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R+V-Ratgeber Beruf + Karriere (Quelle: Thinkstock)

Beruf + Karriere

Studium

Serie: Studieren - aber wo?
Praxis zählt

Das Studium an einer Universität oder Hochschule gibt dem Absolventen eine fundierte Ausbildung mit auf den Weg. Mehrere Jahre hat er sich mit seinem Studienfach auseinander gesetzt: Klausuren wurden geschrieben, Hausarbeiten angefertigt und Referate gehalten. Der Abschluss beweist: Das Wissen sitzt. Die Theorie alleine reicht jedoch selten aus, um den angestrebten Arbeitsplatz zu erhalten und dort zu bestehen. Denn in den Stellenanzeigen vieler Unternehmen sind meist erste praktische Erfahrungen in der Branche oder dem Aufgabengebiet als Grundvoraussetzung für eine Bewerbung genannt. Praktische Erfahrungen sind laut dem Hochschulexperten Thomas Vielhauer, Leiter des Hochschulteams der größten regionalen Arbeitsagentur Hamburg, ein wichtiges Einstellungskriterium bei vielen Unternehmen. Je umfangreicher diese nachweisbar erworbenen Kenntnisse sind, desto größer sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Mit Praxiserfahrungen kann sich der Absolvent aus der Bewerbermasse hervorheben.

Praxis ist studienfachabhängig

Wirtschaftsverbände und Unternehmen kritisieren regelmäßig die Praxisferne der Universitäten in Deutschland. Zwar sind in einigen Studiengängen wie Medizin, Jura oder Maschinenbau Pflichtpraktika vorgeschrieben, doch in den meisten Fächern beschränkt sich die Ausbildung auf das Vermitteln des theoretischen Wissens. Besonders bei den naturwissenschaftlichen Studiengängen wie Biologie, Physik oder Mathematik ist der Praxisbezug auf Grund des verschulten Lehrplans nur schwach ausgeprägt. Anders sieht es bei den Studiengängen der Fachhochschulen aus. Diese setzen beispielsweise mit Praxissemestern traditionell auf eine praxisorientiertere Ausbildung. Nach Angaben vieler Unternehmen sind Fachhochschul-Absolventen gerade wegen des hohen Praxisbezugs ihrer Ausbildung sehr gefragt.

Duales Studium

Die konsequenteste Praxisorientierung hat ein Duales Studium. Es verbindet eine Berufsausbildung in einem Unternehmen mit einem akademischen Studium. Im wirtschaftswissenschaftlichen Bereich wird beispielsweise eine kaufmännische Ausbildung mit einem BWL-Studium verknüpft. Dabei wechseln sich theoretische Lernphasen mit praktischen Ausbildungszeiten ab. Betriebliche Ausbildung und Studieninhalte sind eng aufeinander abgestimmt. Zudem erhält der Teilnehmer in seiner Ausbildungszeit eine Vergütung vom Unternehmen. Allerdings sind bei diesem Ausbildungsweg die Aufnahmekriterien in der Regel sehr streng und die Ausbildung im Vergleich zu den "klassischen" Wegen mit hohem Arbeitsaufwand verbunden.

Eigeninitiative gefragt

Diejenigen, die nicht von ihrer Studienordnung zu Praktika verpflichtet werden, müssen sich selbst um diese wichtige Zusatzqualifikationen kümmern. "Beim Sammeln von praktischen Erfahrungen ist Eigeninitiative gefragt", sagt auch Experte Vielhauer. Er rät Studenten, spätestens im Hauptstudium damit zu beginnen. Dies kann entweder über Praktika in den Semesterferien oder einen Studentenjob in einem Unternehmen erfolgen.

Kooperation zwischen Unis und Unternehmen

Studenten sollten bei der Auswahl ihrer Universität daher auch diesen Aspekt im Hinterkopf haben. Viele Hochschulen und Fachbereiche haben feste Kooperationen mit Unternehmen geschlossen. Über diese Verbindung wird ausgewählten Studenten die Möglichkeit gegeben, in einem mit dem Studium abgestimmten Praktikum Kenntnisse zu erwerben. Auch viele nichtstaatliche Studentenorganisationen bieten die Vermittlung von Praktikumsplätzen an und leisten umfangreiche Hilfestellungen in dieser Frage. Abiturienten können sich bei den Studentenberatungen der Universitäten über die Vermittlungsaktivitäten und bestehende Kooperationen informieren. Dem Experten Thomas Vielhauer zufolge spielt auch die Wahl des Studienorts unter dem Praxis-Aspekt eine große Rolle. So ist in einer Großstadt die Auswahl an Unternehmen und damit an potenziellen Praktikumsplätzen viel größer als in einer Kleinstadt. Umfangreiche Informationen bieten zum Beispiel entsprechende Datenbanken im Internet. Ansprechpartner sind auch die regionalen Hochschul-Teams der Bundesagentur für Arbeit, die mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Diplomarbeit im Unternehmen

Zum Abschluss des Studiums bietet sich Studenten mit von Unternehmen unterstützten Diplomarbeiten eine attraktive Möglichkeit, Theorie und Praxis zu verbinden. Viele Firmen bieten Diplomandenstellen an, bei denen sich der Student oft direkt im Unternehmen mit speziellen Fragestellungen auseinandersetzt. Eine Vergütung von mehreren Hundert Euro im Monat ist dabei nicht selten. Diplomanden bietet sich auch gleich die Möglichkeit, ihre Fertigkeiten beim potenziellen Arbeitgeber unter Beweis zu stellen und bei erfolgreichem Abschluss direkt in ein Arbeitsverhältnis übernommen zu werden. Informationen zum Bewerbungsverfahren und Themen finden sich in der Regel auf den Webseiten der Unternehmen.

Folgende Seiten bieten weitere Informationen sowie Angebote für Praktika.
J. Ollenik, aktualisiert Januar 2007
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