Stress kann richtig wehtun. Denn die Daueranspannung kann verschiedene Schmerzen auslösen: von Kopfüber Magen- bis hin zu Rückenschmerzen. Treten stressbedingte Schmerzen häufig oder permanent auf, ist man meist schon seit längerer Zeit überlastet. Denn zwischen Schmerz, Psyche und Verhalten bestehen enge Zusammenhänge.
Individuelles Schmerzempfinden
Jeder Mensch empfindet Schmerzen anders. Ein Schmerz, der dem einen unerträglich erscheint, wird von einem anderen als kaum beeinträchtigend empfunden. Zudem kann die Intensität des Schmerzes sogar von der jeweiligen Situation abhängen: Wenn wir uns in einer netten Gesellschaft den Ellenbogen am Tisch stoßen, schmerzt das weniger, als wenn uns das Gleiche in einem einsamen, trübsinnigen Moment passiert. Schmerz ist also nicht objektivierbar. Fest steht jedoch: Wer Schmerzen hat, leidet.
Tückischer Schmerzkreislauf
Bei chronischen Schmerzen, die unter anderem stressbedingt entstehen können, kommt ein Kreislauf in Gang, der nur schwer zu durchbrechen ist: Die natürliche Reaktion auf Schmerz ist, Bewegungen oder Handlungen zu vermeiden, die den Schmerz auslösen. Dieses Vermeidungsverhalten weitet sich nach und nach auf viele Aktivitäten aus, bis der Betroffene in seinem Alltag erheblich eingeschränkt ist. Die Folge ist ein Gefühl des Kontrollverlusts, der Hilflosigkeit und der Angst bis hin zu Depressionen.
Problematisch ist bei diesem Prozess die erhöhte Wachsamkeit gegenüber möglichen Schmerzauslösern. Durch sie empfindet man Schmerzen intensiver. Dr. Regine Klinger ist Leiterin der Psychotherapeutischen Hochschulambulanz für Verhaltenstherapie, Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Universität Hamburg. Sie beschreibt den Schmerzkreislauf wie folgt: "Wenn Sie erwarten, dass es wehtun wird, werden Sie die Schmerzen stärker empfinden. Und: Je öfter Sie einen Schmerz erwarten und dann auch empfinden, umso empfindsamer werden Sie. Nach dem bisherigen Stand der Hirnforschung kann man sagen, dass sich dieser Verstärkungskreis im Gehirn einbrennt und eine Gedächtnisspur bildet." Es gilt also, den Schmerzkreislauf so rasch wie möglich zu unterbrechen.
Den Schmerz entmachten
"Der Umgang mit Schmerzen trägt wesentlich dazu bei, wie wir Schmerzen empfinden. Wenn wir unser Verhalten ändern, ändert sich auch der Schmerz", weiß Dr. Regine Klinger. Aus den Forschungsergebnissen der Schmerzexpertin lassen sich folgende Ratschläge ableiten:
- Suchen Sie sich einen Arzt, dem Sie vertrauen - am besten gleich am Anfang eines Schmerzleidens. Tipps zur Arztwahl finden Sie in unserem Ratgeber "Klare Sache: Tipps für den Umgang mit Arzt und Krankenversicherung". Bei vielen Menschen helfen auch alternative Schmerztherapien wie zum Beispiel Akupunktur.
- Planen Sie die Behandlung gemeinsam mit dem Arzt. Haben Sie zwar Vertrauen, aber lassen Sie nicht passiv alles mit sich geschehen. So vermeiden Sie das Gefühl des Kontrollverlustes.
- Schonen Sie sich nicht permanent, sondern bewegen Sie sich so oft wie
möglich.
- Um Ihr Selbstwertgefühl zu bewahren, sollten Sie nicht alle Aufgaben abgeben.
- Lassen Sie sich nicht von Aktivitäten abhalten, auf die Sie sich freuen. Schöne Momente können den Schmerz sogar vergessen lassen.
Moderne Therapieansätze
Die moderne Schmerztherapie kombiniert eine ärztliche Behandlung beispielsweise mit Physiotherapie und schließt auch eine psychologische Betreuung ein. Letztere bietet sich auch in Hinblick auf den Stressabbau an. Die Kombinationstherapie erzielt große Erfolge. Wer lernt, mit Schmerzen anders umzugehen, hat gute Chancen, sie zu besiegen, erklärt Dr. Regine Klinger: "Glücklicherweise kann man von einer Veränderbarkeit der Synapsen im Gehirn ausgehen. Das heißt, durch Lernprozesse lässt sich eine neue Prägung, eine neue Gedächtnisspur bilden."
Anlaufstelle für Schmerz-Geplagte
KLARE SACHE: Krank durch Stress? - Prävention, Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten
Zum Thema
"So bleiben Sie gesund" haben wir weitere aktuelle Beiträge für Sie zusammengestellt.
Den zweiten Teil unserer Serie haben wir für Sie auch noch einmal in einem Dokument zusammengestellt, das Sie sich hier ganz einfach herunterladen können.
zum Seitenanfang