Absolventen erwies sich die Sonderkonjunktur später als Bumerang. Nach dem Platzen der überzogenen Erwartungen an die neuen Technologien ist der Arbeitsmarkt für die privat Ausgebildeten zuerst weggebrochen.

Die Kosten

Für die Beteiligten kann eine derartige Fehleinschätzung der wirtschaftlichen Situation zu einer teuren Angelegenheit werden. Denn private Ausbildungsangebote sind meist mit erheblichen Kosten verbunden. Für Hochschulexperte Wittwer liegt die vertretbare Bandbreite zwischen 200 und 500 Euro im Monat. Alles was darüber liegt, muss vom Anbieter mit besonderen Leistungen in der Ausbildung gut begründet werden.

Informationsangebote nutzen

Die Qualität privater Studiengänge, die nicht zu einem staatlich anerkannten Abschluss führen, sind für Außenstehende besonders schwer einzuschätzen. Wittwer empfiehlt Interessenten daher, sich im Vorfeld Informationen von Experten einzuholen. Der Verein Aktion Bildungsinformation (ABI) untersucht verstärkt nichtstaatliche Bildungsträger. Die Qualitätsmessung erfolgt unter Berücksichtigung mehrerer Parameter, unter anderem auch dem Feedback ehemaliger Beteiligter. ABI gibt Hinweise und Ratschläge in Bildungs- und Vertragsfragen und erteilt Auskunft über die Seriosität der Anbieter. Gegen einen Unkostenbeitrag erstellt ABI Interessenten ein bis zu fünfseitiges individuelles Leistungsschreiben mit Vorschlägen und weiterführenden Informationen. Die Bearbeitungszeit beträgt maximal zwei Wochen. Auf Anfrage verschickt die Organisation Kostenvoranschläge für ihre Arbeit.

Selbst tätig werden

Hochschulexperte Wittwer rät Interessenten deshalb, sich - wann immer möglich - auch persönlich ein Bild vom Anbieter zu machen. Dabei sollten Arbeitsräume und Arbeitsmaterialen in Augenschein genommen werden. Auch ein Gespräch mit den Dozenten ist anzuraten. Aufschlussreich sei besonders, sich bei den ehemaligen Absolventen über Umfang, Qualität und auch Praxisbezug der Ausbildung zu informieren. Zudem können diese aus eigener Erfahrung Aussagen treffen, wie die Chancen auf dem Arbeitsmarkt aussehen. Seriöse Anbieter sollten diese Kontaktmöglichkeit bereits von sich aus anbieten. Misstrauen ist dagegen bei den Anbietern angesagt, die einen Kontakt zu Absolventen generell ablehnen. Der Verweis auf Datenschutzbestimmungen ist laut Wittwer in diesem Zusammenhang nur ein schwaches Argument.

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J. Ollenik, aktualisiert Januar 2007
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