Ihr Ansprech-partner vor Ort
Finden Sie Berater in Ihrer Nähe:
R+V-Ratgeber Beruf + Karriere (Quelle: Thinkstock)

Beruf + Karriere

Studium

Serie: Studieren - aber wo?
Vom Studium zur Wissenschaftskarriere

Abbildung: Doktorhut
Die berufliche Laufbahn in der Wissenschaft sollte rechtzeitig geplant werden. Denn eine Stelle zu finden, ist nicht leicht. Große Konkurrenz auf der einen Seite und knappe Haushaltsmittel auf der anderen Seite sind die größten Hürden auf dem Weg in eine wissenschaftliche Karriere. Die Diskussion um die Notwendigkeit von Studiengebühren hat den herrschenden Spardruck an den Universitäten verdeutlicht. Neue Lehrstühle und damit zusätzliche Arbeitsplätze für interessierte Studienabgänger werden nur selten eingerichtet.

Die Zahl derjenigen, die im wissenschaftlichen Betrieb verbleiben, ist vom Fach abhängig, sagt Kerstin Koch, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur in Darmstadt. Nur ein kleiner Teil der Absolventen erhält allerdings die Möglichkeit zur Promotion und späteren Habilitation. Koch verweist jedoch auf eine Alternative zur klassischen Laufbahn bis zur Lehrtätigkeit: An immer mehr Hochschulen werden so genannte Junior-Professuren angeboten. Zwar sind diese meist zeitlich befristet, bieten aber relativ jungen Menschen die Möglichkeit, am wissenschaftlichen Lehrbetrieb teilzunehmen. Ziel dieser Initiativen ist es, jungen und innovativen Menschen ein Forum für ihre wissenschaftliche Arbeit zu geben. Seit der Einführung der Juniorprofessur sind ca. 1.000 Stellen ausgeschrieben worden.

Rankings nur bedingt aussagekräftig

Die Auswahl der passenden Hochschule ist allerdings schwierig. Ein einheitliches Ranking für Hochschulen - wie beispielsweise in den USA - ist in Deutschland nicht vorhanden. Zwar gibt es eine Reihe von Rankings, beispielsweise von Nachrichtenmagazinen wie dem "Spiegel" oder dem "Focus", doch diese unterscheiden sich teilweise erheblich in ihrer Aussagekraft. Der "Spiegel" befragte für seine letzte Erhebung 1.600 Professoren und über 12.000 Studenten. Ergänzt wurde das Ergebnis durch Daten des Statistischen Bundesamts. Das Magazin "Focus" stützt sich bei seinem Hochschul-Führer neben statistischen Daten auf die Einschätzung der Lehrkräfte. Nach den Aussagen von über 3.000 Professoren wurde die fachliche Reputation der einzelnen Hochschulen ermittelt. Mehr als 1.000 Dekane stellen in dem Führer ihren Fachbereich vor. Der "Stern" erstellt sein Ranking gemeinsam mit dem Centrum für Hochschulentwicklung. Als Datenbasis für das "Hochschulranking 2004" wurden die Fragebögen von rund 800 Dekanen, etwa 5.000 Professoren und über 50.000 Studenten ausgewertet.

Eine einheitliche Bewertung dieser Rankings ist auf Grund der Unterschiede in der Methodik und den speziellen Anforderungen und Arbeitsbedingungen in den einzelnen Fachbereichen nicht zu treffen. Berufsberaterin Koch rät bei der Verwendung dieser Rankings immer genau hinzuschauen und durchaus mehrere zu Rat zu ziehen.

Folgende Fragen sollten dabei beachtet werden:
  • Wer wurde befragt?
  • Wie ist das Ranking zustande gekommen?
  • Ist die Umfrage repräsentativ?
  • Welche Parameter wurden abgefragt?
  • Wie wurden die Aussagen gewichtet?

Ortswechsel für die Karriere

Ob ein Wechsel an eine besser gerankte oder eine andere Universität für die Wissenschaftskarriere sinnvoll ist, hängt den Experten zufolge vom Einzelfall ab. Ein Wechsel des Studienorts öffne auf jeden Fall den Blick für Neues, sagt Expertin Koch. Man kann seine Kenntnisse vertiefen oder etwas über die Grenzen des eigenen Fachs hinaus tun. Ein Auslandsaufenthalt ist in jedem Fall sinnvoll.

Manche Studenten schauen sich deshalb gerne verschiedene Wissenschaftsschulen an, bevor sie sich für eine Spezialisierung entscheiden. So macht es beispielsweise für Wirtschaftswissenschaftler Sinn, für ein paar Semester an einer der berühmten Business-Schools in den USA zu studieren.

Ortswechsel beeinflusst Studiendauer

Ein Studium an nur einem Standort zu absolvieren, wirkt sich dagegen positiv auf die Studiendauer aus, weiß Koch aus ihrer beruflichen Erfahrung. Bei einem Ortswechsel ergeben sich oft Reibungsverluste, da jedes Bundesland eigene Konzepte für die inhaltliche Gestaltung der Studiengänge entwickelt. So kann es passieren, dass der Ortswechsler Leistungsnachweise nachholen muss oder umgekehrt Leistungsnachweise seiner alten Universität nutzlos sind. Zudem sollte man nicht unterschätzen, dass Umzug, Wohnungssuche und schließlich das Einleben in einer Stadt Zeit und Geld kosten.

An Alternativen denken

Bei aller Euphorie für eine Karriere in der Wissenschaft, sollten sich Studierende aber auch Gedanken zu möglichen Alternativen machen. Gute Leistungen und hohes Engagement sind noch lange keine Garantie für einen langfristigen Arbeitsplatz an einer Universität. Als Alternativen nennt Kerstin Koch universitätsnahe Forschungseinrichtungen wie das Fraunhofer-Institut oder die Entwicklungsabteilungen der Industrie. Auch dort werde meist rein wissenschaftlich gearbeitet.

Links

J. Ollenik, aktualisiert September 2008
zum Seitenanfang