Primär sollte die Wahl des Studienorts der Entscheidung für ein Fach folgen. Doch auch wenn die Fachrichtung eingegrenzt wurde, ist die Auswahl der Städte meistens noch groß. Der Leiter des Hochschulteams an der größten regionalen Bundesagentur für Arbeit in Hamburg, Thomas Vielhauer, rät deshalb Schulabgängern, auch diese Frage gut zu überlegen. "Das Studium lebt zu einem guten Teil auch vom atmosphärischen Umfeld", weiß der Experte aus Erfahrung. Bei der Wahl sollten die Bewerber möglichst flexibel bleiben und sich nicht unbedingt auf eine bestimmte Stadt oder Universität versteifen. Denn bei einer Bewerbung gibt es keine Garantie, den Studienplatz auch zu erhalten.
Präferenz hilft bei der Einschränkung
Eine generelle Entscheidung zwischen den Altnernativen Großstadt und Kleinstadt hilft allerdings, die Auswahl deutlich einzuschränken. Die Wahl ist laut Vielhauer dabei stark von der individuellen Persönlichkeit des Einzelnen abhängig. Was der eine bei seinen Studienbedingungen als Vorteil sieht, kann für einen anderen eine immense Belastung sein. Generell lassen sich so auch spezifische Merkmale für Universitäten an Groß- und Kleinstädten ausmachen.
Große Uni - umfangreiche Fächerwahl
Universitäten in großen Städten haben in der Regel ein größeres Fächerangebot und damit auch an möglichen Nebenfächern. Jeder Student kann und sollte Vielhauer zufolge auch seinen Neigungen und Interessen folgen, die formal außerhalb seiner offiziellen Fächerkombination liegen. Auf informeller Basis darf man in der Regel jede Veranstaltung an einer Universität besuchen, wenn man vorher höflich fragt. In Absprache mit den Professoren kann man auch als "Gast" Leistungsscheine erwerben, die Zusatzqualifikation dokumentieren. So kann man später möglicherweise sogar noch das Studienfach wechseln.
Job- und Praktikaauswahl größer
Spätestens im Hauptstudium empfiehlt Experte Vielhauer den Studenten, neben der Universität auch Praxiserfahrung für den späteren Beruf zu sammeln. Dies kann entweder über Praktika oder einen Studentenjob bei einem potentiellen Arbeitgeber erfolgen. Je größer eine Stadt ist, desto größer ist auch die Bandbreite der angesiedelten Unternehmen. Ein Praktikumsplatz in der favorisierten Branche zu finden, wird dadurch erheblich leichter. Zudem fallen finanziell und organisatorisch belastende Begleitumstände, wie das Suchen nach einem Zimmer für die Zeit des Praktikums, weg. Wer nicht ausreichend von seinen Eltern oder den staatlichen Bafög-Zahlungen unterstützt wird, ist ohnehin auf einen Job neben dem Studium angewiesen, um finanziell über die Runden zu kommen. In einer großen Stadt ist der Bedarf an studentischen Aushilfskräften in den verschiedensten Branchen deutlich größer als in einer Kleinstadt.
Kulturelle Vielfalt
Neben den wirtschaftlichen Auswahlmöglichkeiten besitzen Großstädte zudem auch eine größere kulturelle Vielfalt. Experte Vielhauer zufolge muss dieser Umstand aber nicht für jeden Studenten ein Vorteil sein. Das Großstadtleben kann auch erheblich vom Studium ablenken. Wer labil für Außeneinflüsse ist, sollte daher lieber eine Kleinstadt als Studienort in Erwägung ziehen. Abhängig vom Typ kann eine Metropole mit ihrer Vielfalt und oft auch Unübersichtlichkeit bei bestimmten Menschen auch genau das Gegenteil bewirken. "Eine Großstadt kann auch Angst machen", weiß Studienberater Vielhauer aus Erfahrung.
Persönlichere Infrastruktur in kleineren Städten
In kleineren Städten sind auch die ansässigen Hochschulen in der Regel kleiner und die Anzahl der Studierenden geringer. Daraus resultiert eine deutlich persönlichere Infrastruktur für den einzelnen Studenten. "Das Leben ist übersichtlicher", beschreibt Experte Vielhauer ein wesentliches Merkmal einer kleineren Studentenstadt. Vor allem die sozialen Kontakte sind nicht wie in einer Massenuniversität eher flüchtig, sondern intensiver. Insgesamt fühle man sich in einer kleineren Universität behüteter, sagt Vielhauer weiter. Das liege auch an der deutlich besseren Betreuung des einzelnen Studenten durch Ansprechpartner in der Uni. Seminare sind häufig nicht so überfüllt und auch die Ausstattung der Bibliotheken ist gemessen an der Zahl der Studenten oft umfangreicher. Zudem liegen die Lebenshaltungskosten in kleineren Städten wegen des geringeren Mietniveaus in der Regel unter denen einer Großstadt.
Beides kennen lernen
Ein Wechsel des Studienorts ermöglicht es den angehenden Akademikern beide Varianten des Studentenlebens kennen zu lernen. Experte Vielhauer mahnt bei einem Ortswechsel aber an, analog zur Entscheidung für den ersten Studienort die Wahl primär von den fachlichen Kompetenzen der Uni getrieben werden sollte. In beiden Abfolgen, von Kleinstadt zu Großstadt
bzw. anders herum, kann man Vielhauer zufolge dabei kräftig dazulernen. Wie bereits bei der ersten Entscheidung hängt dieser Schritt sehr stark von den individuellen Präferenzen des Einzelnen ab.
Gründlich informieren
In jedem Fall rät Vielhauer Studenten, sich im Vorfeld gründlich über alle möglichen Alternativen zu informieren. Über das Internet kann man sich auf den Homepages der einzelnen Studienstädte und Universitäten teilweise sehr detailliert über die in Frage kommende Stadt oder Hochschule schlau machen. Vielhauer empfiehlt daher, sich schon zu Schulzeiten vor Ort ausführlich über Stadt und Hochschule zu informieren. "Von sechs Wochen Sommerferien sollte man ruhig eine Woche Zeit für die künftige Stadt investieren", sagt Vielhauer. Die Uni sollte sich der Interessent unbedingt im laufenden Betrieb anschauen und auch mit dortigen Studenten sprechen oder einmal als gast eine Vorlesung mitzumachen. Die von fast allen Universitäten veranstalteten Infoveranstaltungen, auch als "Uni-Tage" bekannt, geben selten einen repräsentativen Eindruck. "Besser ist es, einfach mal in den Uni-Alltag rein zu schnuppern", rät der Experte.
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Weitere Teile der Serie: Studieren - aber wo?
J. Ollenik, aktualisiert Januar 2010
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